Eventname: Chaos Blast Meating: Howls From Above
Bands: Dopelord, Thronehammer, Acid Mammoth, Tons, Endonomos, Hidas
Ort: Feierwerk München (Hansa 39)
Datum: 18.01.2025
Kosten: 32,-€ VK / 40,- € AK
Genre: Doom Metal, Sludge, Stoner
Besucher: ca. 100
Veranstalter: Chaos Squad / Feierwerk München
Link: https://www.feierwerk.de/konzert-kulturprogramm

Etwas mehr als ein Jahr ist es her, seit das Chaos Squad das letzte Mal zum Chaos Blast Meating lud, damals hieß das Motto “Howls From Beyond”, an diesem frostigen Samstag lautet die Parole “Howls From Above”. Immerhin hat das Wetter dieses Mal ein Einsehen, und so bestehen gute Chancen, die Griechen von Acid Mammoth, die schon für die 2023er-Ausgabe angekündigt waren, dieses Mal tatsächlich erleben zu können. Insofern löst der heutige Abend ein altes Versprechen ein, auch wenn The Night Eternal wiederum unentschuldigt fehlen. Nun gut – man kann nicht alles haben, das Line-Up – so werde ich später resümieren – ist trotzdem mehr als stark, auch wenn mir die meisten Bands zu diesem Zeitpunkt noch völlig unbekannt sind, mit Ausnahme von Thronehammer, die ich vor nicht allzu langer Zeit bereits im Backstage München erleben durfte.

Der Fokus liegt – zumindest lt. Bandbeschreibungen – ausnahmslos auf Doom Metal, und ich bin gespannt, was der Abend so bringt.
Gerade so pünktlich zum Auftakt um halb sechs ins Hansa gestolpert, erlebe ich zunächst das, was sich eigentlich immer abspielt zu Beginn eines langen Konzertabends: der Raum vor der Bühne ist so gut wie leer und es sieht so aus, als wäre der Vorverkauf ziemlich schlecht gelaufen. Doch – und auch das gehört quasi zur Tradition – kurz nachdem das Licht erlischt, der Nebel von der Bühne wabert und die ersten Töne erklingen, kommen plötzlich aus allen möglichen und unmöglichen Ecken die schwarzen Gestalten angelaufen und auf einen Schlag ist Action im Saal. Beileibe nicht in kompletter und finaler Stärke, reicht das initiale Aufgebot jedoch völlig aus, um Hidas einen gebührenden Empfang zu bereiten.

Kaum sieht man die eigene Hand vor Augen, so emsig sind die Nebelwerfer bei der Sache. Man erahnt das Münchner Trio irgendwo im Gewaber aus blauem und rotem Licht, das rein instrumental gehaltene Doom- und Stonergedröhne überrascht musikalisch kaum, geht aber absolut klar und zudem gut ins Ohr, repetitiv und hypnotisch kann man wunderbar die Augen schließen und sich in die Soundwogen legen, viel zu sehen gibt’s aus genannten Gründen sowieso nicht. Wir hören Dopedynger, Pendulum, Tiefe und Chamber. Anscheinend ist das Versteckspiel im verdampfenden Fluid Pflicht für den Opener – ähnlich sah es auch schon anno 2023 bei Hæresis aus. Ein bisschen geht die filigrane Finesse der monolithischen Melodien in der Grobschlächtigkeit der PA (und vielleicht auch in meinem Gehörschutz) verloren, aber dafür kann man sich ja bei Bedarf die Platte noch einmal in Ruhe zu Gemüte führen. Die Reihen füllen sich mehr und mehr, und der zweite Auftritt des Abends rückt näher.
Auch Endonomos hatte ich bisher nicht auf dem Zettel, die Österreicher spielen eine meiner bevorzugten Doom-Varianten – die mit Death-Metal-Einschlag. Nicht nur klassisch-epischer Gesang bzw. Candlemass-Worshipping, sondern auch Growls und Gepolter. Sänger und Gitarrist Lukas beherrscht im Übrigen beide Styles, und das alles andere als schlecht – Respekt! Da verwundert es auch nicht, dass der letztjährige Longplayer Endonomos II – Enlightenment beachtliche 4.0 von 5.0 beim Angry Metal Guy einheimsen konnte. An Songs wie Hostile oder auch Atropos vom 2022er-Erstling kommt man als Doom-Jünger nicht vorbei, viel besser können das die Legenden wie etwa Mourning Beloveth auch nicht. Die Band verabschiedet sich mit den Worten “Es war uns eine Freude, euch die Laune zu vermiesen” – danke, es war auch dem Publikum eine Freude, wenn so ein vermiester Abend klingt, dann gern wieder.
Kurz nach halb acht geht’s dann noch ein Stück weiter südlich auf der Landkarte und Tons aus Turin klettern auf die Bühne. Dass diese Doom-Maschine wahrscheinlich nicht nur mit Kohle heizt, lassen schon die bunten Klamotten von Frontmann Paolo erahnen, und auch die Songtitel transportieren eindeutig-zweideutigen Subtext. 99 Weed Ballons – noch Fragen? Der Sound riecht und schmeckt jedenfalls eindeutig nach grünem Gebrösel, ein bisschen Electric Wizard, nur ohne okkulte Versatzstücke, dazu Paolos Gekeife, viel Wah-Wah und mächtige Drums. Kann man definitiv so machen, die Menge vor der Bühne feiert es jedenfalls heftig. Auch den Mann an den Drums hält es irgendwann nicht mehr auf seinem Hocker, uns so sprintet er nach vorn, um sich kurz gebührend abfeiern zu lassen. Ein atemloser Gig wie ein Rausch.
Und dann sind – sozusagen mit mehr als einem Jahr Verzug – endlich auch Acid Mammoth aus Athen am Start. Natürlich kommt die Sprache gleich zu Beginn auf den verpassten 2023er-Gig und den ursächlichen Schneesturm, umso mehr freut sich die Band ganz offensichtlich, endlich in München auf der Bühne stehen zu können.
Die Songs entfalten eine entrückt-psychedelische Aura und die Stimme von Sänger Chris passt hier wie die Faust aufs Auge, hypnotisierend und virtuos gespielt, zugleich regiert hier König Acid, und die Münchner Meute möchte gar nicht mehr runter von diesem Trip. Das Repertoire ist nach sieben Jahren Banddasein nicht zu klein, Songs wie Tree Of Woe oder Black Rites vom ersten Album sind bereits als Klassiker zu betrachten.

