Aalborg Metal Festival vom 01.11. – 03.11.2012 im Studenterhuset in Aalborg

”Aalborg ist mindestens drei Tage im Jahr einen Besuch wert!”

Headliner: Gojira, Fear Factory & Devin Townsend Project

Location: Studenterhuset, Aalborg, Dänemark
http://www.studenterhuset.dk

Homepage: http://www.aalborgmetalfestivl.dk

Datum: 01.11.-03.11.2012

Einlass 01.11.2012: 18:00 Uhr Beginn 01.11.2012: 19:00 Uhr
Einlass 02.11.2012: 14:00 Uhr Beginn 01.11.2012: 15:00 Uhr
Einlass 03.11.2012: 12:00 Uhr Beginn 01.11.2012: 14:00 Uhr

Kosten 01. – 03.11.2012: VVK: 695 DKK (~93 €) AK: Ausverkauft
Kosten 01.11.2012: VVK: 120 DKK (~16 €) AK: Unbekannt
Kosten 02.11.2012: VVK: 395 DKK (~53 €) AK: Ausverkauft
Kosten 03.11.2012: VVK: 395 DKK (~53 €) AK: 445 DKK (~60 €)

Kapazität: 700-800
Besucher 01.11.2012: Ca. 350
Besucher 02.11.2012: Ausverkauft
Besucher 03.11.2012: Ca. 650

Veranstalter: Nordic Rock Booking http://www.nordicrockbooking.dk

Das Aalborg Metal Festival, welches am ersten Wochenende des Novembers stattfindet, steht an. Als 1-Tages-Festival angefangen, wurde es mittlererweile auf drei Tage erweitert, während die Namen der Bands von Jahr zu Jahr größer wurden. Ich bin für euch vor Ort, um zu sehen, zu was diese Veranstaltung und die Besucher taugen. Bevor es allerdings losgeht, hier ein wenig zur Erreichbarkeit des Festivals: Der Bahnhof ist ungefähr 20 Minuten Fußmarsch entfernt, während Busse keine fünf Minuten vom Studenterhuset halten. Die Location ist sehr leicht zu finden und hat Einkaufs- (Bier, Zigarretten, etc.) und Essensmöglichkeiten in direkter Umgebung sowie vor Ort. Die Stadt Aalborg hat mehr als genug Hotels, weshalb ein Campground völlig unnötig ist, auch weil wir mitten im Herbst Temperaturen um die null Grad haben. Als letzte Informartion meinerseits, soll noch gesagt sein, dass alle Bands verlinkt wurden, falls man mehr über diese herausfinden möchte. Und nun kann die Metal-Party losgehen!

Tag 1:
Der heutige Donnerstag steht in Aalborg ganz im Zeichen von gleich zwei Festivals: Das Aalborg Metal Festival geht heute los und die dänische Headbangers Ball Tour ist heute zu Besuch. Wie das geht fragt ihr euch? Man schmeißt einfach die drei Bands der Tour Rising, Scarred By Beauty und Essence in das Line-Up des heutigen Tages und schon hat man einen durch Todesblei belasteten Donnerstag für die Metalheads fertig.

Ich komme um circa 18:30 Uhr beim Studenterhuset (Studentenhaus) an und hole mir mein Stoffbändchen ab, bevor ich durch den Konzertsaal wandere, um mir alles ein wenig genauer anzusehen. Die Bühne ist für den durchschnittlichen Mann irgendwo zwischen Hüft- und Bauchnabelhöhe und heute ohne Absperrzaun versehen, was die Fans noch näher an die Musiker bringt. Im Raum selber sind diverse Altölfässer platziert, die als Tische dienen, wobei wir wieder beim Thema „Metal“ sind.

