Freak Valley X-Mas Fest am 14.12.2019 im Vortex in Siegen

Freaky vorweihnachtlicher Stoner Abend im Vortex in Siegen

Eventname: Freak Valley X-Mas Fest

Bands: Greenleaf, Raketkanon, Space Debris, Temple Fang, The Sonic Dawn, Kaleidobolt

Ort: Vortex Music Surfer Club, Auf den Hütten 4, 57076 Siegen

Datum: 14.12.2019

Kosten: 25,00 Euro zzgl. VVK Gebühr, 33 Euro AK (entfällt, da ausverkauft), Studenten und Schüler ermäßigt

Genre: Noisecore, Stoner Rock, Hard Rock, Psychedelic Rock, Psychedelic Space Rock, Heavy Psych Rock

Besucher: 300 (ausverkauft)

Veranstalter: Freak Festival https://www.facebook.com/freakvalleyfestival/

Link: https://www.vortex-surfer.de/nc/programm/event/article/freak-valley-xmas-fest-greenleaf-sw-raketkanon-be-space-debris-de-temple-fang-nl-the-sonic-dawn-us-kaleidobolt.html

Heute am 14.12.2019 ist wieder einer dieser besonderen Stoner Abende angesagt. Nein, es ist gleich ein ganzer Tag. Das alljährliche Freak Valley X-Mas Fest in der Ausgabe 2019 in Siegen gibt sich die Ehre. Ja, in Siegen, dem Mekka der Stoner schlechthin. Was bekommen die Bands immer für glänzende Augen, wenn ich mit ihnen über das Freak Valley in Siegen spreche. Das Freak Valley ist der Traum jeder Stoner Band.

Letztes Wochenende noch zwei Tage auf dem Heavy Psych Sound Fest in Berlin (hier geht es zum Bericht) und heute auf dem Freak Valley X-Mas Fest – Stoner-Herz, was willst du mehr!

Auch in diesem Jahr sind Alex und Rene dabei, um das Freak Valley X-Mas Fest, den kleinen knuffigen Winterableger des großen Festivals zu besuchen. Neben sechs tollen Bands gibt es wie jedes Jahr einen freaky Weihnachtsmarkt mit kulinarischen Leckereien. Für Durststiller ist neben dem normalen reichhaltigen Angebot zusätzlich mit Craft Beer, Wein und Glühwein bestens gesorgt! Für die Vinylfetischisten gibt es ein großes Angebot an schwarzem (und buntem) Gold, sowohl an den Merchständen der einzelnen Bands, als auch an einem separaten Vinylstand. Und klar, die legendären Live At Freak Valley Aufnahmen sind auch zu haben, falls sie nicht bereits ausverkauft sind.

Wie jedes Jahr ist auch dieses Mal kurz vorher der Aufruf gekommen: Sold Out!

Pünktlich mit Beginn des Openers entern wir das Vortex!

Das Line-Up für heute sieht folgendermaßen aus:

17:00 Kaleidobolt – 35 Min
18:00 The Sonic Dawn – 40 Min
19:10 Space Debris – 60 Min
20:40 Temple Fang – 40 Min
21:50 Raketkanon – 50 Min
23:10 Greenleaf – open end

Kaleidobolt haben schon begonnen. Kaleidobolt habe ich bereits live gesehen. Einige der anwesenden Bands habe ich bereits live gesehen. Lediglich Space Debris und Temple Fang sind die einzigen Bands des heutigen Abends, die ich bisher noch nie live gesehen habe.

Kaleidobolt kommen aus Finnland. Mit ihrem psychedelischen Stoner Rock konnten Kaleidobolt bisher bereits im Underground von sich reden machen. Aber die Geschichte geht weiter, denn sie haben schon einige Szenegrößen, wie unter anderem Brant Bjork supportet und auf sich aufmerksam gemacht. Im Sommer habe ich sie noch als Supporter der Stoner Legende Yawning Man gesehen. Aus dem Sommer ist auch ihr neues Album Bitter, von dem natürlich einige Stücke auf ihrer heutigen kurzen Setliste stehen. Es gibt ganz schön was auf die Ohren. Songs mit einigen Breaks und Tempowechseln. Mal richtig heftig gegen die Wand gespielt, dann wieder locker flockig.
Sehr massiv und abwechslungsreich, was die Finnen hier veranstalten. Die drei Jungs Sampo Kääriäinen (Gitarre, Gesang), Marco Menestrina (Bass, Gesang) und Valtteri Lindholm (Schlagzeug) kommen authentisch dreckig, kernig, mit einem Schuss Noise rüber. Sehr gelungener Auftakt.

