Bela B Felsenheimer – Fun

Machtmissbrauch hinter der Bühne? - Hatten wir das nicht gerade erst real?

Buchtitel: Fun

Sprache: Deutsch

Seitenanzahl: 367 Seiten

Genre: Roman

Release: 27.01.2025

Autor: Bela B Felsenheimer

Link: https://www.heyne.de/

Verlag: Heyne

Buchform: Gebundene Ausgabe

Preis: 24,00 EUR

ISBN-Nummer: 978-3-453-27513-3

Fünf Musiker, drei Konzerte, eine Stadt in der Provinz. Eine Woche im Leben einer erfolgreichen Band. Eine Woche, nach der nichts mehr so ist, wie es einmal war. Bela B Felsenheimer, seines Zeichens Schlagzeuger, der seit Jahrzehnten erfolgreichen Berliner Band Die Ärzte, zeigt mit seinem zweiten Roman Missstände um Machtmissbrauch und Sexismus im Rockmusik-Business nach. Die Geschichte erinnert an die Geschehnisse um die Band Rammstein und ihren Sänger Till Lindemann. Felsenheimer, selbst seit Jahrzehnten im Business des Musikzirkus aktiv, wird seine eigenen Erfahrungen damit gemacht haben. Verarbeitet er diese nun in Romanform?

Fünf Jahre nach seinem ersten Roman Scharnow, der absolut nichts mit dem Musikbizz zu tun hat, erscheint dieses Zweitwerk. Gerade zu einer Zeit, in der die Geschehnisse um und bei einer anderen Berliner Band gerade abgeklungen sind. Zufall? Der Spaß des ersten Romans stellt sich jedenfalls diesmal nicht ein.

Das Buch lässt sich leicht lesen, die Sprache ist auf keinem hohen Niveau. Kurze Kapitel machen das Lesen einfacher. Die Geschehnisse werden aus zwei Strängen geschildert. Besonders ist, dass Bela B aus der Sicht der Frauen schreibt. Das ist bemerkenswert, denn er ist ja eigentlich der Mann und der bekannte Rockmusiker. Einfach gemacht hat er es sich dadurch nicht. Die Story ist unterhaltsam, wenn auch an vielen Stellen langatmig. Die männlichen Figuren kommen nicht besonders gut weg, was ja auch der Hintergrund des Romans ist. Hier erhält der Song der Die Ärzte, Männer Sind Schweine, einen gewissen Tiefgang. Ausnahmen gibt es zumindest im Buch wenig. Vielleicht ist das aber die Realität, wenn Männer für einen kurzen Moment das Patriarchat und den Sexismus ausleben können und zu absoluten Widerlingen werden können. Hier fehlt es ihnen womöglich an Reflexion, wenn Sex, Drugs und Rock ’n‘ Roll das Gehirn ausschalten und Privilegien ausgenutzt und ausgeschlachtet werden. Natürlich geht es um das, was hinter der Bühne im Backstage passiert. Natürlich ist die Geschichte zugespitzt, denn es handelt sich bei den Protagonisten im Buch nicht mehr um junge oder jugendliche Stars, die angehimmelt werden. Die Damen, die sich ins Backstage drängen, wissen in der Regel, was sie wollen. Hier kleben sie sich ihren Backstagepass sogar provokant auf den Hintern. Suchen sie nur ein Abenteuer? Wollen sie nur einmal ihren Star treffen und ihre Position ausloten? Gerade hier muss ein „Nein“ ein „Nein“ bleiben, auch wenn neben anderen Substanzen auch Potenzsteigernde Mittel im Spiel waren. Wie geht die Crew mit den Partys um, warum schreitet die Managerin nicht ein? Bela B, früher auch kein Kind von Traurigkeit, wird wissen, wovon er redet. An dieser Stelle hätte ich mir eine Autobiografie von ihm und nicht einen Roman gewünscht. Das hätte den Ernst des Themas noch deutlicher gemacht. So kann er jedenfalls die Lage schildern, ohne Namen nennen zu müssen.

Fun ist zeitgleich auch als Hörbuch erschienen. Unter der ISBN 978-3-837-16915-7 ist das von Bela B selbst eingelesene Buch im Random House Audio Verlag auf den Markt gekommen.

Bela B Felsenheimer – Fun
Fazit
Unterhaltsam, teilweise langatmig aber stets mit dem Finger in der Wunde. Die Männer kommen in diesem Roman nicht gut weg, auch wenn nur ein sehr kurzer Zeitraum von einer Woche beschrieben wird. Man kann sich den Rest denken. Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln dargestellt. Das macht das Ganze interessanter. Ich hatte mir nach der Vorankündigung mehr vorgestellt: Mehr Unterhaltung, mehr Spaß und mehr Tiefgang. Schade, da wäre mehr drin gewesen, denn das Thema ist nicht nur topaktuell sondern auch wichtig, dass es angesprochen und abgestellt wird.
Trotz langatmigem Mittelteil bietet das Buch zum Nachdenken anregende Unterhaltung. Ein Muss für alle, die sich mit den Schattenseiten des Musikgeschäfts auseinandersetzen wollen, ohne auf Wahrheitsgehalt Wert zu legen. Es ist und bleibt ein Roman.
Norbert C.
7.5
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