Headbangers Open Air vom 23.07. bis 26.07.2025 in Brande-Hörnerkirchen – Samstag

Das Bier ist (Empty Tankard)

Event: Headbangers Open Air 2025

Bands: Tankard, Saber Tiger, Destructor, Traitor, Hellripper, Hammer King, Titan, Assassin, The Night Eternal, RAM, Graham Bonnet Band, Cyclone, Paragon, Toranaga, Surgical Strike, Strike Master, Screamer, Rezet, Wings Of Steel, Space Chaser, Blizzard Hunter, Tyranex, Catbreath, Demon, Burning Witches, Ross The Boss, Kingdom Of Madness, Witchkiller

Datum: 23.07. — 26.07.2025

Genres: Power Metal, Symphonic Metal, Heavy Metal, Hard Rock, Dark Metal, Thrash Metal, Speed Metal

Besucher: ca. 2.000

Ort: Brande-Hörnerkirchen

Veranstalter: Thomas Tegelhütter

Kosten: Festivalticket 85 € , Tagestickets: Donnerstag – Samstag jeweils 30,00 €, Warm Up 25 €

Link: https://www.headbangers-open-air.com/

Aus Brande-Hörnerkirchen berichten: Maren J., Kay L. und Jürgen F., Fotos: Kay L. und Jürgen F.

Gefühlt hat das Festival gerade begonnen, da steht bereits der finale Tag auf dem Programm. Das Headbangers Open Air ist eines der Festivals, auf dem sich Menschen oft nur ein- oder zweimal im Jahr treffen, um gemeinsam die musikalischen Darbietungen auf der Bühne zu verfolgen. So stehen neben der Musik Networking oder einfach Spaß und Quatschen mit an erster Stelle. Der musikalische Auftakt kommt aus Belgien und nennt sich Cyclone.

Cyclone – Headbangers Open Air 2025

Wer sich auf dem Keep It True rumtreibt, der dürfte die Combo um Sänger Guido Gevels noch bestens in Erinnerung haben. Die Thrasher räumten im Frühjahr 2023 am Nachmittag mächtig ab. Gevels hat eine junge Truppe um sich geschart, die möglichst zeitnah nach dem Gig wieder den Rückweg antreten möchte. Die Autogrammstunde wird daher kurzfristig auf 13:15 Uhr vorgezogen. Gevels ist aber den gesamten Tag auf dem Gelände unterwegs und auch später noch für Fans jederzeit verfügbar. Auf die Ohren gibt es erneut Thrash Metal zum Tagesauftakt. Über neues Material verfügen Cyclone nicht. Daher bleiben nur die beiden LPs Brutal Destruction und Inferior To None, die zwischen 1986 und 1990 veröffentlicht wurden. Old-School-Thrasher kommen bereits zur frühen Stunde auf ihre Kosten. Es folgen auch am heutigen Tag noch weitere Thrash-Metal-Bands, sodass das Headbangers Open Air 2025 eine gewisse Thrash-Metal-Schlagseite aufweist.

Die Jungs haben kurzfristig beschlossen, ihre Autogrammstunde nach vorne zu verlegen. Grund ist die Rückfahrt, und so wollen sie bereits um 13:15 Uhr beginnen. Leider vergessen sie auf der Bühne die entsprechende Ankündigung, sodass nur Fans, die unseren Aushang gesehen haben, da sind. Das ist dann überschaubar. Damit beginnt die Meet & Greet Session für alle anderen erst um 18:00 Uhr. Das Schönste kommt zum Schluss: Tankard haben ihre Autogrammstunde auf eine halbe Stunde nach ihrem Auftritt gelegt. Das dürfte dann wohl nach 1 Uhr werden, da sie ja auch erst um 22:50 Uhr beginnen.

Aus Frankreich kommen Titan und haben 1986 ihr selbstbetiteltes Debüt veröffentlicht. Der Erfolg blieb aus. Erst 2017 gab es ein erneutes Lebenszeichen und 2021 folgt mit Palingenesia sogar eine zweite LP. Doch davon ist heute auf der Bühne nicht mehr viel zu erleben. Nur noch Gitarrist Sébastien Blanc ist aus der Anfangszeit dabei. Der Drummer Iñaki Plaa ist noch auf der 2021er-Scheibe zu hören. Sonst gibt es eine neue Mannschaft, wo vor allem Sänger Peio Cachenaut ganz anders rüberkommt als sein Vorgänger Patrice Le Calvez. Titan erhalten einen härteren Einschlag in Richtung Thrash oder Hardcore, sodass der eigentliche klassisch metallische Ansatz verschwimmt. Schade, hier haben sich viele True-Metal-Fans bestimmt mehr von versprochen.

