Bands: The Ruins Of Beverast, Imha Tarikat, Raná, Ultima Necat
Ort: Club Volta, Schanzenstr. 6 – 20, Gebäude 2.10, 51063 Köln
Datum: 11.01.2026
Kosten: 37,00 € VVK
Genre: Black Metal
Veranstalter: Shogun Konzerte
Link: https://www.facebook.com/events
Heute Abend geht es mal wieder in mein „Kölner Wohnzimmer“, den Club Volta. The Ruins Of Beverast sind mit drei weiteren geilen Bands dort auf ihrer Tempelschlaf Tour, um das neue Album zu promoten. Diesen Abend wollen sich wohl, trotz Eisregen-Ansage, viele Fans nicht entgehen lassen und so füllt sich der Club Volta entsprechend.
Ultima Necat – okkulter Auftakt im Club Volta
Zunächst verwandelt sich der Club Volta in Köln in einen düsteren, beinahe sakralen Raum. Ultima Necat eröffnen den Abend mit einer Atmosphäre, die von der ersten Minute an fesselt und keinen Zweifel daran lässt, dass hier mehr als nur ein gewöhnlicher Opener am Werk ist.
Der Blick auf die Bühne ist sofort gefangen: Im Vordergrund steht eine Madonna, umgeben vom warmen, flackernden Licht zahlreicher Kerzen. Weihrauch zieht durch den Raum, legt sich schwer in die Luft und verstärkt den rituellen Charakter des Auftritts. Die Szenerie wirkt bewusst reduziert, zugleich aber eindringlich – eine okkulte Black-Metal-Stätte, geschaffen für das, was nun folgt. Die Dresdner Band entfesselt eine dunkle Wucht, die den Club Volta schnell fest im Griff hat. Packende, schneidende Riffs treffen auf ein druckvolles Schlagzeugspiel, während der Gesang wie ein unheilvolles Beschwören durch den Raum hallt. Der Sound ist roh und kompromisslos, dabei jedoch strukturiert und präzise. Ultima Necat setzen weniger auf Geschwindigkeit als auf eine erdrückende Intensität, die sich langsam aufbaut und immer weiter verdichtet. Im Mittelpunkt steht die im vergangenen Jahr veröffentlichte Debüt-EP Fragments Of Pain, deren Stücke live eine noch stärkere Wirkung entfalten. Die Songs wirken aggressiv und zugleich kontrolliert, getragen von einer spürbaren inneren Spannung. Jeder Riffwechsel, jede rhythmische Verschiebung verstärkt das Gefühl, Teil eines finsteren Rituals zu sein. Die Musik ist kalt, abgründig und lässt dennoch Raum für hypnotische Momente. Das Publikum folgt gebannt und lässt die Klangwellen über sich hinwegrollen. Ultima Necat fordern Aufmerksamkeit und bekommen sie auch – nicht durch große Gesten, sondern durch eine intensive, geschlossene Darbietung. Der Weihrauch, das Kerzenlicht und die kompromisslose Musik verschmelzen zu einem stimmigen Gesamtbild.

Mit ihrem Auftritt setzen Ultima Necat ein klares Zeichen und bereiten den Boden für den weiteren Verlauf des Abends. Der Club Volta ist nach diesem Set kein neutraler Ort mehr, sondern bereits vollständig in Dunkelheit und Atmosphäre getaucht.
