Erste Allgemeine Verunsicherung am 04.06.2019 Open Air am Z7 in Pratteln

... und die Trauergemeinde jubelt

Event: Alles Ist Erlaubt – 1000 Jahre E.A.V. Live – Der Abschied

Band: Erste Allgemeine Verunsicherung

Ort: Konzertfabrik Z7, Kraftwerkstr. 7, 4133 Pratteln, Schweiz

Datum: 04.06.2019

Kosten: 63,15 CHF VVK

Besucher: ca. 2500 (Ausverkauft)

Genre: Austro Rock, Austro Pop, Deutsch Rock, Deutsch Pop, Comedy

Veranstalter: Konzertfabrik Z7 http://www.z-7.ch

Link: https://www.facebook.com/events/541593012937715/

Setlist:
01. Vorbei
02. Ba-Ba-Banküberfall
03. Tanz Tanz Tanz / Alpenrap / Schweinefunk
04. Go Karli Go
05. Johnny 1 – Fahrscheine
06. Heiße Nächte (In Palermo)
07. Trick Der Politik
08. Geld Oder Leben
09. God Bless America
10. Am Rechten Ort
11. 300 PS (Auto …) / An Der Copacabana
12. Samurai
13. Burli (Radioaktiv-Mix)
14. Im Himmel Ist Die Hölle Los / Der Teufel / Liebe, Tod & Teufel / Im Himmel Ist Die Hölle Los (Reprise)
15. S`Muaterl
16. Das Wandern
17. Toleranz
18. Heimatlied
19. Rechts 2/3
20. Neandertal
21. Küss Die Hand, Schöne Frau
22. Only You
23. Sandlerkönig Eberhard
24. Die Zeit
25. Austrorock Sanatorium
26. Der Tod
27. Küss Die Hand, Herr Kerkermeister (Zugabe)
28. Märchenprinz (Zugabe)
29. Fata Morgana (Zugabe)
30. Morgen (Zugabe)

Die österreichische Austro Rock/Pop Band Erste Allgemeine Verunsicherung ist nach gefühlten 1000 Jahren derzeit auf Abschiedstournee, und nachdem der Gig am 09.02.2019 in der Konzertfabrik Z7 im schweizerischen Pratteln restlos ausverkauft war, wird heute noch einmal ein Zusatzkonzert nachgelegt. Der Bandname ist angelehnt an das ehemalige österreichische Versicherungsunternehmen Erste Allgemeine Versicherung. Die Kult Combo aus dem Land der Berge und Seen hat in ihrer Heimat mehr als zehn Millionen Tonträger verkauft und steht mit dieser Menge in Österreich noch vor Megastars wie Michael Jackson, den Beatles oder auch Mozart. Gut, 1000 Jahre sind vielleicht doch etwas übertrieben, aber ein paar Tage ist die Altherrenriege nun doch schon aktiv. Seit nunmehr 41 Jahren stehen Sänger Klaus Eberhartinger und Gitarrist und Bandgründer Thomas Spitzer in Sachen gesellschaftskritischem Klaumauk gemeinsam auf der Bühne, haben über tausend Konzerte gespielt und die goldenen 80er-Jahre Hits, wie z.B. Ba-Ba-Banküberfall, Märchenprinz, Burli, Fata Morgana, Küss Die Hand, Schöne Frau, Ding Dong oder An Der Copacabana kennt auch heute noch jedes Kind. Nun ist es aber Aus/Ende/Vorbei – die E.A.V. wird zu Grabe getragen und tritt ein letztes Mal in der Schweiz auf. Vor dem Ableben will man noch einmal richtig auf die Kacke hauen, oder, um es mit den Worten der Austro Rocker zu sagen, Alles Ist Erlaubt!

