Interview mit Pirmin und Maik Styrnol vom punchline studio in Lahr über den Scaramouche – Film Heart And Soul

Scaramouche live auf der Autobahn, Besuch im Lahrer Nato-Bunker und persönliche Eindrücke zum Film...

Pirmin & Maik Styrnol betreiben das punchline studio in Lahr im Schwarzwald. Ich bin kürzlich auf die beiden aufmerksam geworden, weil sie mit einem Filmprojekt dafür verantwortlich sind, dass Scaramouche, eine Rockband aus Lahr, die zwischen 1993 und 2001 für Aufsehen sorgte, wieder in aller Munde sind und ein ganz besonderes Revival erleben. Unseren Bericht zu dem Projekt findet ihr hier. Nun haben sich die beiden Filmemacher meinen Fragen gestellt:


Time For Metal / Andreas F.:

Hallo Pirmin, hallo Maik, schön dass ihr euch die Zeit für ein Time For Metal Interview nehmt.

Stellt euch doch bitte kurz vor, wer seid ihr und was macht ihr?

punchline studio / Pirmin Styrnol:

Ja, wer sind wir? Wir sind zwei Brüder, die sich vor einiger Zeit gedacht haben, dass sie ihre Berufe eigentlich am allerbesten gemeinsam ausüben könnten. Ich bin Journalist und Synchronsprecher und arbeite seit einigen Jahren für den SWR und die ARD. Maik ist Komponist und Audio-Engineer. Das passt einfach gut zusammen und so haben wir im Jahr 2015 das punchline studio gegründet.

Time For Metal / Andreas F.:

Wie müssen wir uns das punchline studio vorstellen? Was macht ihr da sonst so, wenn ihr nicht gerade in der Vergangenheit längst vergessener Rockbands kramt?

punchline studio / Pirmin Styrnol:

Angefangen haben wir mit reiner Audioproduktion, aber mittlerweile machen wir eigentlich fast alles im Mediensektor, von Musik-CDs, über Abmischung, bis hin zur Filmsynchronisation und der Eigenproduktion von Filmen.

punchline studio / Maik Styrnol:

Die ersten Dokus, die wir produziert haben, waren Winter In Lviv und Für Ein Lächeln…. Das waren Filme für humanitäre Spendenkampagnen, also etwas ganz anderes, als eine Musikdokumentation. Beide haben wir zusammen mit dem Journalisten und Fotografen Till Mayer in der Ukraine gedreht.

Time For Metal / Andreas F.:

Wie eingangs schon erwähnt, bin ich durch euren Dokumentar-Film-Projekt Heart And Soul auf euch aufmerksam geworden, in dem ihr der Lahrer Band Scaramouche zu einem ganz besonderen Comeback verhelft. Wie kam es dazu und worum geht es in dem Film?

Hier geht´s zur Scaramouche-Film-Website

punchline studio / Maik Styrnol:

Scaramouche waren schon immer ein Teil unseres Lebens. Die Musik war einfach immer und überall dabei. Dazu kam, dass Frank Vetter, der Leadsänger, öfter bei mir im Studio zu Gast ist. Da kam Pirmin recht schnell die Idee zu einem Film. Irgendwann im letzten Oktober bekam ich dann eine Textnachricht von Pirmin:Maik, wir machen einen Film über Scaramouche!“ Damit war das dann auch geklärt…, gut dass wir drüber geredet haben… (lacht).

punchline studio / Pirmin Styrnol:

Ja, manchmal überfalle ich ihn mit so ’nem Geistesblitz. Heart And Soul soll zum einen die spannende und leider unvollendete Karriere von Scaramouche beleuchten, zum anderen aber auch die Frage „Was ist eigentlich Erfolg?“ in den Mittelpunkt stellen. Das fragen sich die ehemaligen Bandmitglieder nämlich seit Jahren: „Waren wir jetzt eigentlich erfolgreich, oder nicht?“ Naja, und mal ganz abgesehen davon, freuen wir uns einfach riesig darauf, auch mit vielen weiteren Bands der damaligen Musikszene zu drehen. Da gibt es haufenweise Bands, die ebenfalls Stoff für einen guten Film liefern würden.