Die Bar ist am anderen Ende des Raumes mit direktem Blick auf die Bühne und ich schätze, es können vielleicht 1000 Menschen zwischen Bühne und Bar Platz finden. In der Mitte ist natürlich die Ausstattung der Soundtechniker platziert, leicht angehoben, aber ohne die Sicht großartig für dahinterstehende Besucher zu blockieren. Die Preise an der angesprochenen Bar sind auch in Ordnung – mit 32 DKK (4,30 €) für 0,5l Bier vom Fass und 20 DKK (2,70 €) für eine 0,33l Cola. Zusätzlich werden 3 Kronen Pfand auf die Becher erhoben, damit man die Vermüllung des Geländes ein wenig eindämmen kann.

Punkt 19:00 Uhr geht es dann auch los mit einer super Ansage vom Radio-Moderator des dänischen Programms Sort Søndag (Schwarzer Sonntag) auf dem Kanal P6, der weiß, wie man dem Publikum einheizt. Als nächstes kommen die Kopenhagener von Rising auf die Bühne und geben 40 Minuten lang Gas mit ordentlichem Thrash Metal. Das Trio besteht aus Gitarrist, Schlagzeuger und Bassist, der gleichzeitig den Gesang übernimmt und wenn man die Stimme irgendwo kategorisieren soll, dann würde ich sie zwischen den Sängern von Mustasch und Kreator einordnen. Es sind gerade erst um die 100 Besucher eingetrudelt, daher ist die Stimmung auch entsprechend verhalten, aber ein paar Leute in der ersten Reihe geben schon ordentlich Gas und heißen die Hauptstädtler gebührend auf dem Festland Dänemarks willkommen. Ein klasse Opener sowohl für das Aalborg Metal Festival als auch für die Headbangers Ball Tour, der Lust auf mehr gute Musik macht.

Nach 20 Minuten Umbau geht es weiter mit Scarred By Beauty, die ebenfalls aus Kopenhagen stammen und dem Genre des Post-Hardcore / Metalcore / Deathcore angehören. Und ich muss sagen, ich bin beeindruckt, was Sänger Jonathan da in den Raum brüllt. Die Zuschauer werden auch so langsam warm und nach und nach machen mehr Leute bei den Aufrufen der Band mit. Leider versteht man nicht so viel davon, was zwischen den Songs geredet wird, da Jonathan meint, das Mikro weiterhin wie beim Singen halten zu müssen, was einen extrem gedämpften, verzerrten Klang seiner Stimme hervorruft. Mittlererweile sind wir bei mindestens 200 Besuchern im Saal und es kommen immer mehr Leute, während Scarred By Beauty auf der Bühne stehen, und zu fünft abrocken.

Ich begebe mich in der nächsten Umbauphase nach draußen zum Würstchenstand, bei dem es für 20 Kronen (~2,70 €) ein Würstchen und für 5 Kronen mehr (~0,70 €) zwei Stücke Brot gibt. Später wird das Angebot auch auf zwei Würstchen und zwei Stück Brot erweitert – logischerweise für 45 Kronen (~6 €). Das Personal draußen ist sehr freundlich und so begebe mich in den Pausen des Öfteren dorthin, einfach um mit den Leuten zu reden.

Nach der besagten Umbauphase von 20 Minuten geht es weiter mit Ferocity, eine lokale Death Metal-Band, die noch mehr Todesblei abliefert als es Illdisposed zu ihren besten Zeiten getan haben. Der Gesang geht fast schon in Grindcore-Bereiche über, so tief wird hier gegrowlt, während die Gitarrenriffs stark an The Prestige von Illdisposed erinnern. Wer hier nicht wach wird, kann genauso gut zu Hause bleiben, denn was die Dänen hier abliefern, ist einfach brutal, brachial und beinhart! Headbangen, stellenweise kurzes Moshen, Biertrinken und noch mehr Headbangen liegt hier an der Tagesordnung, während die Band einfach nur abgrundtief bösen Death Metal spielt. Leider werden die Jungs vor ihrem letzten Song von der Bühne geschickt, da der Zeitplan sehr strikt einzuhalten ist und man um 21:39 Uhr nicht seinen letzten Song anspielt, um dann um 21:40 Uhr die Bühne zu räumen. Das ist zwar schade, aber wenn man den Zeitplan einhalten will, müssen wohl 20 Minuten zum Umbauen her.

