Korn im Palladium Köln am 06.05.2014

 

Eventname: „The Paradigm Shift Tour“ 2014 – live im Palladium Köln

Headliner: Korn

Vorband(s): Hacktivist

Ort:
Palladium, Köln

Datum: 06.05.2014

Kosten: 54€ im VVK

Genre: Nu Metal

Besucher: ca. 3.800

Link: http://www.korn.com/

Setliste:

  1. Falling Away from Me
  2. Twist
  3. Got the Life
  4. Love & Meth
  5. Narcissistic Cannibal
  6. Dead Bodies Everywhere
  7. Spike in My Veins
  8. Get Up!
  9. Did My Time
  10. Shoots and Ladders Somebody Someone
  11. Coming Undone
  12. Here to Stay
  13. Drum Solo (part of Starting Over and … more)
  14. Never Never
  15. Freak on a Leash

Zugabe:

  1. Molested Intro
  2. Clown
  3. Good God
  4. Blind

 

 Korn 2014

Korn sind wieder auf Tour und haben sich für ein exklusives Deutschlandkonzert im Kölner Palladium niedergelassen. Viele sind dem Ruf der unbestrittenen Könige des Nu-Metals gefolgt und haben an einem beschaulichen Dienstag die Location zum Beben gebracht. Auch wenn noch Tickets im Vorverkauf zu bekommen waren, platzte das Palladium mit seinen ca. 3.800 Gästen aus allen Nähten. Klar, für ein so exklusives Konzert nimmt man gerne eine etwas längere Anfahrt in Kauf aber Korn schaffen es selbst nach 20 Jahren Bandgeschichte Deutschland zu mobilisieren. Mir sind Leute aus Bayern, Berlin und aus Sylt begegnet, die alle das Konzert kaum abwarten konnten. Dementsprechend bunt gemischt was das Publikum. Neben blutjungen Damen mit rotem Lippenstift und weißer Perlenkette tummelten sich alteingesessene Metaler und ältere Herren im Karrohemd. Aber ich habe auch ehrlich gesagt nichts anderes erwartet bei einer Band, die einen so mitreißen kann.

Auch wenn es erst um 20 Uhr losgehen soll, bin ich etwas eher da und staune nicht schlecht als ich die Bühne sehe. Normalerweise ist man von vielen Konzerten gewohnt, dass irgendwo an der Bühne ein Bandlogo oder der Bandname steht, ab und an findet man auch eine Skulptur aber im Großen und Ganzen sieht die Bühne bei vielen Bands trostlos aus. Korn dagegen liefern schon bei der Bühnengestaltung eine gute Show ab. Bandlogos sucht man vergebens, aber dafür befindet sich an der hinteren Bühnenwand ein riesiges Plakat, das die ganze Wand ausfüllt. Auf dem Plakat befinden sich zahlreiche schwarz-weiß Röhrenfernseher, die mehr oder minder bizarre Szenen aus dem amerikanischen Fernsehalltag zeigen. Wo ein Ausschnitt mit Barack Obama und Elvis  sicher noch zu den normaleren Motiven gehört, konnte man auch die Teletubis sehen oder das mittlerweile berühmte Motiv wie sich Miley Cyrus halb nackt vor Robin Thicke räkelt. Neben der beeindruckenden Hintergrundkulisse wurden aber auch die Instrumente eindrucksvoll in Szene gesetzt. Das Schlagzeug befindet sich im Hintergrund auf einem großen Podest und Drummer Ray Luzier kann von oben über die restlichen Bandmitglieder hinweggucken. In der rechten hinteren Ecke wurde ein DJ-Pult aufgestellt. Der Tisch von dem Pullt wurde mit alten Reklameschildern verkleidet, die in unterschiedlichen Farben leuchten können. Auch ohne einen einzigen Ton gehört zu haben, bin ich von der Kulisse schon echt beeindruckt.

Pünktlich um 20 Uhr ist es dann endlich so weit. Der Saal wird dunkel und die Vorband Hacktivist betritt die Bühne. Die fünf Jungs aus England haben sich ganz dem Progressive Metal und dem Rap Metal verschrieben. Hacktivist können 30 Minuten lang die Menge anheizen und tun dies auch mit vollem Elan. Ich wundere mich während des ganzen Auftritts über die wirklich gute Lichtshow, die die Band perfekt in Szene setzt und die Songs klasse untermalt. Ich habe Hacktivist bisher noch nicht live gesehen, aber die Jungs sind mir gleich zu Beginn an sympathisch. Der Sänger Timfy lässt den Bad Boy raushängen, rotzt auf die Bühne und benutzt mehr Schimpfwörter in einem Satz als manch anderer in einem Jahr und trotzdem geht er sehr höflich mit dem Publikum um und bedankt sich sehr aufrichtig bei seinen Fans für ihre Treue. Dieser Mix macht die Band sehr menschlich und damit auch sehr sympathisch. Und obwohl sie meiner Meinung nach gute Musik abliefern und eine geile Show machen, können sie keine Begeisterungsstürme entfachen. Das höchste der Gefühle sind ein paar wippende Köpfe und ein paar wenige, emporgestreckte Hände. Man merkt halt, dass die Leute primär für Korn da sind.