Raná – wildes Gemisch mit klarer Haltung
Nach dem finsteren Auftakt des Abends verändert sich die Szenerie im Club Volta spürbar. Raná, ein Zusammenschluss von Musikern aus Kassel, Hannover und Braunschweig, betreten die Bühne und setzen sofort eigene Akzente. Auch hier dominiert ein okkultes Bühnenbild. Musikalisch entfesseln Raná ein ungestümes Gemisch aus Black Metal, Post Metal und Crust. Die Songs wirken roh und ungeschliffen, gleichzeitig aber durchdacht und spannungsgeladen. Rasende Ausbrüche wechseln mit schleppenden, beinahe erdrückenden Passagen. Immer wieder kippen die Stücke in chaotische Lärmwände, nur um sich kurz darauf neu zu sortieren. Diese Unberechenbarkeit macht einen großen Teil der Live-Wirkung aus. Der Auftritt weckt Erinnerungen an einen früheren Festivalmoment: 2024 habe ich Raná erstmals beim Culthe Fest in Münster gesehen. Damals prägt vor allem die Bassistin X mit ihren langen Rastalocken das visuelle Erscheinungsbild der Band. Heute jedoch fehlt sie auf der Bühne. Stattdessen steht ein junger Mann am Bass, der sich nahtlos in das Klangbild einfügt. Später, am Merchstand, bestätigt er im Gespräch, dass er tatsächlich der Nachfolger von X ist. Ein kleines Detail bleibt offen – sein Buchstabe bleibt ungefragt, was im Nachhinein fast schon charmant wirkt. Neben dem neuen Bassisten steht die Band in klarer Formation auf der Bühne: E sitzt mit kompromissloser Energie am Schlagzeug, während J und B an den Gitarren ein dichtes Geflecht aus Riffs und Feedback erzeugen. Im Zentrum agiert Sänger A, dessen Stimme zwischen verzweifeltem Schreien und wütendem Bellen pendelt. Seine Präsenz ist intensiv, beinahe konfrontativ, mit einiger Theatralik.

Mit Richtfeuer aus dem Jahr 2023 haben Raná bislang ein vollständiges Album veröffentlicht, das auch live als solides Fundament dient. Die Stücke wirken auf der Bühne noch kantiger und unmittelbarer, verlieren aber nichts von ihrer emotionalen Wucht. Der Sound ist dreckig, laut und fordernd – genau das, was dieses Genre-Mosaik verlangt. Auch Raná hinterlassen heute im Club Volta einen bleibenden Eindruck. Ihr Auftritt ist laut, lichtdurchflutet und intensiv – ein weiterer, unverzichtbarer Baustein dieses düsteren Konzertabends, der zeigt, wie vielfältig okkulte Ästhetik und extreme Musik interpretiert werden können.
Imha Tarikat – Sternenberster im Club Volta
Imha Tarikat betreten die Bühne mit einem klaren Auftrag: Der Club Volta soll beben. Was zunächst wie eine Kampfansage klingt, wird innerhalb weniger Sekunden zur Realität. Schon der erste Ausbruch macht deutlich, dass der Albumtitel Sternenberster nicht nur ein poetisches Bild ist, sondern ein musikalisches Versprechen, das live mit Nachdruck eingelöst wird. Der Bandname lässt sich sinngemäß als „im Schmerz reifen und alles geben – bis man zerbricht“ deuten, und genau dieses Gefühl transportieren die vier Musiker kompromisslos auf die Bühne. Ursprünglich als Duo mit türkischen Wurzeln gegründet, präsentieren sich Imha Tarikat heute als energiegeladenes Quartett. Die Musik ist aggressiv, rasend und von einer beinahe manischen Intensität getragen. Hier geht es nicht um feine Nuancen, sondern um maximale Entladung.
Zur aktuellen Besetzung gehören unter anderem Hexer Marvin Giehr und The-Night-Eternal-Fronter Ricardo Baum, die dem Sound zusätzliche Schärfe und Präsenz verleihen. Noch gut in meiner Erinnerung ist das Konzert im September 2025 in der Balver Höhle beim Prophecy Fest, als ein kurzfristiger Bassistenwechsel für Irritation sorgt: Ricardo Baum stößt dort erst beim zweiten Song dazu und übernimmt den Posten seines Vorgängers. Im Club Volta steht das Quartett geschlossen auf der Bühne und wirkt vollkommen fokussiert.

Musikalisch ist der Auftritt ein einziger, kontrollierter Abriss. Rasende Black-Metal-Passagen, punkige Direktheit und eine rohe, fast schon zerstörerische Energie treiben das Set voran. Die Songs wirken wie Explosionen, dicht aufeinanderfolgend, ohne dem Publikum Zeit zum Durchatmen zu lassen. Der Sound ist laut, scharf und unnachgiebig, aber stets präzise genug, um nicht im Chaos zu versinken. Imha Tarikat hinterlassen einen Club, der spürbar aufgeheizt ist – körperlich wie mental. Der Boden vibriert, die Luft ist schwer, das Publikum sichtbar mitgenommen. Ein Auftritt, der zeigt, dass kompromisslose Energie und klare Haltung auch ohne Umwege ihr Ziel erreichen.