Um 22:00 Uhr geht es weiter mit einer Band aus Aalborg, nämlich Essence, ein Thrash Metal-Quartett, das weiß, wie man rockt. Seit dem Jahre 2005 rocken Essence schon das Land und heute sind sie Teil der Headbangers Ball Tour und des Aalborg Metal Festivals. Es werden teilweise echt starke Songs ausgepackt – wie es zum Beispiel bei Blood Culture der Fall ist. Als Thrash Metal-Fan sollte man sich hier definitiv zu Hause fühlen, auch wenn auf Growls verzichtet wird und man somit schon ein gutes Stück weit weg ist von der Musik von Ferocity. Mittlererweile sind auch einige Zuschauer mehr aufgekreuzt, ich schätze mal wir sind jetzt bei circa 400 Anwesenden plus/minus die Leute, die im Café nebenan oder draußen zum Rauchen und Würstchenessen sind. Dummerweise passiert bei Essence aber das Gleiche, wie es bei Ferocity schon der Fall war: 22:39 Uhr soll der letzte Song angespielt werden, aber das wird nichts, denn ein Mitarbeiter der Festival-Crew steht neben dem Sänger und gibt gefühlte 30 Mal das Zeichen zum Schlussmachen.

Und nun geht es mit der letzten Band des Abends los: Mercyful Diamond, eine Tribute-Band für Mercyful Fate und King Diamond, wegen der wohl die meisten Leute anwesend sind, da wir bei schätzungsweise 600 Besuchern sind. Die Freude über den Besuch dieser Gruppe ist besonders groß, da gerade erst bekanntgegeben wurde, dass King Diamond an seinem Geburtstag auf dem Copenhell Festival 2013spielen wird. Leider fängt das Konzert aber sehr negativ an, da das Mikro viel zu übersteuert ist und die hohen Töne einfach nur weh tun, was nach einer kurzen Zigarrettepause zur Erholung zum Glück behoben ist. Mercyful Diamond haben eine ganze Stunde Spielzeit und nutzen diese auch voll aus. Genremässig hat diese Gruppe allerdings herzlich wenig mit den vorherigen Bands am Hut, da es sich hier eher um Heavy Metal handelt. Meiner Meinung nach ist der Auftritt der Gruppe dennoch eher bescheiden, da es sich um Cover-Songs handelt und wenn man King Diamond sehen will, dann guckt man sich King Diamond an und nicht Mercyful Diamond oder? An sich spielen die Jungs nicht schlecht, aber die Tontechniker vergeigen hier so manches und lassen übersteuerte Instrumente gnadenlos weiterlaufen, was den Hörspaß gehörig mindert. Das hier ist leider ein denkbar mittelmäßiger Abschluss eines ansonsten sehr starken ersten Tages auf dem Aalborg Metal Festival.

Tag 2:
Ein weiterer Tag bricht für das Festival an und um 15:00 Uhr steht bereits die erste Band auf der Bühne. 9000 John Doe nennt sich das Quartett aus Aalborg, wie man es sich bereits denken kann, da Aalborg die Postleizahl 9000 hat. Eine halbe Stunde Thrash Metal mit Hardcore-Einflüssen wird hier auf die Ohren der circa 75 Besucher geballert. Diesmal gibt es 30-minütige Umbauphasen, was sich später noch steigern soll, aber genug Zeit, um mal auf die Neuigkeiten seit gestrigem Donnerstag zu schauen.