Witchkiller – Headbangers Open Air 2025

Das Quäntchen mehr liefern die Kanadier Witchkiller. Natürlich gibt es die komplette EP Day Of The Saxons. Aber auch neues Material haben die Herren am Start, von denen aus den Anfangstagen nur noch Gitarrist Kurt Phillips (ehemals Savage Grace) mit auf der Bühne steht. Der Unterhalter auf der Bühne ist aber Sänger James Delbridge, der zum einen die Meute vor der Bühne immer wieder mit in die Show einbindet. Dazu bringt er die alten Dinger wie Riders Of Doom, Cry Wolf und selbstverständlich Day Of The Saxons überzeugend auf die Bretter. Bei der Autogrammstunde zeigt sich Delbridge als Rainbow-Fan. Zum einen hat er diverse Cover dabei, um sich die Scheiben von Graham Bonnet signieren zu lassen. Als Since You Been Gone von der Bühne ertönt, stimmt Delbridge den Refrain bei der Autogrammstunde an und sorgt für einen großen Chor außerhalb des Infields.

Nach den Kanadiern hat sich erneut eine Thrash-Band aus Deutschland auf die Bühne begeben. Traitor aus Balingen stehen bereit, um ihre Salven auf die Menge loszulassen. Mit Nuke ’Em All vom 18er-Album Knee-Deep In The Dead geht es rasant los. Andreas Mozer, an den Drums und am Mikro, händelt das souverän. Die Band hat bereits vier Alben veröffentlicht, und es gibt einen bunten Strauß an Songs dieser Werke. Der Vierer macht eine gute Figur zu Songs wie Reaktor IV oder dem zu Recht benannten Total Thrash. Wir lassen uns während des Konzertes etwas über das Gelände treiben und erkunden die überaus günstigen Preise bei dem Festival. Wurst oder Nacken gehen für ’nen Euro-Heiermann (früher 5 DM) bzw. etwas mehr über den Tresen. Pils und Cola gibt’s für 4 Euro, und auch andere Speisen sind erschwinglich. Merch wird von den Bands fast ausschließlich selbst vermarktet bzw. es gibt einen Mercher, der das im Auftrag macht.

RAM – Headbangers Open Air 2025

Die Zeit vergeht, und es ist RAM angesagt. Die haben wir vor Jahren mal im Bambi Galore gesehen – damals mit Alpha Tiger, Midnight Pray und Aggregator als Support. RAM hatten gerade ein neues Album herausgebracht und waren auf Promotour. Leider hatten sie da, wie auch heute, keine Platten am Start. Schade, denn heute wäre die beste Möglichkeit, eine Signatur zu erhalten. Die Schweden haben ihre aktuelle Platte vor sechs Jahren veröffentlicht und spielen nur auf einigen Festivals. Aber sie gehen hier als echte Metaller mit all den Klischees durch: Leder, Nieten in allen erdenklichen Formen, Mähnen, Lederweste sowie Nietengürtel. Alles passt – und so kann die Party weitergehen. Das macht Spaß und rockt. Bereits vor Jahren auf dem Rockharz gefielen die Herren sehr gut. Klassischer Heavy Metal mit einer etwas dunklen Note, so steht es geschrieben, soll das sein. Es ist eine Freude, Songs aus dem letzten Album The Throne Within um die Ohren geballert zu bekommen, aber auch ältere Stücke finden den Weg auf die Setlist. Toller Auftritt – was auch hunderte von Metalheads vor der Bühne bezeugen können.

Nun gehen die Autogrammstunden los. Zunächst sind Titan dran, auf die schnell Kingdom Of Madness folgen. Die sind allerdings recht zügig durch – aus welchem Grund auch immer. Somit ist es die einzige Band, von der ich keine Autogramme bekomme. Nun ja, es folgen Witchkiller, Traitor und RAM, die alle unterschreiben, was ihnen vorgehalten wird. Bilder dürfen natürlich auch gemacht werden, obwohl das am meisten Zeit kostet.

