In kaum einer anderen Gegend wurde die neue Spielart des Heavy Metals – herablassend als Thrash Metal beschimpft – so aufgesogen wie im Herzen der Alten Welt, besonders in seinem Herzen aus Stahl, dem Ruhrgebiet. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Thrash Metal unseren Kreislauf für immer befeuern wird. Die Rheinländer Cruel Force gehören zu diesem stählernen Blutrausch. Das vierte Kapitel ihrer Historie Haneda bietet frischen Old-School-Charme, als wäre es direkt aus dem Jahr 1986 herüberkatapultiert worden, und zieht damit eine direkte Linie zu Legenden wie Violent Force, Assassin und Vendetta. Dieser Spirit – roh, ungebändigt und voller jugendlicher Energie – ist von Anfang an spürbar und macht die neun Tracks zu einem echten Fest für Fans klassischer Teutonic-Thrash-Metal-Tradition.
Sofort fällt die unbändige Leidenschaft auf, mit der Cruel Force ans Werk gehen. Trotz aller Traditionalität klingt hier nichts angestaubt oder kalkuliert. Im Gegenteil: Die Songs wirken geradezu auf positive Art naiv und ungehemmt, als hätte die Band seit dem Vorgänger Dawn Of The Axe ein Fass voll Energie angestaut, das jetzt endlich geöffnet wurde. Die Gitarrenriffs sägen mit Höchstgeschwindigkeit, das Schlagzeug peitscht nach vorne und die Vocals beißen sich durch den höllischen Sound wie ein wütender Straßenköter. Headbanging, Fistbanging und wildes Mitgrölen – diese unpolierte 80er-Attitüde versprühen Cruel Force seit ihrem Comeback, aber Haneda fängt sie noch lebendiger ein als das Album von 2023.
Mehr Soli, mehr Drums, mehr Speed, mehr Theater, mehr Hölle!
Dabei ist es vor allem die ausgelassene Spielfreude, die die 42 Minuten Thrash Metal prägen. Der Band ist es anzumerken, dass sie mächtig Bock aufs Thrashen hat – und zwar nicht im kontrollierten, modernen Sinne, sondern mit dem hemmungslosen Überschwang, der den Underground der 80er auszeichnete. Das äußert sich nicht zuletzt in jenen penetranten, herrlich übertriebenen Gitarren-Licks und völlig entfesselten Soli, die so klingen, als hätten Cruel Force sie im Proberaum aus dem Moment heraus gezündet. Die allgegenwärtigen, hymnischen Accept-Zitate sorgen für noch mehr gute Stimmung. Genau diese Überzeichnung macht einen Großteil des Flairs aus, der dem Album seine unverwechselbare Identität verleiht.
Teutonic Thrash Metal wird nie sterben! Punkt!
Auch atmosphärisch hat die Platte einiges zu bieten. Zwischen wilden Tempowechseln, blitzsauberen Leads und rasanten Attacken setzen Cruel Force immer wieder auf unwirkliche, atmosphärische Solo-Zwischenspiele, die oft deplatziert, übertrieben und total cheesy rüberkommen. Trotzdem büßt der kernige Thrash Metal kein bisschen an Energie ein. Beispiel hierfür ist der Titeltrack, der zugleich der Rausschmeißer ist mit seinen fast zehn Minuten – die ganze Welt des Heavy Metals in einem Song. Überladen? Ohne Ende. Pompös? Viel zu sehr. Spaß machen tut es trotzdem riesig. Dazu ist die Produktion rau genug, um authentisch zu wirken, aber sauber genug, um die Spielfreude nicht im Matsch versinken zu lassen – eine Balance, die nicht jede moderne Band so hinbekommt.
Hier geht es lang für weitere Informationen zu Cruel Force – Haneda in unserem Time For Metal Release-Kalender.



