Die US-brasilianischen Groove-Metal-Schamanen Soulfly veröffentlichten am 24. Oktober 2025 ihr mittlerweile 13. Studioalbum Chama über Nuclear Blast Records. Schon im Vorfeld ließen erste Teaser aufhorchen und erkennen, dass Max Cavalera sich erneut tief in jene Verbindung aus Tribal-Spiritualität, brachialer Rhythmik und unbändiger Energie hineinwühlt, die seine Karriere seit den frühen Sepultura-Tagen (die ich heute immer noch feiere) prägt. Für mich persönlich hat diese Veröffentlichung einen besonderen Stellenwert – ich verfolge neben Sepultura nun auch seit den späten 90ern Soulfly, habe die Band unzählige Male live erleben dürfen und jedes Mal diese unvergleichliche Energie gespürt, wenn Max, Zyon und die wechselnden Mitstreiter die Bühne in ein brodelndes Ritual verwandeln. Chama knüpft genau dort an und schafft es, sowohl Fan-Herz als auch Redakteurs-Seele aufhorchen zu lassen.
Feuer, Urgewalt und die Rückkehr zur Seele von Soulfly
Der Titel Chama (Flamme) ist Programm. Max Cavalera verknüpft hier erneut lateinamerikanische Spiritualität, die Härte der Favelas und die Hitze der brasilianischen Erde mit der Wucht eines modernen Groove-/Thrash-Gebräus. Thematisch folgt das Album lose einer Geschichte eines Jungen aus den Favelas, der in den amazonischen Stämmen seine innere Kraft entdeckt. Dieser erzählerische Ansatz mag subtil bleiben, doch er verleiht den Songs jenen roten Faden, den viele jüngere Soulfly-Alben nur angedeutet haben.
Den Auftakt bildet das bedrückende Intro Indigenous Inquisition, in dem Max vergessene Stämme beschwört und ein düsteres, fast dokumentarisches Mahnmal für koloniale Gewalt formt. Danach bricht Storm The Gates los, roh, abgehackt, wütend. Noch nicht die stärkste Komposition, aber ein Statement: Dieses Album will nicht gefällig sein und ist es auch nicht. Es will und ist Druck, Hitze und auch Konflikt. Mit Nihilist folgt fast das zentrale Herzstück des Albums. Der Song ist direkt ein brodelnder Groove-Hammer, der Soulflys Hardcore-Seite betont und mit massiven Shouts und pulsierenden Drums alles zerschmettert, was im Weg steht. Zyon Cavalera spielt hier wie besessen, kein Wunder, denn erstmals trägt er die kreative Leitung und Co-Produktion. Sein druckvolles, organisches Schlagzeug verleiht dem Album jene Körperlichkeit, die in vielen moderneren Metal-Produktionen verloren geht.
Macht der Gäste – und der Familienbande
Soulfly ohne Gäste wäre wie ein Ritual ohne Feuer, absolut undenkbar, und auf Chama geben sich erneut hochkarätige Musiker die Klinke in die Hand. Dino Cazares, ein altbekannter Weggefährte, steuert mit seinem markanten Maschinengewehr-Pickstil eines der metallischsten Highlights des Albums bei, während ein weiterer Gitarrenvirtuose in einem der kürzesten Stücke ein melodisches Solo platziert, das dem Song eine überraschend zusätzliche Ebene verleiht. Ergänzt wird dieses Feuerwerk durch mehrere Gastsänger aus Hardcore- und Dark-Metal-Kreisen, die dem Album Vielfalt verleihen, ohne dabei das Gesamtbild zu verwässern. Besonders spürbar ist jedoch die familiäre Kraft: Neben Zyon war auch Igor Amadeus Cavalera am Bass und am Songwriting beteiligt. Diese interne Dynamik ist deutlich hörbar. Chama klingt geschlossen, zielgerichtet, wie ein Ritual unter Blutsverwandten.
Hitze, Druck und Spirit: Musikalische Analyse
Musikalisch ist Chama eines der härtesten Soulfly-Alben seit Jahren. Keine große Riffmagie, keine epischen Ausuferungen, dafür knapp 33 Minuten pure Intensität. Das Album wirkt wie ein Orkan, der durch die Boxen jagt: heiß, chaotisch, tribal, kathartisch. Einige der stärksten Momente finden sich in jenen Songs, die atmosphärisch besonders dicht sind: ein schwerfälliger Groove-Motor, der sich aus staubiger Finsternis erhebt; ein Track, der das urbane Chaos Brasiliens in prasselnde Rhythmik übersetzt; und natürlich das obligatorische Instrumental Soulfly XIII, mystisch, meditativ, ein kurzer Atemzug im Inferno. Das Klangdesign ist heiß, körnig, ruppig. Viel Hall auf Max’ Stimme, tief gestimmte Gitarren, Tribal-Percussion wie Stammesherzen im Unterholz. Produzent Arthur Rizk verleiht dem Album jene raue Klarheit, die den ursprünglichen Soulfly-Spirit mit moderner Intensität verbindet. Chama ist kein leichtes Album und kein Kompromiss. Aber gerade das macht seine Wucht aus. Es ist ein Soulfly-Album, das brennt, schreit und lebt und dennoch ein bemerkenswert modernes Selbstbewusstsein ausstrahlt.
Hier geht es für weitere Informationen zu Soulfly – Chama in unserem Time For Metal Release-Kalender. Das neue Album von Soulfly kann über Nuclear Blast bestellt werden.



