Eisheilige Nacht am 20.12.2018 im Z7 in Pratteln

                                                        „Alle Jahre wieder …“

Eventname: Eisheilige Nacht 2018

Bands: Subway To Sally, Versengold, Russkaja, Paddy And The Rats

Ort: Konzertfabrik Z7, Kraftwerkstr. 7, 4133 Pratteln, Schweiz

Datum: 20.02.2018

Kosten: 43,- € VVK

Genre: Folk Rock, Folk Metal, Mittelalter Rock, Ska, Crossover, Folklore, Polka, Celtic Punk, Folk Punk

Besucher: ca. 700

Veranstalter: Extratours Konzertbüro & Konzertfabrik Z7

Link: https://www.facebook.com/events/1873210839379805/

Setlisten:


01. Where Red Paints The Ocean
02. The Captains Dead
03. Pilgrim On The Road
04. Ghost From The Barrow
05. The Six Rat Rovers
06. Join The Riot
07. Freedom
08. Time Is In My Hands


01. Intro
02. Love Revolution
03. Hey Road
04. Change
05. Psycho Traktor
06. Druschba (You`re Not Alone)
07. Hometown Polka
08. No One Is Illegal
09. Wake Me Up
10. Barada
11. Energia


01. Intro
02. Niemals Sang – Und Klanglos
03. Spaß Bei Saite
04. Verliebt In Eine Insel
05. O`Riley`s Lichterfest
06. Samhain
07. Der Tag, An Dem Die Götter Sich Betranken
08. Solange Jemand Geige Spielt
09. Teufelstanz
10. Haut Mir Kein` Stein
11. Feuergeist
12. Wem? Uns!
13. Wir Tanzen Nicht Nach Braunen Pfeifen
14. In Aller Ohr
15. Hoch Die Krüge