Time For Metal / Andreas F.:

Es geht dann letztendlich also nicht nur um die Bandgeschichte, sondern vielmehr um den Spirit der Regio Rockszene der damaligen Zeit?

punchline studio / Pirmin Styrnol:

Absolut, auch darum geht es. Seit wir für Heart And Soul recherchieren, sind wir auf so viel großartige Musik gestoßen, das macht wirklich ehrfürchtig. Secret Combination zum Beispiel, eine Funkband aus Lahr, hat schon ganz sicher einen Platz im Film. Auch denen war der Durchbruch absolut zuzutrauen, doch am Ende war er ihnen leider nicht vergönnt. Oder Daddy Dirty, die in ihrer Hochphase auch bis zu 60 Konzerte im Jahr gespielt haben. Auch diese Bands können uns sicherlich davon erzählen, was für sie Erfolg ausmacht. Und warum viele von ihnen auch heute noch Musik machen.

Time For Metal / Andreas F.:

Warum habt ihr euch dann ausgerechnet die Band Scaramouche für euer Projekt ausgesucht? Kennt ihr die Band noch aus ihrer aktiven Zeit und habt ihr persönliches Interesse an den Jungs? Ich meine, es gab ja in den 80er und 90er-Jahren eine ganze Menge Rockbands in der Regio, die es genauso wert gewesen wären, wieder aus der Versenkung geholt zu werden. Warum ausgerechnet eine Hardrock Band, welchen Bezug habt ihr zu dem Genre?

punchline studio / Pirmin Styrnol:

Die Frisur …

punchline studio / Maik Styrnol:

Ja, ein bisschen Angst habe ich schon, dass es mir mit der Frisur mal so geht wie Gert … (EndresScaramouche Gitarrist / Anm. d. Red). Aber Spaß beiseite: Zum einen haben wir natürlich unsere persönlichen Vorlieben. Das hat rein gar nichts mit der Qualität der anderen Bands zu tun. Und dann hängt so etwas natürlich auch am Archiv. Wir hätten bei der Vorrecherche genauso gut zu dem Schluss kommen können, dass die Geschichte von Scaramouche keinen abendfüllenden Kinofilm hergibt. Oder das nicht genug Video-, Audio-, oder Printmaterial von damals überlebt hat. Aus dem Grund haben wir letztes Jahr einen Aufruf nach Material gestartet und die Reaktionen darauf waren überwältigend. Wir haben alles zugeschickt bekommen: Videos, Tonaufnahmen, Zeitungsartikel, Backstagematerial, Originalplakate… – aus Luxemburg, München, Hannover, es kam sogar Post aus London… Und Marc (Vetter / Anm. d. Red.), der Scaramouche-Drummer, hat tatsächlich ein Bandtagebuch geführt. Wir wissen echt fast alles, wann Gert seine Gitarrensaiten gewechselt hat, wann und wohin Thomas (SchwendemannScaramouche Bassist / Anm. d. Red.) in den Urlaub fuhr, die Anzahl der Gäste bei jedem einzelnen Konzert…, u.s.w.

Time For Metal / Andreas F.:

Wie seid ihr mit eurer Idee an die Band herangetreten und wie waren die Reaktionen darauf?

punchline studio / Pirmin Styrnol:

Ich habe Frank Vetter angerufen und der war nach anfänglicher Verdutztheit sehr angetan und fand die Idee spannend. Er hat dann die restliche Band kontaktiert und mir deren Kontaktdaten weitergeleitet. Und alle fanden, dass es eine absolute Ehre sei, Mittelpunkt so eines Projektes zu sein.

punchline studio / Maik Styrnol:

Das fanden wir übrigens auch, immerhin hören wir Scaramouche ja, seit wir denken können. Eine Ehre für beide Seiten, es ist ja nun nicht alltäglich, dass man als junger Filmemacher einen so großen Vertrauensvorschuss bekommt.

