Future Palace – Escape

Musikalisch leider ohne Ecken und Kanten

Artist: Future Palace

Herkunft: Berlin, Deutschland

Album: Escape

Spiellänge: 40:11 Minuten

Genre: Alternative Rock, Post Hardcore

Release: 18.09.2020

Label: Arising Empire

Link: https://www.facebook.com/futurepalace

Bandmitglieder:

Gesang – Maria (aka ItsPandaCore)
Gitarre – Manuel
Schlagzeug – Johannes

Tracklist:

  1. Illusionist (feat. Tobias Rische)
  2. Twisted
  3. Maybe
  4. Ghost Chapter
  5. Lately
  6. Parted Ways
  7. Something New
  8. Anomaly
  9. Break Free
  10. My Air
  11. Maybe – Stripped

Normalerweise werfe ich bei Reviews immer nur einen relativ kurzen Blick auf das Cover. An dem für das Debütalbum Escape der Berliner Band Future Palace bin ich tatsächlich trotz oder gerade wegen der Schlichtheit länger hängen geblieben. Warum ist alles rosafarben? Warum steht so ein altmodisches Telefon in dem offenen Käfig? Warum sitzt eine Libelle auf dem Käfig? Fragen über Fragen… Dazu liefert der Pressetext keine Antworten. Dort steht allerdings, dass Future Palace sich Ende 2018 gegründet haben und seitdem auf dem Weg zum Debütalbum stetig vorangeschritten sind und dabei immer an einem Strang ziehen. So führt es auch Schlagzeuger Johannes aus: „Bedingungslos an einem Strang ziehen und gemeinsam etwas schaffen war noch nie so aufregend, herausfordernd und gleichzeitig erfüllend für mich.“ Dabei haben Future Palace zwei der Tracks vom Debütalbum vor dem Signing mit Arising Empire bereits komplett in Eigenregie veröffentlicht und dem Album neben den neuen Songs auch noch eine reduzierte Version des Songs Maybe spendiert.

Bei der Bandbesetzung fällt zum einen das „aka ItsPandaCore“ hinter Marias Namen auf. Das ist schnell erklärt, es ist der Name ihres YouTube-Channels. Da stehen unter einigen Videos die Hashtags #selfcare, #mentalhealth und #depression, aber Maria, ähm ItsPandaCore, verpackt diese Themen, genau wie in den Songs von Future Palace, in ein sehr unterhaltsames Format. Ich bin tatsächlich ziemlich lange auf diesem Kanal hängen geblieben. Aber zurück zur Bandbesetzung. In der Aufzählung fehlt der Bassist. Ob auf dem Album überhaupt eine echte Bassgitarre zum Einsatz kam und wenn ja, wer die gespielt hat, kann ich nicht sagen. Aber stattdessen warten die Songs mit einer gehörigen Portion Electronica- und tatsächlich auch mit ein wenig R’n’B- (zumindest bei Lately) und sogar Synthpop-Einflüssen auf. Das macht es wohl für einige Post Hardcore-Fans gleich mal unhörbar, aber die verpassen was.

Mit einem richtig geilen Riff startet Illusionist, bevor ich zum ersten Mal höre, was Maria gesanglich so draufhat. Und gleich bei diesem Song ist sie richtig gut aufgestellt. Man könnte fast meinen, sie muss ihre Gefühle ziemlich lange unterdrücken, das kriegt sie gesangstechnisch sehr geil dargestellt, bis endlich der Chorus kommt und sie alles raushauen kann. Apropos Chorus, sehr catchy das Teil, wie auch einige weitere, die noch folgen sollen. Dass in Illusionist auch noch Tobias Rische (Alazka) zum Mikro greift und auch ein kurzes Duett mit Maria singt, macht sich natürlich gut auf der musikalischen Visitenkarte.

Da können Future Palace sicherlich auch noch weitere Songs draufpacken, denn die irgendwo zwischen drei und vier Minuten langen Tracks können für sich gesehen gut unterhalten. Es gibt laut und leise, schnell und langsam, manchmal Metal, manchmal (fast schon) Pop. Über das ganze Album gesehen muss ich dann aber des Öfteren an das Cover denken, denn irgendwie scheinen Future Palace sich in ihrem musikalischen Käfig gut eingerichtet zu haben. Ob man vielleicht in Anbetracht der doch teilweise sehr emotionalen Texte wenigstens mit der Musik positive Vibes vermitteln wollte, kann ich nur erahnen. Aber es ist halt alles ziemlich „rund“, hat keine Ecken und Kanten, nichts, wo man beim Hören aufhorcht.

Wie schon erwähnt, gibt es zu einem Song noch eine reduzierte Version. Maybe – Stripped kommt nur mit Klavier und dem sehr emotionalen Gesang von Maria daher. Der Kontrast zu den vorhergehenden zehn Tracks könnte größer nicht sein.

Future Palace – Escape
Fazit
Ich bin ja ein wenig hin- und hergerissen. Einerseits mag ich Electronica sehr gern (den Jahreswechsel habe ich mit dem Livestream von Jean-Michel Jarre verbracht), aber bei Escape ist mir das musikalische Korsett über das gesamte Album gesehen ein wenig zu eng geschnürt. Dadurch geht leider auch ein wenig die Intensität der teilweise ergreifenden Texte verloren. Wer die poppige Phase von Amaranthe mochte, kann aber gern mal ein Ohr riskieren.

Anspieltipps: Illusionist (feat. Tobias Rische), Ghost Chapter und Anomaly
Heike L.
7.5
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