Sodom – The Arsonist

Der Abschied einer Legende mit einem Knalleralbum?

Artist: Sodom

Herkunft: Deutschland

Album: The Arsonist

Spiellänge: 48:47 Minuten

Genre: Thrash Metal

Release: 27.06.2025

Label: Steamhammer

Link: https://www.facebook.com/sodomized

Bandmitglieder:

Gesang und Bassgitarre – Tom Angelripper
Gitarre – Franck Blackfire
Gitarre – Yorck Segatz
Schlagzeug – Toni Merkel

Tracklist:

1. The Arsonist
2. Battle Of Harvest Moon
3. Trigger Discipline
4. The Spirits That I Called
5. Witchhunter
6. Scavenger
7. Gun Without Groom
8. Taphephobia
9. Sane Insanity
10. A.W.T.F.
11. Twilight Void
12. Obliteration Of The Aeons
13. Return To God In Parts

Da sind sie wieder, die alten Recken aus Gelsenkirchen. Die Rede ist natürlich von Sodom. Über diese Band muss man ja nicht mehr viele Worte verlieren, gar keine Frage. Onkel Tom ist eine lebende Legende und hat ja nun, nach 43 Jahren, angeblich einen Schlussstrich gezogen. Sodom soll vorbei sein? Das kann und will man ja irgendwie nicht glauben. Gerade jetzt, wo er mit Frank Blackfire, Toni Merkel und Yorck Segatz eine Truppe zusammen hat, die sehr eingeschworen und vor allem auch motiviert wirkt. Aber es ist wohl so, wie es ist. Da man aber in Deutschland erst mit 65 in Rente gehen kann, hoffen wir zumindest, dass da noch was kommt. Zum eventuellen Abschied gibt es aber noch was auf die Ohren, und zwar das siebzehnte Studioalbum. Live sind sie ja eh immer eine Macht, mal hören, was die Burschen im Studio zusammengezimmert haben.

The Arsonist fängt dann erst einmal mit dem gleichnamigen Song an, welcher aber ein Intro darstellt und das Vorhaben, den Thrash-Metal-Thron weiterhin zu verteidigen, einläutet.

Diese Aufgabe beginnt dann mit dem Song Battle Of Harvest Moon und man marschiert in typischer Sodom-Manier durch die Zechen des Ruhrpotts. So und nicht anders geht der Spaß und man hört eben, dass der gute Onkel Tom seine Finger im Spiel hat, obwohl bei diesem Album alle Protagonisten beteiligt waren. Die Gitarre zockt vor, die Drums begleiten ein wenig, ein Äh erklingt und dann ab ins thrashige Riff mit schönem, treibendem Tempo. Schleppend und groovig geht es in den Refrainpart und wieder eine Attacke. Das macht einfach Spaß und mehr erwarte ich gar nicht. Der Song erinnert an die Better Off Dead Phase und hat es in sich. Ein megafettes Solo darf nicht fehlen und dieses wird ziemlich ausgekostet. Drummer Toni wirbelt ordentlich dazu herum und so klingt alles sehr homogen. Dann nimmt man das Tempo ganz raus und scheppert langsam und beeindruckend herum. Sicherlich nichts Neues, aber warum auch? Der Kopf geht automatisch rauf und runter. Das Riff verändert sich, das Tempo bleibt, um dann aber natürlich noch einmal den Thrashhammer kurz herauszuholen. Am Ende lässt man es noch einmal ruhig, aber druckvoll angehen.

Was mir nach den ersten Klängen sofort auffällt, sind der Sound bzw. die Produktion, und zwar im positiven Sinne. Besonders der Drumsound macht absolut gute Laune. Das Schlagzeug wurde auf einem 24-Spur-Tonband rein analog aufgenommen und dieses klingt absolut geil. Eine sehr geile Idee und vor allem sehr gut in Szene gesetzt.

