Mono Inc., The Raven Flies Again Tour 2020 am 29.08.2020 in Hamburg, im Rahmen der Cruise Inn Open Air Reihe

Abschlusskonzert und Heimspiel für Mono Inc. in Hamburg

Event: The Raven Flies Again Tour 2020

Artist: Mono Inc.

Vorband: Storm Seeker

Datum: 29.08.2020

Genre: Pirate Folk Metal, Dark Rock, Gothic Rock, Gothik Metal, Alternative Metal

Besucher: 402

Ort: Cruise Inn Open Air Gelände, Hamburg Steinwerder

Kosten: 46 € VVK, 48 € AK

Links: https://mono-inc.com/home/
https://www.storm-seeker.com/
https://cruise-inn.de/produkte

Setlisten:


  1. Jack
  2. Pirate Squad
  3. Shoot This Ship
  4. Destined Course
  5. Longing
  6. Row Row Row
  7. Drag O Below
  8. Guns Don’t Cry
  9. Side By Side
  10. Rum

  1. Welcome To Hell
  2. Funeral Song
  3. Symphony Of Pain
  4. Gothic Quenn
  5. The Book Of Fire
  6. Right For The Devil
  7. Arabia
  8. Boatman
  9. The Banks Of Eden
  10. Revenge
  11. An Klaren Tagen (Unplugged)
  12. Drum Battle
  13. Get Some Sleep
  14. After The War

Zugabe:

  1. Kein Weg Zu Weit
  2. Voices Of Doom
  3. Children Of The Dark

Der heutige Tag hält neben dem überaus erfolgreichem Record Store Day noch ein weiteres, recht selten gewordenes Highlight bereit. Ein Konzert. Im Hamburger Cruise Center in Steinwerder finden auf dem großen Parkplatz Konzerte der Reihe Cruise Inn Open Air statt. Heute Abend geben hier Mono Inc. ihr drittes und voraussichtlich letztes Konzert des Jahres. Die The Raven Flies Again Tour 2020 gastierte zunächst in Halle und Mönchengladbach und wurde dort als „Strandkorbkonzerte“ überaus erfolgreich durchgeführt. Dass es in Hamburg ebenfalls eine Möglichkeit für ein Konzert geben würde, war lange ungewiss, aber dann gab es doch grünes Licht. Leider waren die Vorverkaufszahlen bis zum Schluss nicht so hoch wie erwartet, sodass das Event zunächst noch auf der Kippe stand. Die Monos ließen es sich aber nicht nehmen und haben im Vorfeld verlauten lassen, dass sie auf jeden Fall spielen werden. Und heute Abend ist es soweit.

Am Cruise Center Steinwerder wurde der große Parkplatz dermaßen gestaltet, dass Liveevents stattfinden können. So gab es bereits einige andere Veranstaltungen, die teilweise als Drive Inn abgehalten wurden. Heute Abend sind jedoch Stuhlreihen aufgebaut. Bereits ab 17:30 Uhr treffen die ersten, schwarz gekleideten Fans ein, und wer heute auftritt, ist mehr als eindeutig zu sehen. Der Rabe ist überall zu sehen und einige scheinen auch bereits eines der anderen beiden Konzerte gesehen zu haben, so lassen es zumindest die T-Shirts vermuten. Des Weiteren sind viele Autokennzeichen nicht typisch norddeutsch, was auf weit Angereiste schließen lässt. Der Einlass beginnt pünktlich um 18:00 Uhr und die Security sorgt mit der nötigen Umsicht für einen Corona-konformen Zugang. Also Maske auf und in die Schlange einreihen.

Unsere Akkreditierung war problemlos, aber wir hatten bereits im Vorfeld reguläre Karten gekauft, da nicht klar war, ob es mit einem Pressezugang klappt. Wir nutzen unsere regulären Plätze in der ersten Reihe, hinter den mit Europaletten gebauten, vier Personen fassenden Boxen. Hier erleben wir nun aber eine nicht so ganz durchdachte Situation. Die Stuhlreihen sind so angelegt, dass in einer Reihe bis zu zehn Personen sitzen können. Der Abstand der Stühle zueinander beträgt keine 50 cm (gefühlt eher 20 cm) und so haben wir Nachbarn, die weder mit uns bekannt, verwandt oder in sonst einem Verhältnis stehen. Da ist die Abstandsregelung vollkommen außer Acht gelassen worden. Da muss noch mal drüber nachgedacht werden. Allerdings sorgt die stark präsente Security dafür, dass außerhalb des eigenen Platzes die Masken getragen werden.