Nun, wer mich kennt, der weiß, dass diese Art Musik eigentlich so gar nicht mein Ding ist, denn alles, was nicht rockt und ordentlich Arsch tritt, ist eigentlich für’n Arsch. Nun war ich jedoch auch mal jünger und so bin ich natürlich irgendwo in frühester Jugend auch mal mit der E.A.V. in Verbindung gekommen, sie waren derzeit ja immer und überall. Sie waren ein Teil meiner Jugend und ich bin, (musste) mit ihnen aufwachsen und somit begebe ich mich auch heute wieder über die Grenze, um den Klamauk Rockern die letzte Ehre zu geben. Der passende Soundtrack für die Autobahn ist schnell gefunden, Highway To Hell, Stairway To Heaven, Knockin‘ On Heaven’s Door, Who Wants To Live Forever, My Immortal …, und natürlich auch Der Tod von der E.A.V.. Trotz des Besucheransturms ist ein Parkplatz schnell gefunden und auch der Wahnsinn am Einlass ist schon weitestgehend vorbei, sodass wir im Schnelldurchgang vor der großen Open Air Bühne stehen. Nun heißt es warten, aber die mega Frühlingssonne macht glücklicherweise heute etwas Pause und hat ein Einsehen. Mit ein paar Büchsen Bier also kein allzu großes Problem …

Dann ertönt plötzlich eine Stimme aus dem Nichts und klärt auf, dass jegliche Art an Foto- und Videoaufnahmen verboten sind und wünscht viel Spaß beim Konzert. Wie nicht anders zu erwarten: Kaum ist die Stimme verstummt, gehen die ersten Handys hoch. Die Band ist noch gar nicht da, es gibt noch gar nichts zu sehen, aber egal, Hauptsache das Video läuft schon mal. Mit ein paar Minuten Verspätung geht es um kurz nach 20:30 Uhr dann aber endlich los, Vorbei dröhnt aus den Boxen. Der Opener sagt gleich alles, Ende, Aus, Vorbei …, heute ist endgültig Sense! Wie bei einer Beerdigung üblich, betritt irgendwann der Pfarrer, in Form von Gitarrist Kurt Kleinrath, die Friedhofskulisse, gefolgt vom Organisten, in Form von Keyboarder und Saxofonist Franz Kreimar. Morbider, österreichischer Humor, denn währenddessen wird im Hintergrund der Bühne der Sarg durch den späten Frühlingsnebel hereingetragen, dem wenig später Frontmann Klaus Eberhartinger mit den Worten „I woch auf, mir is koit, lieg in ana feichten Grubn …“ entsteigt. Scheiße, irgendwas läuft hier gehörig schief, denn der alternde Fronter steigt unter lautem Jubel aus der Kiste. Pratteln schreibt mit der Wiederauferstehung Geschichte. Die Konzertfabrik ist auch heute wieder restlos ausverkauft, etwa 2500 Trauergäste sind erschienen und diesen wendet sich der Sänger nun zu: „Hallo Pratteln, Danke für euer zahlreiches Erscheinen, um uns die letzte Ehre zu erweisen. Auch wenn es viele nicht glauben wollen, es ist vorbei, wir verabschieden uns und tragen die E.A.V. zu Grabe!“ Bei solchen Anlässen spielt das Alter natürlich eine große Rolle und so werden ein paar mehr oder weniger derbe Witze über das Alter gerissen und auch die trauernde Gemeinde kriegt ihr Fett weg. Der Anteil der 20 – 30-Jährigen ist auffallend hoch, wenig überraschend ist dagegen die Dominanz der Hörerschaft Ü50. Der gerade noch 68-jährige, der schon etwas steif in der Hüfte ist, spricht jede Altersgruppe getrennt an und schießt seine makabren Giftpfeile ab, so gibt er der Ü-60 Gruppe, seiner eigenen Altersklasse, mit auf den Weg: „In unserem Alter sollten wir ja ab und zu mit einer Hand im Blumentopf schlafen, damit wir uns allmählich an die feuchte Erde gewöhnen.“ Den Humor und Sarkasmus haben die österreichischen Schmäh Sängerknaben in all den Jahren nicht verloren und auch nicht die Lust an der großen Inszenierung. Der Rest der aktuellen Band, mit Ausnahme vom nur drei Jahre jüngeren Bandleader Thomas Spitzer, ist mit Gitarrist Kurt Kleinrath, Bassist Alvis Reid, Schlagwerker Aaron Thier und Keyboarder Franz Kreimer noch wesentlich jünger, doch mitgefangen gleich mitgehangen. R.I.P.! Hier und heute ist irgendwie alles speziell – während man früher grundsätzlich in schwarz gekleidet zur Trauerfeier ging, sind heute einige trauernde Damen sogar im bunten und viel zu freizügigen Dirndl erschienen und ein paar langhaarige Trauergäste werden dagegen in viel zu düsteren Cradle Of Filth, Dimmu Borgir und Satan Outfits gesichtet. Wenigstens sind sie alle gekommen, um Goodbye zu sagen, vom 8-Jährigen, der sein ganzes Leben noch vor sich hat, bis zum gebrechlichen 80-Jährigen, der genauso gut auf seine eigene Beerdigung hätte gehen können. Der Blondschopf erzählt währendessen über die gute alte Zeit, die Anfangszeit der E.A.V., wo die Konten grundsätzlich leer waren und man wirklich kreativ sein musste, um an Geld zu kommen. Die Trauergemeinde hat den ersten Schock jedoch gut verkraftet, denn kaum wird im Anschluss Ba-Ba-Banküberfall angestimmt, steigt der Stimmungspegel von null auf hundert und der Mega-Hit, mit dem die Jungs aus der Steiermark ihren großen Durchbruch hatten, wird lauthals mitgegrölt. Jeder Song bekommt seine eigene Szenerie und so jagen sich, getreu dem Motto „…das Böse lauert immer und überall …“, Bankräuber und Polizist im Hintergrund der Bühne. Das ganz zu Beginn des Sets der allergrößte Hit verbraten wird, sagt einiges über die Österreicher aus, denn man muss die Klassiker nicht bis zum großen Finale zurückhalten, sondern kann sie über das gesamte Konzert verteilen und kann im Finale sicherlich noch immer aus den Vollen schöpfen. Nach 1000 Jahren kann man sich das erlauben …!

