Belzebong, Support Trail am 02.12.2025 im Ponyhof, Frankfurt a. M

Trail bringen die Reise in Gang, Belzebong führen sie zu ihrem Höhepunkt

Bands: Belzebong, Trail

Ort: Ponyhof Frankfurt, Klappergasse 16, 60594 Frankfurt am Main

Datum: 02.12.2025

Kosten: 20 Euro VVK, 26 AK

Genre: Doom Metal, Sludge, Psychedelic Space Rock

Veranstalter: Tortuga Booking

Link: https://www.facebook.com/events/ponyhof/belzebong-trail-frankfurt

Belzebong rufen zum Bong-Ritual – und Frankfurt folgt

Das Leben ist kein Ponyhof, allerdings hat Frankfurt a. M. einen solchen und dort geht es heute Abend hin, denn Belzebong erwarten uns dort im Höllenschlund. Mit etwas Verspätung erreiche ich das Parkhaus, mitten in Alt-Sachsenhausen gelegen, und habe nach nur wenigen Gehminuten schnell die Location erreicht.

Der Ponyhof atmet heute Abend den Charme eines unterirdischen Ritualkellers. Draußen ist Dezemberkälte (wobei diese in diesem Jahr ja noch nicht wirklich unterirdische Temperaturen erreicht hat), drinnen herrscht die Temperatur eines frisch entflammten Höllenschlundes. Der Club ist voll, der Nebel ist dichter als ein Kräutervorhang, und überall riecht es nach Doom, Vorfreude und ein bisschen … na ja, du weißt schon.

Der Support: Trail aus Darmstadt – die Psychedelic-Beschwörer

Bevor Belzebong die Bühne entflammen, sind die Darmstädter Trail dran und die sind schon mitten in ihrem Set, als ich den Ponyhof betrete. Trail befinden sich meines Erachtens mit ihrer Mucke zwischen kosmischer Einöde, warmem Wüstenwind und fluoreszierendem Hall. Ihr Set wirkt, als würde ein Wanderer durch eine überwältigend weite Traumlandschaft stapfen. Ein Beben aus der Ferne rollt heran, erst kaum hörbar, dann mit wuchtigen Basswellen, die wie Druckstöße über einen hinwegfegen und die Anwesenden unmittelbar an den Rand des eigenen Bewusstseins schieben. Die Musik packt einen nicht nur, sondern sie zieht dich hinein in neue, vibrierende Sphären.

Trail, Ponyhof Frankfurt 2025, Pic by Big Simonski

Der Fuzz ist dicker als das Bühnenlicht, die psychedelischen Schübe wechseln sich mit unerwarteten Ausbrüchen ab, die klingen wie elektrisch geladenes Geröll, das einen ganzen Gebirgszug zum Tanzen zwingt. Und mitten darin: diese rauen, leicht melancholischen Töne, die tiefer gehen als die Drums und sich unter die Haut graben. Wenn ich den raren Informationen zur Band trauen darf, dann haben sich Trail in den vergangenen Monaten aus dem Rampenlicht zurückgezogen, um ihre Klangwelt grundlegend neu zu erschaffen. Nun sind sie aber hier, um die Fans mit neuer und roher Energie zu erfreuen. Das Quartett auf der Bühne (er)füllt uns mit einem herrlichen Sound. Die Setlist besteht aus einigen Zahlenkombinationen. Ich hätte mich gerne im Anschluss noch mit der Band (unter anderem darüber) unterhalten und gerne etwas mitgenommen. Leider habe ich sie allerdings nach Ende des Abends nicht mehr angetroffen.

In der Umbauphase begegne ich noch einigen Bekannten, darunter Musiker aus der Westerwälder Stoner-/Doom-Szene und Mitglieder der Bands Organic Destruction und Mudfinger, die sich heute Belzebongs Bong Metal nicht entgehen lassen wollen.

