IAMX – Alive In New Light

„Die Antwort versteckt sich am Ende wohl bereits im Titel“

Artist: IAMX

Herkunft: London, England

Album: Alive In New Light

Genre: Synthpop, Alternative, Industrial

Release: 02.02.2018

Label: Caroline / Universal

Link: http://iamxmusic.com/

Bandmitglieder:

Chris Corner

Tracklist:

01. Stardust
02. Alive In New Light
03. Break The Chain
04. Body Politics
05. Exit
06. Stalker
07. Big Man
08. Mile Deep Hollow
09. The Power And The Glory

Falls ein Leser hier zu Beginn eine Serien-Empfehlung haben möchte: How To Get Away With Murder! Was das Ganze mit dieser Platte zu tun hat? Nun, IAMX, das Soloprojekt von Chris Corner, kann schon fast als Soundtrack zur Serie gelten, bespielten doch inzwischen schon 15 Songs verschiedene Szenen mit magischen Tönen. Aber dennoch steht hier nicht dieser Fakt im Vordergrund, sondern die neue Platte Alive In New Light, welche von IAMX am 02. Februar 2018 veröffentlicht wird. Wer mit Chris bzw. IAMX vertraut ist, der weiß, wie hypnotisierend aber auch deprimierend sich der Sound der letzten Longplayer angehört hat. Und zu jedem neuen Album gehört natürlich eine Tour, welche auch einige Städte in Deutschland beglückt. Doch was kann das neue Album nun? Erwartet die Zuhörer ein ähnlich depressiver Grundton wie in Metaonia oder gar ein elektronisches, instrumentales Werk wie Unfall? Die Antwort versteckt sich am Ende wohl bereits im Titel.

Tourdaten

15.03.18 München, Strom

19.03.18 Dresden, Beatpol

20.03.18 Hamburg, Mojo

21.03.18 Berlin, Kesselhaus

Um zunächst eins zu beantworten: Alive In New Light ist durchaus kein weiteres Instrumental Album, kann also durchaus als quasi Nachfolger von Metaonia gewertet werden. Auch wenn Unfall durchaus hörenswert ist, präsentiert Chris hier doch einmal etwas gänzlich anderes aus seiner beeindruckenden Werkkiste. Unterstützt wird er im neuen Werk von Kat von D!, welche wohl eher für ihre Tattoo- und Makeup-Künste bekannt sein dürfte. Auf vier Tracks der insgesamt neun vertretenen liefert sie eine zusätzliche Note in die neue Platte. Aber wie klingt denn nun das Album?

Der Opener Stardust liefert ein kleines Intro, bevor Chris auch schon mit seiner melancholischen Stimme zu zaubern beginnt, und durchaus hat man sofort wieder dieses typische IAMX Gefühl: fesselnd, atmosphärisch und einfach nur traumhaft. Stardust enthält durchaus noch ein wenig Experimentierfreude, die eventuell von Unfall übrig geblieben ist. Man sollte sich also an einer guten Spur Techno hier nicht stören, jedoch setzt Chris diese Elemente so gut ein, dass man sie lediglich aufsaugen möchte. Auch Kat von D! ist bereits in diesem Song zu hören, unterstützt Chris stimmlich auf harmonische Art und Weise.

Als zweite Single folgt auch schon der Titeltrack Alive In New Light, der vielleicht am besten widerspiegelt, wieso eben das Album so heißt wie es heißt. Chris Corner hat seinen fast schon tragischen Gesang nicht aufgegeben, doch statt depressiver Stimmungen findet man nun Hoffnung und eine schöpferische Energie in den Melodien und hinter seinen Worten. Auch hier ist der Anteil an elektronischen Wirrungen, Trance und Drum’n’Base, wieder recht groß, womit sich IAMX deutlich von einfachen Songs, wie man sie wohl im Radio hören würde, entfernt. Teils verwirrend, teils strukturiert scheinen hier Elemente aneinander gereiht zu sein, die sich gar nicht zwischen dem Gesang und den Tiefen der Töne unterscheiden wollen. Chris weiß, wie er verzaubern kann. Und als Soundtrack eignet sich dieser Sound wohl noch immer für die oben erwähnte Serie.