01. Königin Der Käfer
02. Mitgift
03. Feuerland
04. Henkersbraut
05. Kleid Aus Rosen
06. Eisblumen
07. Violin Solo (Ally Storch)
08. Für Immer
09. Falscher Heiland
10. Tanz Auf Dem Vulkan
11. Besser Du Rennst
12. Sieben
13. Imperator Rex Graecorum
14. Veitstanz
15. Julia Und Die Räuber
Alle Jahre wieder sind die Mittelalterrocker Subway To Sally kurz vor Weihnachten mit ihrer Eisheilige Nacht Tour unterwegs. Alle Jahre wieder laden sie befreundete Bands aus der Folkszene ein, mit ihnen diese fröhliche, aber nicht stille Nacht, zu feiern. Alle Jahre wieder ist die Konzertfabrik Z7 in Pratteln dabei feste Station. Bereits im Jahr 2009 sagten sich die Potsdamer, dass man die festivalarme Zeit am besten mit einem Festival überbrückt und so geht das Indoor Festival nun schon in die zehnte Runde. Das Line-Up besteht neben Subway To Sally aus den Folk Rockern Versengold, der Ska Band Russkaja und den Celtic Folk Punkern Paddy And The Rats. Eine gute Mischung, um in der sonst so besinnlichen, stillen Adventszeit ordentlich Feierlaune zu verbreiten.
Für mich Grund genug, mich ein letztes Mal im Jahr 2018 auf den Weg über die Schweizer Grenze zu begeben, aber so weit einfacher gedacht, als getan. Eine halbe Stunde Stau auf dem Autobahnzubringer Freiburg bringt meine Rechnung gleich mal durcheinander und der fast einstündige Aufenthalt an der Grenze wirft meine Rechnung endgültig über den Haufen. Aber alles hat sein Positives und so brauche ich an der Abendkasse für meinen Fotopass nicht anstehen.
Zum Opener des Abends, den Speed Folk Punkern Paddy And The Rats aus Ungarn, kann ich leider gar nichts sagen, denn in dem Moment, wo ich die Location betrete, stimmen sie gerade ihren letzten Song Time Is In My Hands an. Shit happens, dass ich nicht mehr pünktlich bin, war klar, aber mussten sie auch noch früher mit der Show anfangen? So komme ich noch zu ein paar schnellen Fotos aus dem Publikum, dann ist das Spektakel auch schon zu Ende.
Nach der Show ist bekanntlich vor der Show und so geht es nach kurzer Umbaupause weiter mit Ska Punk von Russkaja. Die Band ist allerdings nicht ganz so russisch, wie der Name zuerst glauben lässt. Der Sänger Georgij Alexandrowitsch Makazaria ist zwar russischer Herkunft, die Band kommt jedoch aus Wien. Nach einem kurzen Intro betreten zuerst die Blechbläser die Bühne, dann E-Geigerin Ulrike Müllner alias Mia Nova. So richtig beginnt die Love Revolution aber erst, als der ehemalige Stahlhammer Frontmann die Bühne, stilecht in Kosakenoutfit, betritt. Sofort kommt Bewegung in das, zwar nicht ausverkaufte, aber angenehm gefüllte Z7, das offenbar zuvor von Paddy And The Rats gut aufgeheizt wurde. Die flotten Ska Rhythmen mit einem Hauch russischer Seele bringen die Idee von Taigawäldern in die Schweiz und gehen sofort ins Bein. Mal liegt der Schwerpunkt auf einer kruden Mixtur aus Basstrompete und Posaune, dann wieder vermischen sich harte Gitarrenriffs mit den elektrisch verstärkten Tönen der E-Geige. Songs vom Schlage Hey Road und Change intoniert der gebürtige Moskauer gekonnt mit seinem rollenden R, wobei sein wohlgeformter Klangkörper für eine großartige Resonanz sorgt. Möge Georgij Alexandrowitsch nie auch nur ein Gramm abnehmen. Aber auch seine Ansagen sind pointiert und wissen zu unterhalten. Passend zum Psycho Traktor wählt der Sänger einen x-beliebigen Menschen im Publikum aus, der gerade ein volles Bier zur Verfügung hat. Offenbar kennt man hier das Spielchen bereits, denn sofort findet sich jemand, der sich freiwillig als Mitte zur Verfügung stellt. Der Psycho Traktor in Form des Publikums hüpft nun im Kreis um ihn herum und fast entwickelt sich ein Circle-Pit. Verrückt? Ja, aber macht ganz offenbar einen Heidenspaß. Auch die Hometown Polka sorgt für ordentlich Stimmung und die Besucher laufen endgültig heiß. Auch darf sich das Publikum an altbekannten Links – Rechts, Frau – Mann – Spielchen versuchen und schlägt sich recht gut. Auch die Musiker dürfen sich nach und nach alle mal an Soli versuchen, aber gute Instrumentalisten sind die Dame und die Herren aus Wien allemal. Ihre Turbo Polka ist heute Abend der Soundtrack für eine feuchtfröhliche Party, einzig für No One Is Illegal verlieren die Austro-Russen ihren Humor, was aber bei dem ernsten Thema verständlich ist. Der Song fügt sich natürlich nicht besonders gut in die fidel-fröhliche Gute-Laune-Musik ein, aber die Problematik ist aktueller denn je. Ansonsten ist aber Partystimmung angesagt und das Publikum tanzt und hüpft sich warm und muss mit Wake Me Up nicht wirklich geweckt werden. Man muss die Band aus der Konserve nicht mögen, aber live funktioniert das Material allemal, so auch bei Barada und Energia, mit dem die energiegeladene Show zu Ende geht.