Die Ölfässer sind leider nicht mehr im Saal, wahrscheinlich weil diese einfach zu viel Platz wegnehmen und das Event heute ausverkauft ist. Dazu hat sich der Preis für das Bier auf 35 Kronen (4,70 €) erhöht, da der Becherpfand bei den meisten Gästen überhaupt nichts bringt und überall Becher rumfliegen, gerne auch mit einer Bierpfütze drumherum. Im Café ist soweit nichts Neues passiert, aber ich entdecke erst heute, dass in der linken Ecke des Lokals versteckt ein kleiner Stand des Sponsors ist. Hier stehen Lautsprecher en masse und es läuft guter Metal á la As I Lay Dying und Trivium. Dazu kann man noch etwas gewinnen und sich nett mit dem zuständigen Verkäufer unterhalten, ohne dass er einem direkt etwas andrehen möchte. Definitiv ein netter Zeitvertreib für die Pause.

16:00 Uhr geht es weiter mit den Jungs von Serpent Saints, die ebenfalls 30 Minuten Thrash Metal spielen, dieses Mal handelt es sich aber um die Old School-Variante der 80er Jahre. Die fünf Männer aus Fredericia stoßen also auf einige offene Ohren, da Old School bisher noch nicht allzu stark abgedeckt wurde.

Nach weiteren 30 Minuten Umbau gibt es einen kleinen Genre-Wechsel: Plague Of Angels spielen nämlich Deathcore – sehr zu meiner Freude, da dieses Festival bisher sehr Thrash-lastig ist. Leider rocken die Briten aber nur 20 Minuten die Bühne, obwohl sie ganze 30 Minuten zur Verfügung haben. Nach dem Auftritt des Quintetts unterhalte ich mich draußen noch ein wenig mit dem Drummer der Band, der mir verrät, dass die Jungs 24 Stunden für die Anreise gebraucht haben, auch wegen eines Stops in Amsterdam. 1500 £ hat der ganze Spaß gekostet, um gratis eine einzige Show spielen zu können, da die Briten derzeit gar nicht auf Tour sind. Als kleinen Bonus werden auch noch gratis CDs verteilt, eine sehr nette Geste.

Weiter geht es um 18:00 Uhr mit Billy Boy In Poison, eine weitere dänische Band, die 30 Minuten lang starken Death Metal spielt. Die Kopenhagener haben ein Publikum von rund 250 Leuten, das es zu überzeugen gilt. Aber die fünf Jungs machen ihren Job verdammt gut und Aalborg scheint so langsam in der Stimmung für eine ordentliche Metal-Party zu sein, denn einige Hände sind des Öfteren in der Luft und das eine oder andere Haupthaar schwingt durch die Gegend.

Puteraeon haben durch die Dänen vor ihnen ein aufgewärmtes Publikum, das um 19:00 Uhr darauf wartet, durch Black Metal angehauchten Death Thrash zum Kochen gebracht zu werden. Die Schweden wissen allerdings, wie man Zuschauer animiert und in diesem Sinne ballert das Quartett alles in Grund und Boden. Die knapp 300 Zuschauer feiern dementsprechend mit und es sind im Laufe des Konzertes mehr und mehr Pommesgabeln und Haare in der Luft zu sehen – da freut man sich erst recht darauf, wenn das Hauptprogramm des Tages losgeht.

Den Anfang dafür machen Raunchy, eine weitere Band aus Dänemark, die ebenfalls aus Kopenhagen stammt. Metalcore steht hier für 45 Minuten auf dem Programm und wenn man sich die Setlist anschaut, sieht man, dass es hier eine Best-Of-Show gibt, da tatsächlich nur ein einziger Song vom aktuellen Album als Opener läuft, während der Rest Querbeet durch die vorherigen Releases geht. Im Übirgen bedeutet das im Klartext, dass teilweise deutlich härtere Songs gespielt werden, als sie auf der neuesten Scheibe A Discord Electric zu finden sind. Das Publikum ist entsprechend gut drauf und der bisherige Höhepunkt des Tages ist erreicht: Die Leute schreien mit, schütteln das Haar, als wollten sie es loswerden und klatschen begeistert mit, wenn sie dazu aufgefordert werden. Zusätzlisch werden die Zuschauer sehr oft dazu animiert, sich später ein Weihnachts-Bier zu holen, da der in Dänemark gefeierte „J-Dag“ heute stattfindet, an dem das „Juleøl“ (auch „Sne“ genannt) in die Bars und Clubs kommt. Dafür bekommt man wohl auch mehr als genug Zeit, denn es ist eine komplette Stunde Umbau und Soundcheck für die nächste Band eingeplant.