Graham Bonnet, Headbangers Open Air 2025, Bild: Kay L.

Aber wenden wir uns musikalisch Graham Bonnet und seiner Band zu. Da steht mit 77 Jahren eine Gesangslegende auf den Brettern. Der Name steht für Vocals bei Rainbow, Michael Schenker, Alcatrazz oder seiner eigenen Band. Unvergessliche Songs wie All Night Long (Rainbow) oder Since You Been Gone (Rainbow und Russ Ballard) werden dann auch von den Fans lautstark mitgesungen. Es bedarf kaum Aufforderungen von Graham, der sichtlich erfreut ob der Resonanz auf die Songs ist. Der zunächst noch mit Anzugjacke und Schlips auf der Bühne agierende Graham legt das dann ab, und es gibt einen Querschnitt aus den unter seiner Beteiligung gespielten Stücken. Too Young To Die, Too Drunk To Live trifft sicherlich auch hier auf den einen oder anderen zu – aber musikalisch ist es eine Erinnerung an Alcatrazz. Lazy von Deep Purple inklusiv Keyboard-Solo von Danni Mattin hat es auch auf die Setlist geschafft, auch wenn Graham dort nicht gesungen hat. So vergehen kurzweilige anderthalb Stunden, die der Sänger hier charmant überbrückt und moderiert. Die eine oder andere Anekdote kommt dazu, und so erfahren wir auch, dass er mal vorgesehen war, bei Black Sabbath zu spielen – das hat er aber abgelehnt. Von seinen eigenen Platten gibt es auch zwei Songs – damit war er aber nie so erfolgreich. Toller Auftritt einer hoffentlich noch lange bleibenden Ikone.

Während Kingdom Of Madness auf die Bühne kommen, erscheint Graham Bonnet am Meet & Greet Stand und die Schlange ist lang. Viele Rainbow-, MSG- und Alcatrazz Scheiben wollen signiert werden. Graham nimmt sich für jeden einzelnen Zeit, und scheint ernsthaft interessiert. Man kommt sich nicht einfach abgefertigt vor und er bedankt sich fürs Kommen und ist ein wahrer Gentleman durch und durch. Viele Bilder und Unterzeichnungen später (eine volle Stunde) beendet er die Autogrammstunde bis alle, aber auch wirklich alle, durch sind. So wird Fannähe gelebt.

Kingdom Of Madness – Headbangers Open Air 2025

Auf der Bühne stehen Magnum auf dem Programm. Kingdom Of Madness ist eine Magnum-Tribute-Band, die sich an den frühen Sachen der AOR- und Melodic-Rocker um den leider verstorbenen Tony Clarkin versucht. Die Besonderheit: Mit Mark Stanway steht der langjährige Keyboarder von Magnum mit auf der Bühne. Dazu Richard Bailey, der der erste Keyboarder von Magnum war. Gestern war Rick Benton bei Demon zu erleben. Er ist der letzte Tastenbediener von Magnum. Somit kann das Headbangers Open Air 2025 mit einer Besonderheit prahlen: Alle Keyboarder von Magnum auf dem Festival dieser Größenordnung. Das ist eine Auszeichnung für die Organisatoren der Veranstaltung.

Aber nicht nur die Keyboarder haben eine Magnum-Vergangenheit. Sängerin Mo Birch steuert unter anderem die Background-Vocals zu Les Morts Dansants auf der On A Storyteller’s Night, dem Magnum-Aushängeschild schlechthin, bei. Mickey Barker trommelt von Vigilante bis Rock Art (1994). Sänger Chris Dando ist ebenfalls keine unbekannte Größe. Wer auf dem NWoBHM-Keep It True war, konnte Dando bei Clooven Hoof erleben. Ein hochklassiges Line-Up steht auf der Bühne und eröffnet mit Back To Earth und Just Like An Arrow.

