Full HD Festival 2013 am 07.09.2013 in Großefehn

Bands: Morgoth, Accu§er, Adorned Brood, GodHateCode, Craving, Massive Assault, Addiction, Elegy Remains, Richtwerk und Eastfrisian Terror

Location: Am Reitsportcentrum 1 – RTC Großefehn

Location – Homepage: http://www.rtc-grossefehn.de/

Datum: 07.09.2013

Kosten: VVK: 25,00 € / AK: 30,00 €

Veranstalter: Wac-Events

Veranstalter – Homepage: http://www.wac-events.de/

Zum zweiten Mal steigt das Full HD Festival im Herzen Ostfrieslands, welches sich im nordwestlichsten Zipfel Deutschlands befindet. Letztes Jahr haben noch Debauchery und Disbelief mit regionalen Bands Hinte in der Nähe von Emden zerlegt. Mit der Erweiterung von sechs auf zehn Bands, größerem logistischen Aufwand und auch mehr geplanten Besuchern zog das Festival für die zweite Auflage in das Reitsportcentrum Großefehn, welches zusätzlich mit einem nahegelegenen Campingplatz auftrumpfen kann. Bei dem Wetter an diesem Wochenende haben diese Möglichkeit meines Erachtens keine Besucher genutzt, Nieselregen und vereinzelte starke Regenschauer ließen die Zelte im heimischen Unterschlupf überwintern. Zum Glück ist das Full HD ein reines Indoor Festival, welches durch das Wetter keine Probleme bekommt.

Den Start machen Richtwerk, die innerhalb von nur zwölf Stunden für Austin Deathtrip eingesprungen sind und somit Eastfrisian Terror eine spätere Spielzeit bescheren. Mit ihrer ersten EP Hass ist meine Freiheit sind die Emder Metaler am Start, die extreme Metal-Einflüsse mit diversen dunklen und hasserfüllten Klängen kombinieren. Die Handschrift ist dabei noch recht wackelig, was man der noch frischen Formation ruhig verzeihen kann, die zudem auch die geringste Bühnenerfahrung von allen heute anwesenden Bands auf dem Kerbholz hat. Als kurzfristiger Ersatz genügen Richtwerk, die an ihren nächsten Aufgaben wachsen werden, allemal.

Direkt im Anschluss darf Mr. Deichkot mal wieder Hand bzw. Mund an sein Mikrofon anlegen. Mit seiner neuesten Konstellation heißt es Death Grind mit plattdeutschen Texten zu verbinden. Dieses gelingt, wie ich schon bei der ersten EP beschrieben, habe sehr gut. Der Death Grind ist abwechslungsreich hat feine Gore Grind-Passagen, wo die norddeutsche Schweineherde übers platte Land gejagt wird, während Gitarrensoli erklingen. Wer sich fragt: „Grind und Gitarrensoli – wie soll das gut verpackt werden?“, der fragt mal am besten bei Eastfrisian Terror nach, die sich auch durch technische Probleme am Pedal des Schlagzeugs nicht aus der bekannten ostfriesischen Gemütlichkeit locken lassen. Ein solider Gig mit viel zu wenig Besuchern, der sich am heutigen Abend wie ein roter Faden durch die Shows zieht.

Eine weitere Anreise haben die Lübecker Addiction, die sich an Death Metal-Riffs erfreuen und eigentlich genau das Genre verkörpern, was in Ostfriesland steil gefeiert wird. Zur Nachmittagsstunde kommt das Publikum leider noch nicht großartig in Bewegung. Die ersten Biere werden geschlürft, am Auto gegrillt oder sein Körper noch auf der Arbeit gequält. Sprich, von den rund 100 bereits anwesenden Headbangern haben sich vielleicht 50 ins weite Rund begeben, um Addiction ein Ohr zu schenken. Eine gute Entscheidung. Addiction lassen zwar noch etwas Luft nach oben, können durch eine spritzige Bühnenperformance und gut verpackte Tracks jedoch punkten.

Bei Craving, den heidnischen Metal-Veteranen sieht es da erstmals anders aus. Die ersten Headbanger formieren sich vor der Bühne, um den Pagan Death Metal hochleben zu lassen. Sänger Ivan und seine Männer sind bis in die Haarspitzen motiviert und lassen sich die Chance nicht nehmen, für die anstehende Europa Tour mit Hell:On und Sinful ein zu spielen. Die Fäuste werden geballt, während Revenge, Nameless oder das abschließende Cover Teardrops von Emmelie De Forest erklingt. Sichtlich zufrieden verlassen Craving die Bühne, unter der Voraussetzung, erneut Musikliebhaber für ihre Kunst begeistert haben zu können.

