Grafjammer – De Zoute Kwel

Brennende Kinder aus niederländischen Märchen

Artist: Grafjammer

Herkunft: Utrecht, Niederlande

Album: De Zoute Kwel

Spiellänge: 36:46 Minuten

Genre: Black Metal

Release: 18.12.2020

Label: Folter Records

Link: https://www.facebook.com/grafjammer/

Bandmitglieder:

Gesang – Jorre
Gitarre – Jeroen
Gitarre – Jouter
Bassgitarre – Jelle
Schlagzeug – Jahwe

Tracklist:

  1. Jajempriester
  2. Affreus. Infaam. Abject.
  3. Zelfverminkers & Spiritusdrinkers
  4. De Bijlman Van Trecht
  5. De Bakboordshand
  6. Bijbelgordelgesel
  7. De Kinderen Branden
  8. Maak Het Kort
  9. Kolkgat

Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber Grafjammer nehmen mich auf voller Länge mit und das aus mehreren Gründen. Die 13 Jahre alte Band produzierte während der Corona-Pandemie ihre dritte Langspielplatte, die mehr bietet als nur Black Metal. Selbstmörderische Klänge werden auf diesem Album zu finden sein, welche von brennenden Kindern kommen. Aber um hier kurz einzuhaken, die brennenden Kinder stammen aus einem niederländischen Volksmärchen, man braucht sich also keine Sorgen machen.

Obwohl Grafjammer sich als Necrorock-Band sehen, sind auf De Zoute Kwel nur Black Metal typische Stilmittel zu finden und insgesamt wird aus der vermutlich angestrebten herzhaften Mischung eine hässliche und dunkle Übernahme. Dieses ganze Hin und Her erzeugt aber eine auswechselbare Stimmung, die zu dem ganzen Konzept passt. Ruhige Rhythmen werden von schnellen drangsaliert und geknebelt, sodass sich das allgemeine Tempo immer mehr anzieht und selbst innerhalb des Tracks wird es immer schneller und chaotischer – Zelfverminkers & Spiritusdrinkers ist das perfekte Beispiel dafür. In die Vollen geht es dann aber wirklich erst mit De Bakboordshand, was ich persönlich sehr schade finde, weil über ein Drittel des Albums damit „verschwendet“ wird, den eigentlichen Stil zu finden. Jearon und Jouter haben ein geniales Wechselspiel, welches man erst bei genauerem oder besser gesagt bei aufmerksamem Zuhören mitbekommt – die beiden Gitarren arbeiten Hand in Hand ineinander, was sonst zum totalen Chaos hätte führen können. Dafür sorgt nämlich schon Jahwe, der schonungslose Rhythmen einspielt, die immer schneller und schneller werden. Man könnte daher meinen, der Song hat eigentlich keine Struktur, doch dem ist nicht so, passende Stilmittel sorgen einfach nur für die richtige Illusion. Für das klassische Bauchgefühl sorgt dann noch Jelle, der tiefgründige Lines spielt, die jeden Subwoofer zittern lassen. Insgesamt kann man auch sagen, dass das Album sehr gut abgemischt wurde und es nirgendwo an irgendwas fehlt. An manchen Stellen könnte meiner Meinung nach der Gesang etwas prägnanter sein, aber er ist auf jeden Fall erschreckend genug. Jorre hat eine unglaublich misanthropische Stimme, die gut zur Geltung kommt, aber manchmal etwas lauter hätte sein können.

Grafjammer – De Zoute Kwel
Fazit
Grafjammer haben hier ein solides Album abgeliefert, bei dem man sich richtig fürchten könnte, sofern man den Text versteht. Da ich leider kein Niederländisch verstehe, ist das ein wenig schwer. Hat man sich aber mal den Text erarbeitet, dann läuft es einem kalt den Rücken runter – niederländische Märchen sind gruseliger als gedacht und können absolut nicht mit unseren Grimmschen Märchen verglichen werden.

Anspieltipp: Bijbelgordelgesel
Paul M.
6.7
Leser Bewertung7 Bewertungen
5
6.7
Punkte
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