Blind Guardian Twilight Orchestra – Legacy Of The Dark Lands

Was lange währt, wird endlich gut?

Artist: Blind Guardian Twilight Orchestra

Herkunft: Krefeld, Deutschland

Album: Legacy Of The Dark Lands

Spiellänge: 75:22 Minuten

Genre: Klassik

Release: 08.11.2019

Label: Nuclear Blast

Link: https://www.blind-guardian.com/

Bandmitglieder:

Gesang – Hansi Kürsch
Arrangements – André Olbrich

Tracklist:

01. 1618 Ouverture 2:37
02. The Gathering 1:22
03. War Feeds War 5:05
04. Comets And Prophecies 1:12
05. Dark Cloud’s Rising 5:11
06. The Ritual 0:52
07. In the Underworld 5:50
08. A Secret Society 0:25
09. The Great Ordeal 4:55
10. Bez 0:22
11. In The Red Dwarf’s Tower 7:03
12. Into The Battle 0:26
13. Treason 4:21
14. Between The Realms 0:48
15. Point Of No Return 6:37
16. The White Horseman 0:50
17. Nephilim 5:06
18. Trial And Coronation 0:27
19. Harvester Of Souls 7:17
20. Conquest Is Over 1:21
21. This Storm 4:47
22. The Great Assault 0:27
23. Beyond The Wall 7:07
24. A New Beginning 0:47

Eine Herzensangelegenheit, mit der die beiden Metalurgesteine Hansi Kürsch und André Olbrich von Blind Guardian über zwanzig Jahre schwanger gingen, dürfte das kommende Album Legacy Of The Dark Lands mit Sicherheit gewesen sein. „Ich bin sehr erleichtert, dass wir dieses Werk tatsächlich vollendet haben“, so Gitarrist André Olbrich. „Auf diesen Moment habe ich viele, viele Jahre gewartet.“ „Als wir damit anfingen, hätten wir beide niemals gedacht, dass wir uns über einen solch langen Zeitraum damit beschäftigen würden“, sagt Hansi Kürsch. In der Tat ließ die Band ihre Fans mitunter jahrelang auf neues Futter warten. Die Fans hatten jedoch nie das angekündigte Orchesteralbum vergessen, welches um den Zeitraum der Fertigstellung des legendären Nightfall erste zarte Knospen trug. Man wäre nicht Blind Guardian, würde man die Dinge nicht richtig machen. Demnach mal eben so das Prague Filmharmonic Orchestra verpflichtet (das bei Weitem keine unbekannte Größe im Business ist!), um das Werk aufzunehmen. Anderes wäre fast schon profan. Die Story wurde von Markus Heitz erdacht, der mit Fantasy Bestsellern (Die Orks, Die Zwerge etc.) bereits von sich reden hat lassen, nunmehr aber die Fortsetzung seines Bestsellers Die Dunklen Lande mittels der Band vertont. Wenn das nicht mal ambitioniert seitens der Band ist, was bitteschön dann? Niveauvoll, so kennt man die Krefelder. So verwundert es auch nicht, dass Fronter Hansi Kürsch sich nicht zu schade war, alle Stücke auf verschiedene Arten anzugehen und mit seinem Gesang zu experimentieren. „Gegen ein Orchester anzusingen, verlangte mir einiges mehr ab, als ich es vom Performen mit einer Metalband gewohnt bin. Das war ein langer Findungsprozess, bei dem ich jedes Stück des Albums in drei verschiedenen Versionen eingesungen habe – von archetypisch Blind Guardian bis Klassik. Ich tauchte richtig ab in diese Welt und experimentierte mit verschiedenen Texten, um zu schauen, welche Worte am besten klingen.“ Dass ein solcher Aufwand Zeit benötigt und noch mehr Euro, dürfte relativ offensichtlich sein, dennoch hat sich der massive Aufwand doppelt gelohnt, denn die Band schöpfte im Schaffensprozess des Albums Know How für die letzten Veröffentlichungen ab, des Weiteren ist für die Zukunft sicherlich mehr als nur die Veröffentlichung von Legacy Of The Dark Lands geplant.

