11. Ortenauer Onkelz Nacht am 05.01.2020 in der Athletenhalle in Urloffen

Besuch aus dem hohen Norden

Event: 11. Ortenauer Onkelz Nacht 2020

Headliner: Kneipenterroristen

Support: Memento

Ort: Athletenhalle, Gewerbestr. 9, 77767 Appenweier-Urloffen

Datum: 05.01.2020

Kosten: 12,00 € VVK, 15,00 € AK

Genre: Deutschrock, Street Rock

Besucher: ca. 900

Veranstalter: ASV-Urloffen (Tommy Hertwig) https://urloffen-rockt.de

Link: https://www.facebook.com/events/3007910302556570/

Setlisten:

Kneipenterroristen:
Set 1:
01. Prost!
02. Mein Letztes Bier
03. Kneipenterroristen 2.0
04. Wir Schaffen Das
05. Einkehr
06. Excalibur
07. Malle Schafft Sie Alle
08. Wahre Götter
09. Alte Schule
10. Song Für Dich
11. Auf Die Kollegen
12. Sie Kam Zu Mir Am Morgen
13. Euer Liebstes Sorgenkind
14. Nüchtern Bin Ich Schüchtern
15. Holstenfetischisten
16. Durstige Männer

Set 2:
17. 20 Jahre
18. Hier Sind Die Onkelz
19. Kneipenterroristen
20. Stöckel Und Strapse
21. Finde Die Wahrheit
22. Freddy Krüger
23. Heilige Lieder
24. Heute Trinken Wir Richtig
25. Danke Für Nichts
26. Lack Und Leder
27. Nur Die Besten Sterben Jung
28. Ich Lieb` Mich
29. So Sind Wir
30. Bomberpilot
31. Mexico
32. Der (Fette) Nette Mann
33. Terpentin
34. Erinnerung

Memento:
01. Intro
02. Gehasst, Verdammt, Vergöttert
03. Buch Der Erinnerung
04. Lieber Stehend Sterben
05. Danket Dem Herrn
06. Der Platz Neben Mir I
07. Schutzgeist Der Scheisse
08. Benutz Mich
09. Ihr Sollt Den Tag Nicht Vor Dem Abend Loben
10. Narben
11. Ein Langer Weg
12. Keine Amnestie Für MTV
13. Für Immer
14. Die Firma
15. Guten Tag
16. Bin Ich Nur Glücklich, Wenn Es Schmerzt
17. Keine Ist Wie Du
18. Nichts Ist So Hart Wie Das Leben
19. Wieder Mal `Nen Tag Verschenkt
20. Terpentin
21. Könige Für Einen Tag
22. Nichts Ist Für Die Ewigkeit
23. Wir Haben Noch Lange Nicht Genug
24. Stunde Des Siegers
25. Auf Gute Freunde
26. Erinnerung
27. Outro

Alle Jahre wieder öffnen sich Anfang Januar die Tore der Athletenhalle und Tommy Hertwig vom ASV Urloffen als Veranstalter bittet alle Neffen und Nichten bei der Ortenauer Onkelz Nacht zum Tanz. Die Veranstaltung hat sich über die Jahre zum echten Kultevent entwickelt und geht 2020 in die mittlerweile elfte Runde.

Und dennoch ist es in diesem Jahr ein bisschen anders – in den letzten Jahren war das Konzept immer so aufgebaut, dass zwei Böhse Onkelz Coverbands und eine regionale Band mit eigenen Songs eingeladen wurden, doch dieses Mal wird mit dieser Tradition gebrochen. Es wird keine Band aus der Nachbarschaft antreten und ihre eigenen Songs präsentieren, so wie im letzten Jahr noch King Savage aus Karlsruhe. Natürlich gibt es in der Regio noch jede Menge Bands, die man hätte holen können, doch schon länger hat sich für 2020 Großes angebahnt. Der ASV Urloffen bekommt heute zum ersten Mal Besuch aus dem hohen Norden, denn niemand Geringeres als die legendären Kneipenterroristen aus Hamburg geben sich die Ehre.

