Eventname: Hollywood Suicide Tour 2024
Headliner: Ghøstkid
Vorbands: Setyøursails, Within Destruction
Ort: Substage, Karlsruhe
Datum: 11.10.2024
Kosten: VVK: 32,00 € + Gebühren, AK: 45,00 €
Genre: Heavy Metal, Metalcore, Post-Hardcorce, Melodic Hardcore, Deathcore, Slam Death Metal, Alternativ
Besucher: ca. 350 Besucher
Veranstalter: Caldera Promotions
Link: https://substage.de/programm/3601/
Setlisten:
Heute sind wir im Subtage Karlsruhe, die Tore öffnen sich relativ früh, um 18:30 Uhr ist Einlass. Die Leute kommen eher spärlich nach und nach in die Location. Die Stimmung ist ausgelassen und harmonisch, keine Hektik oder großes Gedränge. Pünktlich um 19:30 Uhr scheinen wir vollzählig zu sein. Scooter ertönt aus der Anlage! Ist das das Intro? Man weiß es nicht genau. Mit irritierten Blicken im Publikum drückt der Bass ordentlich. Scooter geht irgendwie immer, egal wo, egal wie.

Setyøursails legen los mit dem Song Bad Blood, aus dem gleichnamigen Album von 2024. Ab der ersten Sekunde passt alles. Der Sound ist druckvoll und das Publikum wird schnell warm mit der Band und legt direkt los. Souverän geht es weiter mit Halo und F.M.F. Die Kölner Band legt noch einen Gang zu und heizt der Menge ordentlich ein, was richtig gut ankommt. Die Interaktion zwischen Band und Publikum ist sehr familiär, spätestens wenn Bassist Nicolai Hoch sich in die Menge stürzt und den Circlepit um sich herum genießt. Gerade auf Betriebstemperatur werden Setyøursails mit ihrem Song Fck Off schon nach 30 Minuten Spielzeit liebevoll von der Bühne gekickt. Wem das alles zu schnell geht, Setyøursails Frontfrau Jules Mitch kündigt für 2025 ihre eigene Headlinertour an.

Nach circa 20 Minuten Umbauphase stürmen Within Destruction die Bühne und geben direkt Vollgas. Das Trio aus Slovenien schlägt einen anderen Ton an. Wer sich hier gepflegt im Pit zerlegen möchte, kann dies tun. Moshpittaugliche Musik gepaart mit Modern Death Metal und Slavic Rap-Sprachgesang. So ganz zuordnen kann ich das in dem Moment nicht. Den Gesichtern mancher Zuschauer zufolge geht es ihnen ähnlich wie mir. Ganz überzeugt bin ich nicht. Wenn anfangs die Interaktion mit dem Publikum nicht ganz so gut klappt wie bei Setyøursails und die Masse maximal mit Kopfnicken und Applaudieren zu bewegen ist, schafft es die Band aus Slovenien gegen Ende doch noch, die Gemüter zu erhitzen. Sänger Rok Rupnik teilt die Menge und lädt ein zur Wall Of Death. Zu guter Letzt möchte es der Frontmann Rok doch noch wissen und surft noch schnell auf der Crowd. Angeleint an sein Mikro sind die Securitys damit beschäftigt zu schauen, dass keiner stranguliert wird vom Mikrokabel des Sängers. Nach ca. 40 Minuten purer musikalischer Gewalt, Breakdowns und wer weiß noch alles, ist es Zeit für eine Umbaupause und was Flüssiges zu sich zu nehmen. Genug Zeit hat man dafür.
Nach 30 Minuten ist die Bühne frei für den Headliner dieser Tour, Ghøstkid. Mit dem Song FSU treffen die Jungs um Sänger Sushi (Sebastian Biesler) direkt ins schwarze Herz und es geht ordentlich zur Sache. Die Message ist klar: Leg dich nicht mit den Falschen an! Das könnte sonst übel ausgehen. Zum Glück sind Ghøstkid uns wohlgesonnen und geben den Zuschauern nur musikalisch auf die Fresse. Die noch relativ junge Band, gegründet im Jahr 2020, weiß zu polarisieren und die Fangemeinde fühlt mit ihnen. Es braucht natürlich keine Sekunde, und die Stimmung im Club ist gigantisch. Bei dem Song Crown von 2020 können sich Gitarrist Jappo (Jan Marco Heinz) und Bassist Stanni (Stanislaw Czywill) nicht mehr zurückhalten und wollen es direkt wissen! Dazu erobern sie den Circlepit im Herzen der Fangemeinde. Mehr Kontakt geht fast nicht. Es ist deutlich spürbar, wie sehr Ghøstkid die Nähe zum Publikum wichtig ist.

Hoher Besuch wird verkündet, Jappos Oma ist auch zu Gast. Die familiäre Stimmung setzt sich fort und es wird romantisch. Stimmungsvoll mit Feuerzeugen und Handy-LEDs setzt die Band zu dem etwas ruhigeren Song S3X an. Sänger Sushi weiß, wie man die Menge in den Bann zieht. Nach Songs wie Ugly oder This Is Not Hollywood kommen wir zu dem schaurig schönen Vocal-Duett Song Valerie. Mit gewohntem Ghøstkid-Sound, cleanen Vocals und brachialen Screams sticht die Band in die Herzen der Fans und erfüllt sie mit einer Achterbahn der Gefühle. Freude, Trauer, alles, was das Leben zu bieten hat. So geht es auch in dem Song Heavy Rain emotional weiter. Liebe kann schrecklich sein.
Murder! Hoffentlich kommt es dazu nicht sofort. Sushi spaltet das Publikum und treibt zur Wall Of Death an. Menschen fliegen kreuz und quer, im Metal Genre kein Problem! Man passt gegenseitig auf sich auf. Mit Songs wie Supernova oder Start A Fight sind wir kurzzeitig wieder im 2020er selbst betitelten Album Ghøstkid. Die Auswahl der Setliste ist sehr ausgewogen zwischen dem 2020er-Album Ghøstkid und dem Album Hollywood Suicide, welches Anfang des Jahres rauskam. Wer es jetzt noch nicht kapiert hat, die Hütte brennt! Mit dem Song Hollywood Suicide reißen Ghøstkid endgültig alles ab. Bassist Stanni wagt sich nochmals in die Menge und erobert die Theke der Bar. Nicht zum Biertrinken, sondern um einfach das zu tun, was zu tun ist. Bass spielen! Der Club wird durch und durch in die Mangel genommen. Zu guter Letzt noch ein Familienfoto, welches direkt am Merch-Stand erworben werden kann.

Ein sehr gelungenes Konzert, wie ich finde, eine eindrucksvolle Performance auf einer Achterbahn der Gefühle. Ghøstkid nehmen kein Blatt vor den Mund und sprechen die Dinge so an, wie sie sind. Das, finde ich, merkt man der Band auch wirklich an. Ihr düsterer Stil und ihr Auftreten täuschen. Es sind warmherzige Menschen, die es ehrlich und direkt mit ihren Fans meinen, auch wenn es mal unangenehm werden kann. Man könnte fast vermuten, sie sind der Spiegel der Menschen in umgekehrter Weise. Menschen, die ihren hässlichen Charakter in sich tragen und nur nach außen hin schön wirken.





















