Dee Calhoun – Godless

Doom angehauchter akustischer Reigen aus Country/Folk/Blues/Rock

Artist: Dee Calhoun

Herkunft: Oldtown, Maryland, USA

Album: Godless

Genre: Country / Folk / Blues / Rock

Spiellänge: 63:49 Minuten

Release: 10.07.2020

Label: Argonauta Records

Link: https://www.screamingmaddee.com

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre – Dee Calhoun
Hintergrundgesang, Schlagzeug – Robert Calhoun
Bass – Louis Strachan

Tracklist:

  1. Here Under Protest
  2. Godless
  3. The Moon Says Goodbye
  4. Hornswoggled
  5. To My Boy
  6. Spite Fuck
  7. No Justice
  8. Ebenezer
  9. Ride Away
  10. The Greater Evil
  11. The Day Salvation Went Away
  12. Prudes, Puritanicals, Puddles Of Piss
  13. Here Comes The Bride A Tale From Backwater

Am 10.07.2020 ist beim italienischen Kult Doom/Sludge Label Argonauta Records das neue Album Godless von Dee Calhoun erschienen.

Der amerikanische Sänger Dee Calhoun dürfte den meisten Fans wohl durch seine Mitgliedschaft bei Iron Man bekannt sein. Iron Man war eine amerikanische Doom-Band, die sich bereits Ende der Achtziger formierte. Zunächst als Black Sabbath Tributeband (benannt wurde sich ja schließlich nach dem gleichnamigen Black Sabbath Album) fand man über die Jahrzehnte seinen Platz im Doom Metal. 2018 löste sich die Band, deren Sänger Dee Calhoun aka „Screaming Mad“ Dee Calhoun fast ein Jahrzehnt war, nach dem Tod des Bandgründers Al Morris III, auf.

Der Mann, der ansonsten für Doom Metal steht, spielt mit Godless ein akustisches Werk ein, welches Country/Folk/Blues/Rock Songs enthält, die voller (doomiger) Emotionen stecken. Godless ist nicht das erste akustische Album des Doomers „Screaming Mad“ Dee Calhoun. Bereits die Vorgängeralben Rotgut (2016) und Go To The Devil (2018) erschienen bei Argonauta Records.

Godless wurde in Dee Calhouns Heimstudio The Dust Buster in Walkersville, MD, aufgenommen. Er selbst ist für den Gesang verantwortlich, spielt die Gitarren und zusätzlich noch andere verschiedene Instrumente. Sein Bandkollege Louis Strachan bei Iron Man und nun auch bei der Nachfolgeband Spiral Grave ist für den Bass verantwortlich. Dee Calhouns Sohn Robert „Little Houn“ Calhoun übernimmt die Percussion und auch die Backing-Vocals.

Das Album beginnt mit Here Under Protest, einem Song, der direkt aus einem Western stammen könnte. Ein galoppierendes Riff treibt den Song regelrecht nach vorne. Irgendwann mischt sich ein Streichinstrument ein und gibt dem Cowboy auf seinem Pferd (Riff) unverhofft eine neue Richtung. Dabei ist der Song mit einem richtig starken (metallischen) Druck versehen.

Godless, der Titelsong, ist wirklich himmlisch gottlos. Eine Orgel eröffnet den Song zunächst in Harmonie und verfällt dann in wunderbare Disharmonie. Stimmlich setzt sich Dee Calhoun grandios in Szene, irgendwie Like A Prayer (Oh Madonna). Der Text wird teilweise förmlich geschrien. Eine Harp untermauert einen bluesigen Charakter des Songs.

Dee Calhoun setzt den Songs mit seiner doch sehr eindrucksvollen Stimme den Stempel auf und er kann mit den Songs Emotionen auslösen, wie zum Beispiel eine melancholisch traurige Stimmung in The Moon Says Goodbye. Vielen Songs sind zusätzliche Effekte beigemischt. Ist es hier ein Grab, welches im Mondlicht ausgehoben wird? Wesentlich aggressiver, aber doch düster, ist das folgende Hornswoggled, welches mit einem Sprachsample beginnt.

Voller Weltschmerz kommt To My Boy rüber. Es folgt ein anrüchiger Slide Guitar Song mit dem Titel Spite Fuck. Ein ekliges Lachen ist in dem Song zu vernehmen und vermag den Hörer ein wenig runterzuziehen.

In No Justice schwingt Dee Calhoun seine Stimme in ungeahnte Höhen, er wirkt hier beinahe zerbrechlich.

Ebenezer lässt auch den letzten Kojoten in der Wüste einmal um die Ecke kommen, bevor der Cowboy langsam wegreitet. Eben Ride Away! Alles ziemlich cool, lässig, jedoch immer mit genügend Druck, der in seiner Stimme liegt. Streicher unterstützen hier und da die Stimmung.

So kommen wir wunderbar durch das Album und es wird auch mal etwas Böser, wie in The Greater Evil.

Viel verspielter gibt sich The Day Salvation Went Away, welches mit den Streichern fast orchestral vorbeikommt, zudem vernehmen wir eine Flöte. So ganz will dieser Song aus meiner Sicht nicht zu den anderen passen.

Prudes, Puritanicals, Puddles Of Piss überzeugt mich dann doch wieder mehr. Spoken Words Intro und Rabengekrähe. Der Song sehr geballt. Fast mexikanische Gitarrenklänge dazu. Unser Lonestar Rider ist gerade über die Grenze zwischen Texas und New Mexico geritten und wir warten gespannt auf das Duell.

Der Song Here Comes The Bride A Tale From Backwater beschließt das Album eher humoristisch und daher leider unwürdig. Lee Calhoun, das kann jetzt nicht echt dein Ernst sein!? Das soll wohl lustig sein, aber der Song ist dann doch nur unpassend.

Dee Calhoun – Godless
Fazit
Dee Calhoun, der sich mit seinen Bands sonst im Doom Metal bewegt, bestreitet solo etwas andere Pfade. Godless ist bereits das dritte Soloalbum, welches er akustisch aufgenommen hat. Ein Album, welches sich im Country/Folk/Blues/Rock bewegt und eine doomige Attitüde hier und dort nicht verbergen kann. Insgesamt wirken die Songs recht stimmig und können gut gefallen. Neben dem, aus meiner Sicht, doch zu sehr aufgesetzten The Day Salvation Went Away hätte man sich Here Comes The Bride A Tale From Backwater als Rausschmeißer sparen können, da dieser Song überhaupt nicht die Atmosphäre der restlichen Songs wiedergibt.

Anspieltipps: Godless, Spite Fuck und Ride Away
Juergen S.
6.5
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