Vor dem Ableben schauen wir ja gerne zurück auf unsere Vergangenheit und auch im Nachbarland Österreich scheint man das zu tun, denn die Songs, die nun ausgegraben werden, sind schon ziemlich vermodert und stinken auch so. Mit Tanz Tanz Tanz, Alpenrap und Schweinefunk konnten die Verunsicherer erstmals etwas Aufmerksamkeit bei den Medien im Heimatland erregen, jedoch das Konto wurde auch damit nicht gefüllt. Das gelang erst mit dem späteren Ba-Ba-Banküberfall, sodass man fast nicht mehr kriminell werden musste. Somit wird der Rückblick kurz gehalten und die Retrostinker werden zum Medley zusammengefasst. Besonders der Alpenrap über den Bauernbuben, der dann als Volksmusik-Rocker bekannt wird, sorgt für großes Gelächter, ohne dass der Name Andreas Gabalier ein einziges Mal genannt wird. Mit Go Karlie Go wird im Anschluss der Weg eines Rockstars nachempfunden und dementsprechend macht auch Bandleader Thomas Spitzer, das letzte verbliebende Gründungsmitglied, in einem Solo auf dicke Hose und würgt seine Gitarre wie ein Großer. Auf seinem letzten Weg kann man sich ja nahezu alles erlauben und so jubelt die Gemeinde dann auch, als wäre er ein Großer, bevor man zum Gebet ansetzt: “ … Herr sei mit uns, mach ihn zur Nummer Aans“. Johnny 1 – Fahrscheine stammt auch noch aus der fast kriminellen Zeit, entstanden unmittelbar vor dem großen Bankraub, der dann den ganz großen Zaster auf die Konten spülte. Das Schwarzfahren ist Teil des verpfuschten E.A.V. Lebens, das aber offenbar auch die reiche Schweizer Trauergemeinde kennt, denn als der Schaffner „Fahrscheine! Fahrscheine, bitte!“ ruft, können sich viele das schadenfrohe Lachen nicht verkneifen. Natürlich darf auch die Mafiahymne Heiße Nächte (In Palermo) nicht fehlen, für den Eberhartinger sich prompt in den Vater des organisierten Erbrechens, Al Carbonara, verwandelt. Ob Hut und Frack noch aus der eigenen fast kriminellen Vergangenheit stammt, darüber hüllt sich der angehende Rentner-Mafiosi in Schweigen. Das aktuelle Nachlassalbum Alles Ist Erlaubt kommt bei Weitem nicht mehr an die Perlen der goldenen Vergangenheit heran, doch böse und zynisch kann man auch in 2018 noch. Mit Trick Der Politik schleicht sich nun der erste neue Song in die Setlist ein, ein Rundumschlag quer durch die Politik von unserer „Wir schaffen das“-Merkel bis hin zum Doofbräuhaus in Brüssel. Geld Oder Leben könnte durchaus von einem Schwaben geschrieben worden sein, denn es dreht sich natürlich um den geliebten Zaster, ums Sparen und Häusle baue und den steinigen Weg zum Dagobert. Offenbar gibt es auch ein paar Schwaben im Publikum, denn ein Typ, nicht weit von mir, schreit dauernd Scheiße und fühlt sich offenbar angesprochen. Nachdem wir nun alle, mit Ausnahme der Schwaben, gut gelacht haben, wird es mit God Bless America wieder politisch und der gute alte Donald aus Entenhausen („I grab your pussy, I wash your brain, make America great again“) kriegt auch noch sein Fett weg. Eberhartinger hat sich mit Trump Frisur und Stars & Stripes-Frack und Hut in Schale geschmissen und wettert von der Bühne: „Wer hätte gedacht, das man George Bush einmal vermissen wird auf dieser Welt. Trump ist eine Lichtgestalt, er steht gerne im Licht, im Scheinwerferlicht, im Rampenlicht, im Blitzlicht, … im Zwielicht …, egal, Hauptsache im Licht“. Die E.A.V. tut heute nur das, was sie am besten kann, austeilen, austeilen, austeilen …, am liebsten gegen das Alter, aber auch gegen die Politik, die Katholiken, die Muslime, die Nazis und alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Einmal sogar gegen einen Trauernden in den eigenen Fanreihen, der meint, sich immer wieder mit blöden Kommentaren zu Wort melden zu müssen.