Diese nächste Band ist keine geringere als Fear Factory! Um 21:45 betreten die US-Amerikaner die Bühne und spielen ähnlich wie Raunchy eine Best-Of-Show mit Songs von allen Alben. Im Klartext bedeutet das Lieder wie New Messiah vom neuesten Album The Industrialist, Shock vom Obsolete-Album oder Linchpin von der Scheibe Digimortal. Eigentlich steht auf dem Zeitplan, dass Fear Factory eine Stunde Spielzeit haben, aber wie mir scheint, spielen die Jungs sogar bis um 22:00 Uhr, sehr zur Freude aller Anwesenden. Wie für ein Festival typisch, stinkt es gegen Ende des Auftrittes extrem nach Bier und Schweiss, was das wohl beste Zeichen dafür ist, dass das Publikum begeistert ist und mitmacht.

Bei allem Spaß muss ich leider auch von etwas sehr Negativem berichten: Seit langem habe ich das erste Mal einen gewaltvollen Zwischenfall bei einem Metal-Konzert mit ansehen müssen. Irgendein betrunkener Vollidiot – so hörte ich es im Nachhinein von mehreren Personen – hat wohl irgendwie eine Glasflasche mit in den Konzertsaal geschmuggelt und damit versucht auf Leute einzuschlagen. Die Security hat diesen Quatschkopf in Gewahrsam genommen und später bei der Polizei angezeigt. Wieso man auf so eine dämliche Idee kommt, ist mir unbegreiflich, aber die Glasflaschen sollten eigentlich ausschließlich im Café nebenan verkauft werden und lediglich mit nach draußen zu nehmen sein, aber definitiv nicht in den Konzertsaal. Der Verkauf von Glasflaschen sollte allerdings auch auf so einer Veranstaltung untersagt sein, nicht zuletzt, weil unglaublich viele davon auf dem Platz vor dem Studenterhuset verteilt sind – zum Teil zersplittert, weil man entweder drauftritt oder andere Vollidioten die Flaschen durch die Gegend werfen.

In der einstündigen Pause habe ich auch noch die nette Gelegenheit, mit einem Crew-Mitglied von Fear Factory zu reden. Da die Leute eh mehr als genug Interviews geben, geht es hier lediglich um Schnick-Schnack, der die wenigsten interessieren dürfe. Aber eine kleine Zusammenfassung des Gesprächs gebe ich euch trotzdem: Der gute Mann hat Vorfahren sowohl aus Irland als auch aus Deutschland und mag es wesentlich lieber in Europa zu touren, als Japan oder Australien, da man den Jetlag im Bus ausschlafen kann und so wesentlich fitter ist, während man tourt. Ein sehr nettes Gespräch und eine klasse Abwechslung zum alltäglichen Verstecken der bekannteren Musiker.

Nun denn, weiter geht’s, denn ein Headliner steht ja noch hinter der Bühne. Das Devin Townsend Project ist nämlich mit Fear Factory auf Tour und soll ebenfalls 75 Minuten lang begeistern. Der Kanadier hat eine ordentliche Portion Progressive Metal im Gepäck und überzeugt durch technisches Vermögen an der Gitarre sowie das Talent, Zuschauer zu animieren. Es macht Spaß Devin Townsend zuzuschauen und zuzuhören, da die komplette Band von Anfang bis Ende alles gibt und eine technische Raffinesse nach der anderen auspackt. Heute ist es definitiv eine nette Abwechslung, mal etwas weniger Brachiales als Abschluss zu hören zu bekommen als es gestern der Fall war.

