Interview mit Gitarrist Simon Bertl von Sweeping Death

Fünf Jungs, die Bock auf verzerrte Gitarren, eigene Songs und Liveshows haben

Artist: Sweeping Death

Herkunft: Wildsteig, Deutschland

Genre: Progressive Heavy Metal

Links: https://www.facebook.com/SweepingDeath/ und https://sweepingdeath.de

Bandmitglieder:

Gesang – Elias Witzigmann
Gitarre – Simon Bertl
Gitarre – Markus Heilmeier
Bass – Andreas Bertl
Schlagzeug, Piano – Tobias Kasper

Time For Metal / Andreas F.:

Als Sweeping Death konntet ihr euch in den letzten Jahren, vor allem im süddeutschen Raum, einen guten Namen erspielen. Nichtsdestotrotz werden euch sicherlich noch nicht alle Time For Metal Leser kennen. Bitte stellt euch kurz vor, wer seid ihr und was macht ihr?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Wir sind Sweeping Death aus dem beschaulichen Wildsteig, tief im Süden Bayerns. Fünf Jungs, die Bock auf verzerrte Gitarren, eigene Songs und Liveshows haben.

Time For Metal / Andreas F.:

Genau genommen gibt es euch ja schon seit 2012, wo ihr euch unter dem Namen Order Of Priority gegründet habt. Dann hat sich das Member-Karussell gedreht und seit 2015 seid ihr im jetzigen Line-Up unter Sweeping Death aktiv. Was ist damals passiert und was hat euch zu dem neuen Namen bewogen? Wie seht ihr im Nachhinein die Entwicklung der Band und welche Faktoren haben euch zu einer funktionierenden Einheit gemacht?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Damals ist Folgendes passiert, was vielen funktionierenden Bands irgendwann mal passiert. Ein Teil von uns hat Blut geleckt, und wollte unbedingt alles in die Band stecken, was an emotionalen, psychischen und physischen Ressourcen zur Verfügung stand. Und der andere Teil der Band hat selbst gemerkt, dass er der Band nur im Weg steht, und hat sie schließlich verlassen. Wir hatten dann eine ziemlich gute Vorstellung, aus welchem Holz jemand geschnitzt sein sollte und haben unsere Idealbesetzung gefunden. Im Nachhinein waren diese Entwicklungen der entscheidende Wendepunkt für uns. Ein neuer Name hat sich einfach im Zusammenhang mit dem neuen Line-Up richtig angefühlt und wir funktionieren deshalb, weil wir eine sehr demokratische Band sind und wir uns alle immer auf Augenhöhe begegnen. Es gibt bei uns nicht den klassischen Bandleader. Jeder kann sich zu allem äußern und einbringen. Das macht uns zu einer extrem motivierten Einheit und hält die Band zusammen.

Time For Metal / Andreas F.:

Sweeping Death, eine beabsichtigte Spielerei / Ähnlichkeit zum Metallica-Klassiker Creeping Death?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Nein, überhaupt nicht. Der Name stammt noch aus unserer Anfangszeit, als wir total auf Bands wie Skull Fist, Lost Society oder Enforcer abgefahren sind. Unglaublich schnelle und technische Gitarren mit Sweep-Pickings fanden wir einfach geil und daher kam die Inspiration für Sweeping Death.

Time For Metal / Andreas F.:

Ihr habt euch mit Sweeping Death dem Progressive Metal verschrieben. Welche Bands haben euch persönlich beeinflusst und inwieweit hatte das Einfluss auf die Stilrichtung, die ihr dann mit der Band eingeschlagen habt? Ich meine, naheliegend wäre, ihr habt schon mit der Muttermilch die Songs von Fates Warning, Dream Theater, Queensrÿche, Redemption, Psychotic Waltz, Savatage … ect. aufgesogen …

Sweeping Death / Simon Bertl:

Andere Bands sind immer die größte Inspirationsquelle, ob man will oder nicht. Unsere beiden Releases sind eine ziemlich gute Momentaufnahmen von den Bands, die wir zu der Zeit gut fanden. Trotzdem haben wir immer versucht, viele verschiedene Einflüsse neu zu kombinieren und unseren eigenen Stil zu entwickeln, daher kam dann wohl irgendwann das Label „Progressive“, wobei ich unsere Musik nicht mit Dream Theater oder ähnlichen Progressive Metal Größen vergleichen würde. Im Moment sind Bands wie Tribulation, Opeth oder Dissection ganz oben auf unserer Playlist und das wird man vielleicht auch auf zukünftigen Releases hören oder eben nicht, wer weiß …

