Mittelalterliches Phantasie Spektakulum in Weil am Rhein am 07.07.2019

Dino-Rocker erobern nicht nur Kinderherzen ...

Event: Mittelalterliches Phantasie Spektakulum

Bands: Heavysaurus, Saor Patrol, Rapalje, Cultus Ferox, Weltenkrieger

Ort: Dreiländergarten, Weil am Rhein

Datum: 07.07.2019

Kosten:

bis 15 Jahre frei
ab 16 Jahre VVK: 15,- €, TK: 15,- €
ab 55 Jahre VVK: 8,- €, TK: 8,- €
ab 66 Jahre frei
2 Tagesticket: ab 16 Jahre VVK: 40,-/45,- €, TK: 55,- €

Sonntag = Familientag

Genre: Mittelalter Rock, Folk Rock, Piraten Rock, Marktmusik, Rock, Heavy Metal, Hardrock, Dino Metal

Veranstalter: Mittelalterliches Phantasie Spektakulum https://www.spectaculum.de

Link: https://www.facebook.com/events/311619432807285/

Am 06.07. und 07.07.2019 ist es mal wieder so weit. Der Dreiländergarten in Weil am Rhein wird zum ersten und einzigen Mal in diesem Jahr in ein mittelalterliches Flair getaucht. Der Tross des größten reisenden Mittelaltermarktes, des Mittelalterlichen Phantasie Spektakulums, schlägt seine Zelte auch in der 26. Spielsaison direkt im Dreiländereck Deutschland / Schweiz / Frankreich auf, und mit ihm kommen wieder all die Ritter, Händler, Edelleute, Bettler, Handwerker, Mönche, Gaukler und Spielleute in die Stadt. In diesem Jahr kann ich ausnahmsweise nur am Sonntag, am Familientag, hin, da ich gestern bei Kiss in Iffezheim war, was definitiv Priorität hatte. Hätte ich jedoch geahnt, dass das Kiss-Konzert nach 40 Minuten wegen starkem Unwetter abgebrochen wird, dann hätte ich mich wohl entschieden, doch an beiden Tagen nach Weil am Rhein zu fahren. So mache ich mich schon Sonntag früh auf den Weg in Richtung Schweizer Grenze, denn erfahrungsgemäß ist der Parkplatz direkt am MPS-Gelände schnell voll und dann wird es richtig eklig, weil weitere Parkplätze in näherer Umgebung rar sind.

Gut gedacht, aber die Rechnung habe ich leider ohne die ganzen Sonntags-Ausflügler gemacht, die sich heute morgen schon auf der Autobahn in Richtung Schweiz schieben. So komme ich dann doch erst um kurz vor 11:00 Uhr an und der Parkplatz ist erwartungsgemäß schon gut gefüllt und an der Kasse stehen schon lange Schlangen und jede Menge Gewandete stehen erwartungsvoll herum. Bettler, Edelleute, Ritter, Trolle, Hexen und weitere Phantasiegestalten sind zu sehen. Die MPS-Veranstaltungen sind nicht realistisch dem Mittelalter nachempfunden, sondern eher phantasievoll ausgeweitet, jedoch mit einem mittelalterlichen Flair. Alles ist möglich, alles ist erlaubt.

Pünktlich um 11:00 Uhr öffnen sich die Tore zum ehemaligen Landesgartenschau-Gelände und die ersten paar hundert Feierwütige stürmen die Tavernen, um sich gleich mal mit Met, Kirschbier und Beerenwein zu versorgen. Das Wetter ist wieder einmal perfekt, die Sonne scheint, aber es ist doch nicht so megaheiß. Es verspricht, ein toller Sommertag mit Freunden zu werden.

