Event: Paradise Lost – Ascension Of Europe Tour 2026 – Part 2
Bands: Paradise Lost, Saturnus, Cwfen
Ort: Große Freiheit 36, Klosterwall 11, 20095 Hamburg
Datum: 07.02.2026
Kosten: VVK circa 49,75 €, sold out
Zuschauer: ca. 1100
Genre: Dark Metal, Gothic Metal, Doom Metal, Death Metal
Link: https://markthalle-hamburg.de/
Setlisten:
- The Storm Within
- Empty Handed
- Forest Of Insomnia
- I Long
- Christ Goodbye
- Serpent On The Cross
- Tragic Idol
- True Belief
- One Second
- Once Solemn
- Faith Divides Us – Death Unites Us
- Pity The Sadness
- Beneath Broken Earth
- Nothing Sacred
- Tyrants Serenade
- Requiem
- Mouth
- Say Just Words
- No Celebration
- Ghosts
- Silence Like The Grave
Im vergangenen Sommer tourten Paradise Lost gemeinsam mit King Diamond und konnten bei den Auftritten nicht immer überzeugen. Im September folgte mit Ascension ein neues Album, das wie eine Art Klammer das Schaffen von Paradise Lost in den 90ern zum aktuellen Sound hinzuzieht. Bereits im Herbst 2025 waren Nick Holmes und seine Mitstreiter unterwegs. Im Winter 2026 folgt der zweite Teil der Ascension Of Europe Tour. Zumindest in Hamburg haben Paradise Lost nichts von ihrer Anziehungskraft eingebüßt. Bereits Wochen vor der Show meldet die Markthalle eine ausverkaufte Bude. Klar, Samstag ist perfekt für Konzerte und einen langen Abend. Aber auch das Set beim ersten Teil der Tour war ein Ausrufezeichen. Die gesamte Historie der Band, von Anfang der 90er bis heute, fand sich auf der Setlist wieder. Entsprechend herrscht Vorfreude auf den Auftritt der bekannten vier Herren aus Yorkshire. An den Drums ist seit 2025 ein alter Bekannter. Jeff Singer, der unter anderem auf der Platte In Requiem zu hören ist, kehrte vergangenes Jahr als festes Bandmitglied zu Paradise Lost zurück. Es ist angerichtet für einen Abend zwischen Doom, Gothic und Dark Rock und Metal.

Auch das Publikum spiegelt die Facetten der Band wider. Gothic-Fans sind genauso in der Markthalle zu finden, wie die Metal-Kutte oder auch Menschen, die eher die elektronische Phase in Richtung Depeche Mode und Sisters Of Mercy von Holmes und Co. feiern. Um 19 Uhr öffnen sich die Pforten, eine halbe Stunde später steht ein Quartett aus Wales auf den Brettern.
Paradise Lost und walisische Stumpfhosen
Cwfen sind vom Bandnamen bereits besonders. Die Band hat unter anderem Wurzeln in Wales, was den Namen erklärt. Wer im Netz die Übersetzung der walisischen Sprache bemüht, der bekommt als Ergebnis Strumpfhose. So schräg wie der Bandname, so nischig ist auch die Musik. Cwfen selbst bezeichnen es als Doomgaze. Einfacher ausgedrückt gibt es eine Mixtur aus Gothic, Doom und Dark Metal, wobei der Gesang ins Schreien driftet und zum Shoegaze passt. Sängerin und Gitarristin Agnes Alder und ihre Mitstreiter liefern Musik, die besonders ist, aber auch besonders sperrig. Wer die Musik antesten mag, wird auf Bandcamp fündig. Die Show selbst passt zum Doom und Gothic von Paradise Lost und die circa 30 Minuten füllt das Quartett mehr als anständig. Dann ist es Zeit für den ersten Change.
Zwischen Doom und Melodic Death Metal: Saturnus aus Dänemark
Mit Saturnus aus Dänemark geht es zum Doom, der irgendwo melodisch und mit gutturalem Gesang auch in Richtung Melodic Death Metal schielt. Fünf Platten haben Saturnus bisher veröffentlicht und die Anfänge liegen wie bei Paradise Lost in den frühen 90ern. Genretypisch haben die Nummern eine Überlänge, sodass es in circa 45 Minuten nur gerade einmal fünf Stücke zu hören gibt, die aber gerecht auf die fünf Werke verteilt werden. Nur der Titeltrack The Storm Within stammt von 2023er-Release. Selbst die Frühphase findet mit Christ Goodbye vom ersten Release Paradise Belongs To You Berücksichtigung. Gerade der gutturale Gesang kommt live deutlich besser rüber als auf der aktuellen Scheibe, wobei das Keyboard eine deutlich größere Rolle spielt. Bis auf ein Intro verzichten die Herren auf Klänge vom Band, was der gesamten Atmosphäre und dem Sound der Gitarren zugutekommt. Auch hier gilt: Wer sich mit Saturnus genauer beschäftigen mag, wird unter anderem auf Bandcamp fündig.

