Amon Amarth auf der Berserker World Tour 2019 am 04.12.2019 im Berliner Velodrom

Das Velodrom wird von den Wikingern im Sturm erobert

Event: Berserker World Tour 2019

Headliner: Amon Amarth

Vorbands: Hypocrisy, Arch Enemy

Datum: 04.12.2019

Genre: Melodic Death Metal, Death Metal

Besucher: 5500

Ort: Velodrom, Berlin

Kosten: 49,95 € VVK, 52,00 € AK

Links: https://www.amonamarth.com/
http://www.hypocrisy.cc/
http://www.archenemy.net/en/
https://www.velodrom.de/ufo/

Setlisten:

Hypocrisy:

  1. Fractured Millennium
  2. Adjusting The Sun
  3. Fire In The Sky
  4. War-Path
  5. Eraser
  6. The Final Chapter
  7. Roswell47

Arch Enemy:

  1. The World Is Yours
  2. War Eternal
  3. My Apocalypse
  4. Ravenous
  5. Under Black Flags We March
  6. The Eagle Flies Alone
  7. First Days In Hell
  8. As The Pages Burn
  9. No Gods, No Masters
  10. Dead Bury Their Dead
  11. Nemesis

Amon Amarth:

  1. Raven’s Flight
  2. Runes To My Memory
  3. Death In Fire
  4. Deceiver Of The Gods
  5. First Kill
  6. Fafner’s gold
  7. Crack The Sky
  8. The Way Of Vikings
  9. Prediction Of Warfare
  10. Shield Wall
  11. Guardians Of Asgard
  12. Raise Your Horns

Zugabe:

  1. The Pursuit Of Vikings
  2. Twilight Of The Thunder God

Berlin, Berlin, du bist so wunderbar, vor allem, wenn der Besuch in der Bundeshauptstadt mit einem tollen Konzert zusammenhängt. Im Rahmen der Berserker World Tour 2019 sind Amon Amarth ins Berliner Velodrom angereist. Im Vorprogramm dürfen Hypocrisy und Arch Enemy das nicht ausverkaufte Oval anheizen. Nach dem Einchecken im Hotel (wir kommen schließlich aus Kiel), dem überwundenen Feueralarm, inklusive Feuerwehr- und Polizeieinsatz, wird erst noch der Speisenaufnahme gefrönt. Dann aber zur Halle, bei der mal wieder nicht so ganz klar ist, wo die Pressevertreter den Einlass haben. Aber da wir zeitig da sind, finden wir nach einigem Hin und Her den richtigen Zugang und bekommen unsere Zugangsberechtigungen. Zunächst ist es in der Halle noch sehr überschaubar und so kommen wir bis nach vorne an die Absperrung. Tja, und dann heißt es warten. Dabei lernen wir eine Berliner Truppe kennen, die direkt neben uns steht und gut drauf ist. Um 18:30 Uhr geht es mit Hypocrisy los. Das „tolle“ blaue/rote/grüne Licht passt gut zu den Songs aber nicht zu meiner Kamera. Peter Tägtgren singt sich eindrucksvoll durch Songs wie Fractured Millennium, Adjusting The Sun und War-Path. Dabei wird er unterstützt vom, für den ausgefallenem Michael Hedlung eingesprungenen, Bassisten André Skaug, dem Gitarristen Thomas Elofsson und natürlich von Drummer Reidar „Horgh“ Horghagen. Man kann von den Platten halten, was man will, aber live räumen sie hier ab. Das konnten wir dieses Jahr bereits beim ROCKHARZ feststellen. Auch dem Gerücht, dass das Tägtgrensche Gitarrenspiel vom Band kommt, kann hier nicht Glauben geschenkt werden. So ist die erste Band des noch jungen Abends schon mal ein guter Beginn und erfüllt ihre Aufgabe mit Bravour. Nach gut sieben Songs und etwa 35 Minuten Spielzeit ist leider schon Schluss.

Als nächste Truppe kommt jetzt Arch Enemy. Alissa White-Gluz, mal wieder ein Wirbelwind, growlt fast jeden männlichen Kollegen in Grund und Boden. The World Is Yours eröffnet das Set und zeigt die Band in toller Spiellaune. Jeff Loomis und Michael Amott liefern zum Gesang die Riffs und werden durch die Rhythmusgruppe, bestehend aus Bassist Sharlee D’Angelo und Drummer Daniel Erlandsson, kräftig unterstützt. Die inzwischen gut gefüllte Halle feiert die fünf auch dementsprechend ordentlich ab. Die Schweden, mit kandischer Sängerin, sind bemerkenswert gut aufeinander eingestellt und so weiß ein jeder, wo er sich im Song zu befinden hat. Es gibt es auf der Bühne keine Momente, wo sich die Musiker ungewollt im Wege stehen und selbst Alissas Sprünge vom Drumpodest fallen passend auf den richtigen Hit der Drums. Eigentlich ist ständig Bewegung auf der Bühne. So rennt die Frontfrau Rampen empor oder ist kreuz und quer auf der Bühne unterwegs, während sich ihre Jungs ebenfalls alles andere als statisch verhalten. Das treibt auch den Fotografen den Schweiß auf die Stirn, müssen die sich doch ebenfalls im Graben für die richtige Position immer neu positionieren. War Eternal, Under Black Flag We March, As The Pages Burn oder Nemesis sind einige der Songs, die hier in gut 60 Minuten abgeliefert werden. Dabei stehen die beiden Gitarristen nicht selten Rücken an Rücken, während bei den Soli der jeweilige Akteur vom Scheinwerfer richtig in Szene gesetzt wird. Von den Stimmproblemen in Ludwigsburg ist nichts mehr zu merken und so growlt sich Alissa ohne Mühe durch die Songs. Dabei setzt sie sich richtig in Pose und ihr enger Dress ist eine gelungene Mischung aus Batman meets Metal. Zum Schluss gibt’s noch kollektives Singen und Brüllen. Der Refrain One For All, All For One – We Are Strong We Are One schallt gekonnt durch die Halle. Für mich ein guter und gelungener Auftritt. Zum Ende darf sich noch jeder einzelne Musiker auf der Bühne feiern lassen.