Die Kneipenterroristen gründeten sich bereits 1998 als reine Böhse Onkelz Coverband in folgendem Line-Up: Jörn Rüter (Vocals), Robert Wegner (Bass), Kristian K. (Drums) und Lars Ramke (Guitar). Sie entwickelten sich über die Jahre hinweg immer mehr zu einer eigenständigen und ernst zu nehmenden Band. Als dienstälteste Onkelz Coverband, die nur noch bedingt als Coverband durchgeht, gehören die Jungs von der Waterkant längst zum alten Eisen in der Szene, haben aber bis heute nichts von ihrer Durchschlagskraft verloren. Vor 14 Jahren hieß es Abschied nehmen, denn die Frankfurter Böhse Onkelz spielten am 17. und 18.06.2005 ihr vorerst letztes Konzert auf dem Lausitzring und schon damals waren die Hamburger Schluckspechte um Frontmann Jörn Rüter mit am Start. Mittlerweile haben sie weit über 1.500 Konzerte gespielt und gelten als Partykracher, der jede Location zum Beben bringt. 2005 veröffentlichte man auf The Reviavalry A Tribute To Running Wild seine aberwitzige S/M-Hymne Ketten Und Leder, ein erster Gehversuch abseits der Böhsen Onkelz. 2007 erschien dann das erste eigene Album Härter Als Der Rest und seitdem brachte man es auf stolze zehn Alben und etliche EPs. Die letzten Alben stiegen allesamt hoch in die Media Control Charts ein und die Musikpresse feiert die Hamburger Chaoten längst als legitime deutsche Antwort auf Motörhead, AC/DC und Rose Tattoo. Mit ihrer Mischung aus Metal und Punk und hartem und gleichzeitig melodischem Gesang setzen sie neue Akzente im Deutschrock und mit dem aktuellen Album Alte Schule (2019) boxten sie sich endgültig in die Champions League des Deutsch-Metal und begeistern die Massen. Von dem einstigen Ur-Line-Up sind mittlerweile nur noch Frontmann Jörn Rüter und Bassist Robert Wegner mit an Bord des norddeutschen Kutters. Gründungsschlagwerker Kristian K. wurde zuerst gegen Karsten Kreppert und aktuell gegen Chris Gripp ersetzt. Ur-Gitarrist Lars Ramke hatte irgendwann mit seiner Hauptband Stormwarrior so viel zu tun, dass er von Martin Christian abgelöst wurde. Damit sich die weite Anfahrt von Hamburg in die Ortenau auch lohnt, werden sie heute bei der 11. Ortenauer Onkelz Nacht zwei Sets spielen, eines mit ihren eigenen Nummern und um der guten alten Zeiten Willen ein zweites aus Onkelz Covern. Und dennoch, die Nichten und Neffen der Ortenau haben Glück, denn eigentlich wäre die Band heute schon im Urlaub, denn der war schon gebucht, als die Anfrage des ASV Urloffen kam. Letztendlich ist es nur dem Verhandlungsgeschick von Tommy Hertwig zu verdanken, dass man noch einmal umgebucht hat, und der Tatsache, dass die Jungs lange nicht mehr im Wilden Süden zu Gast waren und sie Bock darauf hatten, bei der Onkelz Nacht die Livesaison 2020 einzuläuten. Ein Prost auf die Kneipenterroristen, die unsere Kneipen- und Musikkultur um ein gutes Stück lebendiger machen!

