Artist: Deep Purple
Herkunft: London, England
Album: =1
Spiellänge: 47:15 Minuten
Genre: Hard Rock
Release: 19.07.2024
Label: earMusic
Format: CD, Vinyl, Download
Link: Deep Purple Official Website | Deep Purple
Bandmitglieder:
Gesang – Ian Gillan
Gitarre — Simon McBride
Tasteninstrumente – Don Airey
Bass – Roger Glover
Schlagzeug – Ian Paice
Tracklist:
- Show Me
- A Bit On The Side
- Sharp Shooter
- Portable Door
- Old-Fangled Thing
- If I Were You
- Pictures Of You
- I’m Saying Nothin’
- Lazy Sod
- Now You’re Talkin’
- No Money To Burn
- I’ll Catch You
- Bleeding Obvious
=1 ist das lang erwartete neue Album einer der größten Hardrockbands aller Zeiten, Deep Purple.
Produziert vom legendären Bob Ezrin, fängt dieses Album den klassischen Sound der Band ein, ohne sich irgendwie nostalgisch anzuhören. Obwohl aus fast jeder Note 70er-Jahre Hammondorgel geprägter Rock manifestiert, ist es doch modern und zeitlos. Der zunächst rätselhafte Titel lässt sich zurückführen auf die Idee, dass in einer komplexen Welt sich alles auf eine vereinheitlichte Essenz reduziert, also zu eins. Deep Purple haben mit den letzten drei Alben (alle von Bob Ezrin produziert) Platz 1 der Charts erreicht, und so viel kann ich schon mal sagen, das dürfte mit diesem Output nicht anders sein. Dafür dürften nicht nur die drei bisher ausgekoppelten Singles sorgen, sondern das, was noch auf der Platte ist, erledigt den Rest. Mal wieder kommt die Scheibe in diversen Variationen auf den Markt und in der limitierten Ausgabe mit einer exklusiven DVD mit dem Film Access All Areas, der einen Tag vor Veröffentlichung in vielen Kinos zu sehen sein wird. Leider nicht so exklusiv wie bei der Infinite Vorstellung in Dortmund, da waren Roger Glover und Ian Paice anwesend. Nun aber zu der Scheibe und den insgesamt 13 Songs.
Show Me macht den Opener. Simon McBride liefert gleich ab und prescht vor. Bevor er sich da zu sehr ausbreitet, unterbricht Don Aireys Hammond und zeigt, dass der Bonus der Jugend hier nicht so ohne Weiteres hingenommen wird. Zeichnet sich da was ab? Gitarre vs. Orgel, ein gern gesehenes und früher auch gern gehörtes Duell. Ein wenig erinnert der erste Song an ein Highway Star 2024, auch wenn es gänzlich anders ist. Aber eine Parallele zu 1972 tut sich auf, zumindest soundmäßig. Track Nummer zwei ist Glover dominiert. Der Bass wummert vor sich hin und A Bit On The Side hat wieder etwas, das einen an ausufernde Jamsessions erinnert. Der Song könnte sicherlich live einen Mc Bride so richtig in Szene setzen. Das tut er hier schon, sein Solo kurz vor Ende des Songs, mega. Live geht da mindestens noch ’ne Schippe drauf. Was er kann, hat er ja bereits auf der vergangenen Tour gezeigt, da noch als „Aushilfsgitarrist“. Hätten sie hier noch zwei oder drei Minuten mehr investiert, Knallertrack. Dazu kommt ein Ian Gillan, der hier mit einer Leichtigkeit singt wie ein Singvogel am frühen Morgen. Das sind schon mal einige Ausrufezeichen. Mit Sharp Shooter wird ein anderes Ziel verfolgt. Diesmal ist es der (mal wieder) Siebziger-Jahre-Hammond-Style, der dominiert. Dazu gesellt ein kräftiges Riff von Simon McBride. Im Hintergrund der unermüdliche Ian Paice, der bisher untadelig die Tracks vorantreibt. Auch im Mittelteil zeigt sich, dass Deep Purple mit McBride alles richtig gemacht haben. Nicht, dass Steve Morse falsch gewesen wäre, aber er war eher der Filigranere, der mehr in progressiveren Welten agierende, während McBride sich von einer brachialen härteren Seite zeigt. Das kommt den Songs zugute und macht das Album irgendwie rockiger und geht mehr in die eine frischere Richtung. Lockerer, luftiger, weiß gar nicht richtig, wie ich es beschreiben soll. Ansprechend auf jeden Fall. A Portable Man wurde ja bereits als Single ausgekoppelt und das war genau der richtige Track. Der setzt den Gitarristen so richtig in Szene und lässt trotzdem genügend Spielraum für das duellierende Tasteninstrument. Mark II lässt grüßen. Das ist so ein Song, der ebenfalls live ordentlich für Furore auf der Bühne sorgen könnte. Ich sehe beide sich gegenüberstehen und sich die musikalischen Bälle zuwerfen.
