Cult Of Lilith – Mara

Was für ein Debüt der Isländer

Artist: Cult Of Lillith

Herkunft: Reykjavík, Island

Album: Mara

Genre: Death Metal, Technical Death Metal, Progressive Death Metal

Spiellänge: 36:04 Minuten

Release: 04.09.2020

Label: Metal Blade Records

Link: https://www.metalblade.com/cultoflilith/

Bandmitglieder:

Gesang – Mario Infantes Ávalos
Gitarre, Komosition und Arrangements – Daniel Þór Hannesson
Gitarre, Komosition und Arrangements – Kristján Jóhann Júlíusson
Bass – Samúel Örn Böðvarsson
Schlagzeug – Kjartan Harðarson

Tracklist

  1. Cosmic Maelstrom
  2. Purple Tide
  3. Enter The Mancubus
  4. Atlas
  5. Comatose
  6. Profeta Paloma
  7. Zangano
  8. Le Soupir Du Fantome

Mein Gott, die Isländer! Karger Boden scheint ja eine Menge ausgezeichneter Metal Bands unterschiedlicher Coleur hervorsprießen zu lassen. Nur ein paar Tage her ist es, dass ich hier ein Review zur isländischen Black/Doom Metal Band Núll machen durfte.

Nun dies hier: Cult Of Lilith, Progressive Technical Death Metal aus Island, der mich von der ersten Minute an flasht.

Cult Of Lilith bestehen seit 2015. 2016 wurde mit Arkanum eine EP herausgebracht, nun also mit Mara das Debütalbum. Mara erscheint bei Metal Blade Records leider nur als CD. Ich denke, da lege ich mich mit der Aussage auch nicht aus dem Fenster, da muss auch unbedingt Vinyl hinterher. Wenn die Isländer nach der Corona-Pandemie auf Tour gehen sollen, wird es für sie so richtig krachen. Also erneut eine weitere Band, die ich unbedingt live erleben muss.

Nekromechanischer Barock, so nennen Cult Of Lilith ihren Kult/ihren Sound, den sie der Göttin Lilith darbringen selbst.

In der sumerischen Kultur finden sich die ältesten Hinweise auf die geheimnisvolle Lilith. Lilith hat viele Gesichter, hinter denen so manche Geschichte lauert. Sie ist die erste Frau, die Ur-Göttin, die Teufelin, die Dämonin – so die Erzählungen. Es heißt, sie verkörpert das urweibliche Wesen, welches die einen verteufeln, andere vergöttern.

So dürften auch einige Metaller nun Cult Of Lilith verteufeln oder vergöttern. Cult Of Lilith schaffen es, auf ihrem Debüt Mara einen progressiven Technical Death Metal um weitere Fragmente wie Jazz oder Klassik anzureichern. Damit werden sie gewiss den einen Metaller verzücken, den anderen Metaller wohl in den Irrsinn treiben.

Mara ist eine rasende Kollision aus Death Metal, Prog, komplexen klassischen Strukturen und jazzigen Elementen. Für Cult Of Lilith scheint es keine Grenzen zu geben. Die einzelnen Songs befinden sich selbst in einer stetigen Veränderung, der Hörer darf sich in keinem Moment sicher sein, was denn da noch kommen mag. Unruhe und wohliges Verbleiben in einem. Es ist schwer zu beschreiben, wie die Musik auf den Hörer wirken mag. Dem Album liegt eine hohe technische Versiertheit inne, die um einige progressive Elemente bereichert wird. Neben der technisch sauberen Gitarrenarbeit und der Unabwägbarkeit der Drums, die von Gatlingsalven bis hin zu Sniperattacken reichen, besticht insbesondere Mario Infantes Ávalos, der einerseits wie Wotan wütet, andererseits auch einmal mit cleanen bzw. opernhaften Einlagen glänzen kann. Bei diesem klangvollen Namen ist das wohl Programm!

Mara kommt einem vor, wie eine Ansammlung an Best Of Progressive Death Metal Songs. Voller Unruhe und gerade deshalb für mich besonders anziehend.

„Die Absicht war immer, eine abwechslungsreiche Platte mit vielen verschiedenen Einflüssen zu schreiben, die in einem extremen Metalpaket verschmolzen sind“, erklärt Gitarrist Daniel Þór Hannesson. „Wir wollten, dass das Album eine Reise ist, die niemals stagniert und die den Hörer auf dem ganzen Weg beschäftigt. Für uns als Band ist es wichtig, uns nicht in eine Box einzuschließen und immer Optionen in Vielfalt zu halten.“

Genau das ist der Band gelungen. Da stagniert überhaupt nichts. Trotz massiven Deaths Metals sind die Songs vielfältig und auch gerade durch das Einsetzen von Death Metal fremden Elementen total spannend.

Mara ist ein ziemlich komplexes Werk geworden, welches trotz wütenden Death Metal Geballers eine Menge Harmonik vorweisen kann. Da ist ein Spinett zu hören, wie im Opener Cosmic Maelstrom, Klaviereinlagen sowieso, jazzige Einlagen in Purple Tide oder auch einmal Kastagnetten wie in Profeta Paloma, wo Mario Infantes Ávalos im Klargesang glänzt. Ich hatte ja bereits erwähnt, dass man diesen Mann auch opernhaft vernehmen kann. La Soupir Du Fantome, welches mit Akustikgitarre beginnt, bevor der Sänger einsetzt, ist das beste Beispiel dafür. Einfach nur genial, wie die Musiker hier zu Werke gehen.

Cult Of Lilith – Mara
Fazit
Nachdem sich die Amerikaner Black Crown Initiate bereits vor vier Wochen bei mir die Progressive Death Metal Krone aufsetzten, kommen nun die Isländer Cult Of Lilith daher und setzen sich vergleichbar des Burney-Reliefs, als Königin der Nacht die gehörnte Krone auf. Wenn das mal nicht zu einem Game Of Thrones wird! Was für ein Debüt. Mara ist eine rasende Kollision aus Death Metal, Prog, komplexen klassischen Strukturen und jazzigen Elementen.

Anspieltipps: Cosmic Maelstrom, Purple Tide und Le Soupir Du Fantome
Juergen S.
10
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8.6
10
Punkte
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