Herbstnacht Party mit Geoff Tate, ´Till Death Do Us Part & Mark Daly am 21.10.2018 in Eichstetten

„Wein, Weib und Gesang“

Eventname: Herbstnacht Party @ Weingut Rinklin

Headliner: Geoff Tate

Vorbands: ´Till Death Do Us Part, Mark Daly

Ort: Weingut Rinklin, Hauptstr.94, 79356 Eichstetten

Datum: 21.10.2018

Kosten: Eintritt frei

Genre: Acoustic Rock

Besucher: ca. 200

Veranstalter: Weingut Rinklin https://rinklin-wein.de

Link: https://www.facebook.com/events/2130130987233422/

Setlisten:

  1. Peace Of Mind
  2. The Only Enemy Is You
  3. Bad Soul
  4. My Flame
  5. Addicted To The Throne
  6. Without You
  7. Thinking About You
  8. Going To California
  9. When The Stars Align
  10. Talk To Me
  11. The Finish Line
  12. Your World

  1. Watch Me Burn
  2. Monster
  3. Runaway
  4. Blue Boy
  5. Salt Water Taffy
  6. We Killed Romance

  1. Eyes Of A Stranger
  2. Silent Lucidity
  3. I Will Remember
  4. Jet City Woman
  5. Chasing Blue Sky
  6. Until There Was You
  7. Someone Else
  8. All Around The World
  9. I Don`t Believe In Love

Alljährlich im Oktober feiert das ökologische Weingut der Familie Rinklin in Eichstetten am östlichen Kaiserstuhl das Ende der Weinlese mit ihrer ganz besonderen Herbstnacht Party. Die Party hat sich in den letzten Jahren zum Anlaufpunkt in dem kleinen idyllischen Ort entwickelt und so wird hier mit Freunden und Bekannten sowie neuem Wein und Zwiebelkuchen gefeiert. Ich bin nun nicht der große Freund von Zwiebelkuchen und schon mal gar nicht von Sekt und Wein. Auch gibt es gerade hier im Breisgau und am Kaiserstuhl jede Menge Weinfeste. Was also macht die Herbstnacht Party der Rinklins zu etwas ganz Besonderem? Die Familie hat sich ein wahrhaft einzigartiges Konzept ausgedacht, das nicht nur viele Freunde und Bekannte anlockt, sondern auch Rock- und Metalfans von nah und fern. Seit einigen Jahren spielt auf dem Weingut niemand Geringeres als der einstige Queensrÿche Sänger Geoff Tate, der dreißig Jahre das Aushängeschild der Progressive Metal Götter aus Seattle, Washington war.

Grund genug für einen Abstecher an den nahe gelegenen Kaiserstuhl. Als wir gegen 17:30 Uhr am Weingut Rinklin ankommen, laufen die Vorbereitungen noch auf Hochtouren und wir bekommen noch das Ende von Mark Daly`s Soundcheck zu hören, der gerade eine Akustikversion von Gutter Ballet zum Besten gibt. Wir sind früh dran und die Liveaktivitäten beginnen erst gegen 20:00 Uhr, doch wir haben zuvor noch einen Interviewtermin mit Geoff Tate, bei dem wir mit dem gebürtigen Stuttgarter über Wein und seine Verbindung zum Weingut Rinklin sprechen wollen (hier könnt ihr das Interview nachlesen).