Auch mit der nächsten Band bleibt es spaßig, denn nach der Umbaupause geht es weiter mit den Rum getränkten Bremern von Versengold. Wer sich öfter mal auf Mittelaltermärkten oder dem Mittelalterliches Phantasie Spektakulum rumtreibt, der ist bestimmt schon das eine oder andere Mal über die Gute Laune Folk Band gestolpert. Die Truppe um Frontmann Malte Hoyer entert nach einem kurzen Intro zu Niemals Sang – Und Klanglos die Bühne und trifft damit offenbar genau den Nerv des Publikums, das sofort lautstark mit einstimmt. Offenbar hat man bei Russkaja noch nicht alles Pulver verschossen. Die Bremer haben treue Fans und werden deshalb wohl nicht so schnell sang- und klanglos untergehen. Total nervig ist der Überlebenskampf, der sich gerade in den ersten Reihen abspielt. Immer wieder kann man es bei Versengold Konzerten beobachten, wie die Die Hard Fans sich zuvor besaufen und bei Konzertbeginn versuchen, sich in die ersten Reihen vorzukämpfen, ohne Rücksicht auf Verluste. Natürlich gibt es solche Idioten auch bei anderen Konzerten, aber bei den Bremern fällt es mir besonders auf. Das anschließende Spaß Bei Saite vom Zeitlos Album ist zwar erst drei Jahre alt, hat sich aber seitdem zum Bandklassiker und Stimmungsgarant entwickelt, der auf keinem Gig fehlen darf. Leider ist vom Lagerfeuer Folk nicht mehr viel übrig geblieben und man hat mehr auf treibende Partyhymnen gesetzt. Der Folk Rock, der nun eigentlich eher als Schlager Folk einzuordnen ist, sorgt für ausgelassene Stimmung und manchen tanzwütigen Pulk und würde sicherlich auch am Ballermann funktionieren. Während die sechsköpfige Band auf den MPS, meiner Meinung nach, immer im übergroßen Schatten von Saltatio Mortis untergeht, so können sie hier und heute ihre vollen Livequalitäten unter Beweis stellen. Die Songs gehen druckvoll nach vorne. Auch bei Verliebt In Eine  Insel, vom noch aktuellen Album Funkenflug, fressen die Fans der Band aus der Hand und grölen lauthals mit. Slàinte Liebes Irland – Slàinte! Das mystisch angehauchte Samhain besticht durch eine packende Melodie und einen textlich hervorragenden Wechsel im Schlussrefrain, ist aber meiner Meinung nach kein Song, den man unbedingt live spielen muss. Solange Jemand Geige Spielt ist dagegen ein Highlight vom letzten Album und wird von den Fans begeistert angenommen. Die Leichtigkeit in Text und Musik überträgt sich vom ersten Moment an. Mit Teufelstanz wird dann ein neuer Song präsentiert, der zu Recht auf der Setliste steht. Auch wenn die Fans hier etwas zurückhaltend reagieren, ist es ein klasse Song, der gut nach vorne geht und Spaß macht. Das lebensbejahende Haut Mir Kein` Stein macht dann noch einmal deutlich, dass Versengold weg sind von der Lagerfeuerromantik und das nachdenkliche Texte Einzug gehalten haben. Natürlich interessiert es auf einem Konzert niemand, was nach dem eigenen Tod passiert, aber da der Song überspitzt und witzig gestrickt ist, funktioniert er auch live und erzeugt eine Gänsehautatmosphäre. Auch Feuergeist stammt vom letzten Album und beginnt als ruhige Ballade, entwickelt sich dann aber zu einem extrem tanzbaren Song und führt dazu, dass das Z7 Publikum regelrecht ausrastet. Das kollektive Ausrasten setzt sich auch im folgenden Wem? Uns! weiter fort, wobei das bekannte Band-Publikum-Spielchen wieder zum Einsatz kommt. Dass es Wir Tanzen Nicht Nach Braunen Pfeifen auf die Setlist geschafft hat, bleibt für mich nicht nachvollziehbar. Es ist zwar verständlich, dass man ein Zeichen gegen Rechts setzen will, doch das hätte man kreativer machen können. Der Song ist für mich auf dem Album schon durchgefallen und auch in der Liveversion ist er eher nichtssagend und langweilig. Zum Schluss wird mit Hoch Die Krüge noch einmal alles abgerissen, was nicht niet- und nagelfest ist. Die Fans liegen sich in den Armen, heben die Methörner und grölen lauthals mit. Ein würdiges Ende, auch wenn für meinen Geschmack deutlich zu wenig altes Material gespielt wurde. Zumindest hätte man ein Medley aus alten Klassikern in die Setlist aufnehmen können, denn ohne Ich Und Ein Fass Voller WeinPaules BeichtgangVersengold oder Drey Weiber sollte kein Versengold Gig zu Ende gehen.
