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Alter Bridge – The Last Hero

“Der Soundtrack für Helden”

Artist: Alter Bridge

Herkunft: Orlando, USA

Album: The Last Hero

Spiellänge: 66:04 Minuten

Genre: Alternative Metal, Alternative Rock

Release: 07.10.2016

Label: Napalm Records

Link: https://www.alterbridge.com/

Bandmitglieder:

Lead-Gesang, Gitarre – Myles Kennedy
Background-Gesang, Gitarre – Mark Tremonti
Bass – Brian Marshall
Schlagzeug – Scott Phillips

Tracklist:

  1. Show Me A Leader
  2. The Writing On the Wall
  3. The Other Side
  4. My Champion
  5. Poison In Your Veins
  6. Cradle To The Grave
  7. Losing Patience
  8. This Side Of Fate
  9. You Will Be Remembered
  10. Crows On A Wire
  11. Twilight
  12. Island Of Fools
  13. The Last Hero

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Every time we do a record, my only goal is for people to simply think it’s better than the previous one. We pushed ourselves so hard last time, and we knew were going to push ourselves much harder here. When we brought material in, it had to outdo Fortress.

Mit diesen großen Worten kündigte Mark Tremonti, seines Zeichens Gitarrist und Backgroundsänger von Alter Bridge das neue und damit fünfte Album The Last Hero an.

We don’t want to put out the same thing over and over again. We want to keep everyone guessing. There are three new tunings, and that helped keep us inspired. I’d never recorded on a seven-string until now.” fügt Tremonti hinzu und die Spannung steigt, wie sich diese Versprechen in der Umsetzung anhören mögen.

Was es mit dem Titel der Platte auf sich hat, erklärt Sänger und Gitarrist Myles Kennedy: “This record is definitely an exploration of the hero theme—whether it be the lack of heroes, the need for heroes, or a tribute to heroes. There’s a story in there.

Die neu entdeckten Siebensaiter-Gitarren werden dann auch direkt bei Track Nummer 1, Show Me A Leader, eingesetzt und nach einem Hardrock-lastigen Intro geht’s auch direkt in die Vollen. Treibende Gitarren ebnen Myles markanter Stimme den Weg durch satte Grooves und flinke Gitarrensoli. “We need a hero this time or we will never survive”, heißt es und man nimmt Herrn Kennedy dieses Flehen wahrlich ab.

The Writing On The Wall, jetzt schlägt’s 13. Zumindest könnte man die vorangestellten Glockenschläge als ebensolches Signal interpretieren, dass die Zeit reif ist, den Arsch hochzubekommen und etwas gegen die Missstände, wie auch immer sie geartet sein mögen zu tun. “We are running out of time.”, warnt Kennedy und angesichts aktueller Geschehnisse in der Welt klingt das auch gar nicht so weit hergeholt.

Choral und düster beginnt The Other Side. Ein disharmonisches Riff eröffnet den Song für Kennedys bedrohlich wirkende Vocals. Der Chorus hat beinahe Stoner-Charakter und kommt tief und wuchtig daher, bis er sich wohlig und harmonisch auflöst. Hossa. Alter Bridge verstehen es, Songs mit Tiefgang zu schreiben. My Champion löst die Handbremse und nimmt beschwingt und optimistisch Fahrt auf. Harmonisch klingt hier ein wenig der Pathos von In Loving Memory vom Debütalbum mit. Musikalisch hat man also die Zeilen “You’ve gotta keep fighting and get back up again”, optimal umgesetzt. Ein sauberes Gitarrensolo, vermutlich von Kennedy selbst, der für die Platte das erste Mal Soli vorab strukturiert hat, anstatt sie einfach während der Aufnahmen zu improvisieren lässt sich die Band hier nicht nehmen.

Poison In Your Veins ist so ein Song wie ein Roadtruck, wuchtig, protzig und brachial. Was sich ihm in den Weg stellt wird gnadenlos überrollt. Cradle To The Grave bringt mit der Akustikgitarre wieder etwas Ruhe ins Geschehen. Kennedy leidet und schmachtet, intoniert Verlustängste routiniert und versiert, glaubhaft und nachdrücklich. Das perfekte Zusammenspiel zwischen Tremonti und Kennedy zeigt sich hier durch die sich gegenseitig ergänzenden Gitarrenläufe besonders gut.

Losing Patience schafft es, die Angespanntheit, die der Song (gemäß Lyrics) transportieren soll, durch eine relativ monotone Strophe extrem gut zu verpacken. Stilistisch setzt die Band einleitend auf dumpfen Strophengesang Kennedys, um das Thema nachdrücklich zu untermauern. Der dem Refrain angeschlossene Post-Chorus hat beinahe Breakdown-Qualitäten und “You’re screaming for a second chance”, rundet den Moment des Kollabierens sauber ab.

