Iotunn – Waves Over Copenhell Live

09.01.2026 - Prog Metal - Metal Blade Records - 51:50 Min

Da kommt kurz vor dem Jahreswechsel – na gut, noch drei Wochen vorher – eine Nachricht, die mich sehr überrascht hat. Iotunn, eine meiner favorisierten Bands aus Dänemark, bringen Anfang Januar eine Live-Scheibe auf den Markt. Mit Iotunn – Waves Over Copenhell wird ihr Auftritt beim Copenhell 2023 in der dänischen Metropole gewürdigt. Letztes Jahr erschien mit Kinship ihr gefeiertes zweites Full-Length-Album, das mit grandiosen Songs bei uns zehn Punkte und auch in vielen anderen Magazinen Top-Platzierungen einheimsen konnte. Danach gab es zahlreiche Möglichkeiten, Iotunn live zu sehen – und jedes Mal haben sie einen weggeblasen. Sei es beim Epic Fest in Roskilde, bei einem Konzert im Godset in Kolding, in Wacken, beim Ultima Ratio Fest in Berlin oder beim Metal Forces Festival in Hamburg. In diesem Jahr gab es allerdings eine Besonderheit, denn viele der Auftritte wurden mit Morten Bering Bryld durchgeführt. Sänger Jón Aldará hatte sich eine Auszeit genommen, wird aber voraussichtlich im kommenden Jahr wieder voll dabei sein. Der Auftritt in Kopenhagen fand jedoch noch mit Jón statt, sodass hier die erfolgreiche Konstellation auf der Bühne steht. Da – wie bereits erwähnt – der Auftritt von 2023 stammt, sind es ausschließlich Songs von Access All Worlds und der Song Mistland, der als Bindeglied zwischen dem Album und Kinship veröffentlicht wurde.

Die Live-Atmosphäre wird eingefangen

Der Auftritt, so Metal Blade Records, gehört zu den denkwürdigsten zu diesem Zeitpunkt. Eine eigens für diesen Auftritt programmierte Lasershow untermalt das gewaltige Klangbild der vier Dänen mit dem färöischen Sänger. Die Musik ist rauer als auf Platte, aber direkter und intensiver. Jón Aldará vermag die emotionalen Songs auf seine Weise darzubieten und begeistert damit die Tausenden, die vor der Bühne stehen. Dazu kommen mit Jesper und Jens-Nikolai Gräs zwei Gitarristen, die sich auf der Bühne blind verstehen und diese Songs leben. Auch Björn Wind Andersen an den Drums und Bassist Eskil Rask haben maßgeblichen Anteil am Geschehen – und das hört man. Waves Below ist der erste Track, und hier werden keine halben Sachen gemacht. Fast zwölf Minuten verlieren sich die fünf Musiker in Klangkaskaden und Soundgewittern, durchdrungen vom intensiven Gesang von Jón Aldará. Es folgen The Tower Of Cosmic Nihility und Access All Worlds. Ersterer steht heute oftmals noch auf der Setlist. Ab und an gibt es auch noch Access All Worlds, aber meist sind es die Songs von Kinship, die gespielt werden. Das liegt wohl auch daran, dass Iotunn bislang keine zweistündigen Auftritte hatten, um älteres Material unterzubringen – und dass die Songs eben oftmals ellenlang sind. Das ist spannend anzuhören, denn ich kenne live bislang nur die jüngeren Songs und ausgewählte Stücke des ersten Albums. Die Band hat sich weiterentwickelt, auch wenn bereits bei diesen Aufnahmen die Klasse und Intensität der Auftritte von Iotunn deutlich zu erkennen sind.

Eine Band auf dem Weg zum verdienten Erfolg

Mit dem Song Access All Worlds, ebenfalls gute zwölf Minuten lang, und dem genialen Mistland geht es weiter. Man höre sich Jón an, wie er den Songs Gefühl und Emotion verleiht. Neben Clean-Gesang beherrscht er auch das Growlen und vereint damit alle notwendigen Mittel, um den Songs ein Gesicht zu geben – auch wenn er dies bei den Auftritten meist unter einer Kapuze verborgen hält. Es lohnt sich, die Songs nicht einfach nebenbei zu hören, sondern intensiv, am besten mit geschlossenen Augen, um die feinen Strukturen und die ausgeklügelten Gitarrenparts der Brüder Gräs zu erfassen. Das ist ganz großes Kino. Mit Mistland wird der Schritt zu Kinship eingeleitet. Neben dem komplexen Songwriting kommt eine ordentliche Portion Melodie hinzu, die beim Erstlingswerk noch zurückhaltender eingesetzt wurde. Ich bin gespannt und hoffe, dass es irgendwann auch einen Live-Mitschnitt der Kinship-Tour geben wird, um den direkten Vergleich zu haben. Heute einfach mal Mistland auf der Zunge und im Ohr zergehen lassen – dann wisst ihr, wohin Kinship führt. Das abschließende Voyage Of The Garganey I knackt erneut die Zehn-Minuten-Marke. Dabei wird man in die Weiten des Alls gezogen und ist fast schon entsetzt, dass es plötzlich zu Ende ist. Fünf Songs, 51 Minuten: Progressiver Metal in allerbester Manier, der in diesem Fall auch von Jacob Hansen gemastert wurde. Die Platte gibt es digital, als Vinyl und auch als Video und wird Anfang Januar veröffentlicht.

Hier geht es zu weiteren Informationen zu Iotunn – Waves In Copenhell in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Iotunn – Waves Over Copenhell Live
Fazit zu Waves Over Copenhell
Mit der Livescheibe von 2023 zeigen Iotunn ihre rauere Seite, die absolute Spielfreude und die Ausgestaltung der Songs in der Live-Atmosphäre. Die Länge der Tracks erlaubt es, ihren Spielfluss zu präsentieren und zu zeigen, dass sie das nicht nur im Studio können. Dazu kommt, dass Jacob Hansen diese spezielle Atmosphäre, die ihren Auftritten innewohnt, genauso rüberbringt. Gelungenes Zeugnis einer aufstrebenden Band, die heute bereits immense Erfolge feiern kann.

Anspieltipp: Mistland
Kay L.
9.5
Leserbewertung0 Bewertungen
0
9.5
Punkte