Der Umbau dauert nun etwas länger, doch als die Bühne dann in blutrotes Licht gehüllt wird, ist es endlich so weit und die Musiker betreten nach und nach die Bühne. Wie schon fast zu erwarten, starten die Potsdamer Subway To Sally mit ihrer neuen Single Königin Der Käfer vom kommenden Album Hey. Obwohl das neue Album erst im März erscheint, kennt offenbar jeder hier den neuen Song. Vom ersten Moment an ist die Stimmung gut, und als Frontmann Eric Fish dann endlich die Bühne betritt, die dunkle Kapuze tief ins Gesicht gezogen, rastet die Menge förmlich aus. Die Band hat sich über die Jahre stetig weiterentwickelt, ging immer weiter weg vom eigentlichen Mittelaltersound, ließ Metalelemente und viel Elektronik einfließen. Nicht jeder Fan ging diesen Weg mit, doch live sind die Potsdamer noch immer eine unschlagbare Macht, die ihre Anhänger nun mitnimmt, auf eine Reise durch die 28 jährige Bandgeschichte. Mit Mitgift folgt ein ebenfalls recht neuer Song vom 2017er-Album Neon, wobei Eric Fish dann auch sein wahres Gesicht zeigt und sich der Kapuze entledigt. Ab da reiht sich dann ein Klassiker an den anderen, angefangen mit Feuerland aus dem Jahr 1996, sodass auch die alten Fans voll und ganz auf ihre Kosten kommen. Alte und neue Fans, Metaller und mittelalterlich Gewandete feiern gemeinsam mit gutbürgerlichem Volk, sodass es fast schon familiär wirkt. Passend zu jedem Lied wird die Bühne und teils auch die Location in Blau, Rot und Grün getaucht und die Lichtshow hinterlässt einen atemberaubenden Eindruck. Die Henkersbraut führt dann auch in diesem Gig zu einem ersten großen gemeinschaftlichen Abriss, es wird gebangt und getanzt und das Publikum erweist sich bei diesen Klassikern als sehr textsicher. Auch bei Kleid Aus Rosen und Eisblumen kocht die Stimmung noch weiter hoch. Die Texte, die überwiegend von Michael Boden alias Bodenski stammen, sind nicht einfach Worte zum Lied, sondern fantastische, dunkle Lyrik, die sich perfekt mit der krächzenden Stimme von Eric Fish verbindet.
Bodenski hat heute jedoch etwas am Fuß und ist nur bedingt einsetzbar. Er sitzt während des ganzen Auftritts mit seiner Drehleier auf dem Hocker, sodass Geigerin Ally Storch etwas mehr in den Mittelpunkt rücken muss. Die Frau mit den knöchellangen blonden Haaren ersetzt seit etwa zwei Jahren Frau Schmitt, die sich 2016 eine Auszeit nahm und dann nicht in die Reihen der Potsdamer zurückkehrte. Ally Storch trat damit ein schweres Erbe an, doch mittlerweile hat sie sich bestens integriert, was sie nun auch mit einem Violinsolo von Paganini eindrucksvoll unter Beweis stellt. Die extrem langen Haare sehen zwar stark aus, sind aber auf der Bühne nicht immer von Vorteil, wie auch der Frontmann feststellen muss, der während des Solos auf Kuschelkurs geht und sich direkt darin verfängt. Die Best of Reise geht weiter mit Für Immer und Falscher Heiland, bevor Eric auf Befehl von Bodenski dann endlich seine Flöte schnappt und den Tanz Auf Dem Vulkan eröffnet. Eine Einladung, der auch das Publikum nicht widerstehen kann und so wird wieder gesungen, gesprungen und getanzt. Aber auch rennen steht natürlich auf dem sportlichen Programm und wie mit Zauberhand, ohne große Worte, lässt der Meister ein großes Loch im Publikum entstehen, um dann, man kann es schon erahnen, einen riesigen tanzenden Moshpit zu Besser Du Rennst entstehen zu lassen. Doch nicht nur Sport steht auf dem Programm, denn auch als Zahlenakrobaten in Sieben ergänzen sich Frontmann und Publikum nahezu perfekt …, Sieben Lieben Sind Gekommen, Keine Ist Mir Lang Geblieben. Zum Ende hin darf natürlich der Veitstanz nicht fehlen und so bringt man gemeinsam noch einmal den Boden, und vielleicht sogar noch die Schweizer Alpen, zum Beben. Der uralte Foppt den Dämon! Song von 1996 erfreut sich immer noch größter Beliebtheit und darf bis heute auf keiner Setlist fehlen. Doch damit ist das eigentliche Set nur bedingt zu Ende, denn sofort setzen die Blut, Blut … Sprechchöre ein …, natürlich, es fehlen noch Julia Und Die Räuber. Ein letztmaliges gemeinsames Durchdrehen ist angesagt und ein jeder sagt dem Teufel in sich guten Tag. Manch einer hat für den Rest der Nacht bestimmt noch Blut, Blut, Räuber Saufen Blut im Ohr.

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