Kingdom Of Madness – Headbangers Open Air 2025

Wer sich in der Magnum-Diskografie auskennt, kann diese Stücke einsortieren. Auf dem Headbangers Open Air sind es leider nicht sonderlich viele Menschen. Dass es vor der Bühne um 20:30 Uhr an einem Festivaltag so locker gepackt ist, hat mehr als Seltenheitswert. Schade für die Band, die sich hochklassig durch das Magnum-Material zockt. Vigilante, Les Morts Dansant, Love Is A Stranger oder All Englands Eyes: Die Menschen, die vor der Bühne stehen, wissen, warum sie da sind, und feiern die Nummern ab. Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann die gesangliche Performance von Mo Birch. An der einen oder anderen Stelle wirkt ihr Gesang unpassend.

Midnight (You Won’t Be Sleeping), das laut Mark Stanway kaum von Magnum live gespielte Red On The Highway, natürlich der Smasher On A Storyteller’s Night: es gibt ein Hitfeuerwerk von der Bühne, das die anwesenden Magnum-Enthusiasten zu schätzen wissen. Der Titeltrack des Debüts und Namensgeber Kingdom Of Madness aus dem Jahr 1978 macht den Schlusspunkt unter das eigentliche Set. Die Zugabe startet mit Lights Burned Out, das Stanway Tony Clarkin und Ozzy Osbourne widmet. Sacred Hour macht den Deckel auf knapp zwei Stunden Magnum-Musik. Ein hochklassiges Set, das leider nicht den Anklang beim Publikum findet, geht zu Ende.

Tankard – Headbangers Open Air 2025

Thrash Metal ist der Sound in Brande-Hörnerkirchen 2025. Tankard als Finale passen bestens. Klar, der dritte Festivaltag zehrt an den Kräften und nicht alle Metalheads können sich für die Bühne gegen 23 Uhr aufraffen. Die Menschen, die vor Ort sind, bekommen genau das, wofür Tankard stehen. Aber vorab verneigen sich das Festival und Tankard vor Ozzy mit War Pigs aus der Konserve. Das Ding kracht aus den Boxen und wird lauthals von vielen Fans mitgegrölt. One Foot In The Grave als Opener ist perfekt platziert und Ozzy wird auch von Tankard nicht vergessen.

Dann geht es los und Gerre tigert wie zu besten Zeiten über die Bühne. Old-School-Thrash-Metal steht laut eigener Ansage auf dem Programm. Das Quartett feuert entsprechend in die Menge: The Morning After, Rapid Fire oder Need Money For Beer. Die Beerbarians aus Hessen sorgen für das große Finale, wobei es tatsächlich gelingt, die Biervorräte des Festivals komplett zu vernichten. Später beim bereits angesprochenen Meet & Greet herrscht Biernotstand. Es gibt nichts mehr. Ob die Stücke von Tankard in einem kausalen Zusammenhang stehen, ist nicht nachweisbar. Beerbarians, Die With A Beer In Your Hand oder A Girl Called Cerveza. Es wird lange vorbereitet, dann kommt Freibier, das die letzten Kräfte in der Crowd noch mal mobilisiert. Auch die Zugabe lässt nicht locker: R.I.B. (Rest In Beer), Zombie Attack und zum Schluss ist wirklich (Empty) Tankard. Gerre und Co. haben die Bühne in Brande-Hörnerkirchen amtlich abgerissen, die Biervorräte vernichtet und räumen circa 30 Minuten später als geplant das Feld.

Die Folge: Das Meet & Greet startet einige Minuten nach ein Uhr morgens. Die Überraschung: Trotz Biernotstand stehen locker 50 oder 60 Leute und warten auf Tankard. Die beheben kurzfristig den Biernotstand, dann ist nicht nur (Empty) Tankard, sondern auch jeder Fan beim Meet & Greet versorgt. Time For Metal packt zusammen und rollt einige Minuten nach zwei Uhr morgens von der Location. Tschüss Headbangers Open Air 2025, wir sehen uns 2026 gemeinsam mit Bands wie Threshold, Atlantean Kodex, Praying Mantis oder Bronze. Wir versorgen euch mit News rund um die 2026er-Ausgabe, wenn es vom 23.07. bis zum 25.07.2026 wieder „Der Garten brennt“ heißt.

Hier kommt ihr zum Bericht von Mittwoch und Donnerstag und hier zum Bericht vom Freitag.