Gegen 20:00 Uhr ist der Hof der Rinklins gut gefüllt und der Ire Mark Daly startet sein Akustikset mit dem Song Peace Of Mind. Mir ist zwar bekannt, dass der Ire schon mit Geoff Tates Band Operation Mindcrime arbeitete, doch mit Daly als Solokünstler komme ich heute das erste Mal in Kontakt. Gleich ist aber klar, seine Songs haben mit Metal nichts zu tun und ich würde sie als Alternative Rock mit leichtem Grunge Einschlag / Mainstream Rock einstufen. Auch die nächsten Songs The Only Enemy Is You und Bad Soul gehen in die gleiche Richtung. Ich muss zugeben, das dieser radiotaugliche Mainstream Sound nicht unbedingt zu meinen Faves gehört, aber was Daly hier auf der Bühne abliefert, das macht er gut. Seine Gitarre beherrscht er definitiv und vor allem die Stimme des Mannes aus Cork kann durchaus überzeugen. Der Mann hat viel Gefühl in der Stimme, weswegen ihm vor allem die ruhigeren Töne auf den Leib geschrieben scheinen. Das sehen wohl auch die Gäste des Weinfestes so, denn so nach und nach versammeln sich immer mehr Leute vor der kleinen Bühne. Das soll etwas heißen, denn Bühnenshow findet hier nicht statt, Daly sitzt mit seiner Akustikgitarre auf dem Stuhl und spielt, … no more. Die meisten Songs entstammen wohl seinem aktuellen Album When The Stars Align, das man hier auch käuflich erwerben kann. Der Musikstil zieht sich so durch den Auftritt, mal etwas rockiger, mal etwas balladesker, aber immer hört man etwas die Counting Crows, Blue October oder auch Pearl Jam heraus. Nach etwa einer Stunde Spielzeit wird dann auch noch eine Zugabe gefordert, bevor Daly mit Applaus verabschiedet wird.

Den Mittelteil des musikalischen Spektakels bestreiten ´Till Death Do Us Part aus Seattle-Washington und Glasgow, deren Frontfrau auf den Namen Emily Tate hört und die Tochter des großen Geoff Tate ist. Auch in diesem Fall weiß ich wieder überhaupt nicht, was mich erwartet, aber im Vorfeld hörte ich schon vom Papa, dass auch die Band vom Töchterchen nur ein Akustikset spielt. Rein vom Aussehen der jungen Dame her stelle ich mich auf Gothic Rock oder Death Rock ein, vielleicht so in Stil von Siouxie And The Banshees oder Diva Destruction. Als die Band dann die Bühne betritt und mit Watch Me Burn loslegt, ist der Musikstil tatsächlich gar nicht so leicht in eine bestimmte Schublade zu stecken. Ich würde es als Dark Alternative Rock beschreiben, eine Art Mix aus Depeche Mode und Bring Me The Horizon, gepaart mit der Stimme von Evanescence Amy Lee oder Kate Bush. Das Ergebnis hat definitiv einen gewissen suizidalen Touch und ist nicht ganz leicht zu verdauen. Monster und Runaway plätschern ein wenig vor sich hin, lassen aber vermuten, dass sie im Originalgewand vielleicht ganz gut abgehen. Die Songs dürften alle aus dem Album Detached stammen, doch die junge Dame mit den lila Haaren zeigt sich als nicht besonders gesprächig und lässt lieber Taten folgen. Im Solo von Blue Boy stellt vor allem der schottische Gitarrist Kieran Robertson sein Können unter Beweis, ein junges Talent an den Saiten, von dem noch Großes zu erwarten sein könnte. Nach zwei weiteren Songs, Salt Water Taffy und We Killed Romance, ist das Set dann nach etwa 30 Minuten auch schon zu Ende und die Band bedankt sich. Letztendlich ein unspektakulärer, kurzer Auftritt, mit dem die noch junge Band aber durchaus wachsen kann.