Die mittlerweile fast voll besetzte Markthalle feiert die Dänen ab, allen voran da Sänger Thomas Akim Grønbæk Jensen mit einer Geschichte bezüglich der Markthalle aufwarten kann, als er als Gast den Traum hatte, hier einmal auf der Bühne zu stehen. Insgesamt ein mehr als packender Gig der Truppe, die gerne wiederkommen darf.
Die finale Umbaupause benötigt einige Minuten länger und gegen 21:30 Uhr erlischt das Licht. Das bekannte Quartett steht auf der Bühne, wobei Bassist Steve Edmondson sich etwas versetzt, direkt vor den Drums platziert. Das Drumset ist mit der bekannten Plastikverglasung aus Covid-Zeiten versehen, sodass Jeff Singer etwas von den anderen Bandmitgliedern getrennt agiert.
Eine Reise durch die Geschichte von Paradise Lost

Die Show übernehmen vor allem Gitarrist Aaron Aedy, der fast jedes Stück lauthals mitgrölt, und Greg Mackintosh. Regie führt wie gewohnt stoisch Nick Holmes, der bereits als dritten Track in die Klassikerrubrik und True Belief von der LP Icon aus dem Jahr 1993 springt. Was bei Paradise Lost öfter mit einem Fragezeichen zu versehen ist, kommt heute perfekt rüber. Der Sound sitzt und das Quintett liefert eine Zeitreise über seine lange Bandgeschichte. One Second, Once Solemn, Faith Divides Us – Death Unites Us oder Pity The Sadness: Der alte Kracher aus dem Jahr 1992 reicht sich die Hand mit dem Titeltrack aus dem Jahr 2009 und der melodischen Sekunde aus dem Jahr 1997.
Nur vom Album One Seconds gibt es später noch mit Say Just Words eine zweite Kostprobe. Dafür aber genauso Mouth aus dem Jahr 2001 oder Tyrants Serenade vom aktuellen Album, das mit drei Nummern den Hauptanteil als Namensgeber am Set stellt. Die drei Lieder unterstreichen aber nochmals die Klammerfunktion von Ascension. Gefühlt könnte Tyrants Serenade auch von der Symbol Of Life sein. So ist der Schlusspunkt des Konzerts entsprechend gewählt. No Celebration aus dem Jahr 2002, gefolgt von Ghosts. Die Nummer befindet sich auf der während Covid veröffentlichten Scheibe Obsidian. Den Schlusspunkt setzt Silence Like A Grave, das im vergangenen Jahr zur Veröffentlichung kam, sich aber perfekt in die 90er-Jahre der Bandgeschichte einfügt.

Wenige Minuten vor 23 Uhr endet der Auftritt von Paradise Lost. Die Altmeister der Melancholie aus Halifax liefern exzellent ab und holen sich in Teilen den fast schon euphorischen Applaus der Crowd. Wer vor allem die facettenreichen Nummern von Paradise Lost aus den 90ern mag, bei denen Depeche Mode genauso als Einfluss ersichtlich sind wie Sisters Of Mercy, macht mit dem Besuch der Show nichts verkehrt. Dazu variieren Paradise Lost ihr Set. Am Vorabend stand zum Beispiel Gothic, der Titeltrack vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 1991, mit auf dem Zettel. Vielleicht haben Holmes und Co. auch noch Sachen wie As I Die oder Embers Fire auf Lager. Bei einer derart langen Historie und der Vielzahl an Platten und Hits fehlen immer Sachen, selbstverständlich auch heute Abend in Hamburg.






















