Die Apokalyptischen Reiter – The Divine Horsemen

Keine Scheibe für klassische Reiter-Fans

Artist: Die Apokalyptischen Reiter

Herkunft: Weimar, Deutschland

Album: The Divine Horsemen

Spiellänge: 78:34 Minuten

Genre: Melodic Death Metal, Death Metal, Heavy Metal, Folk Metal, Experimental Metal, Power Metal, Thrash Metal, Symphonic Metal, Neue Deutsche Härte

Release: 02.07.2021

Label: Nuclear Blast Records

Link: https://reitermania.de/

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre – Fuchs
Bass – Volk Mann
Keyboard – Dr. Pest
Gitarre – Ady
Schlagzeug – Sir G.

Tracklist:

CD 1:
01 Tiki
02 Salus
03 Amma Guru
04 Inka
05 Nachtblume
06 Aletheia
07 Duir
08 Children Of Mother Night

CD 2:
01 Uelewa
02 Haka
03 Simbi Makya
04 Wa He Gu Ru
05 Akhi
06 Ymir
07 Eg On Kar

Die Reiter sind zurück? Jein!
Das haben sich viele anders vorgestellt. Zum 25-jährigen Bandjubiläum erscheint ein Doppelalbum. Prima. Aber eines mit fast 80 Minuten Impro aus dem Probenraum? Das muss man sich erst einmal trauen. Ich zitiere hier einmal die Band dazu: „Vor über zehn Jahren, während einer durchzechten Lagerfeuer-Nacht in Südtirol, sprang zum ersten Mal der Geist der ‚2-Tages-Platte‘ aus der Flasche. Im Jahr 2020, zu unserem 25. Bandjubiläum, haben wir uns selbst damit beschenkt. Fünf Freunde machen zusammen Musik, lassen sich gehen, schwelgen in der Vergangenheit und probieren sich endlos aus. Ohne Üben, Komponieren ohne Nachdenken: Musik in ihrer ursprünglichsten Form, nur für den Moment gedacht. Können wir noch die kleinen wilden Jungs von damals sein, aus denen Männer wurden, die eine Geschichte haben? Können wir uns binnen weniger Stunden selbst zerstören und neu entstehen lassen? Ein bisschen so wie früher, als wir noch nichts über Musik wussten, es kein Richtig oder Falsch, kein Gut und Böse gab. Der Stern sollte explodieren.“

Aufgenommen haben sie am 25. und 26. Oktober 2020 über 500 Minuten Soundmaterial. Produzent Alexander Dietz (Heaven Shall Burn) hat sich dieses Materials angenommen und hat fast 80 Minuten davon ausgewählt. Zu hören bekommen wir eine große Bandbreite an verschiedenen Stücken. Vom zwei Minuten langen Ausbruch Haka bis zum über zwölf Minuten langen Jam Duir ist alles vertreten. Neben den typischen Instrumenten wurden zudem zahlreiche Effektgeräte, Didgeridoo, Maultrommel, Djembe, Doumbek, Rig, Gong, Bongos und Framedrums eingesetzt. Der mehrsprachige Gesang dient „ganz im Sinne der Musik, einer Reise durch die Welt, Zeit und Kulturen“, so die Band.

Dass Die Apokalyptischen Reiter anders sind, dass der Wahnsinn sie durchtreibt, dass kein Album dem anderen gleicht, das alles sind Attribute, die sich die Band erkämpft hat. Mit The Divine Horsemen haben die fünf jedoch bei mir eine Grenze überschritten. Ich kann solcherlei Jam-Sessions nachvollziehen. Ich verstehe, wenn man diese Sessions mitschneidet. Aus solchen Sessions entsteht meist Größeres, selbst Jugendbands fangen so an. Eine Passage hier, eine Collage dort. Immer ist etwas dabei, das für spätere Songs von Bedeutung sein kann. Auch das Experimentieren mit den ungewohnten Klangkörpern kann neue Inspirationen hervorrufen. Solches dann jedoch als Doppelalbum auf den Markt bringen? Nun denn, Markt ist für alles da. Man muss nur aufpassen, dass man sich dadurch nicht seinen guten Namen herunterzieht. Bisher tauchten solche Tondokumente eigentlich immer erst Jahre nach der Auflösung einer Band oder nach dem Tod eines bekannten Musikers meist als Bootleg auf. Nun so ein Album als 25-Jahre-Geburtstagsalbum?

Genie und Wahnsinn liegen bekannterweise dicht beieinander. Dieses Album wird polarisieren. Wird, wie nach der Veröffentlichung der Single Tiki, weiter Diskussionen aufwerfen. Die Stücke variieren zwischen Thrash Metal in Salus und einem psychedelischem Duir. Ansätze eines 70er-Jahre Krautrock-Stils à la Guru-Guru. Schon damals war das nur mit bewusstseinsverändernden Mitteln erträglich. Ich bin da raus…

Das Album soll nach der ersten Auflage nicht mehr nachgepresst werden, um so die Einzigartigkeit der Sessions zu unterstreichen. Dieses einmalige Release erscheint als streng limitierte Doppel-LP inklusive aufwendig gestaltetem 32-seitigen LP Booklet sowie limitierte Doppel-CD inklusive 36-seitigem Booklet. Zusätzlich erscheint das Werk wie gewohnt auf allen digitalen Plattformen zum Stream und Download.

Die Apokalyptischen Reiter – The Divine Horsemen
Fazit
Das ist nicht meine Welt. Sicher gibt es Fans für solche Art Alben. Avantgart-Rock ist da nicht weit entfernt. Als Tondokument taugt es, als Geburtstags-Doppelalbum haben sich die Fans etwas anderes gewünscht. Trotz Corona-Auszeit keine "normale" Platte? Ich bin da mal raus.

Anspieltipps, wenn überhaupt: das orientalische Akhi, Inka mit Text sowie das Finale Eg On Kar
Norbert C.
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