This Side Of Fate, der längste Song der Platte, wartet mit Streicher-Unterstützung auf, wodurch ein massiver Klangteppich geschaffen wird und bekommt durch Akustikgitarren-Picking ein zusätzliches Schüppchen Pathos. Der flinke Zwischenteil hätte von einer Progressive Rock-Band des Kalibers Haken oder Dream Theater nicht besser gespielt werden können. Das Gitarrensolo erinnert an 80er Rock mit leicht bluesigem Unterton. Es scheint, als habe es sich wieder einmal bezahlt gemacht, dass Kennedy sich die Licks vorher zurechtgelegt und fein auf die Harmoniestrukturen abgestimmt hat.

You Will Be Remembered ist die Quasi-Ballade des Albums. Kennedy preist Helden, denen er zu spät seinen Dank ausgesprochen hat. “The song touches on the ultimate sacrifice soldiers, police, and firemen are willing to give.”, sagt Kennedy über den Song. Nun gut, damit wäre dann zumindest auch das patriotische Partikel eingeflochten und abgehakt. Mit viel Pathos und epischem Arrangement kreieren Alter Bridge hier eine klassische Rock-Nummer, die nicht durch Komplexität oder extrem kreatives Songwriting besticht, denn durch Stringenz und Empathie.

Crows On A Wire ist wieder etwas sperriger und schroff, poltert dem Hörer entgegen und wird durch Synthieteppiche noch in seiner Intensität befeuert, bevor die Band mit Twilight leichtere Töne im 6/8 Takt anschlägt. Einer der eher schwächeren Songs der Platte, wie ich finde, aber die Ausnahme.

Island Of Fools kommt riffgewaltig durch die Lautsprecher. Der Wechsel vom 4/4 Takt in den 6/8 im Refrain tut neben allerlei Gitarrenspielereien sein Übriges für einen abwechslungsreichen Song. Der Titelsong The Last Hero und zweitlängster Track der Platte spielt gekonnt mit den Möglichkeiten zweier Gitarren und liefert einen extrem schönen Refrain, der harmonisch ein wenig an Apocalypticas Song Faraway Vol. 2 mit Linda Sundblad (Ex-Lambretta) erinnert. Die letzte Minute des Songs gehört dann auch fast ausschließlich den Virtuosen an den sechs bzw. sieben Saiten, die noch einmal alles geben und der Platte einen würdigen Abschluss verleihen.

Bisher wurden zu folgenden Songs Videos veröffentlicht:

The Other Side:

Lyric-Video Show Me A Leader:

Lyric-Video My Champion:

Poison In Your Veins:

Die Band stattet im Rahmen ihrer Promo-Tour auch hierzulande einigen Städten einen Besuch ab und hat namhaften Support im Gepäck:

13.11.2016 Berlin, Columbiahalle (mit TBA + Like A Storm)
04.12.2016 Frankfurt, Jahrhunderthalle (mit Gojira und Like A Storm)
05.12.2016 Köln, Palladium  (mit Gojira und Like A Storm)
06.12.2016 Hamburg, Mehr! Theater  (mit Gojira und Like A Storm)
10.12.2016 München, Zenith  (mit Gojira und Like A Storm)

Fazit: The Last Hero ist eine massive und klanggewaltige Alternative Metal-Scheibe, die kaum mehr die Post Grunge-Klänge, die man von früheren Werken der Band kannte, durchblitzen lässt. Druckvoll, geradeaus nach vorne und zielstrebig gehen die vier Herrschaften hier zu Werke - und klingen wie eine Armee. Alter Bridge verstehen ihr Handwerk, kennen ihre Werkzeuge und wissen, sie gewinnbringend einzusetzen. Was extrem positiv auffällt, ist, dass nicht nur das Schlagzeug extrem natürlich und organisch klingt und man trotz des satten Sounds nicht das Gefühl hat, dass hier überproduziert wurde, um die klanglichen Ziele der Band, dem Vorgängeralbum noch einen oben drauf zu setzen zwanghaft zu erreichen. Lobenswert zu erwähnen ist auch das Zusammenspiel von Kennedy und Tremonti, die sich sehr gut ergänzen. Ersterer scheint gesanglich zudem neue Sphären zu erreichen und singt vereinzelt gefühlt höher denn je, ohne zwingend in die “Löcher am Knie-Jeanshosenmetal”-Fraktion abzudriften.

Anspieltipps: Show Me A Leader, Cradle To The Grave, Island Of Fools
Sebastian S.8.5
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