Rostrot Tour am 20.04.2012 in der Markthalle in Hamburg

Bands: Hackneyed, Varg, Milking The Goatmachine und Hexadar

Location: Markthalle in Hamburg

Datum: 20.04.2011

Kosten: VVK: 23 Euro; AK: 27 Euro

Besucher: ca. 800

Passend zum neuen Rostrot-Album starten Eisregen zusammen mit Varg und Milking The Goatmachine die Tour zum Release. Heutiger Halt: die allseits beliebte Markthalle in der Hansestadt, die auch über die Grenzen Hamburgs großen Zuspruch findet.

Direkt nach dem Einlass fängt die Support Kapelle Hexadar ohne große Vorlaufzeit an, in die Seiten zu schlagen. Dabei erwartet die Metalheads im zu diesem Zeitpunkt halb gefüllte Konzertgewölbe, Pagan Black Metal, der melodisch und mit einer guten Note Nocte Obducta angehaucht ist. Besonders dieses harmonische Feeling scheint beim norddeutschen Publikum gut anzukommen. In den vordersten Reihen wird bereits kräftig gefeiert, was die Band aus Salzhausen zu einer konzentrierten und außergewöhnlich guten Leistung beflügelt – da soll auch der nicht optimal getroffene Sound nichts dran ändern! Klar ist heraus zuhören, dass Soerens Akkordeon zu leise eingestellt ist und auch die anderen Instrumente nicht hundertprozentig getroffen werden, aber was will man sich darüber auslassen, wenn die halbvolle Halle die noch junge Band dermaßen gebührend feiert, dass sie eine nicht eingeplante Zugabe vom Veranstalter zu Verfügung gestellt bekommt. Hut ab und weiter so!

Nach dem gelungenen Start der Newcomer steht die sooft in die Exotenrolle gedrängte Band Miliking the Goatmachine. Musikalisch ist der Begriff „Exot“ zwar etwas fehlplaziert, da aus den Boxen sehr reiner Grind Death Metal zu hören, jedoch haben sich bei Weitem noch nicht alle an das Bühnenbild der „Ziegenmaschine“ gewöhnt. Die Folge ist ein leichtes Stirnkrausziehen bzw. ein breites Grinsen der Besucher in der zum jetzigen Zeitpunkt gut besuchten Markthalle. Doch erstaunlich schnell können die bei Noisgate Records unter Vertrag stehenden Miliking the Goatmachine die Metalheads in ihren Bann ziehen. Das Ergebnis ist wildes Gemoshe, fliegende Haare und Schweißperlen auf denen Stirnen der Tanzwütigen, die einen mehr als ordentlichen Mix aus „Coversongs“ und eigenen Stücken der Band zu feiern haben. Das größte Highlight für alle, die tiefer in der Materie stecken dürften, ist dabei der Totenmond-Kracher Sagenwelt. Natürlich rundet unter anderem der stets beliebte Sacred Reich-Klassiker Surf Nicaragua und der erste Track vom aktuellen Longplayer We Want You die ansprechende Show ab und dürfte Miliking the Goatmachine bei den Hamburgern positiv im Gedächtnis bleiben lassen!

Nach diesem Kontrastprogramm begeben sich Varg zum vierten Kampf. Ganz nach dem Motto „Wir sind die Wölfe auf die Bühne der Markthalle“, beginnt die Schwertzeit des heutigen Abends auf der dunkel verhüllten und nur durch Fackeln beleuchteten Bühne. Rotes Licht flutet die Bühne, der Warpaint der fünf Mannen glänzt im Schein der Strahler, es ist die Zeit gekommen, um Naglfar, das Schiff der Toten, im Hafen zu begrüßen. Kaum angelegt, entert die wilde Horde den Bereich vor der Bühne, doch statt zu Morden bringen diese durch ihre Klänge der dunklen Macht die Nackenmuskeln der Metalheads in Wallung. Ein sehr breit gefächertes Geheule begleitet die hungrigen Wölfe heute auf der Rostrot Tour, so finden sich unter anderem die beiden Klassiker Blutaar und Viel Feind Viel Ehr im Set wieder. Ebenso hat es die Wolfszeit ins Programm geschafft. Kurz vor Ende deutet Philipp „Freki“ Seiler an, dass einige mit der Songauswahl wohl nicht zufrieden sein dürften, die Band sich aber für genau diese drei abschließenden Hits entschieden hat. In großer Erwartung stehen die Fans vor der Bühne, als Wolfskult, der Titeltrack vom aktuellen Longplayer, aus den Boxen erschallt. Im Vorfeld ist schon zu bemerken, dass die Markthalle heiß auf Rotkäppchens wahre Geschichte ist. Wird Hamburg heute Abend enttäuscht? Nein, natürlich nicht. Zwar nicht als abschließender Kracher, dafür aber als Einheizer vor dem letzten Stück Skal wird die Richtigstellung der Grimm-Geschichte zum Höhepunkt des heutigen Varg-Streifzugs!