Bevor die grüne Brille noch einmal aufgesetzt wird, stürzen wir uns mit Thronehammer in epische Schlachten, die Band passt mit ihrem tonnenschweren Riffing und der anbetungswürdigen Röhre von Sängerin Kat musikalisch problemlos in die Reihen der anderen Kapellen, auch wenn die Texte eher von Schlachtgetümmel und toten Regenten als von Satan und Kifferei handeln.
Ein bisschen ist auch der Wurm drin, nicht nur im Sound-Setup mit Rückkopplungen, sondern in der gesamten, kleinen Tour, wie Kat dann auch im Laufe des Auftritts erzählt. Schon nach vier Tagen waren Ausfälle zu beklagen, und es ist nur Corny von Ahab, der jetzt tatsächlich hinter den Drums sitzt, zu verdanken, dass die Tour trotz ein paar geplatzter Termine doch noch fortgesetzt werden konnte. Angeblich hat er sich das Material an einem einzigen Tag draufgeschafft. Hut ab!
Wir hören Thronehammer, Kingslayer, Thy Blood und – zum ersten Mal auf einer Tour live – Shieldbreaker. Der Song A Fading King ist einem kürzlich verstorbenen Freund gewidmet. Großer Gestus liegt der Frau am Mikro, stimmlich spielt Kat Shevil Gillham eh in einer ganz eigenen Liga.
Der Abend neigt sich seinem Ende zu, und es obliegt Dopelord, die rote Laterne auf die Bühne zu tragen. Hier gibt’s noch mal Electric-Wizard-Worship, mit schaurigen Synthesizern, Sabbath-Riffs und zum Teil mehrstimmigem Gesang. Pawel und Piotr harmonieren ganz wunderbar an den Vocals, stimmungsvoll in Szene gesetzt von gestapelten Schädeln an den Mikrofonständern. Songs wie Hail Satan oder Reptile Sun transportieren den Kern eines Genres, in dem man Dopelord zweifellos zu den talentiertesten und authentischsten Vertretern zählen muss.

Ich verpasse leider die letzten 15 Minuten des Gigs, um meinen Bus zu bekommen. Fazit? Selten war ein Line-Up aus sechs Bands so rund und stimmig. Ich habe an sich nichts gegen Ausreißer – die können einen Konzertabend durchaus auflockern, aber dennoch: Der Stimmung tut es unheimlich gut, wenn das Konzept durchgängig funktioniert und der Besucher bekommt, was er erwartet. Eine so hochkarätige und musikalisch fähige Zusammenstellung habe ich lange nicht mehr gesehen, auch wenn kaum wirklich “große” Namen auf dem Flyer standen. Der Untergrund lebt – jedenfalls im Doom Metal ist das keineswegs nur so dahingesagt.
Danke an das Chaos Squad und ans Feierwerk, wenn ich darf, komme ich sehr gern wieder.








































