Auf der Facebook-Seite habe ich mir zusätzlich noch so manchen Kommentar angeschaut und es scheint, dass die meisten vollends begeistert sind, während ein paar wenige sich über die Strobo-Lichter über der Bühne beklagen, die mal mehr, mal weniger zum Einsatz kommen – abhängig vom Lichttechniker der verschiedenen Bands. Ich persönlich kann damit leben, auch wenn man mal die Augen zusammenkneifen muss – und eine gute Lichtshow gehört nun mal zu einem guten Konzert.

Tag 3:
Der letzte Tag des Festivals bricht an mit den dänischen Metal-Battle Teilnehmern Electric Hellride. Um 14:00 Uhr legen die Thrash Metaler los und dürfen sich bereits über knapp 100 Zuschauer freuen, was erstaunlich viel ist, nachdem man so Einiges über lange, feuchtfröhliche Nächte gehört hat. Das Kopenhagener Quartett legt gut los und lässt in den 30 Minuten Spielzeit kein Auge trocken. Ein vernünftiger Start für den letzten Tag des diesjährigen Aalborg Metal Festivals.

Weiter geht es nach 20 Minuten Umbau mit der Progressive Thrash Metal-Band Caro, die aus Frederikshavn im Norden des Festlandes stammt. Die gute Stimmung der Vorgänger wird gut weitergetragen und die fünf Dänen nutzen ihre halbe Stunde ebenfalls voll aus, um den weiterhin 100 Besuchern einzuheizen.

Dyscarnate stehen als nächstes auf der Bühne, um Todesblei auf das Publikum niederregnen zu lassen. Das Trio aus England darf die Zuschauer 45 Minuten lang begeistern, die mittlererweile bei einer Anzahl von über 150 Personen liegen. Extrem auffällig bei diesem Konzert ist der Gebrauch der Nebelmaschinen, die weitaus mehr zum Einsatz kommen als es bei den bisherigen Auftritten der Fall war. Ich verlasse die Show der Briten allerdings vorzeitig, um mir etwas ganz Neues anzuschauen, was ich bei einem Festival so auch noch nicht erlebt habe.

Um 16:15 Uhr geht nämlich ein öffentliches Interview mit dem Sänger der dänischen Doom Metal-Band Saturnus los, bei dem es um die Musik der 20 Jahre alten Band und den dänischen Metal im Allgemeinen geht. Es wird erzählt, wie stark neue Bandbesetzungen die Albumproduktion in die Länge ziehen, dass Doom Metal ein Nischen-Genre ist und dass die dänische Metal-Szene in den letzten Jahren einen riesigen Sprung nach vorn gemacht hat. Alles in allem eine sehr spannende Unterhaltung, die auch im Radio-Programm Sort Søndag laufen wird.

Zurück geht es nun zur Bühne, auf die sich Dawn Of Demise um 16:45 Uhr begeben, um mit Death Metal den Saal in Schutt und Asche zu legen. Der Sänger der Band hat fast schon eine Grindcore-artige Stimme, was dem Ganzen noch ein wenig mehr Härte verleiht. Die jetzt 250 Besucher sind allerdings schon recht gut drauf und machen mit, auch wenn da noch wesentlich mehr geht, aber da muss wohl noch einiges an Bier her, um ein wirklich aktives Publikum zu sehen.