Zuvor werden Memento – Böhse Onkelz Tribute Band gehörig einheizen. Die Band spielte bereits 2018 in der Ortenau auf der Onkelz Nacht und feierte dort ihr Debüt. 2018 waren Memento ein relativ neues Projekt im unübersichtlichen Dschungel der Onkelz Coverbands, nicht so neu wie der Name waren jedoch die Gesichter dahinter, denn die Musiker kannte man bereits von etablierten Acts wie den Böhsen Bengelz, 28, den G.O.N.D.-Allstars oder Wir Sind Eins. Die Jungs haben also reichlich Erfahrung und bringen immer noch genug frischen Wind mit. Nachdem sie schon im letzten Jahr die Halle zum Beben gebracht haben, werden sie es auch heute mit ihrem zweistündigen Set aus Onkelz Songs aus allen Phasen des übergroßen Originals wieder so richtig krachen lassen.

Doch schon als ich gegen 19:00 Uhr an der Location in Appenweier ankomme, zeigt sich, das heute irgendetwas anders ist, denn so viele Neffen und Nichten haben um diese Zeit noch nie vor der Halle gewartet. In der folgenden halben Stunde bis zum Einlass rollt ein Auto nach dem anderen auf den Parkplatz und vor der Halle werden erste Onkelz Songs angestimmt. Als dann aber plötzlich noch ein Reisebus auf den Parkplatz einbiegt und eine riesige Fanschar auslädt, frage ich mich nun doch langsam, ob Veranstalter Tommy uns vielleicht etwas verheimlicht hat, und anstatt der Kneipenterroristen vielleicht doch Kevin, Stephan, Gonzo und Pe persönlich vor Ort sind, denn noch nie in den letzten Jahren sind Fans hier per Reisebus angerückt. Glücklicherweise öffnen sich pünktlich um 19:30 Uhr die Türen und der Einlass beginnt, denn auch wenn wir in diesem Jahr den wärmsten Winter aller Zeiten mit mehr Herbst- statt Wintertemperaturen haben, so wird es auf Dauer doch etwas frisch, wenn man fahren muss und sich nicht entsprechend warm saufen kann.

Kaum in der Halle, erfahre ich dann vom Veranstalter, dass nicht wie erwartet Memento den Abend eröffnen werden, nein, wir sind in der Ortenau und hier ist ab und an alles etwas anders als im Rest der Welt. Hier eröffnet heute Abend der Headliner und bringt die extra angereisten Fans persönlich auf Betriebstemperatur. Angeblich war das im Vorfeld so angekündigt, was aber an mir irgendwie völlig vorbeigegangen ist, doch letztendlich erklärt es, warum schon zu so früher Stunde so viele Leute vor Ort sind. Dafür startet man heute etwas später in das Programm, was mir noch die Gelegenheit verschafft, mir etwas Flüssiges zu organisieren und auch vorher noch Dennis Magnusson am Terror-Merch zu begrüßen. Auch Jörn Rüter, Robert Wegner, Chris Gripp und Martin Christian hängen schon dort ab und glühen noch etwas vor.

