Aus Brasilien, genauer gesagt aus São Paulo, stammt die Band Fossizilation, die sich im Jahre 2020 gründete. Es handelt sich dabei wahrscheinlich eher um ein Projekt, da nur zwei Musiker beteiligt sind. Man gibt sich zudem noch bedeckt und hört auf die Namen V und Z. Beide sind noch in anderen Bands unterwegs, u. a. Jupiterian und Blackning. 2021 hauten sie dann auch gleich eine EP heraus und ein Jahr später eine Split mit Ritual Necromancy. 2023 dann das Debütalbum und nun, 2026, lässt man Album Nummer zwei mit dem Titel Advent Of Wounds auf die Welt los.
Mit Cremation Of A Seraph startet man schon einmal mehr als amtlich ins Rennen und knattert gleich los. Eine düstere und dunkle Death-Metal-Wolke bricht über einen herein. Feinster Geballerpart zu Beginn mit dreckigem Riffing, welches schön bösartig klingt und mich an Incantation erinnert. Die Drums klingen wie ein reines Donnerwerk und die Produktion ist eben drückend und bösartig. Macht Laune. Die Vocals sind tief bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag, und so ballert man weiter und weiter, bis man nach neunzig Sekunden die Gitarren alleine vorpreschen lässt und das Tempo herausnimmt. Ich mag es zwar auch, wenn ein Intro das Geschehen einläutet oder Gitarren vorweg das Unheil ankündigen, aber so ein intensiver und direkter Einstieg in das Album hat noch mal was Härteres. Die Tempoverringerung ist aber nur eine kurze Blaupause, denn dann wird weitergeknattert. Dieses wiederholt man noch einmal und macht das Ganze echt interessant. Jawohl, fette Idee, und sie denken gar nicht daran, den Spaß aufhören zu lassen, und so geht es dann genauso immer weiter. Die Geschwindigkeit bleibt hoch und man ändert nur das Riffing. Nach drei Minuten gesellt sich ein melodisches Lead dazu. Das Tempo bleibt hoch, aber nicht ganz so wie vorher. Dann wieder Break und Knüppel aus dem Sack. Am Ende des Parts nimmt man immer das Tempo heraus und das hat eine sehr zerstörende Wirkung, im positiven Sinne. Dann aber gibt es eine tatsächliche Verschleppung. Man denkt, der Song wäre zu Ende, aber dann holen sie am Ende noch einen fetten, in Richtung Doom gehenden Moment heraus, der circa sechzig Sekunden dauert und einen lächelnd in den Abgrund hüpfen lässt. Wow! Der Song geht zwar über fünf Minuten, stellt für mich aber ein absolutes Highlight dar.
Musikalischer Stoff für beste Albträume
Disentombed And Reassembled By The Ages kommt dann mit einer dissonanten Gitarrenarbeit zu Beginn, bevor es dann erneut wild ins Geschehen geht und man wieder ordentlich drauflosballert. Diese schnellen und bösartigen Riffs in der Kombination mit den Blasts und den dunklen Vocals funktionieren sehr geil und lassen besonders Incantation-Fans frohlocken. Auch diese dreckige Produktion hat es in sich. Nach achtzig Sekunden wird dann das Tempo herausgenommen und man zaubert einen groovigen Part aus dem Zylinder, welcher absolut genießbar ist. Nun holt man dann auch die Immolation-Fans ins Boot, denn die Burschen sind ja die Meister des druckvollen und spielerisch anspruchsvollen Grooves. Der Part hätte auch aus der Feder von Herrn Dolan und Herrn Vigna stammen können. Geil. Aus diesem kurzen Moment der Erholung startet man eine weitere Attacke auf die Speed-Tube und frohlockt mit der Kreissäge. Nicht ganz so fix, aber schon sehr intensiv und vor allem technisch anspruchsvoll. Dann verschleppt man das Tempo und kommt mit einem langsamen, melodischen, aber dissonant klingenden Part um die Ecke, der sich bösartig in die Gehirnzellen frisst. Prost Mahlzeit. Sehr geil. Die düstere Produktion bringt diesen doomigen Moment noch kraftvoller zum Vorschein. Kurzes und langsames Stakkato-Riffing, um dann wieder die Keule zu schwingen. Puh, das ist alles ganz starker Tobak und man weiß nie, was als Nächstes kommt. Das Aggressionspotenzial ist absolut hoch und dann am Ende diese finsteren Einzeltöne auf der Klampfe … Damit geht man dann ins Bett und bekommt definitiv Albträume.
Warum die Musik als eine Mischung aus Death Metal und Doom bezeichnet wird, wird dann spätestens bei dem Song Scalded By His Sacred Halo klar. Hier geht es langsamer zu, aber definitiv nicht weniger bösartig. Gerade dieser ganz langsame Part, der Freunde der frühen My Dying Bride begeistern dürfte, hat es in sich und zerballert einen förmlich. Aber dann holt man danach eben doch zu einer Attacke aus, und das macht das Ganze als Death-Metal-Fan für mich eben absolut interessant. Ein wirklich atmosphärischer Song, mit viel Technik, Melodie und geiler Arbeit an der Leadgitarre.
Mischung aus Death und Doom
Terrestrial Mold ist dann eher im Uptempo unterwegs, wartet ebenfalls mit guten Riffs auf, kann mich aber nicht so überzeugen, wie die ersten drei Songs, obwohl dieses langgezogene Riff schon geil ist. Der doomige Part ist zwar auch aggressiv, beißt aber nicht so.
Diese fiese Mischung aus fiesem und schnellem Death Metal und bösartigen, dunklen und atmosphärischen Parts zieht sich bis zum Ende durch. Das Songwriting ist meines Erachtens auf der zweiten Hälfte nicht mehr so intensiv, aber immer noch gut.
Und über die Produktion kann man sich sicherlich auch streiten. Ich mag diesen auf alt und dreckig gemachten Sound, der diese dunkle und bösartige Atmosphäre verbreitet, wie man sie von den ersten Incantation-Alben kennt, auch wenn hier und da nicht alles klar verständlich ist.
Ansonsten ist es eine ziemlich geile Mischung, die es zu hören lohnt.
Hier geht es für weitere Informationen zu Fossilization – Advent Of Wounds in unserem Time For Metal Release-Kalender.