Der erste Weg führt mich zur Folkbühne im hinteren Teil des Geländes, wo durch die Morgenmesse die Veranstaltung offiziell eröffnet wird. Die Morgenmesse hat natürlich mit einer kirchlichen Messe rein gar nichts zu tun, sondern ist nur eine witzige Zeremonie, um den Markt zu eröffnen und die Besucher zu begrüßen. Wo sonst kann man den Geistlichen, in diesem Fall Bruder Rectus, schon am frühen Mittag dabei beobachten, wie er etliche Krüge Beerenwein in sich hineinschüttet. Es gibt einige Instruktionen durch den Hässlichen Hans, welche Band heute wann und wo spielt und wo die besoffenen Weiber, ihre im Suff verloren gegangene Brut wiederfindet, sofern sie das denn wollen. Als die Rede dann auf Heavysaurus kommt, die heute zum ersten Mal auf dem MPS spielen, legt Der Tod einen gekonnten Angus-Walk hin und bangt wild mit seiner alten, rostigen Sense, was ihm lauten Jubel einbringt. Die Zeremonie wird heute etwas kurz gehalten, da die Folkbühne in der prallen Sonne liegt und es den Geistlichen lieber in den feuchtfröhlichen Schatten der Taverne zieht. So wird gemeinsam mit dem Hässlichen Hans schnell noch ein wenig geteert und gefedert, zum Ritter geschlagen, ein bisschen über die Schweizer abgelästert, die neuen Obernonnen Kama und Sutra vorgestellt, die diesmal relativ männlich aussehen. Dann schnell ab in den Schatten und hoch die Krüge …!

Im Schnelldurchgang wird erst einmal das Gelände abgegrast, bevor dann gleich mit Cultus Ferox die erste Band auf der Bühne steht. Viel Neues gibt es dabei nicht zu entdecken, die üblichen Händler, die hier alles anbieten, was das mittelalterliche Herz begehrt, ein paar Handwerker, die Einblicke in teils längst vergessene Berufe geben, jede Menge Tavernen und Fleischbrätereien, Gaukler, Zauberer und Puppentheater für die kleinen Besucher, … u. v. m. Auffällig ist allerdings, dass Weil am Rhein in diesem Jahr ohne die große Rittershow auskommen muss. Das Programm ist halt jedes Jahr gleich und trotzdem zieht das MPS jedes Jahr etliche tausend Besucher an.

Bevor es dann aber an den obligatorischen Zyklopenspieß und Met geht, zieht es mich dann doch erst mal zu Cultus Ferox an die Folkbühne. Es ist das erste Mal, dass ich die Band ohne Feuerteufel sehe und ohne die kleinen, roten Hörnchen fehlt irgendwie etwas, aber die Band aus Berlin gibt auch so alles und kann die anwesenden Mittelalter-Anhänger begeistern. Mit ihrem Dudelsack-Rock haben sie die Menge schnell im Griff und es dauert auch nicht lange, bis vor der Bühne ausgelassen getanzt wird. Die schwungvolle Darbietung wird dann jedoch jäh unterbrochen, um dem Publikum den Dudelsack zu erklären. Fast sieht es so aus, als hätten die Musiker bei der Wärme keine Lust, sich auf der Bühne abzurackern, doch es ist natürlich alles nur der ganz normale Wahnsinn, der ganz einfach mit zur Show gehört. Nach ein paar Krügen geht es dann aber gewohnt rockig, folkig weiter und als dann die leicht bekleidete Isabella dazukommt und auf der Bühne tanzt, ist das Publikum sichtlich begeistert …, zumindest das männliche. Doch auch die weiblichen Besucherinnen können sich nicht wegen mangelnder visueller Anziehungspunkte beschweren, denn auch die Herren der Schöpfung treten ja nur leicht bekleidet auf. Mich zieht es dann aber doch zur nächsten Fleischbräterei und den Zyklopenspießen …, Mahlzeit! Natürlich bilden sich hier zur frühen Mittagszeit schon lange Schlangen, doch da muss man hier halt durch.

Danach zieht es mich direkt wieder zur Folkbühne, denn dort spielen nun die Schotten von Saor Patrol. Die Schotten sind jedes Jahr dabei und haben sich mittlerweile eine große Fanschar erspielt. Das Percussion-Gewitter der Band ist schon von Weitem zu hören und zieht viele Leute an. Die Schotten um den Bandgründer Charlie Allan sind ein Phänomen, bestechen durch Schlichtheit und begeistern dennoch die Massen. Was drei Trommeln, eine Gitarre und ein Dudelsack veranstalten, lässt sich kaum in Worte verpacken. Die Band braucht nicht einmal einen herausragenden Sänger und liefert eine reine Instrumentalshow ab, die es aber in sich hat. Es wird ausgelassen getanzt und gefeiert und die Stimmung ist noch um einiges besser als zuvor bei Cultus Ferox. Die waren nicht schlecht, keine Frage, vielmehr liegt es wohl daran, dass die überwiegend Schweizer Besucher nun wohl wachgerüttelt sind.