Dann wird die Bühne mit einem Berserker Vorhang verhüllt, damit der Umbau und die Vorbereitungen für Amon Amarth verborgen bleiben. Da wir seitlich von der Bühne stehen, sehen wir aber bereits etwas früher die fünf Musiker, die sich gänzlich unterschiedlich auf ihren Auftritt vorbereiten. Johan Hegg ist wie ein hungriger Löwe und schleicht bereits unstetig auf der Bühne von links nach rechts. Johan Soderburg macht sich mit einigen Dehnübungen warm, während der zweite Gitarrist, Olavi Mikkonen, seine Finger geschmeidig öffnet und schließt. Drummer Jocke Wallgren erklimmt in der Zwischenzeit sein Drumpodest, das einem Wikingerhelm nachempfunden ist. Bassist Ted Lundström gesellt sich zu Johan auf die Bühne, scheint aber unbeeindruckt zu sein. Währenddessen klingt Run To The Hills von Iron Maiden durch den Saal und das nutzt das Publikum, um schon mal die gut geölten Stimmbänder für den Wikinger Metal zu erwärmen. Das klappt schon recht gut. Dann geht pünktlich um 21:00 Uhr das Hallenlicht aus, der Vorhang fällt und Flammen schießen gen Hallendecke. Ravens Flight ist der erste Song und ich möchte hier kein Rabe sein. Wo soll ich hinfliegen? An jeder Ecke knallt es – Rauch, Feuer und noch mehr Feuersäulen lassen die Bühne hell erstrahlen und das Objektiv an die Grenze des Leistbaren gelangen. Das bleibt auch bis zum dritten Song so, erst dann beruhigt sich das Flammenmeer und es kann mehr auf die Show geachtet werden. Die doch spartanisch aufgebaute Bühne wird vom Drum-Kit dominiert. Der helmartige Aufbau bietet im vorderen Bereich zwei ovale, dem Sichtfenster des Helmes nachempfundene „Augen“, die entweder stürmische See, Feuer oder sonstige zu den Tracks passende Sequenzen widerspiegeln. Johan Hegg hat seine Zuschauer voll im Griff und über die Qualität der einzelnen Songs muss auch nicht mehr viel gesagt werden. Es wird ein Potpourri an Klassikern gespielt, die kaum einen Wunsch offenlassen.

Ob nun Deceiver Of The Gods, Crack The Sky oder The Way Of Vikings, alles wird textsicher und lautstark mitgesungen. Das funktioniert einwandfrei und Johan muss das Berliner Publikum nicht wirklich animieren. Der Platz vor der Bühne ist gerammelt voll und so kommen die Zuschauer noch in den Genuss von in Flammen stehenden Runen, einem Schlagzeugpodest, das hoch zur Hallendecke fährt oder von sich im standesgemäßen Wikingeroutfit bekriegende Statisten, wie bei Shield Wall. Die Show weicht kaum von der ab, die bereits vor drei Jahren über die Bühnen ging aber es funktioniert auch einfach. Die Musik ist so gestrickt, dass sie wohl auch noch mit drei Promille problemlos beherrscht werden kann. Natürlich wird der Schulterschluss mit den Berlinern bei Rise Your Horns gesucht, als Johan Hegg sein am Gürtel hängendes riesiges Trinkhorn in einem Zug leert. Ob da nun Bier drin ist, lässt sich auf die Entfernung schlecht sagen, aber er erntet stürmischen Beifall und viele Nachahmer, die ihm aus den stylischen Amon Amarth Bechern zuprosten. Beeindruckend auch sein fast fehlerfreies Deutsch, mit dem der blonde Hüne mit dem Publikum kommuniziert. Nachdem Jörmungandr mit Thors Hammer standesgemäß erschlagen wurde, geht die Band von der Bühne, was zunächst als Bestandteil der Show angesehen wird. Kurz darauf geht es mit The Pursuit Of The Vikings und Twilight Of The Thunder God weiter. Nach diesen kaum als Zugabe zu erkennenden Songs ist Ende. Es wird sich minutenlang verabschiedet, wobei Herr Hegg sein Grinsen nicht ablegt. Diverse Plektren und zu Papierflugzeugen umgewandelte Setlisten verschwinden in der brodelnden Menge und sorgen für viele suchende Menschen. Trotz des anhaltenden lautstarken Beifalls kommen die Stockholmer aber nicht noch mal raus. So endet das Konzert abends um kurz vor 23.00 Uhr. Die Halle wird mit sanftem Druck der guten Security schnell geleert, damit sauber gemacht werden kann.

Fazit: Gutes Package, das eine Reise nach Berlin mehr als nur lohnenswert macht. Vielleicht haben Hypocrisy Geschmack an dem Auftritt gefunden und kommen öfters mal auf Tour, dann ggf. etwas länger. Gewohnt professionell Arch Enemy, die ja nun auch bereits seit 26 Jahren aktiv sind und auf zehn Alben zurückblicken können. Klar, der Headliner als der Abräumer schlechthin. Die fleischgewordenen Erben der Wikinger, Amon Amarth, haben hier bewiesen, dass sie würdige Vertreter des Genres sind und bei dieser Performance dürfte nicht mehr viel Zeit vergehen, bis die Schweden problemlos noch größere Hallen füllen können. Ganz großes Kino. Lohnenswertes Konzert.

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