Am Eingang gab es als Überraschung eine gedruckte Karte der Monos mit Autogramm und einem persönlichen Text auf der Rückseite. Dazu, als Erinnerung, ein Festivalbändchen zu dieser Tour. Das ist eine gelungene Überraschung. Das Gelände selbst ist mit vielen gelben Pfeilen markiert, was für die Laufrichtungen sorgen soll. Das klappt zunächst auch gut, wird aber später etwas verwirrend. Bei den Verkaufsständen ist die Einbahnstraßenregelung dann so, dass, wenn man weggeht, sehr dicht an den wartenden Gästen bei den anderen Buden vorbeigehen muss. Das Gleiche gilt für den Weg zu den WCs, bei denen aber jedes Mal eine Desinfektion der Hände für Sicherheit sorgt. Dass in der Pause nur jeweils eine der sechs Boxen geöffnet ist, sorgt für eine lange Schlange, da ja auch immer nur zwei gleichzeitig rein dürfen.

Nun aber zum Konzert. Pünktlich um 19:00 Uhr beginnen Storm Seeker. Mir bis dato vollkommen unbekannt, beginnen die Düsseldorfer mit Jack, einem Song ihrer ersten EP Pirate Scum. Der Piraten Folk Rock passt zwar nach Hamburg, allerdings wirkt das zunächst noch etwas befremdlich. Nun ja, durch Düsseldorf fließt zwar der Rhein, aber da dürfte die Piratendichte doch eher übersichtlich sein. Vielleicht zündet das deshalb nicht so richtig. Sänger und Bassist Timo Bornfleth hat arg zu kämpfen und es ist nicht ganz klar, ob es die schlechte Abmischung ist oder vielleicht die Küstenluft zu rau für die Stimmbänder. So richtig überzeugen können sie nicht. E-Cellistin Sandy und Drehleier Akteurin Fabi sorgen für den folkigen Ansatz, während Gitarrist Olaf den etwas härteren Touch liefert. Gut in Szene gesetzt wird Keyboarder Tim, der seine roten Locken effektvoll von einem Ventilator verwehen lässt. Musikalisch sind gute Ansätze da, nur kommt das hier und heute nicht so recht rüber. Songs wie Row Row Row oder Rum haben zwar einen maritimen Charakter, das reicht aber leider nicht immer. Auch die Vorstellung des neuen Tracks Guns Don’t Cry kann das Ruder nicht rumreißen. Trotzdem schaffen sie es zumindest, die Zeit der auf ihre Plätze gebannten Zuschauer bis zum Hauptact zu überbrücken.

Nach einer kurzen Umbaupause stürmen die Lokalmatadoren mit Welcome To Hell auf die Bühne. Der Sound ist sofort glasklar und ab diesem Moment sind die 402 Gäste im Bann der vier Hamburger. Zu Anfang stehen Manuel Antoni und Carl Fornia noch mit den Pestmasken auf der Bühne und erinnern an die gleichnamige Scheibe von 2018. Nach dem zweiten Song der Platte, Funeral Song, wird es eher nostalgischer. Es reihen sich neben den immer gern gehörten Klassikern dann nur zwei Songs der letzten Erfolgsplatte The Book Of Fire auf die Setlist. Zunächst kommen aber Symphony Of Pain, Gothic Queen, diesmal ohne Mosh Pit, dafür aber mit stehenden und vor den Stühlen vorsichtig tanzenden Menschen. Lady Katha Mia, die wie immer im Hintergrund leicht erhöht ihre Drum Maschine souverän bedient, ist sichtlich erfreut, hier in Hamburg auftreten zu dürfen. Martin Engler führt mit Witz und Charme und schwarzem Humor durch den Abend und schafft es eine tolle, an der einen oder anderen Stelle eine sehr emotionale Atmosphäre zu schaffen.