Der Sonntag ist auf dem MPS der verbilligte Familientag, der mit abgespecktem Band-Programm auskommen muss. Auf den Bühnen haben gestern noch die großen Bands wie Saltatio Mortis, Versengold, Faun, Fiddlers Green, Feuerschwanz und Letzte Instanz gespielt, doch heute ist hier alles viel mehr auf Familienbesuche mit Kindern ausgelegt. So laufen die Stelzenläufer von Feuervögel über das Gelände, oder die Gaukler von Forzarello und Bagatelli begeistern die kleinen Besucher. Irgendwie laufe ich heute ziemlich ziel- und planlos über das Gelände und meine Motivation hält sich arg in Grenzen, doch später spielen noch die Dino-Rocker von Heavysaurus, die ich zumindest einmal sehen will. Die große MPS-Bühne ist schon für die Saurier gerichtet, doch zuvor sind noch Rapalje an der Reihe. Die Irish Folkband aus Holland ist hier auch in jedem Jahr dabei und konnte sich, genau wie Saor Patrol, eine feste Fan-Gemeinde erspielen. Die Band steht gewohntermaßen im Kilt auf der Bühne und spielt traditionelle Folksongs aus Großbritannien und den Niederlanden, aber auch eigene Songs. Auch hier herrscht wieder gute Stimmung und es wird wild getanzt, doch heute kann mich das alles nicht so wirklich begeistern. Die Bands habe ich mittlerweile auf unzähligen MPS gesehen, und so langsam sollten die Verantwortlichen mal für ein wenig Abwechslung sorgen und im nächsten Jahr ein paar neue Bands verpflichten. Das Highlight ist hier definitiv der Song Wat Zullen We Drinken, die holländische Version von Was Sollen Wir Trinken, bei dem die Feierwütigen lauthals mit einsteigen.

Dann ist es aber endlich soweit, der Auftritt von Heavysaurus steht kurz bevor und dementsprechend versammeln sich unendlich viele Kinder, kleine wie große, vor der Bühne. Ich muss zugeben, auch ich bin heute nur wegen der weltweit ersten Dino Metal-Band gekommen. Natürlich, es handelt sich dabei um eine Kinderband, deren Auftritte völlig kindgerecht gestrickt sind, aber einmal muss man sie halt gesehen haben. Gibt es etwas, was lauter ist, als ein Heavy Metal-Konzert? Ja, definitiv das Kindergeschrei, als die Dino-Rocker die MPS-Bühne betreten. Einige Kinder flippen regelrecht aus, als Mr. Heavysaurus, Drachen-Gitarrist Riffi Raffi, Keyboarderin Milli Pilli, Bassist Muffi Puffi und Schlagwerker Komppi Momppi mit Yeah Heavysaurus gleich voll einsteigen. Lange Haare, Lederkutte, Nietengürtel …, die Dinos unterscheiden sich nicht wirklich von ihren menschlichen Musiker-Kollegen, nur ihre Hautfarbe ist etwas grüner, die Zähne ein wenig größer. Ich bin der Meinung, dass hier heute so einiges vom Band kommt, doch das interessiert die kleinen Besucher wenig und auch die großen feiern die Kinder Heavy Metal-Band. Nun gut, ich werde mir nun sicherlich nicht die Alben zulegen und die grünen Heavy-Dinos werden auch nicht auf dem Best-of-Tape für`s Auto landen, aber interessant zu sehen und zu fotografieren sind sie allemal. Bei Schatzsuche greift man dann auch tief in dieselbe Kiste und wirft Haribo-Tütchen in die Kindermenge …, Bestechung ist halt die halbe Miete. Die Songs nennen sich Monsterkrass, Kaugummi Ist Mega, Heavy Twister, Ugala Bugala, Heavysaurus Tag oder Dino Metalheads, so etwas hätten wir uns als Kinder doch auch gewünscht. Alles in allem, ein monsterkrasser Dino-Auftritt, der auch auf dem diesjährigen Summer Breeze groß und klein begeistern wird. Fakt ist, die heutigen Kinder können sich glücklich schätzen, denn ab sofort müssen sie keine bescheuerte Rap-Musik mehr hören. Horns up …!!!

Danach is für mich das diesjährige MPS gelaufen und ich mache mich wieder auf den Heimweg und wider erwarten kriege ich Kaugummi Ist Mega unterwegs nicht mehr aus dem Kopf …

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