Digital auf Vinyl – und der Humor dahinter
Seit dem 17.10.2025 ist Czarty Polskie, das Debütalbum der polnischen Experimental-Death-Metal-Band Czart, über das Label code666 digital, auf CD und Vinyl erhältlich. Amüsant ist dabei, dass Czartificial, die rein digitale Bandkollegin, nun plötzlich auch auf analogen Schallplatten lebt. Ein kleiner, ironischer Triumph der KI in einer Welt, die eigentlich ohne sie auskommt.
Ein Debüt zwischen Experiment und Tradition
Mit Czarty Polskie präsentiert das polnische Projekt Czart ein Debüt, das bewusst abseits klassischer Metal-Konventionen agiert. Ins Leben gerufen wurde das Kollektiv von Michał Chrościelewski, der für Gitarren, Sounddesign und die visuelle Ästhetik verantwortlich ist. Unterstützt wird er von Drummer Paweł Smarkusz, Sängerin Monika Chrościelewska – und der KI-Entität Czartificial, die als offizielles Bandmitglied fungiert. Diese Kombination aus menschlicher Handschrift und maschineller Inspiration zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Werk.
Dämonologie trifft moderne Technologie
Thematisch wurzelt das Album tief in der polnischen Folklore, insbesondere in der historischen Dämonologie. Die synthetischen Stimmen und digitalen Texturen wirken dabei fast wie das Echo dieser körperlosen Wesen – modern, fremdartig und bewusst unheimlich. Statt KI nur als Werkzeug zu verstecken, macht Czart sie zum erzählerischen Element. Das erzeugt eine originelle Schnittmenge aus archaischen Mythen und zeitgenössischer Technik, die man so im Metal wohl selten findet.
Experimentelle Vielfalt – Herausforderung und Chance
Musikalisch bewegt sich Czarty Polskie quer durch ein Labyrinth aus Stilen: harscher Metal, ambientartige Zonen, jazzige Seitensprünge und ruhige Passagen stehen oftmals abrupt nebeneinander. Diese Vielfalt kann Hörer irritieren, zugleich aber ist sie Ausdruck einer künstlerischen Freiheit, die sich nicht festlegen will.
Was besonders auffällt: Viele Songs entfalten ihre Wirkung erst in Kombination mit den animierten Musikvideos, die das Album begleiten. Bild und Ton ergänzen sich so gut, dass manche Brüche und ungewöhnlichen Klangwechsel im audiovisuellen Kontext plötzlich Sinn ergeben, die so ohne weiteres beim alleinigen Hören nicht zu erahnen sind. Die surrealen Animationen fangen die Fremdheit der KI-Klänge auf und verweben sie mit der düster-mythischen Stimmung der Texte.
Ein Klangbild, das bewusst künstlich wirkt
Die Produktion ist technisch präzise, teilweise fast überdeutlich – aber das passt zum Konzept. Der digitale Glanz wirkt hier nicht steril, sondern konzeptionell, als wolle man die Andersartigkeit der künstlichen Beteiligung hörbar machen. Das Ergebnis ist eine Klanglandschaft, die vielen vielleicht ungewohnt erscheinen mag. Viele True Metaller dürfte dieses Album wahrscheinlich irritieren und ich könnte mir auch vorstellen, dass es durch die Hinzunahme der KI eher auf Ablehnung stößt. Trotzdem empfehle ich jedem doch mal das eine oder andere Ohr oder Auge hinein hören oder -blicken zu lassen, um sich selbst ein Bild zu machen.
Hier! geht es für weitere Informationen zu Czart – Czarty Polskie in unserem Time For Metal Release-Kalender.



