Witch Fever, Support City Dog am 27.04.2026 in Wiesbaden im Kesselhaus

"Industrial Worship" European/UK-Tour 2026

Bands: Witch Fever

Ort: Kesselhaus im Schlachthof Wiesbaden, Murnaustraße 1, 65189 Wiesbaden

Datum: 27.04.2026

Kosten: 28,35 € VVK, 30 € AK

Genre: Doom Punk, Grunge, Metal 

Veranstalter: Schlachthof Wiesbaden

Link: https://schlachthof-wiesbaden.de/events/witch-fever-2026

Heute ist wieder so ein Montagabend, an dem wohl noch viele Wochenendgänger zu Hause sind, die sich aber bestimmt mächtig ärgern werden, dass sie heute nicht dabei gewesen sind. Im Kesselhaus hier in Wiesbaden treffen mit Witch Fever und ihrem Support City Dog zwei Bands aufeinander, die auf unterschiedliche Weise Intensität neu definieren. Das wollen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen.

City Dog – kontrollierter Kontrollverlust als Brandbeschleuniger

Als Support für Witch Fever stehen heute City Dog im Kesselhaus Wiesbaden auf der Bühne und schaffen es auch recht schnell, den Raum innerhalb weniger Minuten auf Betriebstemperatur zu bringen.

Bei der Band gibt es kein vorsichtiges Antesten, kein langsames Warmwerden. Stattdessen ein direkter Sprung ins Chaos. Die Energie ist roh, ungefiltert und fast schon überfordernd – im besten Sinne.

City Dog, Kesselhaus Wiesbaden 2026, Pic by Big Simonski
City Dog, Kesselhaus Wiesbaden 2026, Pic by Big Simonski

Man merkt City Dog ihre Herkunft aus der südenglischen DIY- und Punk-Szene deutlich an. Ihre Shows wirken wie ein kontrollierter Kontrollverlust: hektisch, laut, schweißtreibend. Vor ein paar Jahren als Projekt von Deri Bovaird (Gesang, Gitarre) und Keelan Shepard (Schlagzeug) gegründet, gesellte sich dann noch Bassist Jack Dewdney dazu. Diesen ersetzt allerdings mittlerweile wohl Aaron Butler. Das Ruder in der Hand auf der Bühne hat allerdings Deri Bovaird, der ein bisschen unnahbar wirkt, aber mit einer Bühnenpräsenz, die man nicht ignorieren kann. Sein Gitarrenspiel pendelt irgendwo zwischen dreckigem Garage-Rock und fast schon übersteuertem Alternative-Riffing.

Musikalisch bleibt das Set angenehm schwer greifbar. Einflüsse von Bands wie Drenge, Muse oder Faith No More blitzen immer wieder durch, ohne dass City Dog je wie eine Kopie wirken. Stattdessen entsteht ein wilder Mix aus Punk, Garage und Alternative, der vor allem live seine volle Wirkung entfaltet.

Songs wie I Might Die oder From The Drain stehen auf der Setliste. Zwischen den Songs gönnt sich die Band kurze Momente zum Durchatmen, verliert aber nie komplett den Druck. Spätestens mit Burn The Witch hat die Band hier im Kesselhaus die Fans für sich gewonnen.

City Dog spielen nicht geschniegelt, sondern hungrig. Ihre Performance lebt von Tempo, Risiko und einer fast schon überdrehten Spielfreude.

Witch Fever – dunkle Intensität zwischen Ekstase und Abgrund

Als nach der Umbauphase Witch Fever die Bühne betreten, entlädt sich die Stimmung vom ersten Moment an. Das Quartett aus Manchester eröffnet den Abend mit einer Darbietung, die von starken Gegensätzen lebt: zwischen fragiler Atmosphäre und eruptiver Wucht, zwischen fast schon entrückter Melancholie und roher Energie.

Schon bei Dead To Me und Northstar wird klar, wohin die Reise geht. Die Songs wirken wie düstere Erzählungen, getragen von flirrenden Klangflächen, die sich plötzlich in massive Soundwände verwandeln. Besonders eindrucksvoll ist dieses Wechselspiel bei The Garden und Amber, wo sich ruhige, beinahe schwebende Passagen mit brachialen Ausbrüchen verzahnen. Der Sound ist hypnotisch, bedrückend und gleichzeitig seltsam schön.

Im Zentrum steht Sängerin Amy Walpole, die mit scheinbarer Leichtigkeit zwischen zerbrechlichen Melodien und wütenden Ausbrüchen pendelt. Ihre Präsenz ist intensiv, fast körperlich spürbar. Sie bewegt sich unentwegt auf der Bühne, fast wie auf einem Laufsteg – eine Mischung aus Kontrolle und ungebändigter Emotion. Gitarristin Alex Thompson bewegt sich ebenfalls auf der Bühne, allerdings nur in ihrem zugewiesenen Terrain.  Am Bass sorgt Alisha Yarwood mit ihren tiefen, massiven Linien für das düstere Fundament, während Annabelle Joyce am Schlagzeug die Songs mit präziser Wucht und treibender Dynamik vorantreibt.

Witch Fever, Kesselhaus Wiesbaden 2026, Pic by Big Simonski

Der Bass ist dabei mehr als nur Fundament: Die schweren, druckvollen Linien geben Stücken wie Blessed Be Thy und Congregation eine monolithische Schwere, die sich durch den gesamten Raum zieht. Ein großer Teil des Sets stammt vom aktuellen Album Fevereaten, das live seine volle Wirkung entfaltet. Gerade Safe und der Titeltrack Fevereaten zeigen die Band in Bestform – kompromisslos, dicht und mitreißend. Die Band nutzt die Energie des Publikums spürbar für sich.

Mit Drank The Sap und Burn To Hit steigert sich die Intensität weiter, bevor I Reflect The Sun, It Bounces Back eine fast tranceartige Stimmung erzeugt. Die kurze Reprise wirkt wie ein Atemholen vor dem finalen Schlag: I See It beendet das Set mit einem letzten, alles verschlingenden Ausbruch, bei dem der Sänger der Supportband noch mit auf die Bühne darf.

Musikalisch bewegen sich Witch Fever irgendwo zwischen Post-Punk, Grunge und Noise-Rock, angereichert mit düsteren, fast schon sakral wirkenden Elementen. Ihre Songs kreisen um Themen wie Wut, Trauma und den Widerstand gegen gesellschaftliche Missstände – und genau diese emotionale Dringlichkeit macht den Auftritt so eindringlich.

Ein Abend, der zwei Seiten derselben Medaille zeigt: rohe, ungestüme Energie bei City Dog und die düstere, tiefgehende Intensität von Witch Fever. Während der Support das Publikum im Überschwang überrollt, ziehen Witch Fever es später in einen dichten, emotional aufgeladenen Strudel. Zusammen ergibt das eine mitreißende Mischung.

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