Nach diesem Höllenritt erklingt vor Eisregen – wie soll es anders sein – eine Handvoll Schlager, die das Publikum vor dem morbiden Tänzchen der deutschen Dark Metal-Band aus Thüringen bei Laune halten soll. Nach kurzem Soundcheck ist es dann endlich so weit: das Licht geht aus und es wird dunkel in Hamburg. Das Intro – Erlösung läutet das pechschwarze Manifest ein. Den Start in die gewaltbereite Messe macht Frau Rabenstein, die im N8verzehr ein leckeres Mahl führ ihren Mann anrichtet. Dieses wird dieses vom ausgehungerten Hamburger Publikum wohlwollend angenommen, um die erste Gier auf Eisregen zu stillen. Nur hat sich die Köchin des Festessens dabei ein wenig eingesaut, was kein Problem für die wilde Horde darstellt, da sie doch das Scharlachrote Kleid trägt!

Nach diesem sehr abwechslungsreichen Start haben die meisten erwartet, dass so langsam auch vom neuen Rostrot-Langeisen die erste Live Hörprobe über die Boxen gedroschen wird, aber es kommt anders. Das Liebe Beil wird wie eh und je von Michael „Blutkehle“ Roth in seinem unverkennbaren Klang in der Stimme angesagt. Leicht schnippisch versucht er, die Jünger in den ersten Reihen zu ein wenig mehr Bewegung zu animieren. Ohne weitere Worte kommt der Tod und macht Platz für Blutgeil vom Wundwasser-Album. Mit Nur dein Fleisch gibt es wieder etwas Älteres auf die Ohren, wo vor allem die Fans der ersten Stunden auf ihre Kosten kommen.

Erzürnt über die Frauenwelt keift die Blutkehle seine allerletzte Warnung in die voller Erwartung dreinblickenden Gesichter der Konzertgänger. Kaum ist der letzte Ton verklungen, beginnt bereits das Sterben der 19 Lover und der verhurten Sophie, die mit 19 rostfreien Todesnägeln die gerechte Bestrafung findet. Damit der Blutrausch nicht ins Versiegen gerät, wird mit eiskalter Mimik der Ripper von Rosto(w)ck nachgelegt. Voller Gier lefzen die Anwesenden nach mehr, doch soll mit dem Titeltrack vom aktuellen Album Rostrot das Sterben bereits zu Ende sein?

Zum Glück nicht! Der Meister aus Thüringen hat noch Opfer parat. Als erstes bekommt das Publikum die Möglichkeit, bei einem Luftflöten-Kontest die Erniedrigung ins Gesicht der Elektro Hexe zu schreiben. Natürlich ist dieses nicht genug und Roth fordert mit kalter, fester Stimme mehr Beteiligung, ansonsten wird das grauenhafte Schlachtfest ein rasches Ende finden. Ohne langes Zögern ziehen sich Eisregen-Chöre durchs Gewölbe, die als Gegenantwort die Geschichte der 112 Eisenkreuzkrieger, die in der bitter kalten Hölle in Stalingrad ums Überleben kämpfen, erzählt bekommen. Mit Franz als Proviant endet die Geschichte mit einem runden Eisen im Kopf auf dem russischen Schlachtfeld.

Ein Ende ist heute noch nicht zu sehen. Auf der musikalischen Reise begleiten wir Eisregen von Russland nach Schweden zur Schwester der toten russischen Freundin, die leider genauso grausam ihr Lebenslicht ausgeknöpft bekommt wie ihre Leidensgenossin. Traurig, aber nicht zu ändern. Dafür kocht mit der Singleauskopplung Madenreich die Stimmung noch einmal auf, um die Thüringer würdevoll zu verabschieden! Liebevoll erwidert Roth die Verabschiedung mit: „Der Tod ist ein Meister aus Thüringen! Tschüss bis zum nächsten Mal! Kommt gut nach Hause!“

Tracklist Eisregen am 20.04.2012 in Hamburg:

  1. Intro – Erlösung
  2. N8verzehr
  3. Scharlachrotes Kleid
  4. Das liebe Beil
  5. Tod senkt sich herab
  6. Blutgeil
  7. Nur dein Fleisch
  8. 19 Nägel für Sophie
  9. Ripper von Rosto(w)ck
  10. Rostrot
  11. Elektrohexe
  12. Intro – Eine kleine Schlachtmusik
  13. Eisenkreuzkrieger
  14. Meine tote schwed(russ)ische Freundin
  15. Madenreich
  16. Thüringen

 

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