Zwischendrin raus an den Ständen vorbei. Da treffe ich bereits die Jungs des heutigen Headliners Greenleaf und kann mir direkt schon was am Merchstand mitnehmen.

Wieder zurück in die Venue, denn da spielen jetzt The Sonic Dawn auf. Auf die freue ich mich ganz besonders. The Sonic Dawn haben mich bereits letztes Wochenende am zweiten Tag im Bi Nuu in Berlin beim Heavy Psych Sound Fest sehr positiv überrascht und waren auch für meine Frau Heike eins der Highlights in Berlin. Die Jugendfreunde Emil Bureau (Gitarre und Gesang), Jonas Waaben (Schlagzeug und Gesang) und Niels „Bird“ Fuglede (Bass) aus Kopenhagen (Dänemark) bilden das Trio The Sonic Dawn. Diese drei Musiker haben ein feines Gespür für Melodien, die sich im Kopf festsetzen und die Hüften kreiseln lassen. Ganz tolle Nummern sind dabei. Sehr schöner Psychedelic Rock. Die Musik ist ein Wechselspiel zwischen sehr rockigen und manchmal sehr träumerischen psychedelischen Songs. Mal kommen The Sonic Dawn etwas rockiger daher und erinnern ein wenig an Jimi Hendrix, um im nächsten Moment dann doch wieder wesentlich psychedelischer zu sein. Ok, auch manchmal träumerisch verspielt können sie sein. Natürlich sind einige Songs vom diesjährigen Album Ecplipse (bei Heavy Psych Sounds erschienen) dabei. Emily Lemon, der leicht poppige Song mit Hitparadenpotenzial ist erneut auf der Setlist. Nach Berlin haben die dänischen Jungs jetzt Siegen erobert.

In der Pause unterhalte ich mich mit ihnen, ich hatte ihnen mein Erscheinen in Siegen ja bereits in Berlin „angedroht“. Ich zeige ihnen ein paar Bilder, die ich in Berlin gemacht habe, und wir unterhalten uns eine Weile. Sehr coole Jungs, die ich richtig mag!

Jetzt kommen Space Debris, was übersetzt Weltraummüll bedeutet. Krautrock und Psychedelic Rock ist angesagt. Ihre Songs entwickeln sich jamartig während ihres Liveauftritts und haben daher keine festen Strukturen. Das Quartett um die beiden Gründer Christian Jäger (Schlagzeug) und Tommy Gorny (Gitarre) beginnt auf der Bühne seine Instrumente einzustimmen und abzumischen. Unversehens befinden wir uns auch schon im ersten Song und wir erleben eine geniale Krautrocknummer. Songs, die sich von sich selbst weit entfernen und unversehens wieder zurückkommen. Praktisch eine 60-minütige experimentelle Jamsession geht hier ab. Irre, was diese, ich würde mal bewusst sagen, Postkrautrocker (weil ja lange nach der Krautrockzeit gegründet) hier machen. 2001 gegründet, haben sie mittlerweile 13 !!! zumeist Livealben herausgebracht. Am heutigen Abend haben sie hier in Siegen so richtig, wie ein Komet aus dem Weltall eingeschlagen. Auch meine Mitfahrer sind begeistert, obwohl sie vorher recht skeptisch bei der Beschreibung der Band waren.

Nach so einer Nummer wie Space Debris haben es natürlich direkt nachfolgende Bands etwas schwerer. Das muss man dann auch den Niederländern von Temple Fang zugestehen. So brauchen sie auch einige Zeit, um hier bei den Fans überhaupt angekommen. Das Quartett um die ehemaligen Death Alley Musiker Dennis Duijnhouwer (Bass) und Jevin de Groot (Gitarre) kann sich im Verlaufe ihres Gigs immer mehr nach vorne spielen. Zunächst recht belanglos beginnend, steigern sie sich in Space Rock Sphären, die das Publikum dann richtig mitnimmt.

