Sylvan – One To Zero

Intellektuell, komplex und mit viel Storytelling, so sind Sylvan 2021

Artist: Sylvan

Herkunft: Hamburg, Deutschland

Album: One To Zero

Spiellänge: 65:47 Minuten

Genre: Artrock

Release: 28.05.2021

Label: Gentle Art Of Music / Soulfood

Link www.sylvan.de

Bandmitglieder:

Gesang – Marco Glühmann
Gitarre – Johnny Beck
Bass – Sebastian Harnack
Tasteninstrumente – Volker Söhl
Schlagzeug – Matthias Harder

Gäste:

Akustik Gitarre – Kalle Wallner
Tasteninstrumente – Yogi Lang
Violine und Viola – Katja Flintsch
Hintergrundgesang – Bine Heller

Tracklist:

  1. Bit By Bit
  2. Encoded At Heart
  3. Start Of Your Life
  4. Unleashed Power
  5. Trust In Yourself
  6. On My Odyssey
  7. Part Of Me
  8. Worlds Apart
  9. Go Viral
  10. Not A Goodbye

Gentle Art Of Music veröffentlichen nach RPWLs großartiger Livescheibe (Review hier) im Mai das neue Werk von Sylvan. Die haben ihre Scheibe One To Zero getauft, da es sich um ihr zehntes Studioalbum handelt. Die Hamburger sind 1998 aus der Band Chamäleon hervorgegangen und haben sich mit der Zeit zu einer etablierten Größe im Progressive Rock oder auch im Progressive Metal hochgespielt. Mit dem vierten Album X-Rayed aus dem Jahre 2004 fanden sie ihre musikalische Selbsteinschätzung. Ihre Stücke beinhalteten Elemente von Pink Floyd, Genesis oder auch Eloy und so wurden sie oftmals auch dem Neo Prog oder eben dem bereits erwähntem Progressive Metal zugeordnet. Wie dem auch sei, sie haben im Laufe ihres nun über 20-jährigen Bestehens durch weltweites Touren für so viel positive Resonanz gesorgt, dass sie auch für diverse Größen wie u.a. Marillion, Spocks Beard oder auch Jethro Tull als Support geladen wurden. Ihr neuer Output ist erneut ein Konzeptalbum, das sechs Jahre nach Home, ihrer der letzten Platte, für Aufsehen sorgen könnte. Die zehn typischen Sylvan Stücke beinhalten thematisch die Autobiografie einer künstlichen Intelligenz, die aus deren eigener Perspektive erzählt wird. Das schreit geradezu nach einem abendfüllenden Konzert, bei dem dieses Album am Stück gespielt wird.

So beginnt die Scheibe mit Rauschen, dem sich Nullen und Einsen hinzufügen, um sich dann zu einem zerbrechlichen Bewusstsein zusammenzufügen. Damit ist der Opener Bit By Bit der Beginn einer komplexen Geschichte, die sich nicht nur in den Texten, sondern auch in der Musik widerspiegelt. Zunächst wird stark auf Keyboardcollagen gesetzt und die damit einhergehenden orchestralen Einflüsse verleihen dem Opener etwas Mächtiges. Dieses Konzept setzen Sylvan in der Folge konsequent fort. Der eigentliche Auftrag der künstlichen Intelligenz ist es, die Welt zu retten, was in Encoded At Heart beschrieben wird. Leise Töne und Piano bestimmen den Track. Die A.I. (Artificial Intelligence) prozessiert sich in Start Of  Your Life selbst, um sich in einer ewigen Optimierung zu verwirklichen. Hier ist erstmals musikalisch mehr Schwung im Song drin. Es kommt, wie es kommen muss und die künstliche Intelligenz sucht ihre eigene Identität, was im folgenden Trust Yourself zum Ausdruck kommt. Das wird auch musikalisch umgesetzt und so treten bei diesem Stück erstmals die elektronischen Elemente in den Vordergrund. Ein epischer Chorus, Bine Heller sei Dank, und der Einsatz von Katja Flintschs an der Violine und Viola verleihen dem Stück so etwas wie eine Aufbruchstimmung. Nach On My Odyssey, bei dem eine Art unterschwellige Wut die Artifical Intelligence erfasst, begründet in der erfolglosen Suche nach ihrem Schöpfer, wunderbar durch den Einsatz von Streichern dargestellt, schleicht sich auch Wut mit in den Song. Diese Wut wird in Part Of Me musikalisch noch verstärkt, da sie erkennen muss, wie allein sie auf der Welt ist. Hier wird durch die Musik die Ohnmacht dieser Erkenntnis umgesetzt. Marco Glühmann versteht es geschickt, dieses mit seiner Stimme zu transportieren. Worlds Apart beschreibt die untrennbare Verbindung der A.I. mit der Menschheit, dargestellt durch passende Chor-Arrangements, bei denen sich die Künstliche Intelligenz als dienende Führerin anbietet. Die Übernahme gelingt und die Beats am Anfang von Go Viral sollen die Herrschaft der Maschine darstellen. Diese entwickelt im Laufe des Songs ein Gewissen, die im Gegensatz zu ihrem Bestreben nach Wachsen steht. Das tolle Gitarrensolo von Johnny Beck verdeutlicht dieses eindrucksvoll. Im letzten Song Not A Goodbye schafft es der Mensch, alles zu zerstören und die Maschine fasst den Entschluss, einen Reset durchzuführen. Und so beginnt der Zyklus von Neuem. Die Platte endet mit dem gleichen Rauschen des Openers. So schließt sich der Kreis.

Sylvan – One To Zero
Fazit
Teilweise keine einfache Kost, aber vor dem Hintergrund des Themas kann diesem Konzeptalbum zumindest eine Geschichte nachgesagt werden. Teilweise komplex, verletzlich oder auch locker flockig schafft es die Story zu gefallen. Viele emotionale Momente werden durch die Musiker sehr schön in Szene gesetzt. Allerdings bedarf es an der einen oder anderen Stelle schon eine gewisse Erläuterung, um das verständlich rüberkommen zu lassen. Nicht jeder Track packt einen, aber irgendwie gehört das alles so zusammen. Es ist nicht einfach, Anspieltipps zu formulieren, aber ich nehme mal die, bei denen etwas mehr Schwung drin ist.

Anspiletipps: Encored At Heart, Go Viral und Not A Goodbye
Kay L.
8.5
Leser Bewertung4 Bewertungen
8.4
8.5
Punkte
Podcast
Leise War Gestern... - Der Time For Metal Podcast
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