Um 20:25 Uhr geht es dann aber endlich los und die Hamburger Terror-Einheit um Frontmann Jörn Rüter entert die Bühne und legt, wie sollte es auch anders sein, mit Prost! los. Die Halle hat sich zwischenzeitlich richtig gut gefüllt, es lässt sich nur sehr schwer schätzen, aber es sollten nur noch eine Handvoll Tickets an der Abendkasse erhältlich sein. Die Band ist gut drauf und freut sich ganz offenbar, heute hier sein zu können. Jörn begrüßt die zahlreich angereisten Onkelz Anhänger, reißt gleich einmal seinen großen Tonkrug hoch und das Publikum tut es ihm gleich, wenn auch mit wesentlich kleineren Plastikbechern. Im ersten Set werden natürlich erst einmal die eigenen Songs abgearbeitet und so folgt schon direkt zu Beginn Mein Letztes Bier, womit der Remedy Records Cheffe garantiert nicht sein eigenes meint, denn der Krug bleibt immer schön in Reichweite und mindestens nach jedem Song wird ein ordentlicher Schluck daraus genommen. Die Stimmung vor der Bühne ist nicht schlecht, doch noch etwas reserviert, denn man wartet natürlich auf die Onkelz Kracher. Mit dem folgenden Kneipenterroristen 2.0 steigt der Stimmungspegel dann aber langsam an und die Besucher fangen an zu tanzen und singen lautstark mit. Die Nummer vom aktuellen Album Alte Schule ist eine richtige Party- und Abgeh-Nummer mit ordentlich Onkelz Pathos und wie dafür gemacht, das Publikum anzuheizen. Die Hamburger Jungs geben nun richtig Gas, Wir Schaffen Das, das neue Einkehr und Excalibur und spätestens jetzt frisst das Publikum ihnen aus der Hand. Frontmann Jörn Rüter ist ständig auf der Bühne unterwegs und steht höchstens dann mal für eine Sekunde still, wenn er gerade seinen Literkrug erhebt, unter dessen Boden er groß Prost geschrieben hat, und einen Schluck nimmt. Danach geht es auf einen kleinen Ausflug in Malle Schafft Sie Alle auf des Deutschen liebste Ferieninsel und Jörn erklärt, warum Malle ihn immer wieder auf`s Neue schafft und warum er immer wieder froh ist, wenn er anschließend wieder in Hamburg ist. Aber Scheiß auf Helmut, Heidi oder Kalle, denn die echten Götter von Motörhead, Rose Tattoo, Ramones und AC/DC werden in der anschließenden Nummer Wahre Götter geehrt. Nach dem Titelsong des neuen Albums Alte Schule wird es jedoch etwas ruhiger, denn die nächsten beiden Nummern Auf Die Kollegen und Sie Kam Zu Mir Am Morgen werden in einer Akustikversion dargeboten und bieten Jörn zudem die Zeit, zum wiederholten Male seinen Krug nachzufüllen. Mit der Onkelz Hommage Euer Liebstes Sorgenkind wird dann aber wieder Vollgas gegeben und gerade zu diesen Nummern passt der raubeinige Gesang des Hamburger Ur-Gesteins am besten. Ein großer Pluspunkt der Band ist aber sicherlich auch Gitarrist Martin Christian, der neben etlichen feinen Melodielinien auch sehr gute Soli zockt und die Band auf ein für dieses Genre relativ hohes Level hievt, was aber nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass er im Jahr 1990 schon zu den Gründungsmitgliedern der recht anspruchsvollen Hamburger Power Metal Band Paragon gehörte und hier bis 2011 in die Saiten griff. Schlagzeuger Chris Gripp, den ich heute zum ersten Mal sehe, denn bei meinem letzten Kneipenterroristen-Gig saß noch Karsten Kreppert hinter der Schießbude, agiert wuchtig und punktgenau, ebenso wie Bassist Robert Wegner. Im letzten Jahr haben die Jungs von der Elbe ihren zwanzigsten Geburtstag nachgefeiert und aus diesen Feierlichkeiten sind sie bis heute nicht herausgekommen, deshalb dürfen auch heute die üblichen Saufhymnen nicht im Programm fehlen und so gesteht der raubeinige Geselle Nüchtern Bin Ich Schüchtern. Mit Holstenfetischisten und der Dimple Minds Nummer Durstige Männer geht es dann in ein fulminantes Finale des ersten Sets. Logisch, dass man das Publikum längst im Sack hat.