Um 17:50 Uhr gehen die angesprochenen Doom Metal-Experten von Saturnus auf die Bühne und wie ich auf der Setlist, die auf der Bühne festgeklebt wurde, sehen kann, werden in den 55 Minuten Spielzeit wohl sechs Songs gespielt. Daran sieht man wieder, wie langwierig Doom Metal sein kann, aber jedem das seine, meins ist es nicht. Daher verlasse ich nach dem ersten Song (das sind immerhin sieben bis acht Minuten) bereits den Saal und gehe nach oben in das sogenannte „Stargate“, ein Teil des Studenterhuset, in dem Tische, Stühle, eine Bar und eine Karaoke-Anlage Platz finden. Somit verbringe ich die Zeit, in der Saturnus ihren Auftritt abliefern, mit dem Belauschen von Karaoke-Talenten und denen, die es werden wollen. Es ist schon ganz lustig mit anzusehen und anzuhören, wenn Songs wie New York, New York oder F**k Her Gently gesungen werden und das Publikum dabei einfach gut drauf ist und mitsingt und –lacht. Die Karaokebar ist definitiv eine gute Idee und die Teilnehmer sorgen für die perfekte Umsetzung.

So langsam geht es dann auch los mit dem Abend-Programm: Iniquity legen um 19:10 Uhr los und lassen ihr Death Metal-Programm auf die Zuschauer niederhageln. Eine der ältesten dänischen Metal-Bands weiß wohl, wie man das Publikum unterhält und genau das sieht man an den gut 300 Zuschauern, die recht begeistert zu sein scheinen und zum Todesblei der Dänen abrocken. 45 Minuten Spielzeit sind aber auch irgendwann vorbei und man muss sich 25 Minuten gedulden, um die Finnen von Rotten Sound hören und sehen zu dürfen. Die Wartezeit ist es aber definitiv wert, denn mehr Death Metal mit Grindcore-Einflüssen erwartet die Fans und Besucher des Festivals. Das heißt im Klartext: Noch mehr Matten fliegen durch die Luft und noch mehr Hände werden in die Höhe geschmissen. So langsam merkt man, dass Alkoholpegel und Stimmung (sowie die Temperatur im Saal) steigen.

Fehlen also nur noch die beiden Höhepunkte des Abends: Decapitated, polnische Brutal Death Metaler, die für Marduk und Melechesh den Ersatz spielen, und Gojira, die französischen Technical Death Metaler, die Headliner des Festivals sind. Zuerst die Polen, die um 21:35 Uhr die Bühne betreten: Nach anfänglichen Problemen mit dem Mikrofon, das zu leise gemischt wurde, geht es einfach nur brutal ab. Blastbeats und anspruchsvolle technische Passagen gehen Hand in Hand mit eingägigen Riffs und einer brutalen Stimme. Hier passt einfach alles – was man auch am Publikum sieht, das bereits jetzt schon verdammt viel Spaß hat. Die Veranstalter haben hier wohl einen denkbar guten Ersatz für die schwedischen Black Metaler von Marduk gefunden. Die Polen nutzen ihre Stunde Spielzeit komplett aus und legen den Raum in Schutt und Asche. Da kommt die Stunde Umbauphase vor dem Auftritt von Gojira wie gerufen, um sich mit Bier, Zigarretten und frischer Luft zu versorgen, bevor es noch heißer hergeht.

Ein kleiner Besuch in der Karaoke-Bar und am Würstchenstand später geht es zum Headliner des Aalborg Metal Festivals: Gojira. Die Franzosen sind für äußerst technischen Death Metal bekannt, der durch verschiedenste andere Genres bereichert wird, wie zum Beispiel Black Metal und Progressive Metal. Bereits vor Beginn des Konzerts kann ich einen Blick auf die Setlist am Boden der Bühne erhaschen und weiß, dass nach dem „letzten“ Song The Axe noch eine Zugabe gebracht wird – da kommt Freude auf. Wie es bei vielen anderen Bands vorher der Fall war, spielen auch Gojira eine Art Best-Of-Show und liefern Songs von verschiedenen Alben ab, sehr zur Freude der Fans, die teilweise ausschließlich wegen der Franzosen anwesend sind. Dieses Konzert ist eine einzige Death Metal-Party und die Stimmung ist unbeschreiblich gut. Durchgehend sind Matten und Hände in der Luft zu sehen, sowie Schreie und Rufe zu hören, einfach der perfekte Abschluss für ein verdammt geiles Indoor-Festival. Plektren, Drum-Sticks und Wasserflaschen werden verteilt, und ebenso gibt jeder der vier Franzosen so vielen Fans wie möglich die Hand und nur die wenigsten Bands haben sich soviel Zeit genommen, sich zu verabschieden, daher ist es schon ein besonderer Abschluss, die verträumten Augen der Fans nach dem Auftritt Gojiras zu sehen.

