Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass Ross „The Boss“ Friedman an ALS, einer nicht heilbaren degenerativen Erkrankung des motorischen Nervensystems, leidet. Nur wenige Wochen nach dieser Bekanntgabe verstarb Friedmann gestern am 27.03.2026.
Wir könnten über die Social-Media-Aktivitäten von Friedman diskutieren. Jeder Mensch, der Friedman in Europa kennenlernte, kann sich nur schwer vorstellen, dass ein und dieselbe Person derartige Social-Media-Ergüsse von sich gibt. Noch im vergangenen Sommer waren Ross The Boss mit einem Manowar-Set auf dem Headbangers Open Air und begeisterten noch immer mit ihrem sehr speziellen Gitarrensound. Es geht auch nicht um Death Dealer, Ross The Boss oder seine Zeit im Blues Rock, unter anderem mit Manitoba’s Wild Kingdom. Friedman steht für fünf Platten, die die Legende einer Band bilden und somit auch seine eigene Legende. Es geht um die ersten fünf Manowar-LPs. Was von Manowar in den 90ern veröffentlicht wurde, konnte den Klassikern nie das Wasser reichen. Nicht ohne Grund tourten Manowar 2025 mit Hail To England und Sign Of The Hammer. Blicken wir in den Rückspiegel und auf das Debüt von Manowar.
Battle Hymns und Into The Glory Ride
Joey DiMaio arbeitete als Pyrotechniker auf der Heaven-And-Hell-Tour von Black Sabbath 1980, bei der Friedman mit Shakin’ Street als Vorband auftrat. Das Ergebnis dieser Begegnung liegt im Juni 1982 in den Plattenläden. Der Titeltrack, aber vor allem die Bandhymne Manowar oder Dark Avenger, sind auch heute noch absolute Klassiker und stammen aus der Feder von DiMaio und Friedman. Kommerziell erfolgreich war das Debüt aber nicht.
Into The Glory Ride wird im Juli 1983 über das Underground-Label Music for Nations veröffentlicht. Der Epic Metal kommt mit Warlord, Secret Of Steel und dem mehr als siebenminütigen Gates Of Valhalla ins Rollen. Erst in den 90ern wurde die Platte als CD neu aufgelegt, sodass die Manowar-Fans auch die als „verschollen“ geltende Scheibe bekommen konnten.
Hail To England und Sign Of The Hammer

1984 ist das Manowar-Jahr. Im Februar erscheint Hail To England, im September Sign Of The Hammer. Über diese beiden Platten etwas zu schreiben, bedeutet Eulen nach Athen tragen. Jeder Metal-Fan hat zumindest davon gehört. Vermutlich sind Stücke wie All Men Play On Ten, Thor, Mountains oder das unsterbliche Guyana (Cult Of The Damned) entweder bereits in den 80ern gelaufen oder später auf Metal-Partys, auf denen die Kamellen immer wieder gerne ausgebuddelt werden. Aber auch Blood Of My Enemies, Kill With Power oder Bridge Of Death sind unvergessen und unerreicht, genauso wie die beiden Titeltracks. Wer Epic Metal oder Heavy Metal zu seiner bevorzugten Richtung zählt, hat die beiden Platten in seiner Sammlung.
Fighting The World
Der endgültige Durchbruch von Manowar und die fünfte große Manowar-Platte. Black Wind, Fire And Steel, Defender, Holy War und natürlich der Titeltrack. Dazu das Signing beim Major-Label Atlantic Records und eine neue, digitale Aufnahmetechnik. Manowar haben es geschafft und natürlich geht das nicht geräuschlos. Friedman behauptete, dass bereits in den 80ern Angelo Sasso bei Manowar spielte, und nicht der eigentliche Drummer Scott Columbus. Sasso wurde vor allem bei Running Wild bekannt und hat Credits auf der Victory. Sasso war ein Drumcomputer.
Kings Of Metal und der Ausstieg von Ross „The Boss“ Friedman
250.000 verkaufte Exemplare und ein Herz Aus Stahl – extra für deutsche Fans. Die zweite goldene Schallplatte für Manowar und der Anfang vom Ende einer legendären Band. Natürlich gibt es noch genügend gute Songs. Hail And Kill, Blood Of The Kings oder auch der Titeltrack. Aber eben auch eine deutsche Version von Heart Of Steel. Friedman verlässt Manowar, nach eigener Begründung vor allem wegen der Lyrics von Pleasure Slave. Ein derartiger Text wäre heute vermutlich sogar den übelsten Rap-Combos zu peinlich.
Die eigentümlich surrende Gitarre von Friedman war das Markenzeichen von Manowar in den 80ern und diese Gitarre ist live für immer verstummt. Es bleiben unvergessene Klassiker, die auch nach dem Tod weiterleben und noch viele Menschen dazu bewegen werden, ein Instrument in die Hand zu nehmen oder sich der Faszination der Metal-Musik zu widmen. Rest in Peace, Ross „The Boss“ Friedman.