Nahtlos geht es in das zweite Onkelz Set. Angesichts des 20-jährigen Kneipenterroristen Jubiläums gibt es wohl keinen besseren Einstieg als 20 Jahre. Ein Blick vor die Bühne reicht aus, um zu sehen, auf was das Publikum gewartet hat, denn die Stimmung explodiert von jetzt auf gleich. Schon bei Hier Sind Die Onkelz wird in den ersten Reihen wild gebangt und laut mitgegrölt und etwa ein Dutzend Fans fängt an zu schubsen und zu pogen. Mit seinem heiseren, rauchigen Organ erinnert Rüter mehr als nur einmal an Onkelz Frontmann Kevin Russell. Was folgt, ist ein bunter Strauß aus alten und uralten Onkelz Klassikern und mit Kneipenterroristen, Stöckel Und Strapse und Finde Die Wahrheit lassen die Hamburger nichts anbrennen. Obwohl die Originale selbst nur noch ein Schatten ihrer selbst sind, erweisen sich die Fans noch immer als völlig textsicher und grölen jeden einzelnen Song mit. Als erstes Highlight erweist sich dann die 88er-Nummer Freddy Krüger, die auch denn Letzten wachrüttelt. Je mehr Bier Jörn Rüter in sich hineinkippt, desto hyperaktiver ist er auf der Bühne unterwegs, jedoch zwischendurch erweist er sich auch immer wieder als guter Gastgeber und füllt die Becher der Fans in der ersten Reihe aus seinem eigenen Krug nach. Heilige Lieder wird genauso gefeiert wie Heute Trinken Wir Richtig oder auch das großartige Danke Für Nichts, welches wieder für eine ordentliche Rempelei vor der Bühne sorgt. Langsam wird es jedoch gefährlich, denn der Boden ist mittlerweile nur noch eine große Bierlache, in der sich so mancher genussvoll suhlt. Bemerkenswert ist jedoch auch der Umgang untereinander, denn immer wieder wird jemandem hochgeholfen, oder auch ein Rollstuhlfahrer, der sich direkt in das Auge des Orkans wagt, wird rücksichtsvoll mit in die Party einbezogen. Mit Lack Und Leder wird es ein weiteres Mal versaut und das Lemmy gewidmete Nur Die Besten Sterben Jung entwickelt sich zu einem weiteren Highlight. Die Kneipenterroristen haben die heutige Setlist aus auffallend vielen Uralt-Klassikern zusammengestellt, da machen auch die sexistische Keule Ich Lieb`Mich, So Sind Wir und Bomberpilot keine Ausnahme. Gerade die alten Nummern mag zwar nicht jeder, doch Stimmungsgranaten sind sie allemal. Dann folgt endlich das lautstark geforderte Mexico und sorgt für ein weiteres Ausrasten im Publikum und nun scheint selbst Rambo-Alex langsam zur Höchstform aufzulaufen, von dem ich heute fast schon enttäuscht war …???. Erst letzte Woche sorgte die Rehabilitierung des Onkelz Skandalsongs Der Nette Mann in den Social Media-Kanälen für zwiespältige Diskussionen und so war fast schon zu erwarten, dass die Nummer heute nicht ungespielt bleibt. Zwar konnte ich schon anfangs einen Blick auf die Setlist werfen, doch darauf stand immer noch die zensierte Version Der Fette Mann, der auf zerstückelte kleine Rinder steht, doch gespielt wird natürlich das Original, jedoch nicht ohne dass Rüter im Anschluss klar stellt, das Kinderschänder bei ihm persönlich alle aufgehängt werden würden. Mit Terpentin folgt der jüngste Song des Sets, bevor es mit Erinnerung in das obligatorische Finale geht. Wie die Band sich schon vor dem Auftritt als sehr publikumsnah präsentiert hat, so sind sie auch im Anschluss direkt wieder am Merch und an der Theke anzutreffen und stehen zum Small Talk, Autogramme und Fotos zur Verfügung.