Der nachfolgende Song Trigger Discipline führt einen am Anfang ein wenig in die Irre. Melodische Klänge erklingen, aber nach kurzer Zeit regiert hier wieder der Thrash, und zwar schön straight. Ab nach vorne. Tom schreit sich die Seele aus dem Leib und gibt alles. Dunkle Vocals werden mit eingestreut und untermauern die Vernichtung. Bis zum Solo geht es nur geradeaus und auch das Solo wird von Toni mit ordentlich Dampf untermauert. Absolut lecker. Und danach geht es so weiter. Ja, das hat es absolut in sich. Sodom sind Sodom und seien wir mal ehrlich, so richtig enttäuscht haben sie noch nie, vor allem, wenn der gute olle Blackfire an der Klampfe mitwirkt. Nach der Vollattacke groovt man am Ende noch ein wenig und lässt die Doublebass die Arbeit machen.

Einen richtigen Knaller und einen typischen Song, der so richtig treibt und einen mitreißt, haben sie dann mit Witchhunter geschrieben. Ehre, wem Ehre gebührt. Der alte Drummer, der ja leider schon lange verstorben ist, hat es sich verdient, schließlich hat er den Sound der Band entscheidend mitgeprägt. Von 1982 bis 1992 war er dabei und hat die ersten fünf Alben eingespielt. Meines Erachtens die besten Scheiben von Sodom, obwohl, wie vorhin schon geschrieben, sie ja im Grunde nie so richtig enttäuscht haben, sondern konstant geile Alben auf den Markt geworfen haben. Der Song Witchhunter überzeugt vor allem im Refrainbereich und mit der Eingängigkeit, welche ja bei den Ruhrpottlern immer großgeschrieben wird. Geht sofort ins Ohr, setzt sich da fest und bleibt da ja auch. Schönes Ding.

Und so bleibt es dann auch. Ein richtig starkes Album, welches an die Zeiten Anfang der Neunziger der Band erinnert und an sowohl fetzige und zügige Songs als auch langsamere Stücke erinnert. Taphephobia gehört zur ersten Kategorie und kommt extrem evil aus den Boxen und auch hier knallt der Refrain ohne Ende. Der Song wird sicherlich für einige Mitgröler live sorgen. Granate.

Twilight Void geht dann eher in die schleppende, aber komplexe Schiene, kommt aber auch sehr druckvoll und Headbangerfreundlich um die Ecke.

Im Ganzen hat man das Gefühl, dass man wieder ein wenig mehr in die Vergangenheit reist, aber durch die beiden etwas jüngeren Zeitgenossen Yorck und Toni auch ein wenig Death Metal Elemente mit verarbeitet. Klingt fett.

Am Ende gibt es dann mit Return To Gods In Parts noch einmal auch einen eher groovenden Song, welcher durchaus auch Slayer-Fans begeistern dürfte. Das Tempo wird nicht ausgeschöpft, aber zum Schluss dürfen sich alle Freunde des gepflegten Solos noch einmal richtig freuen. Hier geht es noch einmal ab und das Tempo wird dann auch kurzfristig angehoben, aber auch wieder verringert. Nach einem Vorspieler und kurzer Betonung geht es dann so richtig Slayer-mäßig ab. Geil. Wird das der letzte Song sein, den wir von Sodom je präsentiert bekommen? Ich hoffe nicht!

Sodom – The Arsonist
Fazit
Auf Sodom ist Verlass, gar keine Frage. Die Burschen erfinden sich nicht neu und man bekommt, was man verdient und erwartet hat, und das ist eben viel. Im Gegensatz zum letzten Album zeigt man sich meines Erachtens wesentlich brutaler, und von Anfang an habe ich beim Hören ein Lächeln in Gesicht, denn das Songwriting geht eher wieder Richtung der Neunziger. Teilweise sehr eingängig und vor allem die straighten Songs nehmen mich als Sodomaniac mit auf die Reise. Das musikalische Wirken dieses Quartetts und das gemeinsame Songwriting machen sich echt bezahlt. Sehr stark. Was man unbedingt erwähnen muss, ist die fette Produktion. Dieses liegt sicherlich daran, dass das Schlagzeug komplett analog mit einem 24-Spur-Tonband aufgenommen wurde. Da bleibt nur die Hoffnung, dass man diese Songs doch noch einmal live zu hören bekommt. Bis dahin muss man sich mit diesem geilen Album begnügen.

Anspieltipps: Battle Of Harvest Moon, Witchhunter und Taphephobia
Michael E.
9.3
Leserbewertung2 Bewertungen
10
9.3
Punkte