Trail, Ponyhof Frankfurt 2025, Pic by Big Simonski

Und dann ist es so weit – Belzebong leben (spielen) auf (im) Ponyhof

Die Lampen springen wieder in ein charakteristisches Weedgrün, als wolle jemand ein Portal zu einer tieferen Doom-Schicht aufreißen. Das Licht wird weniger, der Nebel schlagartig dichter, die Temperatur steigt um ein paar dämonische Grad – und plötzlich stehen sie nach kurzem Soundcheck da: nicht Belial oder Asmodeus und auch nicht Belzebub, sondern Belzebong, jene vier Gestalten, die aussehen, als seien sie aus einer dicken Wolke aus Fuzz, Schatten und Unterweltglimmen herausgeschält worden. Selten kann man während des Gigs der Band auch einmal einen Gesichtseindruck einfangen, da die Gesichter in der Regel von ihren langen Haaren verdeckt sind. Man muss es ihnen lassen: Diese Band funktioniert wie ein Kult, der weiß, dass Worte ohnehin überflüssig sind. Sie sprechen kaum, sie begrüßen kurz, sie erklären nichts – sie lassen den Sound regieren, und der Sound regiert hart.

Belzebong gelten bereits seit 2008 als eine Art geheime Bruderschaft des langsamen, grollenden Grooves, die sich der maximal entspannten Strenge verschrieben hat. Keine Stimmen, keine Effekthascherei – nur endlose Riff-Monolithen, die sich Schicht für Schicht aufbauen, als würden sie aus einem tiefgrünen Abgrund emporsteigen. Ihre Instrumentalstücke erinnern an Ritualformeln, die im schwerfälligen Nebel aus Doom, Sludge und psychedelischen Schwingungen schweben und jeden, der sich darauf einlässt, in ihren Höllenbann ziehen. Große Teile der Bühnen Europas und Amerikas haben Belzebong bereits mit ihrer Wand aus Fuzz überzogen – nicht, indem sie prahlen, sondern indem sie Räume und Hallen in vibrierende Nebelkammern verwandeln. Ihre Veröffentlichungen gelten in Szenekreisen als feste Punkte auf einer Karte, die zu immer tieferen Klangräumen führt. Ihre Songs sind schwer, langsam und intensiv und wirken wie aus einem unterirdischen Fuzz-Tempel.

Belzebong, Ponyhof Frankfurt 2025, Pic by Big Simonski

Belzebong hier live zu erleben heißt, nicht nur ein Konzert zu besuchen. Es heißt nun ein Teil eines kollektiven Riff-Rituals zu werden, das ohne Vorwarnung über einen hereinfällt und erst wieder loslässt, wenn jeder im Raum einmal vollständig durch den Klang gewendet wurde.

Das Set – wie infernalische Rauchrituale

Unter den Songs sind Bong Thrower, ein Wanddurchbruch aus Riffs, der die Menge sofort vereint im Doom-Nicktakt. The Bong Of Eternal Stench, ein sumpfiges, schleppendes Biest, das sich durch den Raum windet. Die vier apokalyptischen Reiter stehen nun als 420 Horsemen auf der Bühne. Wie lauten die Names Of The Devil? Einer dürfte den Fans nach dem heutigen Abend jedenfalls klar sein: Belzebong ist einer davon. Andere Namen hatte ich vorhin schon genannt. Es gibt hier quasi Pot Fiend, klebrig, tief und gnadenlos schwer – Doom zum Löffeln. Eine Hexenfahrt durch dunkle Fuzz-Sphären gibt es mit Witch Rider. Irgendwann ist Schluss, allerdings wird noch eine höllische Zugabe von Belzebong gefordert. Die lassen sich nach ihrem Abgang auch nicht lange bitten und es gibt noch eine Diabolical Dopenosis, praktisch den finalen, schweren, psychedelischen Schlusssegen.

Während des Gigs im Ponyhof hat hier in der glühenden Höllensauna niemand gesprochen, aber alle haben denselben inneren Rhythmus geteilt und regelrecht eine gemeinsame Doom-Therapie erlebt. Belzebong hinterlassen keinen Glamour, dafür allerdings nur grinsende Menschen, die ausschauen, als wenn sie an einer endlosen Bong gezogen hätten. Danach heißt es erst einmal wieder runterkommen, Merch mitnehmen und Gespräche führen. Ich unterhalte mich noch recht lange mit dem netten Dave von Tortuga Booking und freue mich auf die nächsten Events.

Belzebong, Ponyhof Frankfurt 2025, Pic by Big Simonski

Fazit: Ritual abgeschlossen

Trail bringen die Reise in Gang, Belzebong führen sie zu ihrem Höhepunkt. Was bleibt, ist ein Abend wie eine rauchige Audienz im Riff-Unterreich: hypnotisch, schwer, transformierend und seltsam tröstlich. Ein Abend, an dem man nicht nur Musik hört, sondern von ihr geformt wird.

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