Testament am 14.10.2025 in der Großen Freiheit 36, Hamburg

Die Titanen spielen nicht nur Thrash Metal

Event: Testament – Thrash Of The Titans Tour 2025

Bands: Testament, Obituary, Destruction, Nervosa

Ort: Große Freiheit 36, Große Freiheit 36, 22767 Hamburg

Datum: 14.10.2025

Kosten: ab 58 € plus Gebühren, AK 75 €

Zuschauer: ca. 1.100

Genre: Thrash Metal, Death Metal

Links: https://hamburgkonzerte.de/konzerte/testament-obituary/

Setlisten:

  1. Redneck Stomp
  2. Sentence Day
  3. A Lesson In Vengeance
  4. The Wrong Time
  5. Infected
  6. Body Bag
  7. Dying
  8. Cause Of Death
  9. Circle Of The Tyrants (Celtic Frost Cover)
  10. Chopped In Half
  11. Turned Inside Out
  12. I’m In Pain
  13. Slowly We Rot

  1. D.N.R. (Do Not Resuscitate)
  2. WWIII
  3. Practice What You Preach
  4. Sins Of Omission
  5. Native Blood
  6. Trail Of Tears
  7. Low
  8. More Than Meets the Eye
  9. First Strike Is Deadly
  10. Infanticide A.I.
  11. Shadow People
  12. Return To Serenity
  13. Electric Crown
  14. Into The Pit

Auf manche Tourpakete passt der Begriff „überdimensioniert“ perfekt. Die Thrash Of The Titans Tour ist so ein Paket, wo eigentlich drei Headliner unterwegs sind. Der Headliner vom Keep It True Rising ist in diesem Paket an Position drei. Das ist vergeudetes Potenzial. Destruction überzeugten mit dem Old-School-Set inklusive der kompletten Infernal Overkill. Auch die neue Scheibe Birth Of Malice hat ordentlich Potenzial. Destruction haben endlich ihre eigene Bandhymne geschrieben. Bei der langen Geschichte mehr als überfällig. Wie auch immer, bereits um 18 Uhr öffnen sich die Pforten der altehrwürdigen Großen Freiheit 36. Der Auftakt steht eine halbe Stunde später auf der Bühne und kommt aus Brasilien.

Nervosa – Große Freiheit 36, Hamburg – 2025

Nervosa

Prika Amaral hat seit circa zwei Jahren neben der Gitarre auch die Vocals übernommen. Nach dem Abgang von Fernanda Lira war die Bandchefin anscheinend mit den Gesangsdarbietungen nicht mehr zufrieden und schwingt nun selbst die Death- und Thrash-Metal-Keule. Auf dem 2023er-Release Jailbreak ist Amaral erstmals am Mikrofon zu hören. Wer King Diamond im Sommer erlebt hat, der dürfte ein bekanntes Gesicht am Bass erkennen. Hier agiert Hel Pyre, die den King gesanglich bei der Tour unterstützte.

Eine halbe Stunde haben die Damen für ihren Gig und verpacken sieben Nummern in der Zeit. Natürlich ist Jailbreak das Werk, das mit vier Tracks die größte Aufmerksamkeit erfährt. Insgesamt kommen Nervosa erstaunlich gut rüber. Sowohl der Sound als auch die Vocals sind für einen Opener mehr als okay. Der Auftakt in den Abend ist gelungen.

Destruction

Destruction – Große Freiheit 36, Hamburg – 2025

Die Umbaupause ist sehr kurz. Kaum zehn Minuten später stehen Schmier und Co. auf der Bühne. Etwas mehr Spielzeit als Nervosa hat der Vierer, aber sieben Lieder in 45 Minuten sind natürlich verschenkt. Curse Of Gods als Opener, gefolgt von Nailed To The Cross ist ein Statement. Von den neuen Dingern schaffen es No Kings No Master und Scumbag Human Race ins kurze Set. Dazu die Best-of-Nummern wie Bestial Invasion und Mad Butcher.

Destruction sind viel zu routiniert, um hier etwas anbrennen zu lassen. Auch ein kurzes Set füllen die Herren problemlos und haben die Meute im Griff. Eventuell wären drei Bands mit etwas mehr Spielzeit für Obituary und Destruction die bessere Wahl gewesen. Gefühlt sind Schmier und Co. viel zu kurz auf den Brettern. Trotzdem ein starker Gig, bei dem Sound, Performance und sogar das Licht für die Fotografenschar passen.