Hier dürften möglicherweise Fans Probleme sehen, denn das Fanlager spaltet sich genau mit dem Album Nightfall In Middle Earth. Ich persönlich finde alles, inklusive Nightfall, ziemlich gut, alles Folgende kickt mich und viele andere Fans eindeutig weniger, zu verfrickelt ging die Band in den 2000er Jahren vor, zu groß sind die Anleihen aus dem progressiven Bereich. Versöhnt also das aktuelle Album beide Lager, zumal dankenswerterweise die ausdrucksstarken Sprecher des Nightfall Albums wieder mit an Bord sind und die Story vorantreiben? Man erinnere sich an den raubeinigen Morgoth, seinen kriecherischen Diener Sauron oder auch Húrin Goldscheitel Tolkien Fans können mir sicherlich folgen. Eine Vereinigung der „alten“ und „neuen“ Guardian wäre wünschenswert.

Legacy Of The Dark Lands ist kein Metalalbum, es ist ein Klassikalbum mit einem, wie ich finde, wieder erstarkten und überragenden Hansi Kürsch, der sich quasi gegen ein ganzes Orchester behaupten muss, eindrucksvoll nachzuhören bei Dark Cloud’s RisingIn The Underworld und dem phänomenalen The Great Ordeal. Auch wenn ich keine Ahnung von der Romanvorlage habe, so lässt sich doch der stets ringende Kampf zwischen Gut und Böse in den Lyrics erahnen. Ein interessanter Effekt des Albums ist es, dass man plötzlich viel verständlicher den Weg der Band nachvollziehen kann, das Album stellt also streng genommen eine Zeitkapsel im musikalischen Schaffen der Band dar, nichts anderes. Als Fan dürfte dies ein sehr wertvolles Album sein, ich persönlich frage mich zuweilen immer noch, warum „meine“ Band sich in solch ein Prog Monster entwickelt, und den guten alten Speed Metal über Bord geworfen hat. Das vorliegende Album gibt die Antwort, vergleichbar mit einem Rückgrat, welches sozusagen das musiktheoretische Mark der Band bildet, die Blind Guardian Alben sind „nur“ härtere Variationen des konzipierten Konstrukts, jenes, was Blind Guardian im Hintergrund tüfteln und erarbeiten. Wäre ein A Night At The Opera, At The Edge Of Time und das 2015er Beyond The Red Mirror möglich gewesen? Ich glaube nicht. Man kann die Alben mögen oder nicht, sicherlich versteht man diese aber nun besser.

Blind Guardian Twilight Orchestra – Legacy Of The Dark Lands
Fazit
Blind Guardian Twilight Orchestra legen die Messlatte in astronomische Höhen für vergleichbar ambitionierte Projekte, so viel sollte jedem klar sein. Dass dieses Album völlig einmalig im Blind Guardian Kosmos ist, sollte ebenfalls jedem klar sein. Dieses Album bietet den Schlüssel zur Band und wird dem einen oder anderen Fan hoffentlich den Werdegang der Band ab Nightfall transparenter machen. Ich bin mir nahezu hundertprozentig sicher, dass die Band dieses Album auch in anderer Form nutzen wird, sei es ein Musical oder Vergleichbares, die Arrangements schreien geradezu nach Performance, in welcher Art und Weise auch immer; es steht auf jeden Fall fest, dass im Falle einer Umsetzung dieses Projektes sämtliche Kollegen der Szene ihre Instrumente verschämt in die Koffer stecken und verbrennen werden. Hier keine Höchstwertung zu geben wäre frech, die Platte ist schlicht genial und lässt viel Guardian Spirit durchschimmern, das Mystische der Band, das bei den letzten Veröffentlichungen aufgrund der Verkopftheit der Band abhanden gekommen ist, lockt wieder.

Anspieltipps: The Great Ordeal, In the Underworld
Dominik B.
10
Leserwertung40 Bewertungen
8
Pro
Contra
10
Punkte
Weitere Beiträge
Apeirage – Raging Storm