Time For Metal / Andreas F.:

Ihr wollt aber nicht nur über Scaramouche, sondern auch mit der Band drehen. Soweit ich weiß, hat man seit der Bandauflösung im Jahr 2001 nicht mehr gemeinsam auf der Bühne gestanden und die alten Songs gespielt. Trotzdem habt ihr es geschafft, mit den Brüdern Frank und Marc Vetter und Gert Endres zwei Drittel der Originalbandmitglieder bei einem Gig der Band OIL wieder gemeinsam auf eine Bühne zu bekommen und habt den Auftritt im Schlachthof in Lahr im Januar mitgeschnitten. Wollt ihr uns davon berichten?

punchline studio / Pirmin Styrnol:

Das war nicht unser Verdienst, die Idee dazu kam von Marc und Gert. Und eigentlich war das auch gar kein Wiedersehen von Scaramouche, sondern von Acres Wild. Das ist die Vorgängerband von Scaramouche, die bis 1993 existierte, damals noch mit dem Frontmann Kai Escher. Und er war als Special Guest bei OIL eingeladen, um einen alten Song von Acres Wild zu singen.

punchline studio / Maik Styrnol:

Und eine Woche vor dem Konzert kamen die Musiker auf die Idee, auch Frank einzuladen, Kais Nachfolger als Frontmann. 1993 hat sich die Band nämlich dazu entschieden, Kai durch Frank zu ersetzen, der bis dahin Keyboarder war. Das hat in der regionalen Musikszene damals für ziemliche Diskussionen gesorgt. Und jetzt, 26 Jahre später, gab es ein Duett von den beiden – es war ein toller Moment, wie die ehemaligen Rivalen von damals heute gemeinsam die Bühne zerlegten. Es war eine Energie zu spüren, als müssten sie die 26 Jahre, die sie nicht gemeinsam auf der Bühne standen, auf einen Schlag nachholen. Das ganze Konzert war einfach super! Die Licht- und Audioqualität im Schlachthof Lahr ist sowieso filmreif, aber an dem Abend haben sie sich selbst übertroffen.

Time For Metal / Andreas F.:

Originalbassist Thomas Schwendemann war bei dem Auftritt in Lahr nicht dabei. Habt ihr nicht versucht, für euren Dreh alle vier Musiker zusammen zu bekommen, oder warum hat es nicht geklappt?

punchline studio / Maik Styrnol:

Mit Rainer Jauch stand ja schon ein Top-Bassist auf der Bühne. Außerdem hat Thomas mit der Scaramouche-Zeit schon etwas mehr abgeschlossen als der Rest der Band und das ist ja auch ein spannender Aspekt für unseren Film. Er steht aber auch total hinter dem Filmprojekt und war zum Beispiel beim SWR 1-Interview letztens dabei.

Time For Metal / Andreas F.:

Ich bin mehrfach die Woche auf Konzerten und fotografiere diese auch für Time For Metal. Ein Konzert zu filmen ist aber noch einmal eine ganz andere Geschichte. Habt ihr so etwas schon öfter gemacht?

punchline studio / Maik Styrnol:

Eigentlich nicht. Aber wir wussten natürlich, was wir wollen und Pirmin hat ja auch Erfahrung als Regisseur und Redakteur. Das Kamerateam von vidream Bewegtbild hat seine Ideen dann ganz toll umgesetzt. Und mittlerweile gibt es ja auch schon ein bisschen Anschauungsmaterial auf Youtube von dem Konzert. Wie gesagt, es war toll!