Obituary

Wer kann einen auf Destruction draufsetzen? Obituary aus dem Sonnenstaat Florida hauen den Fans ein unfassbares Brett auf die Ohren. Der Sound knattert brachial und Sänger John Tardy knurrt derart aus den Boxen, dass sich bereits früh ein gehöriger Moshpit bildet. Klar, wenn du mit Sachen wie Redneck Stomp und Sentence Day dein Set eröffnen kannst, dann ist die Bude schon früh am Kochen.

Obituary – Große Freiheit 36, Hamburg – 2025

Spätestens ab Body Bag und Dying bekommt die Security Arbeit und muss die ankommenden Crowdsurfer wieder auf die Füße stellen. Auffällig ist, dass viele junge Menschen die alten Dinger von der Cause Of Death – die Scheibe wird 2025 35 Jahre alt – abfeiern. Eigentlich steigert sich der Gig von Sekunde zu Sekunde weiter. Chopped In Half darf nicht fehlen, Turned Inside Out auch nicht. Mit I’m In Pain kommt Richtung Ende endlich The End Complete ins Spiel. Der Schlusspunkt geht zu den Anfängen der Band: Slowly We Rot ist der Titeltrack vom 1989er-Release und live ein echter Burner.

Was für ein Auftritt. Obituary melden mehr als deutlich Headliner-Ambitionen an. Gerade die Scheiben aus den späten 80ern und frühen 90ern wären auch etwas für das Keep It True. Die Frage, wie Testament den Gig toppen wollen, steht in den Augen vieler Fans geschrieben. Viel besser kannst du derartiges Material nicht auf die Bühne bringen. Circa eine Stunde ein unfassbar knallender Sound, aggressive, angepisste Vocals und ein Groove, wonach sich der Groove-Minister die Finger lecken würde. Chapeau an das Quintett.

Testament

Testament – Große Freiheit 36, Hamburg – 2025

Bisher hatte keine Band Probleme mit dem Sound. Nun kommen Testament und nach dem starken Gig von Obituary sind die Bedenken bei den Fans bezüglich der Altmeister groß. Um das Thema abzukürzen – diese Bedenken erweisen sich als korrekt. Der Sound ist mehr als eine Stufe hinter Obituary und die Vocals von Chuck Billy kommen nicht so richtig rüber. Billy scheint heute nicht so richtig bei Stimme zu sein. Instrumental sind Testament mit der Saitenfraktion Alex Skolnick, Steve DiGiorgio und Eric Petersen über jeden Zweifel erhaben. Es dürfte eher an der Crew am Mischpult liegen, dass Testament nicht so rüberkommen wie davor Obituary.

Die Hits haben die Herren und liefern einen Querschnitt über die lange Bandgeschichte. Vom starken aktuellen Dreher Para Bellum gibt es mit Infanticide A.I. und Shadow People zwei Kostproben. Leider wird die Powerballade Meant To Be nicht angestimmt. Dafür aber Trail Of Tears im Doppelpack mit dem Titeltrack aus dem Jahr 1994 mit Namen Low. Musikalisch zeigen Testament ihre Vielfältigkeit. Wer die beiden Nummern nicht kennt, sollte die Low antesten.

Testament – Große Freiheit 36, Hamburg – 2025

Auch im weiteren Verlauf holen die Herren einige Dinger aus der Versenkung. First Strike Is Deadly hat mittlerweile auch mehr als 20 Jahre auf dem Buckel. Erst recht der Doppelpack Return To Serenity und Electric Crown von der 1992er-Platte The Ritual. Der Schlusspunkt ist aber standesgemäß und die Frage: Into The Pit?

Circa 75 Minuten beackern Testament die Bühne, dann sind rund fünf Stunden Konzertabend Geschichte. Insgesamt ein lohnendes Package zwischen Death und Thrash, wo vor allem auch die Opener Nervosa und Destruction für den gelungenen Abend sorgen. Obituary haben mit ihrem Auftritt abgeräumt, da konnte der eigentliche Headliner heute Abend nicht mithalten.