Engraver – Behind (EP)

Italienische Psychologie im thrashigen Kostüm

Artist: Engraver

Herkunft: Italien

Album: Behind (EP)

Spiellänge: 28:35 Minuten

Genre: Thrash Metal

Release: 28.05.2021

Label: Eigenproduktion

Link: https://engraver.bandcamp.com/

Bandmitglieder:

Gesang – G.F.
Gitarre – M.S.
Gitarre – R.C.
Bassgitarre – S.D.
Schlagzeug – N.P.

Tracklist:

  1. It Follows
  2. Desire To Kill
  3. The Last Victim
  4. Kill You Again
  5. Hiding The Curse

Die Italiener von Engraver sind seit 2019 zusammen und haben Musiker in ihren Reihen, die ansonsten noch bei Bands wie Unholy Impurity, Ganondorf und Spell Of Decay aktiv sind. Diese Combos sind mir völlig unbekannt, aber das sagt ja noch nichts aus. Nachdem man dieses Jahr eine Single veröffentlichte, folgt nun die erste EP oder Album, denn die sechs Songs dauern insgesamt knappe 29 Minuten. Es soll sich aber wohl um eine EP handeln. Auf geht es.

It Follows geht zwar über zwei Minuten, dient aber als Intro und bietet ein wenig Horror mit Keyboardklängen. Ganz gut gemacht, aber nichts Besonderes.

Die ersten Sekunden von Desire To Kill machen dem geneigten Zuhörer klar: Hier geht es um Thrash Metal. Dieses thrashige Uftata-Drumming kommt ganz geil und das verwendete Riff ist echt gut. Die Vocals sind etwas tiefer und klingen am Anfang befremdlich und ungewohnt, passen aber im Laufe der Zeit immer besser ins Gesamtkonzept. Das Tempo ist überwiegend schleppend. Man baut ein recht langes Solo mit ein, welches aber cool klingt. Danach nimmt man das Midtempo wieder auf und klingt eher groovig als richtig aggressiv. Das Riffing geht dann in Richtung Metallica und das Tempo wird ein wenig erhöht. So zieht man es bis zum Ende durch, um dann noch einmal das Tempo runterzufahren und mit einem melodischen Solo zu enden. Nach sechs Minuten ist dann Schluss.

The Last Victim kommt nach kurzen Klängen dann richtig fix aus den Boxen geknattert und überzeugt mich da schon gleich viel mehr, denn das Riffing ist stark. Der Song ist gut aufgebaut. Nachdem man das Tempo wieder herausgenommen hat, warnt man kurz, nimmt wieder Fahrt auf und kommt dann mit einer Uftata um die Ecke. So geht es weiter. Ja, der macht schon mehr Laune und erinnert mich ein wenig an Sepultura. Nach einem Break und einem Basssolo kommt man mit einem fetten Mitbangpart. Langsam und groovig –  und der eigene Kopf geht automatisch mit. Geiles Teil, auch wenn das Riff einem extrem bekannt vorkommt. Wieder ein Break und nach einigen melodischen Vorspielern nimmt man noch einmal ordentlich Fahrt auf und thrasht alles nieder.

Kill You Again zeigt, dass die Burschen anscheinend nicht diese dreiminütigen Thrasher mögen, sondern sich lieber ein wenig austoben wollen. Denn auch hier überschreitet man wieder die sechs Minuten Grenze. Man beginnt wieder recht zügig, wird dann wieder groovig und wechselt dann hin und her. So kämpft man sich durch den ersten Teil des Albums durch und haut mich nicht wirklich vom Hocker, ohne aber wirklich schlecht zu klingen. Danach holt man ein Solo heraus, also so wie immer. Aber auf einmal kommt ein Part, welcher von der Spielweise eher an Black Metal erinnert. Sehr stark. Danach wird der Song ganz langsam abgebremst durch langsames Stakkato-Riffing. Die Burschen wollen das Stück aber nicht so enden lassen und thrashen noch einmal fix eine Runde. Einflüsse aus dem Death Metal sind durchaus hör- und spürbar.

Neun Minuten Songs sind nicht meine Welt. Okay, beim Doom macht das vielleicht Sinn, aber beim Thrash Metal? Die Rede ist von dem Song Hiding The Curse. Nach einer Einleitung mit einer Spracheinheit geht man den gewohnten Engraver Weg und wechselt hin und her. Die aggressiven Vocals screamen ordentlich rüber. Nach zwei Minuten kommt ein langsamer Mitbangpart. Gutes, aber bekanntes Riffing, das Tempo wird erhöht und wieder runtergeschraubt. Der Mitbangpart wird ebenfalls wiederholt und mit einem Solo kombiniert. Nach circa sechs Minuten folgt ein schleppender Part und es werden chorale Elemente verwendet. Das kommt ganz gut. Eigentlich ist der Song zu Ende, aber man baut ihn noch einmal mit einem verträumten Cleanpart auf und lässt ihn dann auch so enden. Quasi ein Outro über zwei Minuten und damit schließt sich der Kreis.

Thematisch befasst man sich mit der Psychologie, Serienkillern und krimineller Energie im Allgemeinen. Kommt ganz gut, viel Neues hört man aber nicht.

Engraver – Behind (EP)
Fazit
Engraver aus Italien präsentieren uns auf ihrer ersten EP ordentlichen Thrash Metal, der eher in Richtung der Achtziger geht. Diesen kombinieren sie mit Einflüssen aus dem Death und Black Metal und klingen durch die eher growligen Vocals ein wenig anders. Einfach mal anschecken.

Anspieltipps: The Last Victim und Kill You Again
Michael E.
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