Mit dem sozialkritischen Am Rechten Ort folgt ein weiterer neuer Song, der nachdenklich machen soll, denn mit klaren Worten wird vor Augen geführt, wie zufrieden und glücklich wir eigentlich in der heutigen Zeit, in der wir leben, sein müssten. Im folgenden Triple, bestehend aus 300 PS, An Der Copacabana und Samurai, geht es nur um das eine. Fast müsste ich nun behaupten, 300 PS ist extra für das Schweizer Publikum in die Setlist aufgenommen worden, das jedes Wochenende über die deutsche Grenze kommt, nur um sich auf der A5 mit ihren PS-Boliden ein völlig sinnfreies Rennen zu liefern. Doch nein, auch unter Deutschen gibt es dieses Balzgehabe mit der beliebtesten Sch….verlängerung. Passend dazu springen im Hintergrund ein paar Statisten hin und her und schieben ein paar Holzautos von links nach rechts. Früher war es so, da brauchte es ordentlich Muckis oder ein schnelles Auto, um beim anderen Geschlecht zu landen, heute ist alles einfacher, dank Tinder und ElitePartner – und sollte das alles nicht zum Erfolg führen, so startet an der nächsten Ecke der Flieger nach Fernost …, getreu dem Motto: If you wanna see a Nackedei, you must fly to Thailand. Von Thailand aus geht es auf direktem Wege zum explodierenden Atomreaktor nach Tschernobyl in der Ukraine und mit Burli wird der nächste ganz große Hit unter das trauernde Volk geworfen, das momentan gar nicht sooo traurig aussieht. Ganz im Gegenteil, die Stimmung könnte kaum besser sein, es wird getanzt, geklatscht, gelacht und gesungen, „… mein Gott, ist unser Burli siaß. Der Burli hat links und rechts drei Uhrli, am Kopf hat er a Schwammerl und zwölf Zech`n auf die Fiaß. Mein Gott, ist unser Burli siaß …“. Die Tiefgründigkeit und die bitterbösen Zeilen tun der guten Stimmung keinen Abbruch, doch das Ganze grenzt schon an grandioses Politkabarett mit viel österreichischem Morbidezza.