Time For Metal / Andreas F.:

Ihr habt 2017 die EP Astoria veröffentlicht, mit der ihr ein erstes großes Ausrufezeichen gesetzt habt. 2018 folgte dann mit In Lucid euer Debütalbum, das durchweg gute Kritiken einfahren konnte. Was hat sich nach der Veröffentlichung für euch geändert und welche Türen hat euch das Album geöffnet?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Seit dem Release von Astoria ist bei uns extrem viel passiert. Wir haben alles gespielt, was wir irgendwie organisiert bekommen haben und dabei Erfahrung und viele Bekanntschaften gesammelt. In Lucid ist das Produkt einer sehr ereignisreichen, aufreibenden und inspirierenden Zeit. Seit dem Release genießen wir jede Liveshow mit dem neuen Material und saugen auf, was von den Leuten zurückkommt. Wir sind stolz auf beide Platten und wer weiß, was die Zukunft damit bringt.

Time For Metal / Andreas F.:

Gibt es ein Erfolgsgeheimnis?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Einfach machen! Nicht nur drüber reden und nachdenken, sondern machen. Und gutes Teamwork, den anderen immer respektieren und sich gegenseitig wachsen lassen. Das sind unsere Erfolgsgeheimnisse.

Time For Metal / Andreas F.:

Ich habe euer Album natürlich im Schrank stehen, jedoch habe ich keine Ahnung, was ihr zuvor mit Order Of Priority gemacht habt. Auf Astoria wart ihr im Progressive Thrash angesiedelt und mit In Lucid habt ihr eure Thrash-Wurzeln weitestgehend abgelegt. Wie hat sich eure Musik im Laufe der Jahre verändert? Ihr habt ja wahrscheinlich nicht mit Progressive Metal angefangen und habt gleich Perlen wie z. B. Suicide Of A Chiromanist rausgehauen.

Sweeping Death / Simon Bertl:

Tatsächlich liegen unsere Wurzeln in dieser jungen Thrash Metal Bewegung, die vor einigen Jahren ziemlich große Wellen geschlagen hat. Und genauso richtig ist es, dass wir diese Thrash-Wurzeln mit In Lucid weitestgehend hinter uns gelassen haben. Wir versuchen immer, das zu machen, worauf wir gerade Bock haben und das kann dann von einem komplexen Song wie Suicide of a Chiromantist, bis zu einem geradlinigen Song wie Horror Infernal reichen. Mit Order of Priority haben wir nichts Nennenswertes veröffentlicht.

Time For Metal / Andreas F.:

Ihr habt euch musikalisch ja ordentlich weiterentwickelt. Wie kam es dazu, dass ihr euch vom Thrash so abrupt abgewendet habt und progressiver zur Sache gegangen seid? Wie zufrieden seid ihr, jetzt mit dem entsprechenden Abstand, noch mit In Lucid und würdet ihr heute irgendetwas anders machen?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Einer der Gründe, warum wir uns vom Thrash Metal ein Stück wegbewegt haben, ist die schiere Masse an Thrash Bands, in der wir nicht untergehen wollten. Wir haben uns bewusst davon abgewendet einem bestimmten Genre und seinen Limitationen hinterherzurennen und versuchen einen eigenständigen Stil zu entwickeln. Wir sahen einfach keinen Reiz, uns unter all den anderen Bands einzureihen und wollen lieber hervorstechen. Thrash Metal können andere besser.

Time For Metal / Andreas F.:

Vor einigen Monaten konnte man lesen, dass ihr In Lucid nachträglich via ftwctp Records auf Vinyl veröffentlichen wollt. Ist der Prozess mittlerweile abgeschlossen oder wie ist der Stand der Dinge?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Wir sind sehr stolz, dass Album mit ftwctp Records noch auf Vinyl rauszubringen. Der Auftrag ans Presswerk ist schon raus und wir sind guter Dinge, dass alles Ende Mai soweit zum Release bereit ist. Wir planen auch eine auf 20 Stk. limitierte Special Edition Box, ein befreundeter Schreiner hilft uns dabei. Die Lyrics werden handschriftlich drin sein, genauso wie eine Kerze, ein Patch und die CD. Außerdem wird es die Vinyls auch in verschiedenen Farben geben – einfach unsere Seiten im Auge behalten, um über das Release auf dem Laufenden zu bleiben.