The Ruins Of Beverast – ein dunkles Ritual im Club Volta
Nun entfaltet sich eine beklemmende Intensität, die sofort klarmacht, warum The Ruins Of Beverast seit Jahren zu den wichtigsten Namen im extremen Metal-Underground zählen. Die Bühne liegt in Nebel und gedämpftem Licht, während sich langsam eine Atmosphäre aufbaut, die weniger an ein Konzert erinnert als an ein rituelles Klangereignis. Die grellen Stroboskopblitze reißen das Publikum aus der Dunkelheit, ohne den Blick auf die Bühne wirklich freizugeben. Im Zentrum von The Ruins Of Beverast steht Alexander von Meilenwald, der unbestrittene Kopf des Projekts. Seit der Gründung im Jahr 2003 prägt er den charakteristischen Sound maßgeblich. Im Studio ist das Projekt weitgehend eine Ein-Mann-Entität: Von Meilenwald spielt sämtliche Instrumente selbst ein und formt die Alben bis ins Detail nach seiner Vision. Live jedoch verwandelt sich diese individuelle Idee in ein kollektives Erlebnis. Heute Abend stehen The Ruins Of Beverast als Quintett auf der Bühne – eine illustre Schar an Musikern, die die komplexen und monumentalen Kompositionen mit beeindruckender Wucht umsetzt.
Schon die ersten verzerrten Gitarrenflächen legen sich wie ein schwerer Nebel über das Publikum. Mächtige Riffs, langsame, erdrückende Passagen und plötzlich aufbrechende Black-Metal-Eruptionen wechseln sich ab. Die Musik bewegt sich souverän zwischen Atmospheric Black und Doom Metal, immer getragen von einer rauen, spröden Grundstimmung. Hier gibt es keine einfachen Refrains, keine schnelle Befriedigung – stattdessen entwickeln sich die Songs in langen Bögen und ziehen die Zuhörenden immer tiefer in ihren Bann. Der Gesang ist dabei ebenso facettenreich wie verstörend. Grimmiger Black-Metal-Gesang dominiert, wird jedoch immer wieder von klarem, beinahe beschwörendem Gesang durchbrochen. Schönheit und Bedrohung liegen hier permanent nah beieinander. Irgendwann (beim zweiten oder dritten Song) steht dann auch plötzlich Ricardo Baum auf der Bühne und begleitet die Band für einen Song am Mikro.
Der Fokus des Abends liegt natürlich auf dem neuen Album Tempelschlaf, das sich live als besonders wirkungsvoll erweist. Aber auch Songs älterer Alben stehen auf der heutigen Setlist. Die Stücke wirken roh, unmittelbar und entfalten eine enorme Sogkraft. Die Soundlandschaften beschwören mythische Naturbilder herauf, lassen Raum für meditative Momente, nur um diese im nächsten Augenblick wieder zu zerstören. Die Atmosphäre ist jederzeit greifbar und lässt keinen Zweifel daran, dass hier keine Durchschnittskost serviert wird. Songs wie Daemon, Alpha Fluids, Malefica, Cathedral Of Bleeding Statues, Anchoress In Furs, The Carrion Cocoon oder Between Bronze Walls verdichten den Abend zu einem geschlossenen, düsteren Gesamtbild. Jeder Titel wirkt wie ein weiteres Kapitel innerhalb eines größeren, finsteren Epos.

Live sind The Ruins Of Beverast heute Abend weit mehr als nur eine Band. Sie erschaffen ein intensives, tranceartiges Erlebnis, das den Club Volta vollständig ausfüllt. Dieses Konzert zeigt eindrucksvoll, warum das Projekt um Alexander von Meilenwald aus der extremen Metal-Landschaft nicht wegzudenken ist – kompromisslos, fordernd und von einer düsteren Faszination, der man sich kaum entziehen kann.
Kurz vor Ende des Konzertes verlasse ich den Club Volta, da für die Nacht überfrierende Nässe angekündigt ist. Hier will ich mich keiner Gefahr aussetzen und verzichte auf die letzten 15 Minuten. Ansonsten wäre ich bis zum letzten Ton dageblieben. Vielen Dank an Shogun Konzerte, dass wir wieder dabei sein konnten!
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