Die Überraschung des Abends: Massive Assault! Die Band war mir, wie fast jede Band an diesem Abend, zuvor unbekannt, haben sich aber in mein Gedächtnis gebrannt. Ein cooler Mix aus Napalm Death (die Grindelemente) und Niflheim (die Gitarrenläufe) bringen ordentlich Abwechslung auf die Bühne. Hervorstechtend ist auch der Frontmann, der im „normalen Leben“ von der Optik auch ein Chef oder Lehrer sein könnte, mit seinen knapp 40 Jahren, dem Igel-Haarschnitt und der Mimik. Was ihn auch von anderen Sängern abhebt: Er geht mit viel Power an die Sache! Die Bühne ist nicht genug und da es keine Absperrung gibt, läuft er während des Auftrittes durch die Masse. Cool! Die Jungs will ich auf jeden Fall noch einmal sehen.

Es folgt eine vollständig deutschsprachige Band GodHateCode aus dem angeblich schönen Österreich, die im Verhältnis zu der ein oder anderen Band des Abends noch als „Jungspund“ bezeichnet werden kann (Gründungsjahr 2007), aber dafür schon zwei Langspieler mitbringen (die später spielenden Morgoth haben in knapp 27 Jahren drei Alben veröffentlicht). Insgesamt wird ein solider, aber nicht überragender Auftritt serviert, der zeitlich gut platziert ist.

Eine dezente Note der Abwechslung setzen Accu§er. Mit ihrem Mix aus Thrash und Groove Metal sticht die Gruppe erfrischend aus dem restlichen Line-Up heraus und zieht auch genügend Leute vor die Bühne, um keine enttäuschte Heimreise antreten zu müssen. Man merkt der Band ihr Alter an, da sie auf einen großen Backkatalog zurückgreifen und dadurch auch ihre Entwicklung gut darstellen kann.

Die Truppe kommt mit der Intention, eine Live-DVD aufzunehmen und zieht das dann auch durch. Bei keiner anderen Band gehen die Leute so ab wie bei Adorned Brood. Was auch an dem guten Mix an richtigem Pagan Metal und Partyliedern (Was sollen wir trinken) liegt. Auch die neuen Lieder fügen sich in das Bild ein und dürften der Band eine Zukunft mit viel Aufmerksamkeit bringen, da man diese Stärke konsequent ausgebaut hat und dadurch über eine saustarke Setlist verfügt, die verschiedene Fangruppen vereinen wird. So bewusst wie heute habe ich die Jungs noch nicht wahrgenommen, was definitiv ein Fehler war. Das war nicht das letzte Mal, dass ich euch live gesehen habe!

Der Headliner Morgoth hat einen entscheidenden Vorteil: Die meisten Besucher haben die Chance, auf einer Live-DVD garantiert gut sichtbar zu sein, genutzt und haben schon bei Adorned Brood Vollgas gegeben. Dafür gibt’s richtigen Old-School Death Metal, was auch daran liegen mag, dass die Gruppe lange aufgelöst war und erst seit 2010 wieder aktiv ist. Die Musik ballert ordentlich und legitimiert sowohl den Headlinerstatus als auch die Wiedervereinigung! Ein guter Auftritt vor einem leicht angeschlagenen Publikum.

Ein Afterslot Headliner hat sich bei vielen großen deutschen Metal Festivals eingebürgert. Dieses Jahr auch erstmals auf dem Full HD, das nach Morgoth die jungen regionalen Metalcore Protaganisten Elegy Remains auf die Bretter schickt. Rein musikalisch passen die Norddeutschen überhaupt nicht ins Line-Up und versinken als einzige moderne Core Band im Hintergrund. Auf der Bühne beweisen die fünf spritzigen Newcomer eine gute Kondition, die Lust ihre Musik zu feiern und auch das Können, noch Besucher für sich zu gewinnen, auch wenn es heute nicht viele gewesen sein können. Dafür war es echt zu spät, der Tag lang und die rund 220 Besucher am Ende des Tages nicht mehr groß dazu bereit, noch wild zu tanzen.

Fazit Rene: Das Reitsportzentrum in Großefehn ist echt eine tolle Location, die für die diesjährigen Besucher ein wenig zu groß ausgerichtet ist. Dafür bietet sie genug Platz für die nächsten Jahre, um einen Besucheransturm ohne Standortwechsel zu kompensieren. Mit viel Herzblut haben die Veranstalter von Wac-Events dazu beigetragen, dass sich alle Besucher sehr wohlgefühlt haben und sich endlich ein Festival in der Death Metal-Hochburg etabliert hat. Die Besucherzahl vom letzten Jahr wurde leicht nach oben geschraubt, auch wenn die Veranstaltung damit immer noch mehr Festivalgänger verdient hätte. Wichtigster Punkt: Die Veranstaltung ist durch die Bank weg gut organisiert, für das leibliche Wohl wird gesorgt und die Stimmung ist gewohnt familiär in norddeutscher Manier. Trotz Headlinern wie Morgoth und Adorned Brood hatten Bands wie Craving oder Massive Assault ein ordentliches Wörtchen in puncto Beliebtheit mitzureden. Totalausfälle gab es keine und genug Gründe, nächstes Jahr wieder zum Full HD zu reisen!

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