Das muss auch beim Aufnahmeprozess so gewesen sein. Es sollen Sessions gewesen ein, bei denen einfach mal was in den Raum geworfen wurde und sich daraus dann ein Song entwickelte, auf den Ian Gillan die Lyrics packte. Weiter geht es mit Old Fangeld Thing und If I Where You. Ersterer hat wieder klassische Orgelparts und eine schöne Leichtigkeit im Gillen’schen Gesang. Dazwischen Erinnerungsfetzen an A Gypsy’s Kiss von Perfect Strangers. Zweiterer ist das, was man schlechthin eine fast waschechte Ballade nennen können. When A Blind Man Cries Part II könnte ich das auch nennen. Für mich mit einer der herausragenden Songs. Dazu McBride mit Gitarrenarbeit à la Gary Moore, blueslastig und fast schon eine Klasse für sich. Zugemischte Streicher und Ian Gillan mit sentimentalem Gefühl, aber gereifter Stimmlage gibt dem Track etwas Ergreifendes. Pictures Of You passt da zunächst so gar nicht hinter, entwickelt sich aber dann noch zu einem ordentlichen Stück Hard Rock. Für mich nicht der ganz große Wurf, aber das ist Jammern auf einem Zehn-Punkte-Niveau. I’m Saying Nothin‘ hat wieder typische Deep Purple Züge, bei denen Don Airey losgelöst auf seiner Orgel für schiefe Töne sorgt. Lazy Sod, ebenfalls im Vorfeld ausgekoppelt, hätte auch noch zur Blackmore Ära entstanden sein können. Ein wenig klassischer Touch wie in Perfect Stranger und ein ordentlicher Sound lassen keine Zweifel an der Hochwertigkeit des Tracks aufkommen. Es folgt mit Now You’re Talkin‘ schon fast eine Rock ’n‘ Roll Nummer, wäre da nicht ein Simon McBride, der zeigt, dass es heavy ist und, wie soll es anders sein, sein direkter Gegenspieler Don Airey, der Paroli bietet. Die letzten drei Songs beginnen mit einer Midtempo-Nummer, Riff getrieben, stampfender Bass und kräftige Drums untermalen Gitarre und Orgel, wobei hier etwas Dominanz der Sechssaitigen, trotz Orgelsolo, festzustellen ist. Ballade Nummer zwei, I’ll Catch You, versetzt einen in eine schummerige Bar, in der ein Sänger seine Geschichte erzählt, dazu das Solo … brutal geil. Mit Bleeding Obvious setzen Deep Purple 2024 ein progressives Opus an den Schluss. Das längste Stück liefert dann auch ein wenig Untypisches. Hört man ein wenig Dream Theater raus? Gut gemacht, auch das können die Herren, sich musikalisch an anderen orientieren, ohne ihre eigene Linie zu verlieren.

Anspieltipps: Pictures Of You, I'll Catch You, If I Where You und Show Me



