Dynazty – The Dark Delight

Dynazty haben sich für ihr siebtes Studioalbum mächtig ins Zeug gelegt

Artist: Dynazty

Herkunft: Schweden, Stockholm

Album: The Dark Delight

Spiellänge: 55:58 Minuten

Genre: Modern Melodic Metal, Symphonic Metal, Heavy Metal

Release: 03.04.2020

Label: AFM Records

Link: http://www.dynazty.com/

Produktion: Dynazty (Eigenproduktion), Mastering – Jacob Hansen

Bandmitglieder:

Gesang – Nils Molin
Gitarre – Love Magnus
Gitarre – Mikael Lavér
Bass – Jonathan Olsson
Schlagzeug – Georg Härnsten Egg

Tracklist:

  1. Presence Of Mind
  2. Paradise Of The Architect
  3. The Black
  4. From The Sound To Silence (Feat. GG6)
  5. Hologram
  6. Heartless Madness
  7. Waterfall
  8. Threading The Needle
  9. The Men And The Elements
  10. Apex
  11. The Road To Redemption
  12. The Dark Delight
  13. The Shoulder Devil

Vor knapp zwei Jahren geriet mir das Langeisen Firesign der Schweden in die Hände. Zu diesem Zeitpunkt kannte ich weder die Band Dynazty noch gehörte Modern Melodic Metal zu den Genres, in denen ich musikalisch zu Hause bin. Schon nach wenigen Songs stellte sich eine Art Bon Jovi Retro-Feeling bei mir ein. Unerwartet fiel dann für mich die Mischung mit härteren Klängen aus, die ohne Zweifel an Rammstein angelehnt sind. Dieser Mix funktionierte erstaunlich gut, auch wenn das Album etwas zu glatt für meinen Geschmack geraten war. Umso neugieriger bin ich jetzt auf das siebte Studioalbum. Der pressfrische Silberling wurde eigenständig von Dynazty produziert, Jacob Hansen (Flotsam & Jetsam, Volbeat, U.D.O, Amaranthe, Destruction) übernahm im Anschluss das Mastering und Mixing. Seit dem 03.04.2020 ist The Dark Delight nun offiziell am Start.

In Anfangszeiten spielten Dynazty noch klassischen Heavy- und später Power Metal, der sich auf dem sechsten Studioalbum Firesign in Melodic Metal mit einem Mix aus Rammstein Riffing wandelte. Aber auch zunehmende Anteile von Symphonic Metal setzen sich langsam durch. Die gesamten Kompositionen hatten seitdem einen höheren Melodic- und Bombast-Faktor. Dynazty transformierten ihren Musikstil in eine komplett eigenwillige Richtung, sie schufen sich damit einen hohen Wiedererkennungswert. Die Schweden haben bewiesen, dass sie in der Lage sind, die unterschiedlichen Genres und Stilrichtungen perfekt zu vereinen. Unbeirrt gingen sie den eingeschlagenen Weg weiter. Das Songwriting von The Dark Delight hat eine weitere Steigerung in Sachen Komplexität und Abwechslungsreichtum erreicht. Beim Vorgänger führte ein gleichförmiges Strickmuster der Songstrukturen zu einem Überschuss an Eingängigkeit, davon kann bei diesem Longplayer keine Rede sein. Einfallsreiche und unerwartete Richtungswechsel innerhalb der Songs sorgen für manche Überraschung. Die üppige Spieldauer von knapp einer Stunde und satten 13 Songs zeugen davon, dass sich die Schweden für ihr neues Werk mächtig ins Zeug gelegt haben.

