1. A.R.A. Open Air in Ahe bei Rinteln

Ein Corona-Alternativ-Festival im privaten kleinen Rahmen

Eventname: 1. A.R.A. Open Air

Bands: Sleeping Dogs, Krachgarten

Ort: Ahe in Kreis Rinteln

Datum: 03. bis 05.07.2020

Kosten: Privat / Auf Einladung

Zuschauer: etwa 50

Genre: Akustik Rock & Metal

So war der Plan…

Was tun, wenn ein geplantes Festival ausfällt? Man macht es als private Party in ultrakleinem Rahmen trotzdem…
So passiert in einem kleinen Dorf bei Rinteln.

Es kam Corona. Alle Großveranstaltungen und Festivals wurden verboten. Aus einer Bierlaune heraus plante eine Gruppe ein alternatives Mini-Festival. Regional sollte es sein. Nachhaltig sollte es sein. Ein Ersatz für die großen ausgefallenen Feste sollte es sein. Alles lag auf Eis. Wieder traf sich diese Truppe in einer privaten Kellerbar und heckte eine folgenschwere Idee aus: Wir machen es trotzdem! Jeder von ihnen wollte Festivalfeeling, Campen bei Livemusik und ein paar Bier mit seinen Freunden trinken.
Jeder darf zehn Leute einladen, dazu zwei Bands pro Abend und zack! – ein coronagerechtes Festival! Auch der Name war schnell gefunden. Acker-Rock-Festival Ahe sollte es heißen, war man sich einig.
Zwei Bands im Freundeskreis waren ebensoschnell Feuer und Flamme, die anderen beiden zögerten und sagten kurzfristig ab. Schade. Es lief alles konform.

Social Distancing auch bei der Landbevölkerung

Der Seniorlandwirt war sofort von der Idee begeistert und mähte seinen Acker, Dixies wurden geordert und Festivalbändchen bestellt. Das Layout lag auf der Hand. Die Freunde, mit denen man sich sonst auf dem Rockharz oder beim Wacken Open Air trifft, wurden eingeladen bei diesem Event dabei zu sein. Und alle kamen zum 1. A.R.A. Open Air!
Als ich am Freitag um 18:00 Uhr auf das Gelände fahre, werde ich persönlich begrüßt. Nach der Registrierung und der Aushändigung des VIP-Bändchens parke ich meinen Wagen als vorletztes. Ein einziger Gast fehlt jetzt noch… Ich sehe ein Kennzeichen mit DO und eines mit WOB. Da ist mein RD zwischen den ganzen Regionalen ein echter Ausländer. 

Alles konform mitten im Nix

Das Gelände ist schnell erklärt. Wir befinden uns auf einem wunderschönen Fleckchen Erde direkt an der Weser. In der Mitte stehen zwei landwirtschaftliche Anhänger, eine Menge Stühle und zwei Stromaggregate. Rundherum stehen Zelte, Wohnmobile, Wohnwagen und Kombis, in denen geschlafen werden kann. Auf dem größeren der beiden Anhänger baut gerade eine Band auf. Da leider eines der Aggregate, natürlich das Hauptaggregat, dicke Backen gemacht hat, wird umdisponiert. Es gibt nur Akustikkonzerte. Schnell wird die Setliste bei den beiden Bands geändert.
Das Wetter spielt mit, außer ein paar Quellwölkchen ist strahlend blauer Himmel der Begleiter des Tages. Von den Kiddies der Familie, auf deren Grund wir uns befinden, werde ich neugierig ausgefragt. Natürlich wird mir das Gelände persönlich gezeigt und Fotos müssen sein. So vergeht die Zeit und ich verpasse fast den Beginn der ersten Band. Sleeping Dogs, normal ein Quartett, stehen zu dritt auf der Bühne. Sie spielen eigene Rocksongs, die ich natürlich nicht kenne. Die anwesenden Gäste jedoch feiern schon mal mächtig ab. Ich schaue nicht auf die Uhr, aber die drei spielen, bis sie keine eingeübten Songs mehr haben.

Krachgarten auf der Main Stage

Die Sonne neigt sich dem Horizont zu. Die zweite Kombo, wieder als Trio auf dem Anhänger, ähh auf der Bühne, nennt sich Krachgarten. Auch sie bringen ihre eigenen Songs zum Vortrag. Sie singen auf Deutsch und es wird rege mitgesungen. Die Jungs sind hier ja alle bekannt und so ist die Megaparty ein voller Erfolg. Auch als die Beleuchtung, einzig aus dem Vollmond und einem kleinen LED-Baustrahler, angeht, hält die Corona-Begrenzung und alle verbliebenen Gäste bleiben auf ihren mitgebrachten Stühlen sitzen oder stehen nur im kleinen Kreis zusammen. So langsam werden sie eh weniger. Der eine oder andere Grill geht im weiten Rund an und einige fangen an, die Promille mit Schlaf zu bekämpfen. Wie auf anderen Festivals auch, sammeln die Kiddies die Pfanddosen ein und sorgen für Sauberkeit.
Ich packe meine Knippskiste zusammen und suche nach weiteren Gesprächen und einem vollen Bier. Das Gesabbel macht eine trockene Kehle. So erfahre ich dann noch, dass auf dem Gelände locker 1.000 Leute ihr Quartier aufschlagen könnten. Nach der Ernte des Getreides steht eine riesige Fläche für ein reguläres Festival zur Verfügung. Aufgrund der gelockerten Regelungen des Landes Niedersachsen hätten heute sogar 150 Leute kommen dürfen. Darauf wurde bewusst verzichtet und der kleine Freundeskreis beibehalten. 

Platz ohne Ende…

Eigentlich sollte das Festival bis Sonntag gehen. Ich muss leider im Morgengrauen wieder zurück nach Hause, da die Arbeit ruft. Mir wurde berichtet, dass die Party auch ohne Livemusik mit reduzierter Personenzahl am Samstag noch munter weiterging.

Fazit: Geht doch! Mit vernünftigen Leuten und guter Planung ist sogar eine solche Rockparty möglich. Durch den megavollen Nachholterminkalender im Jahr 2021 wird es eine A.R.A.-Planung erst wieder für 2022 geben. Ich hoffe, dann wieder dabei sein zu dürfen, wenn ein erstes großes, offizielles Festival an den Start geht!

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