Die nächste thematische Richtung wird mit dem hervorragenden Teufelsmedley vorgegeben, welches aus Im Himmel Ist Die Hölle Los, Der Teufel, Liebe, Tod & Teufel und Im Himmel Ist Die Hölle Los (Reprise) besteht. Nun ja, was wäre auch eine Beerdigung, bei der der Teufel nicht persönlich vorbeischaut …, langweilig! Auch hier wird die Inszenierung wieder ganz groß geschrieben und der Teufel ist natürlich Eberhartinger persönlich, jedoch fällt die heutige Abrechnung mit der Religion eher harmlos aus. In s`Muaterl kriegt die Kirche dann aber doch noch ihr Fett weg und der Song ist definitiv ein Highlight des Abends und der Text geht unter die Haut. Ohne geht`s halt nicht. Auch im nächsten Themenblock wird ordentlich ausgeteilt, denn der Bazillus Nationalis ist noch nicht besiegt. Die braune Nazigesinnung ist erneut auf dem Vormarsch und steht von daher immer besonders im Kreuzfeuer der E.A.V. Der Block wird abgehandelt mit Das Wandern, der Stammtischhymne Toleranz, bei der am Kneipentisch so etliche Schinkenhäger gekippt werden, den Rechtspopulisten im Heimatlied („Heimatschutz ist Bürgerpflicht! Wir machen unsere Grenzen dicht!“), Rechts 2/3 und dem mit Mikrochips und Megabytes modernisierten Neandertal. Manche schlagereske Musik der Österreicher birgt harte Gesellschaftskritik und so wird hier scharf geschossen.

Die E.A.V. legt heute den perfekten Spagat zwischen Hardrock, Kabarett, Rockoper, Komödienstadl, Faschingsschlager und Cocktailjazz hin. Nach all der harschen Kritik wird nun wieder etwas dafür getan, die anwesende Trauergemeinde bei Laune zu halten. Nach dem Ba-Ba-Banküberfall wird mit Küss Die Hand, Schöne Frau der nächste Megahit abgeschossen, der aus 2500 Kehlen lauthals mitgegrölt wird. Die Schweizer erweisen sich als extrem textsicher – Kunststück, jedes Kind kann den Song mitgrölen. Jedoch fällt uns ein beinharter Typ im Sabaton Shirt auf, der tatsächlich nicht nur die großen Hits drauf hat, sondern JEDEN (!!!) Song fehlerfrei intonieren kann. Wahrscheinlich gehört das Shirt seinem großen Bruder und er hat es sich nur ausgeliehen, weil er selbst nichts Schwarzes für die Beerdigung hatte, von daher sei es ihm verziehen. Das szenische Highlight des slapstickgetränkten Abends ist jedoch der Auftritt Klaus Eberhartingers als Stripperin mit ordentlich Äppeln vor der Hütten, welches für riesiges Gelächter sorgt. Die Geschichte des Froschkönigs wird mit Only Du abgewandelt, wobei Bandleader Thomas den Froschkönig mimt. Auf den Striptease hat die Trauergemeinde sicherlich gewartet, aber ob es dabei nötig war, dass Klaus seinen welken Hintern in Strapsen präsentiert, das sei hier mal dahingestellt. Undank ist der Frösche Liebeslohn …! Auch der Sandlerkönig Eberhard ist definitiv ein erwartetes Highlight, das von der Gemeinde enthusiastisch aufgezogen wird, bevor Die Zeit dann so langsam darauf hinweist, dass der Abend wohl doch einmal zu Ende gehen könnte.