Break The Chain bewegt sich vom Sound her wieder etwas stärker an dem letzten Album von IAMX, herrscht hier doch wieder eine düsterere Atmosphäre, die natürlich von Chris stimmlich auf eine Spitze getrieben wird. Thematisch geht es zunächst um die Einsamkeit und Hilflosigkeit, von welcher sich der Sänger dann aber im Laufe des Songs befreit, ganz passend zum Titel natürlich. Wer eher am depressiven Sound Gefallen findet, wird auf jeden Fall diesen Song hoch und runter hören. Für mich gehört er auf jeden Fall zu den stärksten der Platte. Heiß und weit mehr mit Beats ausgestattet, zeigt sich da das nächste Werk Body Politics, welches ein wenig gewöhnungsbedürftig daher kommt. Nicht, dass IAMX bisher nie Stücke mit ähnlichem Grundton lieferte, dennoch erscheint hier die Kombination von Chris und Kat leicht störend, während der Bruch im Vergleich zu Break The Chain etwas zu stark erscheint. Dies würde bei den Songs jeweils für sich natürlich eher nicht auffallen, so kommt aber meiner Meinung nach Body Politics nicht in voller Stärke zur Geltung.

Exit scheint wieder stilistisch etwas ähnlicher zu Break The Chain und bestätigt, dass hier eventuell Body Politics etwas fehl am Platze zu sein scheint. Exit hätte dabei auch wundervoll auf das Vorgängerwerk gepasst, denn düstere Atmosphären waren wohl noch nie so spürbar, so interessant, ohne dabei an Gefühl zu verlieren. Chris scheint genau zu wissen, wo welcher Ton wie gesungen werden muss, um den perfekten Song zu zaubern. Ähnlich verhält es sich mit Stalker, der die Düsterheit noch ein wenig weiter trägt, sich dabei aber auch verführerische Elemente, wie sie in Body Politics zu finden sind, zu Nutze macht. Hier wirkt das Konzept aber weitaus stimmiger und lockt einen Zuhörer an.

Big Man nimmt die Zuhörer mit auf eine kleine Reise und versetzt diese in den Zirkus. Ja, ihr habt richtig gelesen! Ein Sound, wie man ihn sich auf einem gruseligen Jahrmarkt vorstellen kann. Verspielt und definitiv kein Song, den mal eben entspannt im dunklen anhören kann….nicht, dass hier jemand sich leicht gruselt! Und den nächsten Song Mile Deep Hollow dürfte dann aufmerksamen Zuschauern der oben bereits erwähnten Serie bekannt vorkommen, feierte dieser doch in How To Get Away With Murder Premiere! Auch ohne dieses Wissen merkt man Mile Deep Hollow aber sofort seine Soundtrack Qualitäten an, und wer die Serie kennt, weiß wie stark IAMX die Momente musikalisch aufwertet. Ein ganz persönlicher Favorit auf Alive In New Light.

Das Ende dieser Platte kommt mit The Power And The Glory ein wenig früh, auch wenn sich die Reise bis hierher mehr als gelohnt hat. IAMX versteht es hier noch einmal atmosphärisch fesselnd und düster zu starten und dann in sich selbst aufzugehen. Hier gibt es mehrstimmige Parts, Loslösung und einen Chris Corner, wie er im Buche steht! Ehrlich, verletzlich, traurig und dennoch voller Energie und Hoffnung! Passender könnte man Alive In New Light wohl nicht beenden, zeigt sich doch The Power And The Glory von allen Seiten.

Fazit: Wer Gefallen an Synthpop und düsteren Melodien findet, wird wohl mit IAMX aka Chris Corner vertraut sein. Sein neues Album Alive In new Light verbindet eine frische, neue Energie mit düsteren Atmosphären und scheint dabei eine Art Zwischenwelt zu kreieren, die die Zuhörer verzaubert und auf eine Reise mitnimmt. Für den Sänger selbst definitiv ein Album, welches einen wichtigen Schritt in seiner eigenen Geschichte bedeutet und wohl sowohl alte auch eventuell neue Fans erfreuen wird! Ein wenig vermisse ich die komplette düstere Stimmung, die IAMX so anhaftet. Alive In new Light präsentiert dennoch alle Stärken des Projekts und weiß dabei mehr als nur zu gefallen.

Anspieltipps: Mile Deep Hollow, Break The Chain, The Power And The Glory
Anabel S.
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