Time For Metal / Andreas F.:

Das hört sich gut an mit der Box, diese würde gut in meine Sammlung passen. Ihr wisst, wie ihr mich erreicht, wenn sie fertig ist …? 😉

Ihr habt viele neoklassische Elemente verwendet, mit denen viele andere Bands sicherlich überfordert wären. Ihr habt auf Astoria damit schon begonnen und habt das dann auf dem Album in logischer Konsequenz fortgesetzt. Wie kam es dazu, habt ihr musikalische Ausbildungen? Habt ihr Musik studiert, und wie seid ihr sonst in der Klassik verwurzelt?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Die neoklassischen Einflüsse stammen von unserem Mann am Schlagzeug, Tobias Kasper. Neben den Drums beherrscht er das Klavier unglaublich gut und hat einige Jahre klassischen Klavierunterricht gehabt. Mit ordentlich verzerrten Gitarren, klingen neoklassische Läufe einfach geil und haben so ihren Weg in unsere Musik gefunden.

Time For Metal / Andreas F.:

Was kommt als Nächstes, vielleicht Chöre, Orchester …?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Die Zukunft bringt wohl eher wieder mehr Dreck und rohe Gitarren, aber wer weiß … 😉

Time For Metal / Andreas F.:

Ihr habt Astoria in Eigenregie rausgehauen und auch bei In Lucid habt ihr wieder alles selbst in die Hand genommen. Wollt ihr unbedingt selbstständig bleiben, vielleicht um keine Kompromisse eingehen zu müssen, oder woran liegt es eurer Meinung nach, dass ihr trotz des starken Albums noch kein Label im Rücken habt?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Labels sind leider lange nicht mehr das, was sie vielleicht mal waren. Grundsätzlich haben wir auf jedem Fall Bock unser Team zu erweitern und die Connections eines großen Labels zur Verfügung zu haben, aber wir werden keine Kompromisse eingehen und auch erst unterschreiben, wenn die richtigen Leute klingeln. Solange werden wir uns jedes noch so kleine Stück vom großen Kuchen selbst erkämpfen.

Time For Metal / Andreas F.:

Das Internet öffnet heutzutage viele Türen, nicht immer im positiven Sinne. Da ihr eure Veröffentlichungen selbst in die Hand nehmt, seid ihr ja sicherlich auf jeden Euro angewiesen, um das alles zu finanzieren. Wer vorschießt, will logischerweise hinterher etwas durch die Albumverkäufe zurückbekommen und sei es nur, um auch das nächste Album finanzieren zu können. Nun ist es aber so, dass man eure Musik über obskure Seiten wie z. B. goldesel.to auch illegal downloaden kann. Wie seht ihr das? Spielt das gerade im Metal-Bereich nicht so eine große Rolle, weil der geneigte Metalfan immer noch gerne das Original mit aufwendig gestaltetem Booklet sein Eigen nennen will, weil der Metalhead ein Jäger und Sammler ist, oder ist das für euch eine mittelschwere Katastrophe – der Anfang vom Ende?

Sweeping Death / Simon Bertl:

In der Metal-Szene gibt es auf jeden Fall noch Leute, die CD’s, T-Shirts und anderes Merch kaufen und uns einfach unterstützen wollen. Bei jedem, der sich hier angesprochen fühlt, wollen wir uns hiermit bedanken!!! Es ist richtig, wir müssen echt jeden Euro dreimal umdrehen und das macht es oft wirklich hart, aber in anderen Szenen ist das alles, glaube ich, noch mal schlimmer.

Time For Metal / Andreas F.:

Logowechsel – da muss ich natürlich noch mal nachhaken. Mit dem Stilwechsel kam das neue Logo, eine Art Neustart, um mit dem alten Sound abzuschließen? Ich meine, wenn eine Band plötzlich unter neuem Namen, oder wie in eurem Fall mit neuem Logo aktiv ist, dann ist das ja zunächst einmal kontraproduktiv, oder wie seht ihr das?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Definitiv. Mit dem neuen Logo haben wir auch visuell ein neues Kapital aufgeschlagen und ein anderes hinter uns gelassen. Am Ende wollen wir das geil finden, was wir veröffentlichen und wenn uns nach einem neuen Logo ist, dann machen wir das. Veränderung bringt oft so viel frischen Wind in alles und auf ewig an alte Logos oder Namen gekettet zu sein, ist wohl nichts für uns.

Time For Metal / Andreas F.:

Ich will gar nicht mehr so viel auf In Lucid rumreiten, darüber ist genug geschrieben worden. Wie sehen eure weiteren Planungen für 2019 / 2020 aus? Ist ein neues Album geplant, bastelt ihr schon an neuen Songs …? Zwischen eurer EP und dem Album lag ja auch nur ein gutes Jahr. Wenn ja, werden wir wieder mit Überraschungen zu rechnen haben und eine weiteres Gesicht (Facette) von euch zu hören bekommen, so wie im AstoriaIn Lucid-Vergleich?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Dazu kann ich noch nicht so viel verraten. Nur so viel: Ja, es gibt Planungen und ja, es wird wieder eine neue Seite von uns zu hören und sehen sein.