Mit Wehmut in der Stimme wird die für dieses Jahr wohl letzte Mono Inc. Show angekündigt. Aber das ist heute Abend erst mal zweitrangig, denn der Abend soll genossen werden. Nicht unerwähnt bleiben die 402 Zuschauer, und auch die von weit her angereisten Fans werden von Martin gelobt und fast schon namentlich erwähnt. Man kennt seine treuen Fans halt. Nach Welcome To Hell folgt Right For The Devil, bei dem dann Storm Seeker den Tanzwut Part übernehmen. Das passt gut zusammen und hier ist auch der stimmliche Einsatz von Timo deutlich besser. Das folgende Arabia geht von allein und es gibt kaum noch an sich halten. Die Ordner sind vermehrt unterwegs und passen auf, dass es zu keiner Gruppenbildung kommt. Bei Boatman, das hier in der Nähe der Bühne aufgenommen wurde, hat Martin mal wieder Tränchen in den Augen. Banks Of Eden und Revenge schließen sich an, wobei der Versuch, das Publikum hier zum Singen zu animieren, sich als ziemlich schwierig erweist. Das eingeschränkte Beieinanderstehen lässt die sonst kollektiv starke Stimme der Zuschauer im Abendlicht verblassen.

Das emotionale An Klaren Tagen, dass der Oma eines Crew-Mitgliedes gewidmet ist und stellvertretend für viele einsame, demente Menschen steht, sorgt für einen Moment des Innehaltens. Das Duett mit Katha kommt gut an, während Marc Antoni am Klavier und Sandy von Storm Seeker mit der Flöte den Moment begleiten. Nach der kurzen Sequenz gibts ein Drumsolo von Katha, die im Dunkeln hinter den effektvoll erleuchteten Bassdrums sitzt. Es folgen noch Get Some Sleep und After The War, bevor Mono Inc. sich zunächst verabschieden. Da sie aber zwei Stunden angekündigt hatten, kommen sie recht schnell unter lautem Applaus wieder zurück auf die Bühne. Die Zugabe beginnt mit dem zur Situation passendem Kein Weg Zu Weit (….um die Monos zu sehen) und Voices Of Doom, bei dem dann nochmals das Publikum zu Gesangsleistungen aufgefordert wird. Als letzter Song kommt dann Children Of The Dark, leider ohne die drei anderen Kinder der Dunkelheit (Joachim Witt, Chris Harms und Tilo Wolff). Mit der Ungewissheit, wann es weitere Auftritte geben wird, verabschieden sich beide Bands unter lautem Beifall von den Zuschauern, die hier einen denkwürdigen Abend erleben durften. Zum Schluss gibt es dann noch ein Geburtstagsständchen für Torben Bortz, der seit Jahren bei den Monos das Merch gemacht hat und inzwischen zum General Manager bei NoCut Entertainment aufgestiegen ist. Dann verlassen alle Gäste gesittet das Feld und nur vor den Parkautomaten gibts noch Schlangen.

Fazit: Ein Heimspiel für Mono Inc., die wie immer eine souveräne Leistung abgeliefert haben. Ich hätte ihnen gerade in Hamburg nur noch viel mehr Zuschauer gegönnt und war verwundert, dass nicht mehr Gäste diese Chance genutzt haben. Die Düsseldorfer Vorband, die thematisch zwar nach Hamburg passt, hatte mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen und klang an der einen oder anderen Stelle etwas schräg. Das derzeitig überall notwendige Sicherheitskonzept ist durchdacht, hat aber in der Umsetzung Schwächen aufgewiesen. Das ist ausbaufähig und führt ansonsten die Regelungen ad absurdum. Lobenswert die Security, die immer aufpasste und für das Einhalten der Maskenpflicht und der Abstände sorgte. Alles in allem ein gelungener Abend, der nur für Autofahrer bei der Ausfahrt noch eine finanzielle Überraschung parat hielt. 5,00 € bzw. 4,00 € pro Stunde kostet der Parkspaß. Das sind bei Anreise um 17:00 Uhr bis Abfahrt um 22:30 Uhr, na ja, das kann sich jeder selbst ausrechnen. Zur Verteidigung muss man auch erwähnen, dass ab S-Bahnhof Veddel ein Shuttle zum Veranstaltungsort angeboten wurde. Das ist wieder lobenswert. Die Location selbst ist eine Option für Konzerte, solange das Wetter mitspielt, und das hat es heute glücklicherweise.

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