Cradle Of Filth – Cryptoriana–The Seductiveness Of Decay

“Diese tiefschwarzen Giftpfeile wurden treffsicher verschossen“

Artist: Cradle Of Filth

Herkunft: Großbritannien

Album: Cryptoriana – The Seductiveness Of Decay

Spiellänge: 53:01 Minuten

Genre: Symphonic Black Metal, Black Metal, Extreme Metal

Release: 22.09.2017

Label: Nuclear Blast Records

Link: https://www.facebook.com/cradleoffilth/

Bandmitglieder:

Gesang – Dani Filth
Gitarre – Richard Shaw
Gitarre – Ashok
Bassgitarre – Daniel Firth
Keyboard und Gesang – Lindsay Schoolcraft
Schlagzeug – Martin Skaroupka

Tracklist:

  1. Exquisite Torments Await
  2. Heartbreak And Séance
  3. Achingly Beautiful
  4. Wester, Vespertine
  5. The Seductiveness Of Decay
  6. Vengeful Spirit (feat. Liv Kristine)
  7. You Will Know The Lion By His Claw
  8. Death And The Maiden

 

Tatsächlich schon länger als ein Vierteljahrhundert gibt es die britische Band Cradle Of Filth mittlerweile. Da komme ich doch wirklich mal kurz ins Überlegen, wie alt Dani Filth, der das einzig verbliebene Gründungsmitglied ist, damals gewesen ist. Wäre leicht rauszufinden, ist aber nebensächlich. Er hat es auf jeden Fall geschafft, die Band trotz des sich wohl immer mal wieder rasant drehenden Besetzungskarussells am Leben und im Gespräch zu halten. Dazu tragen sicherlich viele bemerkenswerte Alben in der Diskographie der Band bei, dem Cradle Of Filth ein weiteres hinzugefügt haben. Am 22.09. erschien nämlich über Nuclear Blast Records das zwölfte Album, das auf den Namen Cryptoriana – The Seductiveness Of Decay hört. Zum Albumtitel sagt Dani Filth:

„»Cryptoriana« beschäftigt sich mit der Faszination der Menschen für das Übernatürliche, Makabre und die sterblichen Überreste während des Viktorianischen Zeitalters. Der Untertitel »The Seductiveness Of Decay« erläutert außerdem diesen Hang zum Tod und den verlockenden, langen Prozess der Selbstzerstörung. Um mich in das Thema einzufinden und mit Hilfe von H.G. Wells famoser Zeitmaschine, begab ich mich also in den geheimen Untergrund des späten viktorianischen Englands…“

Tja, was soll ich drei Monate nach Veröffentlichung dieses Albums noch sagen, was nicht vielleicht so oder so ähnlich bereits gesagt, geschrieben oder vertont wurde? Nach dem ersten Hördurchlauf war mein Hirn auf links gedreht von den acht Tracks, die unbarmherzig wie tiefschwarze Giftpfeile nacheinander abgeschossen werden. Dabei ist nur das als Intro fungierende aber durchaus schon alle Merkmale eines kompletten Songs aufweisende Exquisite Torments Await ein kürzeres Werk, der Rest kratzt locker die Sechs- bzw. Sieben-Minuten-Marke. Das Tempo überwiegend hoch – wie macht die Instrumentalfraktion das? – strotzen die Tracks vor teils überraschenden, teils vorhersehbaren Wendungen, Breaks, Interludes, Tempo- und Rhythmuswechseln. Und gerade in den langsameren Passagen gibt es dann wunderbare Gitarrenläufe und -soli zu hören, wie beispielweise gleich im ersten Track Heartbreak And Séance oder auch bei Wester, Vespertine. Gitarrensoli gehen übrigens auch in Hochgeschwindigkeit, das kann man zum Beispiel bei Achingly Beautiful hören. Wie üblich tobt, kreischt, brüllt und schreit sich Dani durch die Tracks, klingt abgrundtief böse (wie zu Beginn von Achingly Beautiful und Vengeful Spirit) und damit in krassem Kontrast zu Lindsay Schoolcraft, die neben Keyboard und Orchestrierung auch für einige gesprochene Parts und den weiblichen Counterpart zuständig ist. Nur beim Track Vengeful Spirit holt man sich wieder Liv Kristine (die ich vorher nur von Leaves‘ Eyes kannte) an Bord. Ob das nötig war, oder ob nicht auch hier Lindsay die bessere Besetzung gewesen wäre, lassen wir mal dahingestellt. In meine Anspieltipps hat es der Song trotzdem geschafft.

Neben den ganzen Hochgeschwindigkeitskrachern gibt es mit Death And The Maiden auch mal einen etwas langsameren Song, der sich zunächst einmal langsam und unheilvoll anschleicht, bevor das Tempo dann doch ein wenig angezogen wird. Aber auch dieser letzte Track strotzt vor Tempowechseln, Haken und Wendungen. Also auch hier keine Erholung fürs Hirn. Die kommt erst, als wirklich der allerletzte Ton verklungen ist. Zumindest der allerletzte Ton der mir für das Review vorliegenden Albumversion. Ich hatte das Album vorher schon auf spotify gehört, da gibt es noch einen weiteren Song (The Night At Catafalque Manor) und zu guter Letzt eine Coverversion. Dafür hat man sich einen Song der Band Annihilator – mit der ich sonst zugegebenermaßen gar nichts anfangen kann – ausgesucht, nämlich Alison Hell. So, wie ihn Cradle Of Filth jetzt darbieten, ist das richtig geil!

Das einzig „echte“ Video gibt es zwar zu Heartbreak And Séance, ich habe mich hier aber für das recht ungewöhnlich aufgemachte Lyric-Video zu einem meiner Anspieltipps, nämlich You Will Know The Lion By His Claw, entschieden:

Fazit: In einem meiner kürzlich veröffentlichten Reviews hatte ich noch geschrieben, dass gerade die etablierten Bands mit ihren neusten Veröffentlichungen doch ab und zu mal schwächeln. Das ist hier definitiv nicht der Fall, Cradle Of Filth ziehen alle Register ihres Könnens und legen noch einen drauf. Das ist Extreme Metal/Symphonic Black Metal, wie ich ihn liebe, so dass ich dieses Album allen Fans des Genres nur ans Herz legen kann.

Anspieltipps: eigentlich alles, meine Favoriten sind Wester Vespertine, Vengeful Spirit und You Will Know The Lion By His Claw
Heike L.
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