Das englische Trio Cryptworm ließ es am Anfang ein wenig langsam angehen. Die Gründung wird auf das Jahr 2014 datiert, aber es dauerte drei Jahre, bis man das erste Demo aufnahm. Zwei EPs folgten und im Jahre 2022 wurde der Drummer gewechselt. Im selben Jahr schaffte man es dann endlich, ein vollständiges Album zu veröffentlichen. Und anscheinend hat man daran Gefallen gefunden oder man hat noch sehr viel Material zur Verfügung gehabt, denn ein Jahr später folgte gleich Album Nummer zwei. In gleicher Besetzung hat man sich dann wieder etwas Zeit genommen, um neue Songs zu schreiben. Das englische Label Me Saco Un Ojo Records war von Anfang an an ihrer Seite und kümmert sich nun um Album Nummer drei namens Infectious Pathological Waste.
Gallons Of Molten Hominal Goo lässt von der ersten Sekunde an keine Zweifel daran, dass hier Abartigkeiten im Spiel sind. Growls, die mit schweinischen Klangmomenten verwurzelt werden, treffen auf old schoolige Death-Metal-Parts, die zwischen langsamen Passagen und Midtempo-Attacken hin und her gehen und teilweise vom Rhythmus her an Gore-Attacken erinnern und hier und da dann im Geballer ausarten. Nur ganz kurz am Ende einer Passage, aber vorhanden. Diese Uftata-Midtempo-Attacken sind fett und diese treibenden Riffs machen Laune. Ist schon sehr dreckig, aber macht Spaß, wenn man sich erst einmal dran gewöhnt hat.
Maimed And Gutted kommt da einen Ticken aggressiver um die Ecke. Ein geiler, schneller Part. Schönes Uptempo, aber ohne den Blastbeat zu bedienen. Wie beim Opener hat man das Gefühl, dass, wenn sie einen geilen Part haben und diesen lieben, er auch erst einmal ordentlich ausgereizt wird. Aber man übertreibt es definitiv nicht. Das Teil schockt, zumal man dann auch einen Wechsel in einen groovigen Part durchführt, der es absolut in sich hat. So mag ich das, genau mein Ding. Fetzt. Break, Gitarre vorweg und Knüppel aus dem Sack. Ja, das nimmt mich total mit. Man bleibt wild, man bleibt schmutzig. Alles klingt ein wenig nach Chaos und wildem Durcheinander, aber davon ist man weit entfernt. Rhythmuswechsel und Geschwindigkeitsvariationen geben sich hier die Klinke in die Hand und das Teil zerstört einen förmlich. Am Ende wieder ein geiler Part, der ziemlich lange ausgekostet wird, und der groovige Vernichtungspart muss auch noch mal ran. Dann denkt man, es ist vorbei, hat aber die Rechnung ohne die cryptischen Würmer gemacht. Es wird noch einmal vorweggespielt und dann noch einmal geballert und es geht immer noch weiter. Geiles Ding.
Roher, harscher und dreckiger Sound
Auch der knüppelige Start und das dazugehörige geile Riff bei Drowning In Purulent Excrementia haben mich von der ersten Sekunde an gefesselt. Hier werden auch mal fiese Screams verwendet. Ansonsten gurgelt sich der gute Mann seine Seele aus dem Leib. Der rohe, harsche und dreckige Sound erledigt dann den Rest. Man baut zwar auch kleine Abwechslungen wie groovige Momente oder ein Bass-Solo mit ein, aber ansonsten ist der Song eine reine Geschwindigkeitsattacke. Allerdings versteht man es, trotz der ganzen Härte nicht stumpf zu klingen. Die Riffs machen Laune. Aber ein Ende findet man auch hier nicht. Nachdem man den Anfang dann noch einmal wiederholt hat, hat man wieder das Gefühl, hier müsste jetzt Schluss sein, aber weit entfernt. Jetzt greifen sie noch einmal richtig an und wiederholen die ganze Brutalität erneut. Hier gibt es keine Gefangenen, sondern nur was auf die Fresse. Old schoolig und dreckig. Dabei hat man immer kleine technische Spielereien mit dabei, wie man es von Bands wie Cannibal Corpse kennt.
Old School Death Metal – brutal und technisch
Auch der Rest des Albums geht diese Schiene weiter, und wen wundert es? Ähnlich wie bei den gerade schon erwähnten Amerikanern wird dieser extrem tiefe Gesang dem einen oder anderen nicht gefallen, das ist klar, aber mir gefällt das. Hinzu kommt eben echt geiles Songwriting, wie bei Songs wie Infectious Pathological Waste oder Embedded With Parasitic Larvae. Da sind teilweise Riffs am Start, die einen einfach nur begeistern. Die haben im Unterricht des guten alten brutalen Death Metal gut aufgepasst, fügen technische Spielereien und ein paar eigene Ideen hinzu und schaffen es, den Hörer vor der Anlage zu fesseln. Im Grunde muss man nur bei den groovigen Parts aufstehen, um durchzudrehen. Der Gesang ist echt tief und hier und da ein wenig abartig. Schockt. Am Ende haut man mit Encephalic Feast noch einmal ordentlich einen raus. Langsam, kriechend und schleppend und mit einfachen Stilmitteln startet man ins Rennen. Hier geht der Kopf des geneigten Zuhörers automatisch rauf und runter. Fieses Lächeln und merkwürdige Stimmgeräusche gesellen sich dazu, um dann weiter langsam zu agieren. Dann wird der Song so richtig schön kurz aufgebaut, um dann die volle Attacke zu fahren. Technisch anspruchsvoll, aber nicht mehr so faszinierend wie die ersten Stücke. Trotzdem intensiv und brachial. Hier und da schimmern dann natürlich auch Autopsy durch.
Hier geht es für weitere Informationen zu Cryptworm – Infectious Pathological Waste in unserem Time For Metal Release-Kalender.