Weiter geht es mit den Belgiern Raketkanon. Eine Band, die dem Noisecore zugerechnet wird. Die haben mich im Sommer auf dem diesjährigen Freak Valley regelrecht geflasht. Da es keine Stoner sind, spalten sie das Publikum natürlich ein wenig. Die meisten haben wohl ihren spektakulären Auftritt beim Freak Valley gesehen, daher wird es vorne vor der Bühne richtig eng. Auch auf der Bühne, denn die Jungs haben eine Menge Equipment dabei.
Ich habe die Jungs auch schon vorher am Merchstand gesehen und gesprochen. Da habe ich erfahren, dass sie nächstes Jahr Schluss machen. Jammerschade, vielleicht sollte man an die Jungs aus dem Land von Asterix und Obelix eine Petition senden. Das verrückte Quartett hat wieder eine Menge Spaß. Wie bereits gesagt, genretypisch kaum irgendwo zu verhaften. Sie spielen unorthodox und wild auf. Wirre Elektro-Arrangements treffen auf tiefgestimmte Gitarren. Gleich der erste Song beginnt mit einem wilden „Ijaijaja“. Das könnte man bestimmt auch in den Songs der Natives in den USA hören. Aber Obacht, denn gleich kann es donnernd mit Hardcore-Anleihen wieder zu was ganz anderem zu werden. Waren sie auf dem Freak Valley noch eine Überraschung für mich, so sind sie es jetzt nicht mehr. Aber wieder sehr geil. Eine Überraschung gibt es dann doch, denn ihr Sänger zeigt uns das Crowdsleeping! Das muss man unbedingt mal gesehen haben.

Zum Abschluss erwarten uns die gewaltigen Stoner von Greenleaf. Ihr Auftritt verzögert sich etwas, da es einige Abmischungsprobleme gibt, die zunächst zu lösen sind. Das schafft das professionelle Soundteam im Vortex natürlich, aber es benötigt eben etwas an Zeit.
Dann geht es aber los und das Quartett lässt es richtig krachen. Die Schweden von Greenleaf werden hier von vielen mit Begeisterung erwartet. Greenleaf sind ja keine Unbekannten. Bereits 1999 als Sideproject von Dozer Gitarrist Tommi Holappa entstanden, feiert die Band ihr zwanzigjähriges Bestehen. Einige Besetzungswechsel konnten der Band nichts anhaben. Greenleaf als die schwedischen Clutch zu bezeichnen, würde der Band nicht ganz gerecht werden, trotzdem von der Performance her gibt es, aus meiner Sicht, doch einige Ähnlichkeiten.

Ähnlich wie Nick Falon bei Clutch, gibt bei Greenleaf Sänger Arvid Jonsson den Ton an. Und was der für Töne draufhat mit bluesigen Einschlag. High Energy Rock wird uns um die Ohren geschmettert. Am Bass des Schwedenquartetts ist übrigens mit Hans Fröhlich ein Berliner. Den habe ich vorhin gefragt, wie das denn geht. Hans Fröhlich meinte nur, das geht! Wer Spiritual Beggars oder Queens Of The Stone Age mag, wird Greenleaf lieben. Was hier Arvid Jonsson und seine Mannen machen, ist schon sensationell. Trotz der Tonprobleme zu Beginn ist es ein mehr als gelungener Abschluss des heutigen Abends, der sehr spät endet.

Fazit: Erneut ein geniales Freak Valley X-Mas Fest 2019 im Vortex in Siegen. Besser kann solch ein Event von der Organisation nicht ausgerichtet werden. Für das leibliche Wohl war bei sehr moderaten Preisen bestens gesorgt. Für das musikalische Wohl ebenso, wobei man bei diesem Line-Up durchaus sagen kann: Das vorangegangene Jahr wurde erneut getoppt. Ich würde mich freuen, wenn ich bei dem nächsten Freak Valley X-Mas Fest 2020 die tollen Leute in Siegen wieder sehen würde! Etwas vermisst haben wir natürlich Volker, der sonst in seiner eigenen sympathischen Art wunderbar durchs Programm führt. Nach meinen Infos hielt er sich dieses Jahr in Berlin auf und konnte daher nicht zugegen sein.

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