„Von der Zerstörung der Städte und der Menschlichkeit“

Artist: Las Casas Viejas

Herkunft: Musiker Kollektiv / Deutschland und Österreich

Album: Goul/H

Genre: Doom Metal, Sludge, Post Black Metal, Post Rock

Spiellänge: 49:54

Release: 10.11.2017

Label: Alerta Antifascista Records

Link: https://alertaantifascistarecords.bandcamp.com/album/aa129-las-casas-viejas-goule-h-2xlp

Bandmitglieder:

Gesang – Trish
Schlagzeug -Tim
Gitarre – Tobi
Gesang – Schtä
Gitarre – Bubu
Bass – Rudá

Tracklist:

1. Moribundus
2. Kein Ort 1: nicht die Stadt und Lethargie
3. Kein Ort 2: nicht keine Stadt und Lethargie
4. Klaustrophobie
5. Erinnerung

 

Mal was ganz anderes habe ich mir zu Gemüte geführt. Ein Werk, welches zunächst recht schwer zugänglich erscheint und nicht einfach in das eine oder andere Genre einzureihen ist. Wir haben es hier mit einer Post Rock, Post Black Metal, Sludge und Doom Band zu tun, die zusätzlich auch noch Spoken Words einsetzt. So, jetzt wisst ihr genau, was es ist – oder nicht!?
Diese Platte kann man nicht nebenbei auflegen und zum Beispiel beim Putzen hören. Nein, das ist keine Unterhaltungsmusik. Obwohl, wenn man sich drauf einlässt, unterhält sie dann doch vorzüglich. Das ist kein Widerspruch. Vor allem muss man sich drauf einlassen, sonst geht es gar nicht. Für mich war es zunächst auch nicht ganz einfach.

Bei der Band Las Casas Viejas handelt es sich um ein deutsch-österreichisches Musikerkollektiv. Die Künstler sagen in einem Statement zu ihrer Musik selbst: „Wir lassen uns von fast jedem Genre, vielen Musikern und Künstlern inspirieren. Das erzeugt eine eklektische, kaleidoskopische und vielleicht für manche Ohren ungewöhnliche Klangmischung“.

Goule/H ist erschienen beim Label Alerta Antifascista Records. Erhältlich ist es über die Bandcampseite des Labels, oder über die Bandcampseite der Band als digitaler Download, Kassette oder als limited Doppelvinyl (100 x beige marbled w/ yellow/black/white und 400 x Black). Bei Amazon oder vergleichbaren Anbietern schaut man vergebens.

Die Band, oder eigentlich das Musikerkollektiv, benennt sich nach einem spanischen Ort, an dem 1933 ein Aufstand anarchistischer Arbeiter blutig niedergeschlagen wurde. In ihrem Werk kritisiert das Kollektiv den Kapitalismus und stellt diesen mitsamt seinen urbanen Konstrukten der Sehnsucht nach Natur gegenüber.

Der Auftakt des Albums mit dem Song Moribundus vollzieht sich zunächst sehr ruhig. Fast 6 Minuten des 14 Minuten langen Songs sind ein geflüsterter Dialog (Spoken Words), nur von akustischer Gitarre und langsamem Schlagwerk begleitet, bevor dann der Song jazzig und beswingt wirkt. Leichte Post Rock, Krautrock ähnliche Ausflüge sind wahrzunehmen, bevor der Song in Anleihen von Black Metal endet.

Kein Ort 1 startet mit einer dissonanten Geräuschkulisse, dem sich dünner, manchmal operettenhafter Gesang zugesellt. Untermalt mit einem dröhnenden und düsteren Sludge. Dieser dröhnende Sludge steht im vermeintlich krassen Gegensatz zur dünnen, fast flehenden Stimme. Wem kann so was einfallen? Irgendwie schon genial. Zugegeben zuerst war das für mich äußerst gewöhnungsbedürftig. Nach mehrmaligem Hören faszinierte mich das Zusammenspiel immer mehr und bekam einen totalen Reiz für mich. Der Song endet dann ruhiger und verlässt den Sludge. Vogelgezwitscher setzt ein und wird übertönt vom einsetzenden Geräusch von Presslufthämmern.

Kein Ort 2 wirkt schwarzmetalisch finster. Die Stimme krächzt und keift. Sie hat nichts mehr mit der dünnen und fast zerbrechlichen Stimme des vorangegangenen Songs zu tun. Der zunächst vorgetragene Black Metal wird dann von einer Post Rock artigen instrumentalen Passage verdrängt, die jedoch immer wieder vom zurückkommenden Black Metal finster und explosiv unterbrochen wird. Zunächst etwas aus dem Off, dann deutlicher zu vernehmen, hören wir wieder die Stimme aus den ersten Song, die uns erneut gesprochenen Text vernehmen lässt. Der Song endet als genialer Post Rock Song, der gespickt mit Death Metal Vocals ist.

Bei der Klaustrophobie handelt es sich um die Angst vor dem Aufenthalt in engen, geschlossenen oder überfüllten Räumen. Diese Angst vermitteln Las Casas Viejas in diesem Song, indem heiseres Schreien mit flirrenden Gitarren zu hören ist und den Hörer verwirrt. Dann plötzlich setzt ein stampfender Doom Rhythmus ein. Man stellt sich vor, dass die Mauern langsam und stetig auf einen zukommen und erdrücken. Du bekommst plötzlich keine Luft mehr.

Erinnerung ist dann nur noch das, was uns übrig bleibt. Der Song Erinnerung beendet das Album als Post Rock Song. Der Gesang aus Kein Ort 1 kommt zurück, ein wenig verträumter und melancholischer als vorhin. Halt irgendwie in der Erinnerung schwelgend.

Was ist denn das, was Las Casas Viejasuns hier kredenzen!? Ich persönlich finde es schon fast genial und künstlerisch wertvoll. Dabei bin ich mir auch sicher, dass mir da nicht jeder zustimmen wird. Genial empfinde ich diesen Mix der verschiedenen Genres und deren Darbietung. Irgendwie total avantgardistisch bis hin zu surreal.

Las Casas Viejas - Goul/H
Fazit: Ich weiß, dass Goul/H keine einfache Kost ist. Zudem überfordert der Longplayer bestimmt das eine oder andere Mal das Hörvermögen. Wer aber offen für experimentelle Sachen ist, sollte einfach mal reinhören. Und das mehrfach. Denn das Werk erschließt sich einem erst nach mehrmaligem Hören.

Anspieltipps: Kein Ort 1, Kein Ort 2
Juergen S.9.1
9.1Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
0.0

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