Opener Presence Of Mine startet gleich voll durch. Nils Molin schmettert mit viel Herzblut los. Sägende Riffs und die mitreißende Melodie nehmen an Fahrt auf. Eine dramatische Nachrichtensprechereinlage verleiht dem Song zusätzliche Dramatik. Im letzten Drittel schwenkt der Sound in Europe Style um. Paradise Of The Architect setzt auf wuchtigen Bombast-Sound, gepaart mit energischen Synthies. Die Hooks sind eingängig und galoppieren in typischer Dynazty Manier voran. Im Zusammenspiel von aggressivem Riffing und Leadgefrickel wirkt das wie Zuckerbrot und Peitsche, eine erstaunliche Symbiose. The Black galoppiert munter im Discotheken-tauglichen Sound weiter. Ein paar eingestreute Blastbeats plus Breakdowns sorgen für etwas Kontrast. Das spannungsgeladene Intro von Track vier, Sound From The Silence (Feat. GG6), steuert jetzt in stürmische Gewässer. Hier weht plötzlich ein anderer Wind. Harmonische Melodien treffen auf eine harte Metalcore-Wall. Dieser Song hat es echt in sich, gefühlvolle Leads gehen über zu schroffem Riffing mit mächtigen Bassläufen. Nils Molins Klargesang und das Brachialgrowling von Hendrik Englund (Amaranthe) funktionieren verdammt gut. Es macht sich bemerkbar, dass Nils häufig mit Amaranthe auf Tour ist und Jakob Hansen zudem für beide Bands hinter dem Mischpult steht. Balladesk lädt Hologramm nach diesem Wechselbad zum Träumen und Relaxen ein. Auch bei dieser Nummer sorgen dezent dosierte Breakdowns dafür, dass der Song nicht zu schmalzig wirkt. Der schmale Grat zwischen Schnulze und Schmachtballade wurde gekonnt umgesetzt. Heartless Madness kommt dann wieder im Europe Style daher, ein tanzbarer als auch Synthie geladener Track Marke ohrwurmverdächtig. Melodie samt Hooks schrauben sich unaufhaltsam in die Hirnwindungen ein. Waterfall schlägt sogleich in dieselbe Kerbe. Das eingängige Songwriting beider Songs wird nicht bei jedem Zuspruch finden, es fehlen einfach ein paar Ecken und Kanten. Threading The Needle macht dann eine Kehrtwende in Richtung Synthie Pop Nummer. Nils Molins glasklare Stimme entfaltet hier seine volle Bandbreite, Leadgefrickel und sauber abgestimmtes Drumming runden den Sound perfekt ab. Eine gute Portion Rammstein Riffing, umgeben von einer triumphierenden Melodie sorgt für einen zusätzlichen Kontrast. Achtung – jetzt wird es folkig! The Men And The Elements kommt forschen Schrittes mit irischen Klängen um die Ecke. Diese Wende war eine absolute Überraschung! Apex galoppiert danach als tanzbare Durchgangsnummer der härteren Gangart durch die Sound Prärie. Dort angekommen, geht es mit The Road To Redemption in Richtung Sonnenuntergang  weiter. Dynazty schaffen es sogar, Country Einflüsse in einen Song zu integrieren, getreu dem Motto: „Geht nicht, gibts nicht!“ Bei The Dark Delight vermischen sich AC/DC Riffing, Dynaztys typisch eingängige Melodielinien und ein Hauch von Judas Priest Klängen – irgendwie unbeschreiblich, wie das alles zusammenpasst. Rausschmeißer The Shoulder Devil brettert zum Schluss als kraftgeladene Bombasthymne, umrahmt von deutlichen Halford Allüren durchs Gebälk und setzt das i-Tüpfelchen am Ende dieses üppigen Albums.

Was Dynazty hier erarbeitet haben, verdient schon seinen Respekt – ein verdammt schräges Konzept!

Verfügbare Formate: CD, DVD, Vinyl

Dynazty – The Dark Delight
Fazit
Das Songwriting ist, wie schon beim Vorgänger Firesign, auf einem sehr hohen Level geblieben. Die Kompositionen sind weiterhin technisch anspruchsvoll und perfektionistisch aufgebaut. Im Unterschied zum sechsten Album konnten die Schweden in Sachen Abwechslungsreichtum eine ordentliche Steigerung erreichen. Bei den Kompositionen wurde stärker experimentiert und nicht mehr so auf Sicherheit gesetzt. Die Soundmixtur von The Dark Delight ist schon erstaunlich. Selbst wenn Melodic Metal nicht zu den persönlichen Favoriten gehört, fesseln die Songs dieser Scheibe bis zum Schluss. Dynazty haben eine gute Balance zwischen den unterschiedlichen Metal Genres hinbekommen und gezeigt, dass sie noch reichlich Potenzial für mehr haben. Sie haben damit in jedem Fall ihren Wiedererkennungswert stärker ausgebaut.

Anspieltipps: Paradise Of The Architect, Sound From The Silence und The Men And The Elements
Sandra R.
8.8
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