Time For Metal / Andreas F.:

Wie entstehen eure Songs? Schreibt ihr die Songs im Kollektiv, oder wie seid ihr da aufgeteilt?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Tobi, unser Schlagzeuger hat sich zu einer Art Haupt-Songwriter entwickelt. Er schreibt einen Großteil am Klavier. Am Klavier hat man einfach den natürlichen Vorteil, mit der linken und rechten Hand Harmonie und Melodie gleichzeitig zu komponieren. Trotzdem steuern wir Gitarristen auch immer wieder Riffs bei. Solos und Basslines schreibt jeder selber und beim Gesang arbeiten wir wieder komplett als Kollektiv und suchen schöne Linien. Auch hier sind wir wieder mehr ein Team als Einzelkämpfer, was die Musik so vielschichtig macht.

Time For Metal / Andreas F.:

Wovon handeln eure Texte und wie entstehen die? Basieren die Texte auf persönlichen Erfahrungen / Einstellungen? Wollt ihr mit euren Texten etwas vermitteln, oder werden doch eher im Metal typische Klischees abgearbeitet?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Hier haben wir uns deutlich weiterentwickelt. Auf Astoria klingt die Klischee-Keule schon noch deutlich und oft durch – ganz anders auf In Lucid. Hier steht ein komplett durchdachtes Konzept hinter den Lyrics und auch der Musik. Wer genau hinhört, wird mit dem Klavierstück in der Mitte des Albums einen Schnitt zwischen der ersten und der zweiten Hälfte hören. Auf den Punkt gebracht, geht es auf der ganzen Platte um die Balance zwischen Chaos und Vernunft, die uns als Menschen und die Natur um uns herum ausmacht. Ich denke auch, in unseren Liveshows ist das deutlich zu hören und zu spüren.

Time For Metal / Andreas F.:

Euer Album habt ihr 2018 veröffentlicht, was sicherlich das Band-Highlight des Jahres war. Gibt es in 2019 irgendein großes Ereignis, auf das ihr euch besonders freut?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Ein Highlight 2019 haben wir schon hinter uns, und zwar unsere Last Acts of Defiance Tour mit Pripjat aus Köln. Die Tour war ein großer Erfolg. Wir haben auch hier wieder alles zusammen mit den anderen Jungs selbst organisiert und gezeigt, man braucht nicht unbedingt eine Agentur oder ein Label im Rücken.

Time For Metal / Andreas F.:

Für viele Bands ist es ja das Größte, einmal in Wacken zu spielen. Wovon träumt ihr und welche Hürden würdet ihr gerne einmal erklimmen?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Ich persönlich wünsche mir einfach nur ein bisschen mehr finanzielle Freiheit für die Band. Es ist so frustrierend zu sehen, wie viel Kraft und Energie jeder von uns gibt und am Ende können wir teilweise nicht mal den Sprit zum nächsten Konzert zahlen. Wir werden nicht aufgeben, aber ein bisschen mehr Freiheit wäre hier mein großer Traum.

Time For Metal / Andreas F.:

Ihr könnt aus den Vollen schöpfen. Wie würde eure Wunschtour / Festivalauftritt aussehen und mit welchen Bands würdet ihr dort gerne spielen?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Meine Wunschtour wäre definitiv mit Tribulation. Und ein Festival-Auftritt mit Gojira, Mastodon und Opeth als Headliner.

Time For Metal / Andreas F.:

Ich habe euch zum letzten Mal im November 2018 auf dem 7. Black Nose Day in Renchen live gesehen, wo ihr mit Mystic Prophecy, Syrence, The Wrong Turn, Spectrus und Draconian Remains für den guten Zweck gespielt habt. Der Gig war ja relativ schlecht besucht und trotzdem habt ihr die Bude gerockt und habt den überzeugendsten Auftritt des ganzen Abends abgeliefert. Wie war das für euch und wie bewertet ihr solche Benefiz-Gigs?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Über den Gig sprechen wir tatsächlich selber noch oft. An dem Abend haben wir zwei Konzerte gespielt. Wir haben den Abend in Renchen eröffnet, sind auf die Bühne und haben einfach 30 Minuten alles rausgelassen, was so in uns steckt. Danach runter von der Bühne, ab in den Bus und zu unseren Freunden von den Sons of Sounds nach Waldbronn. Wer uns kennt weiß, dass wir jedes Mal Vollgas geben. Wer uns noch nicht kennt, überzeugt euch selbst!