Ich weiß nicht, ob es Starallüren sind oder die Band während des Meet and Greets aufgehalten wird, aber sie lassen ihre Fans vor der Bühne eine ganze Weile warten. Korn sollten eigentlich nach einem 30 minütigen Bühnenaufbau auf die Bühne kommen, lassen sich aber erstmal nicht blicken. Dafür wird man mit mehr oder minder guter Musik aus den Lautsprechern beschallt. Nach weiteren 15 Minuten ist es dann endlich so weit und Korn betreten die Bühne. Die Fans bereiten ihnen einen schillernden Empfang, bei manchem weiblichen Fan erwarte ich eigentlich jeden Moment, dass sie ihre Lunge ausschreit. Der euphorische Empfang scheint aber auch bei Korn selber sehr gut anzukommen. Das ganze Konzert kann man eigentlich als große Party beschreiben. Jeder Song wird von den Fans lautstark mitgesungen, es wird getanzt, es wird gemosht und es wird gepogt. Trotz der guten Stimmung fallen ein paar „Fans“ sehr negativ auf. Es fliegen Plastikbecher durch die Gegend und sogar teilweise auf die Bühne, es wird darüber hinaus die ganze Zeit viel geschubst und um den besten Platz gerangelt. Besonders störend sind die Gäste, die zehn Minuten nach Konzertbeginn kommen, sich von ganzen hinten unglaublich penetrant nach vorne drängeln müssen, nur um dann vorne festzustellen, dass sie lieber etwas weiter hinten stehen. Besonders anstrengend finde ich aber diese Handyzombies, die sich bei Korn gleich rudelweise zusammentun. Warum muss man ein gesamtes Konzert durch eine kleines, unscharfes 5 Zoll Display gucken und den Leuten hinter sich zudem noch die Sicht nehmen? Den Handyzombies reicht es dabei aber nicht, dass sie in einer Tour unkenntliche Videos und Fotos machen, nein, sie müssen dabei noch das Blitzlicht anmachen, das die halbe Halle erleuchtet aber nicht ansatzweise bis zur Bühne vordringt. Natürlich gibt es solche Leute überall, aber bei Korn fallen mir besonders viele davon negativ auf.

Dank der guten Stimmung und vor allem der guten Musik können solche Leute an diesem Abend die Tour nicht versauen. Die Band packt in ihrer knapp zweistündigen Spielzeit ihr komplettes Repertoire aus und haut das Beste aus der zwanzigjährigen Bandgeschichte raus. Insgesamt gibt es eine gute Mischung aus alten Klassikern und Songs aus Paradigm Shift auf die Ohren. Besonders heiß her geht es bei Freak On A Leash und Here To Stay. Das Publikum ist wirklich Bombe drauf und schafft es sogar teilweise die Band mit ihrem Gesang zu übertönen. Es gibt kein Lied, das nicht exzessiv von der Meute mitgesungen wird. Wenn es mal kein Lied zum Mitsingen gibt, sucht man sich halt selber etwas zum Singen. Dementsprechend oft gibt es „Korn“-Chöre zwischen den Songs. Die Stimmung im Publikum steckt sogar Jonathan Davis an, der sich sichtlich freut und immer mal wieder die ein oder andere Ansage macht. Für Korn ist das schon echt eine Seltenheit. Aber auch die anderen Bandmitglieder gehen gut ab. Ray Luzier lässt die Drumsticks nur so über die Drums fliegen und schleudert die Dinger teilweise ein bis zwei Meter in die Luft und fängt sie zielsicher wieder auf. Korn haben es über die Touren hinweg perfektioniert, eine geile Show abzuliefern. Bei Shoot And Ladders packt Jonathan stilecht den Dudelsack aus und verleiht dem Song noch das gewisse Etwas. Lediglich als Jonathan sich bei allen Leuten in ….ah fuck…. „Cologne“ bedanken möchte, wird es ein wenig peinlich aber ansonsten wird die Show professionell durchgezogen. Nach 60 Minuten wird es schwarz auf der Bühne und das übliche Zugabenspiel beginnt. Klar, wer lässt sich nicht gerne auf die Bühne bitten? Als besonderes Bonbon gibt es in der Zugabe noch die komplette Version von Good God – mein persönliches Highlight. Zusammenfassend kann man eigentlich nur sagen, dass sich über das gesamte Konzert ein Highlight an das nächste gereiht hat. Korn sind live unglaublich stark und es ist regelrecht schade, dass sie nur ein einziges Konzert in Deutschland gegeben haben. Korn stehen definitiv ganz weit oben in der „Must see bands“-Liste und hoffentlich bleiben sie uns noch die nächsten zwanzig Jahre erhalten.

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