OIL-Playlist auf Youtube mit den Videos vom Januar: https://www.youtube.com/watch?v=o0rdq9Ert5E&list=PLm7H5ePru4fvn5kCecasAlEQuu1BmgiBg

Time For Metal / Andreas F.:

In Heart And Soul werden ja wahrscheinlich nur Ausschnitte des Konzertes von OIL zu sehen sein, gibt es auch das komplette Konzert irgendwann zu sehen?

punchline studio / Pirmin Styrnol:

Unbedingt! Und zwar schon sehr bald. Das Konzert ist komplett fertig geschnitten und die Band hat den Konzertfilm auch bereits gesehen. Das war ein lustiger Abend mit der Band in unserem Studio, denn am Ende haben wir alle lauthals mitgegrölt. Was OIL da im Schlachthof veranstaltet haben, das war unglaublich, ein absolutes Feuerwerk. Ein bunter Mix aus Songs von ihrem ersten Album Feed Your Brains und neuen Songs. Der Film steht ab dem 8. Juni 2019 bei Amazon Prime Video zum Streaming bereit. Ich melde mich dann noch mal, ich bin sehr auf deine Rezension gespannt.

Time For Metal / Andreas F.:

Ja, mach das, ich werde ihn mir auf jedem Fall anschauen.

Ihr habt den alten Nato-Bunker am Lahrer Flugplatz besucht, den früheren Proberaum von Scaramouche? Wie war das für euch als Fans nach so vielen Jahren?

punchline studio / Maik Styrnol:

Naja, klasse natürlich. Und man glaubt es nicht, was man da noch so findet. In einer kleinen Kammer in der Ecke waren noch immer Bandunterlagen, die originalen Master aus dem Tonstudio, Demotapes, sogar eine Kiste mit Stofftieren, die irgendwann einmal bei Konzerten auf die Bühne geworfen wurden.

Time For Metal / Andreas F.:

Euer Film ist noch lange nicht fertig und schlägt trotzdem schon recht große Wellen. Ihr seid damit in verschiedenen Radiosendern und auch in der Presse präsent. Selbst beim Oberbürgermeister von Lahr waren ihr und die Band schon eingeladen. Habt ihr mit solchen Reaktionen gerechnet und wie bewertet ihr das?

punchline studio / Pirmin Styrnol:

Ganz ehrlich? Wenn wir nicht ein bisschen damit gerechnet hätten, dann hätten wir ja den falschen Job… (lacht). Aber klar, das Interesse ist unglaublich, wir sind schon ziemlich geplättet davon – denn auch da muss ich jetzt wieder ehrlich sein, man hofft darauf, aber kontrollieren kann man es ja nicht. Entweder, die Leute mögen das Projekt, oder eben nicht. Und bisher sieht es so aus, als hätten wir einen Nerv getroffen. Das macht uns schon ein bisschen stolz. Wenn mir vor 18 Jahren einer erzählt hätte, dass Maik und ich einmal dafür sorgen werden, dass Scaramouche wieder im Radio gespielt werden, ich hätte es wahrscheinlich nicht geglaubt.

punchline studio / Maik Styrnol:

Oder dass wir dabei sind, wenn sie das erste Mal seit 18 Jahren wieder gemeinsam ihre alten Songs spielen. Und das noch dazu Unplugged bei SWR 1. Na gut, ich durfte schon vorher reinhören, weil ich bei ihrer Probe auf der Autofahrt nach Stuttgart dabei war. Scaramouche live auf der Autobahn. Das ist jetzt neben dem Abschlusskonzert 2001 in Lahr das einzige Konzert, an das ich mich wirklich erinnere. Damals war ich ja noch ein Kind.