Time For Metal / Andreas F.:

Nur wenige Bands können von ihrer Kunst allein leben. Ich gehe mal ganz stark davon aus, dass ihr noch nicht dazu gehört. Was macht ihr sonst so für obskure Jobs, wenn ihr nicht auf der Bühne steht, um eure Brötchen zu verdienen?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Wie oben schon angedeutet, sind wir davon sehr weit entfernt. Ich persönlich habe Soziologie und Gitarre am MGI in München studiert und arbeite im Hotel und Gasthof meiner Eltern in Wildsteig. Wer von euch also mal im Süden unterwegs ist – ich würde mich freuen, euch bei uns im „Kirchberger“ zu bekochen. 😉

Time For Metal / Andreas F.:

Na, das Angebot kann man ja kaum abschlagen. Ich werde es mir merken, wenn ich das nächste Mal in Bayern unterwegs bin …

Das Konzertverhalten der Menschen hat sich im Laufe der Jahre wesentlich geändert. Wenn ich an meine Jugend zurückdenke, da haben wir jedes irgendwie erreichbare Konzert mitgenommen. Damals in den 80ern gab es eben nicht so die Masse an Bands wie heute und somit nicht so viele Möglichkeiten. Heute hat man fast täglich die Möglichkeit ein Konzert zu besuchen, an den Wochenenden muss man sich sogar entscheiden, wo man hingeht. Jedoch sind die Leute bereit, für Tickets der großen, bekannten Acts wie z. B. Rammstein, Slayer, Iron Maiden, Metallica, Kiss … ect. teils utopische Summen zu zahlen, sind dagegen aber kaum noch bereit, für ein Underground-Konzert mit drei Bands 20 Euro zu berappen. Und während des Konzertes sind viele damit beschäftigt, durch das Display ihres Smartphones zu glotzen, um ein verwackeltes Video mit miesem Sound für YouTube aufzunehmen, anstatt das Konzert zu genießen und der Band etwas zurückzugeben. Wie bewertet ihr solches Verhalten?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Leute, legt die Handys weg, holt euch ein Bier und genießt die Musik!!! Die Künstler wollen euch was geben und mit euch leben, nicht mit euren Handys …

Time For Metal / Andreas F.:

Geht ihr privat auch noch auf Konzerte und wenn ja, welche Bands und Genres bevorzugt ihr da?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Auf jedem Fall! Ich liebe es, auf Konzerte zu gehen. Natürlich gehe ich zu meinen Metal-Idolen, aber auch recht oft einfach auf Verdacht, wenn ich die Band nicht kenne – welches Genre spielt dabei keine große Rolle.

Time For Metal / Andreas F.:

Ihr seid ja nun schon einige Jahre als Band aktiv. Was würdet ihr ändern, wenn ihr im Musik-Business etwas zu sagen hättet?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Ich würde die alten Säcke mal langsam in den Ruhestand schicken … 😉 Es warten viele junge, hungrige Bands da draußen!

Time For Metal / Andreas F.:

Welche Highlights aus eurer bisherigen Bandgeschichte sind euch besonders im Gedächtnis geblieben und woran denkt ihr nicht so gerne zurück?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Es gibt einen Haufen Konzerte, an die ich immer wieder gerne zurückdenke. Aber ich schau auch einfach gern in die Zukunft. Ein paar lange Autofahrten nach Gigs sind mir noch negativ im Kopf hängen geblieben …

Time For Metal / Andreas F.:

Stehen in nächster Zeit Konzerte und Festivals an, wo man euch live erleben kann?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Klar! Wir spielen in Buchloe nächstes Wochenende und die Woche drauf sind wir in Cham und Gelsenkirchen. Schaut auf unsere Website für mehr Infos. Und ich hoffe, wir sehen uns da!

Time For Metal / Andreas F.:

Gibt es zum Schluss noch etwas, was ihr den Time For Metal Lesern sagen wollt?

Sweeping Death / Simon Bertl:

Liebe Leser, danke für eure Zeit. Unterstützt weiter Musik und Kultur und ich hoffe, wir sehen uns auf einem unserer Konzerte!!! Bis dann …

Time For Metal / Andreas F.:

Vielen Dank Simon, dass du dir Zeit für uns genommen hast. Wir sehen uns spätestens beim Metal Cafe in Lörrach …

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