Nun geht der Abbau und die Aufräumarbeit los und man sieht erst jetzt, wo die Fans größtenteils weg sind, wieviel Bier eigentlich auf dem Holzboden verteilt wurde. Ich merke es selber an meinen Schuhen und wie anstrengend es mittlererweile ist zu gehen, da man mit jedem Schritt kleben bleibt. Das Carlsberg vom Fass ist mittlererweile auch ausverkauft, was so zeitnah zum Ende des Festivals einfach perfekt für die Veranstalter ist.

Zusätzlich möchte ich noch von einem kleinen Jungen erzählen, der das Highlight des Festivals ist: Nicht genug damit, dass er wahrscheinlich der jüngste Besucher ist, ist er wohl auch der meist interviewteste der Anwesenden, hat die meisten Plektren und Handschläge abgestaubt und durfte, so habe ich gehört, bei Devin Townsends Auftritt vor der Umzäungung stehen, um noch näher an dem Geschehen auf der Bühne zu sein. Meine Hochachtung hat der Kleine, denn vor einigen Jahren war es quasi unmöglich in dem Alter (ich schätze ihn auf max. 12) zu einem Metal-Konzert zu kommen. Die nächste Metal-Generation scheint eine verdammt gute zu werden 😉

Im Nachhinein wird natürlich auch wieder auf der Facebook-Seite kommentiert, wie denn das Festival für die Besucher so war. Als kleines Fazit hieraus lässt sich sagen, dass die meisten eine verdammt geile Zeit hatten, während ein paar wenige wie immer etwas zu meckern finden. Vor allem die Strobo-Lichter sollen ein Störfaktor gewesen sein, aber wenn man nicht direkt in die Lampen reinguckt, dann stören diese keineswegs. Ich habe mir die verschiedenen Auftritte aus einigen Perspektiven angeschaut und nicht ein Mal hatte ich Probleme mit den Lichtern. Vor allem wurde durch Zettel und Facebook-Meldung darüber informiert, dass Strobo-Lichter verwendet werden, weswegen man sich entweder eine Sonnenbrille mitnehmen hätte können oder sich ganz vorn bzw. ganz hinten hätte hinstellen können, wo man definitiv null geblendet wurde.

Fazit: Danke an Henrik „Mauser“ Reerslev, der mir seine Bilder zur Verfügung gestellt hat, es hat Spaß gemacht, mit ihm zusammen zu arbeiten. Zuallerletzt möchte ich noch den Organisatoren, Bands, Crew-Mitgliedern und der Security danken! Die Veranstaltung wurde genial geplant und bis auf einen einzigen Zwischenfall während des Fear Factory-Konzerts war das komplette Festival friedlich, trotz mangelnder Leibesvisitation (es geht also auch ohne!). Sämtliches Personal war stets freundlich, man konnte immer mit Leuten ins Gespräch kommen, egal ob Gast, Band- oder Crew-Mitglied und ein Bier zusammen trinken. Die Umbauphasen waren bei den Headlinern zwar sehr lang, aber es hat sich immer gelohnt und die Aftershow-Partys in der Feiermeile der Stadt waren ebenso friedlich und wurden zusammen mit einigen Bands absolviert. Was will man mehr bei einem Festival, als Seite an Seite mit friedfertigen, freundlichen Metalheads zu feiern, egal ob privater Besucher oder Bandmitglied?

Ich kann hiermit offiziell meine Empfehlung für das Aalborg Metal Festival aussprechen, sofern man mit den dänischen Preisen leben kann!

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