Scaramouche unplugged bei SWR1 auch auf Soundcloud: https://www.scaramouche-film.de/blog/scaramouche-unplugged-bei-swr1
Scaramouche unplugged als Facebook-Handy Video: https://www.facebook.com/punchlinestudio/videos/343814526326498/

Time For Metal / Andreas F.:

Was für ein Publikum wollt ihr mit dem Film ansprechen? Warum sollte sich irgendjemand, der nicht hier aus der Regio stammt und die Band nicht kennt, für euren Film interessieren?

punchline studio / Maik Styrnol:

Zuallererst natürlich Rock-, b.z.w. Musikfans…, aber die meisten Menschen dürften von dem Thema „Was ist Erfolg?“ angesprochen werden. Die Frage ist allgegenwärtig, und wir können sie anhand von toller Musik, super Protagonisten und der einzigartigen Lahrer Bandkultur der 80er und 90er-Jahre erzählen. Und welcher Musiker hat sich diese Frage denn noch nicht gestellt? Ab wann ist man denn erfolgreich?

Time For Metal / Andreas F.:

Könnt ihr uns ein bisschen etwas über euer Team erzählen, mit dem ihr an dem Film arbeitet? Wie seid ihr da aufgeteilt?

punchline studio / Maik Styrnol:

Pirmin ist der redaktionelle Kopf, also der klassische Doku-Regisseur. Er schreibt das Script, macht sich über das Thema Gedanken, bringt die ganze Geschichte in Form und führt natürlich auch die Interviews. Ich bin eher der Typ, der sich um den Stil und die Technik Gedanken macht. Außerdem bin ich auch schwer damit beschäftigt, all die Videos, Kassetten, Bänder, Dias, u.s.w. aufzuarbeiten. David Tabellion ist unser Produzent. Er haut uns auf den Deckel, wenn unsere Ideen zu abgefahren werden und kümmert sich um die finanzielle Sicherheit. Dadurch könnte er tatsächlich der wichtigste Mann im Team sein. Aber das sagen wir ihm natürlich nicht… (lacht). So sieht es momentan in der Vor-Produktion aus. Und wenn es dann so weit ist, dass wir tatsächlich anfangen zu drehen, wird das Filmteam auf einen Schlag ziemlich groß. Und leider auch teuer…

Time For Metal / Andreas F.:

Wie seht ihr den bisherigen Verlauf des Projektes, habt ihr euch das vorher alles genauso vorgestellt, funktionierte bisher alles einfacher als gedacht, oder war bald ein Punkt erreicht, wo ihr an eure Grenzen gestoßen seid?

punchline studio / Pirmin Styrnol:

Wir sind Filmemacher, keine Verkäufer. Die Finanzierung für dieses Projekt ist schon etwas, das uns an unsere Grenzen bringt. Aber auch das bekommen wir irgendwie hin. Mit der Hilfe der Musikszene, mit kunstinteressierten Leuten, völlig egal woher. Und natürlich hilft uns auch David sehr, der als Produzent einen tollen Job macht und viele Fäden zusammenhält.

punchline studio / Maik Styrnol:

Was einfacher ist als gedacht, ist die Zusammenarbeit mit der Band. Die Unterstützung und der Vertrauensvorschuss sind großartig. Alle vier sind natürlich total kreative Köpfe und haben viel Verständnis für unsere Arbeit. Und es ist zur Abwechslung auch mal toll, die Fragen in unserer Muttersprache zu stellen. Bei unseren letzten Filmen in der Ukraine war die Sprachbarriere ganz schön zeitraubend…

Time For Metal / Andreas F.:

Ihr habt während der Planung 25 Aktenordner mit Fotomaterial, Zeitungsberichten, Interviews etc. von Scaramouche zusammengesammelt. Heutzutage entsprechendes Material über eine bestimmte Band zu sammeln, das ist ja nicht allzu schwer. In eurem Fall war das doch wahrscheinlich keine leichte Aufgabe, das Internet steckte zu der damaligen Zeit ja noch in den Kinderschuhen, sodass im Netz nicht allzu viel Brauchbares zu finden ist, oder?

punchline studio / Maik Styrnol:

Das stimmt wohl. Was im Falle von Scaramouche besonders traurig ist, ist, dass die Musik eigentlich nirgendwo zu finden ist. Ein paar gebrauchte CDs finden sich im Internet, sonst aber nichts. Weder auf Spotify, noch sonst wo. Andererseits hebt deshalb heute auch kaum noch eine Band so viele Zeitungsartikel über sich auf. Die Fans, aber auch die Band, haben alles akribisch aufbewahrt. Dadurch wurde unser Archiv in einem Wahnsinnstempo gefüllt. Kaum ging unser Aufruf raus, kam ein Artikel nach dem anderen zur Tür reingeflattert. Sogar private Videoaufnahmen wurden uns persönlich vorbeigebracht. Das hat so natürlich einen ganz eigenen Charme. Die Aufnahmen, die wir eben jetzt haben, konnte bislang eben noch nie jemand sehen.

Time For Metal / Andreas F.:

Dennoch fehlt euch immer noch bestimmtes Material. Vielleicht hat ja einer unserer Leser genau das, was euch noch für eure Arbeit fehlt. Was sucht ihr noch alles und womit kann man euch weiterhelfen?

punchline studio / Pirmin Styrnol:

Was uns vor allem fehlt, sind Privataufnahmen vom ganz normalen Leben. Also, wenn irgendwer in den 80er und 90er-Jahren mal seinen Camcorder dabei hatte und einfach nur Videos von der Lahrer Marktstraße, dem alten Bahnhof, oder dem Lahrer Stadtpark gemacht hat – solche Sachen suchen wir unbedingt. Nicht nur aus Lahr im Übrigen, aus der ganzen Region. Also auch von den umliegenden Dörfern, oder eben auch vom Freiburger Münster. Das sind Aufnahmen, die kann man heute nicht mehr nachdrehen. Das müssen Originale sein – so was ist ein absoluter Schatz.

Time For Metal / Andreas F.:

Um beim Helfen zu bleiben, ihr wollt euren Dokumentarfilm über ein Crowdfunding finanzieren. Wie sieht es da aktuell aus, was wird benötigt und wofür soll das Geld verwendet werden?

punchline studio / Pirmin Styrnol:

Eigentlich ganz gut. Wir stehen momentan bei knapp 8.000 €, aber wir sind noch nicht einmal bei der Halbzeit angekommen. Es kam echt schon einiges zusammen und dafür sind wir sehr dankbar. Aber es ist auch noch ein sehr weiter Weg – das Ziel sind mindestens 20.000 €, damit könnten wir zumindest den Großteil der Dreharbeiten bezahlen. Unsere Dokumentation wird ja keine Amateurproduktion, sondern soll sich mit internationalen Größen messen können. Von der Qualität denken wir da an Netflix, BBC oder Arthaus. Heart And Soul wird – bei allem Respekt vor jedem Amateurfilmemacher – kein Hobbyfilm, der mal im kommunalen Kino gezeigt wird, sondern ein Film, der international gesehen werden soll. Deshalb ist das Crowdfunding auch nur der erste Teil der Finanzierungsarbeit, eben für die Drehs in der Region. Aber für diverse Drehs im Ausland und natürlich die Postproduktion mit Schnitt, Grafik, Motion Design, und und und, da kommt später noch einiges auf uns zu.

Link zum Crowdfunding: https://www.startnext.com/heart-and-soul

Time For Metal / Andreas F.:

Eure Unterstützer bekommen als Gegenleistung Scaramouche Merchandise, oder Erwähnungen im Film. Woher stammt z.B das Merchandise? Das wird doch nach all den Jahren kein Merch mehr aus der aktiven Zeit der Band sein, oder?

punchline studio / Maik Styrnol:

Doch! Das ist tatsächlich alles echt – Errungenschaften unserer Ausgrabungen im alten Probebunker. Selbst die Acres Wild-T-Shirts aus den 80ern sind noch Original-Merch. Es gibt das alles also nur in begrenzter Stückzahl. Echte Raritäten!