Nach kurzer Umbaupause geht es direkt weiter mit Memento, die hier in der Ortenau längst keine Unbekannten mehr sind, nachdem sie erst im letzten Jahr hier auf der Onkelz Nacht spielten. Nach der Kneipenterroristen Setlist stellt sich hier natürlich die Frage, ob nun alle Songs ein zweites Mal gespielt werden, oder ob es eine Absprache zwischen den Bands gibt, doch bleibt dann nicht nur Raum für Resteverwertung? Gleich mit dem Opener Gehasst, Verdammt, Vergöttert wird jedoch klargestellt, dass von Resteverwertung nicht die Rede sein kann. Das Repertoire der Böhsen Onkelz ist bekanntlich riesig und bietet Material für mehrere ausgedehnte Sets. Jedoch fällt gleich zu Beginn auf, dass sich das Bild der Band innerhalb des letzten Jahres verändert hat. Der einstige Frontmann David Kern hält nicht mehr das Mikro in der Hand, sondern drischt im Hintergrund der Bühne auf das Drum-Kit ein. Über die Hintergründe kann ich jetzt nichts sagen, da ich auch erst heute mit dem Sängerwechsel konfrontiert wurde. Aber man hört, dass der ehemalige Drummer abgesprungen ist und man innerhalb von zwei Tagen umdisponieren musste und da Dave ebenso gut Schlagzeug spielt wie er singt. war das die ideale Option. Der neue Mann am Mikro, der Frontmann der Band 28, macht einen guten Job und hat `ne coole Stimme, jedoch hatte Ex-Sänger David Kern vorher auch einen guten Job gemacht und so ist das Ganze zuerst etwas gewöhnungsbedürftig. Mit Buch Der Erinnerung und Lieber Stehend Sterben wird das Stimmungspegel dennoch weiter hochgehalten, aber ganz offenbar haben einige mit dem Ende des Kneipenterroristen Gigs auch den Abend beendet. Die Halle ist deutlich leerer geworden, aber immer noch bestens gefüllt. Obwohl die Hamburger zuvor schon 17 Klassiker unter Volk geknallt haben, können Memento mit Danket Dem Herrn, Der Platz Neben Mir, Schutzgeist Der Scheisse, Benutz mich und Ihr Sollt Den Tag Nicht Vor Dem Abend Loben noch immer aus dem Vollen schöpfen, wobei man sich doch eher auf nicht ganz so alte Bandklassiker beschränkt. Die Stimmung vor der Bühne ist noch immer gut, wobei sich das Bild in der ersten Reihe wesentlich geändert hat, denn diese ist nun überwiegend fest in weiblicher Hand. Die Mädels, die sich zuvor noch etwas zurückhaltend verhalten haben, gehen nun richtig steil und feiern die Onkelz und Memento. Narben mochte ich jedoch schon bei den Originalen nicht wirklich und mit Ein Langer Weg wird es für den Moment etwas ruhiger, doch nur um im Anschluss mit Keine Amnestie Für MTV wieder die volle Breitseite auszupacken. Das Publikum ist noch immer in Feierlaune und die Band ist auch voll in der Spur, aber obwohl einige geile Nummern gespielt werden, kann mich die Setlist nicht mehr so wirklich überzeugen. Für meinen ganz persönlichen Geschmack könnte ich auf Songs wie Die Firma, Bin Ich Nur Glücklich, Wenn Es Schmerzt, Nichts Ist So Hart Wie Das Leben und Terpentin gut verzichten, doch was soll man tun, will man nichts doppelt spielen. Doch mit Guten Tag, Wieder Mal `Nen Tag Verschenkt, Könige Für Einen Tag, Wir Haben Noch Lange Nicht Genug oder Stunde Des Siegers folgen natürlich auch noch einige Schmankerl, die das Publikum ordentlich durcheinanderwirbeln. In den Endspurt geht es mit Gute Freunde und dem obligatorischen Rausschmeißer Erinnerung. Auch wenn Memento heute in Sachen Setlist zurückstecken mussten, so haben dennoch beide Bands alles gegeben und konnten begeistern…, danke für alles!!!

Last but not least hat hier das Orga-Team um Tommy Hertwig wieder ganze Arbeit geleistet, wo, angefangen von den Bands, über das Theken-Service-Team bis hin zur Security letztendlich alles gestimmt hat. Ich hatte ja erwartet, dass das Bier ausgeht, wenn Jörn Rüter im Haus ist, doch selbst diese Befürchtungen blieben unbegründet.

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