Schon in der Umbaupause wird es plötzlich eng vor der kleinen Bühne, denn es wird Zeit für den Ex-Queensrÿche Sänger Geoff Tate. Selbst die Leute, die das Geschehen auf der Stage bisher nicht interessiert hat und die lieber bei einem Glas Wein gemütlich in einer Ecke am Tisch gesessen haben, schieben sich nun nach vorne. Bisher ließ sich ja ganz easy fotografieren, aber plötzlich sind selbst wir festgenagelt und können uns nicht mehr vom Fleck rühren. Etwa 200 Weinliebhaber und Rockfans haben sich zwischenzeitlich eingefunden, nicht wirklich viele, aber der recht enge Innenhof ist gut gefüllt. Während auf der Bühne noch gewerkelt wird, steht der in Deutschland geborene Tate mit einem Glas Wein dabei und beobachtet. Überhaupt läuft er schon den ganzen Abend mit einem Gläschen in der Hand herum, der Kaiserstuhl-Wein scheint ihm zu munden. Unglaublich, ich weiß nicht, ob ich noch laufen könnte, aber der Mann will gleich noch singen. Dann ist es endlich so weit, die Musiker entern die kleine Bühne und Geoff, natürlich mit einem Glas Wein in der Hand, bedankt sich, dass wir alle so zahlreich erschienen sind. Mit Eyes Of A Stranger wird dann zu Beginn gleich einer der ganz großen Queensrÿche Klassiker vom 1988er Operation Mindcrime Album ausgepackt. Der Song ist ja sowieso schon ein Alltime Klassiker, aber hier in dem akustischen Gewand klingt er noch einmal ganz anders und vor allem frisch. Hinzu kommt die ganz besondere Atmosphäre hier, die ja fast wie bei einem Wohnzimmerkonzert ist. Ich habe Queensrÿche live gesehen, mitten im Publikum, zwischen mehreren Tausend Leuten, das war geil! Aber hier sind gerade einmal etwa 200 Leute und die Band steht keine zwei Meter entfernt von mir. Gänsehaut pur! Mit Silent Lucidity wird dann auch gleich der nächste Queensrÿche Klassiker nachgelegt, vom 1990er Empire Album. Wow, da ist man doch gleich noch mal jung. Apropos jung, Geoff Tate wird nächstes Jahr im Januar 60 Jahre alt, aber seine grandiose Stimme konnte er sich über all die Jahre definitiv erhalten. Er singt wie ein junger Gott, als wären die letzten 30 Jahre und auch die etlichen Gläser Wein heute völlig spurlos an ihm vorbeigegangen. Ebenfalls wieder mit am Start, der talentierte schottische Gitarrist Kieran Robertson, der zuvor schon mit Töchterchen Emily auf der Bühne stand. Bei den durchkonstruierten Queensrÿche Songs kann er seine wahren Qualitäten so richtig unter Beweis stellen. Es folgen I Will Remember vom 1986er Rage For Order Album und das grandiose Jet City Woman, ebenfalls vom erfolgreichen Empire Album. Das Publikum ist warm und der Funke ist längst übergesprungen, allerdings hätte ich nicht erwartet, dass die Weinbauern von Eichstetten so textsicher sind. Mit Chasing Blue Sky vom sehr alternativelastigen Album Hear In The Now Frontier aus 1997 wird mit dem Avantasia Drummer Felix Bohnke noch ein besonderer Special Guest begrüßt, der dann auch prompt am Cajon Platz nimmt. Auch Felix Bohnke ist in Eichstätten kein Unbekanner, war er doch schon zusammen mit Avantasia / Edguy Sänger Tobias Sammet auf der Herbstnachts Party im letzten Jahr dabei. Bohnke wirkt zunächst etwas orientierungslos, als wäre er kurzfristig und ohne Absprache dazu gestoßen, fügt sich dann aber gut ein. Mit Until There Was You vom 1999er-Album Q2K und dem Promised Land Song Someone Else von 1994 folgen zwei Songs aus der weniger erfolgreichen Queensrÿche Phase, in der die Musikwelt vom Grunge und Alternative dominiert wurde. Im Akustikgewand klingen die Songs jedoch völlig anders und werden vom Publikum gut angenommen. All Around The World von 2011er-Album Dedicated To Chaos war einer der letzten Songs, die Tate mit Queensrÿche geschrieben hat und es ist schon etwas verwunderlich, dass er einen Song aus dieser Phase im Programm hat. Ein Jahr später wurde er aus der Band gefeuert, mit der er über 30 Jahre gearbeitet hat und die quasi sein Leben war. Danach werden die Musiker noch einmal vorgestellt und verabschiedet. Nur Keyboarder Bruno Sa bleibt mit Tate auf der Bühne. Mit dem Brasilianer spielt er den letzten Song I Don`t Believe In Love von Operation Mindcrime alleine. Nach gut einer Stunde Spielzeit ist dann leider Schluss. Wegen mir hätte es noch eine Weile so weitergehen können und Songs wie Queen Of The Reich, Best I Can, Revolution Calling, Suite Sister Mary oder The Lady Wore Black hätte ich schon gerne in neuem Gewand gehört, doch das ließ sich, laut Tate, nicht umsetzen. Aber auch so war es ein super Konzertabend, der sicher noch lange in Erinnerung bleibt.

Vielen Dank an Friedrich Rinklin, das Weingut Rinklin und sein ganzes Team für die sehr gute Organisation, wir freuen uns auf nächstes Jahr!

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