Time For Metal / Andreas F.:

Wie sehen eure Planungen aus? Wann soll der Film fertiggestellt sein und wo wird man das endgültige Ergebnis zu sehen bekommen?

punchline studio / Pirmin Styrnol:

Geplant ist es, dass wir den Film Ende 2020 erstmals in Lahr vorstellen. Dann jährt sich das erste Studioalbum von Scaramouche, Born In December zum 25. Mal. Und nach der Premiere in Lahr wird der Film weltweit auf Filmfestivals zu sehen sein. Damit haben wir durch unsere ersten beiden Produktionen ja schon Erfahrung und das ist auch erst einmal das Ziel. Und natürlich wird der Film auch bei einem internationalen Streaming-Dienst abrufbar sein. Welcher das sein wird, das verraten wir aber noch nicht.

Time For Metal / Andreas F.:

Wird die Band bei der Premierenaufführung dabei sein? Ihr seid offenbar so gut organisiert, da habt ihr euch über die Premiere bestimmt schon Gedanken gemacht. Was haben wir da zu erwarten?

punchline studio / Maik Styrnol:

Selbstverständlich sind Frank, Gert, Thomas und Marc dann dabei. Und auch alle anderen Protagonisten. Die Premiere wird für die Band und natürlich auch für die Fans etwas ganz Besonderes sein. Es wird auf jeden Fall Überraschungen geben, das steht fest. Wir haben da schon eine Idee im Kopf…, ich sage mal so viel: Was an diesem Abend passieren wird, wird eine Weltneuheit im Filmbusiness sein. Und wir freuen uns schon unglaublich darauf.

Time For Metal / Andreas F.:

Das hört sich spannend an …, vielleicht können wir ja darüber berichten.

Für einige andere Dokumentationen konntet ihr nationale und selbst internationale Preise gewinnen. Mit wie vielen Augen schaut man dann bei solch einem Musikprojekt auf eventuelle weitere Preise? Was ist der Ansporn für euch?

punchline studio / Pirmin Styrnol:

Mit beiden Augen! Eine Dokumentation ist ehrlich gesagt nichts, mit dem man viel Geld verdienen kann. Auch dann nicht, wenn sie international in Kinos zu sehen ist. Alleine die Arbeitszeit, die wir in den letzten acht Monaten in das Projekt gesteckt haben, ist nicht refinanzierbar. Wir sind pro Woche drei bis vier Tage mit dem Film beschäftigt – ohne dass das Projekt bisher einen Cent eingespielt hat. Dazu kommt das Equipment, das man anschaffen muss, und natürlich brauchen wir ab Drehbeginn ein großes Filmteam. Kameramänner, Tonassistenten, Beleuchter, Make-Up – wir arbeiten bei dem Film ausschließlich mit Profis und die kosten eben Geld. Deshalb erwarten wir nicht, dass wir am Ende mit einem Plus aus der Sache rausgehen. Das soll jetzt auch gar nicht wie lamentieren oder jammern klingen, es ist einfach nur realistisch. Wer denkt, dass so ein Film die Band oder das Filmteam reich macht, der irrt. Es geht uns darum, einen tollen Film zu produzieren, der sowohl der Band und der Musikszene in und um Lahr, als auch unseren Sponsoren und natürlich unserem punchline studio und der Filmcrew Prestige einbringt. Und Filmpreise gehören ja definitiv dazu.

punchline studio / Maik Styrnol:

Man weiß ja nie genau, was sich durch so ein Projekt noch ergeben wird, aber alleine schon die Möglichkeit, diesen Film machen zu können, ist genial. Da kann man ja gar nicht Nein sagen!

Time For Metal / Andreas F.:

Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen und so bereitwillig Auskunft in wirklich spannende Aspekte gegeben habt. Ich bin so weit durch, wollt ihr zum Schluss noch irgendetwas loswerden?

punchline studio / Maik Styrnol:

Klar, Danke dir für dein Interesse an Heart And Soul!

punchline studio / Pirmin Styrnol:

Und Danke an jeden Leser, der es bis zum Schluss durchgehalten hat mit uns… (lacht).

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