Bevor es aber so weit ist, geht die Reise noch ins Austrorock Sanatorium, wo die ebenso in die Jahre gekommenen Musikerkollegen ihr Fett abkriegen. Chefarzt Eberhartinger erzählt aus dem Klinikalltag und von all den prominenten Gästen, die man hier schon wieder aufgepäppelt hat. So gehörte Österreichs Kulturerbe Falco zu eben diesen und sein Megahit Amadeus wird kurzerhand zu „Wissen wann man gehen muss“. Aber auch Peter Maffay kommt nicht ungeschoren davon und muss lernen, mit sieben Krücken zu gehen. Ebenso die STS, die hier vom „Altenheim in Fürstenfeld“ träumte, doch nicht ohne Grund liegt das Austrorock Sanatorium direkt neben dem Krematorium, denn raus kommt hier niemand mehr. Demnach ist es nun Zeit für die Selbsteinweisung mit dem Ba-Ba-Bandscheibenvorfall. Nebenbei: Im Hintergrund lässt sich Thomas Spitzer von Gevatter Tod im AOK Chopper spazierenfahren. Passend dazu wird das reguläre Ende dann von einem simuliertem Gewitter eingeleitet und Der Tod steht vor der Tür. Alle werden ihn irgendwann treffen, der eine früher, der andere später. Der Sensemann betritt die Bühne, übergroß und mächtig, mit blutrot leuchtenden Augen, um Eberhartinger, dessen Zeit nun endgültig abgelaufen ist, zu holen. Jeder muss wissen, wann es Zeit ist zu gehen und so legt sich der alternde Sänger freiwillig und ergeben in seinen Sarg zurück und lässt sich von der Bühne tragen. Ende/Aus/Vorbei, das war`s mit der Trauerfeier, der Spaß ist vorbei?

Der Jubel und die Zugaberufe sind ohrenbetäubend und wollen kein Ende nehmen. Wer nun denkt, der Abgang fällt der E.A.V. so leicht, der muss sich eines Besseren belehren lassen. Die zweite Wiederauferstehung des Abends wird mit Küss Die Hand, Herr Kerkermeister eingeleitet und die fast kriminelle Vergangenheit holt Eberhartinger wieder ein, der mit gestreiften Knastklamotten inklusive Häftlingsnummer und Kugel am Bein auf die Bühne zurückstolpert. Wie Anfangs schon erwähnt, nach 40 Jahren ist das Hitrepertoire so groß, dass man die Überflieger am Anfang der Show verplempern kann und am Ende noch aus den Vollen schöpfen kann. So sorgt der Märchenprinz im Frack noch einmal für Feierlaune und frenetischen Jubel. Doch danach ist dann endgültig Schluss und die Gemeinde rüstet sich für den letzten, schweren Gang. Doch denkste, die E.A.V. will und will nicht abtreten und kommt noch einmal zurück. Nun geht es in die Wüste und die österreichischen Wüstensöhne treten zu Fata Morgana in Turban und glänzenden Jacketts an. Es ist unglaublich, wie minimalistisch und doch passend die Songs auf der Bühne umgesetzt werden, TOP! Mit der traditionellen Abschlussballade Morgen geht der Abend dann aber nach fast drei Stunden endgültig zu Ende. Franz Kreimer sitzt am Keyboard und Eberhartinger mit Hocker am Mikro. Nach und nach wird nun die komplette Band vorgestellt, die dann in den Song einsteigt. Nach und nach wird nun auch die komplette Crew auf die Bühne geholt, die sonst nur im Hintergrund tätig ist, ohne die aber das ganze Spektakel nicht möglich wäre. Jeder wird einzeln vorgestellt und bekommt eine Flasche Bier in die Hand gedrückt, eine tolle Würdigung für all die Helfer. Respekt!

Feierabend – nun bleibt nur abzuwarten, ob die E.A.V. auf Dauer in der Kiste liegen bleibt …

Trinkt`s auf uns irgendwas und seid`s net zwider!
Was vorbei is`, des is vorbei!
In der Höll drunten seh` ma` uns wieder …
Da Teufel hat noch a boa Platzerl frei!

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