Da die Veröffentlichung Todbringerin im vergangenen Jahr eine quasi Neueinspielung der 2016 erschienenen Platte Todbringer war und nur Kleinigkeiten verändert, bzw. aufgehübscht wurden, kann man bei Zerfall im Grunde vom ersten Album seit 2022 sprechen. Auch wenn man natürlich weiß, dass einen bei ’ner Ellende Scheibe nicht gerade leichte Kost erwartet und der Hörer auf eine schwer emotionale Reise mitgenommen wird, ist die Vorfreude doch immer wieder groß. Ich kann schon mal vorwegnehmen, dass sich die Vorfreude bei Zerfall absolut gelohnt hat. Auch wenn die Band um Sänger und Gründer L. G. an der einen oder anderen Stelle dezent Unerwartetes eingebaut und sich dadurch ein Stückchen weiterentwickelt hat, bleiben Ellende sich und ihrer Musik treu. Denn auch auf Album Nummer sechs gibt es wieder Post Black Metal, der mit seinen Melodien und den oft ergreifenden deutschen Texten die Gefühlswelt ordentlich aufmischen kann. Nach dem Intro Nur geht es direkt mit dem Doppel Wahrheit I und Wahrheit II in die Vollen und schon nach diesen drei Nummern hat man ein wunderbares Bild von der Musik, die Ellende ausmacht. Die Songs bauen sich, mit Ausnahme von Zeitenwende II, immer schön auf, halten den Spannungsbogen hoch und wechseln zwischen mal gefühlvoll und langsam, zu schnell und wieder zurück. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Titelsong, bei dem man bei der Melodie im Finale Gänsehaut kriegen muss, nachdem er genau diesen beschriebenen Aufbau hatte. Nach dem fantastischen Reise, welches im Refrain mit österreichischer Mundart überrascht, bilden die beiden Outros Secunda (Jeremy-Soule-Cover) und Verborgenes Inneres Leiden den harmonischen Abschluss, für ein Album der emotionalen Achterbahnfahrt. Wenn ich Zerfall und seine Atmosphäre beschreiben soll, würde ich es mit einem Zitat aus dem Song Zeitenwende II tun: “Der Schmerz bringt dir den Frieden, ersetzt die Einsamkeit”.
Hier geht es lang für weitere Informationen zu Ellende – Zerfall in unserem Time For Metal Release–Kalender.



