Graspop Metal Meeting 2018 am 21. – 24.06.2018 in Dessel, Belgien

                      „Graspop Metal Meeting 2018 am 21. – 24.06.2018 in Dessel, Belgien“

Festivalname: Graspop Metal Meeting 2018

Bands: Judas Priest, Avenged Sevenfold, Ghost, Marilyn Manson, Parkway Drive, Ozzy Osbourne, Iron Maiden, Guns n’ Roses, Volbeat, Moments, Fleddy Melculy, Dool, Heilung, Zeal & Ardor, Silverstein, In This Moment, Powerwolf, Pist.On, Anti-Flag, Less Than Jake, Watain, Ayreon, Neurosis, Accept, Megadeth, Baroness, Tyr, Powerflo, Body Count, Billy Talent, Shining, Carnivore A.D., Limp Bizkit, Skindred, Hollywood Vampires, u. v. a.

Ort: Dessel, Belgien

Datum: 21.06.2018 – 24.06.2018

Kosten: 195 € (3-Tage-Kombi-Ticket)

Karten unter: https://www.graspop.be/nl/tickets/ticketinfo

Genre: Metal, Rock, Punk, Indie

Link: www.graspop.be

Man kennt das ja von den ganzen Festival Merchandise Artikeln. Auf der Vorderseite gibt es ein schickes Motiv mit Wiedererkennungswert und auf der Rückseite stehen die Bands, die bei diesem Festival auftreten. Ganz oben, wie immer, die Headliner als Zugpferde, denn schließlich sollen eine Menge Leute zum Festival kommen. In diesem Jahr beim Graspop Metal Meeting im belgischen Dessel stehen so bekannte Namen wie Judas Priest, Avenged Sevenfold, Ghost, Marilyn Manson oder auch Parkway Drive NICHT ganz oben auf der Übersicht! Die vier Headliner an den Tagen sind Iron Maiden, Guns n’ Roses, Volbeat und Ozzy Osbourne. Dies soll einfach mal verdeutlichen, welches Billing die Belgier in diesem Jahr an Land gezogen haben. Ein absoluter Wahnsinn und wahrscheinlich auch einer der Gründe, warum das Festival auf vier Tage gestreckt ist.

Donnerstag

Nachdem wir unsere Unterkunft im ca. 35 Kilometer entfernten Hilvarenbeek in den Niederlanden bezogen haben, machen wir uns unverzüglich auf den Weg zum Festival. Das Wetter ist bedeckt aber noch angenehm, beim Abholen der Presseausweise gibt es keine Probleme und der Parkplatz für VIP und Pressenasen liegt sehr dicht am Festivalgelände. Alles ist gut organisiert, die Helfer sind freundlich und hilfsbereit und es gibt sogar einen eigenen Eingang für Presse, VIP und Crew, sodass wir im Handumdrehen auf dem Festivalgelände stehen. Der Weg führt uns in eines der beiden großen Zelte, das den Namen Metal Dome trägt. Das nicht ohne Grund, denn im Hintergrund gibt es einige Bauten, die einem Kirchenschiff nachempfunden sind. Auch gibt es zwischen Eingang und Bühne mehrere Bögen, die von der Decke hängen und diesen Eindruck noch verstärken. Sieht hervorragend aus und in Zusammenspiel mit der wahrlich gigantischen Lichtshow ein echter Augenschmaus. Die erste Band für uns sind die Belgier Moments, die mit ihrem melodischen Hardcore um die Gunst der Zuhörer bitten. Das Ganze ist handwerklich völlig in Ordnung und der Bonus als Lokalmatadoren ist der Truppe auch nicht abzusprechen. So richtig vom Hocker hauen uns die Kompositionen aber nicht wirklich. Die Band bedient sich bei den gängigen Trademarks amerikanischer Vorbilder und versucht mit Tempovariationen den Songs einen eigenen Stempel aufzudrücken. Das klappt mal mehr, mal weniger gut. Moments sind für uns absoluter Durchschnitt. Nach diesem Auftakt wird erst einmal das Gelände inspiziert. Wie vor zwei Jahren auch sind die Wege zwischen den verschiedenen Bühnen sehr kurz, auch sind genügend Versorgungsstände und sanitäre Einrichtungen vertreten. Alles ist in wenigen Minuten per pedes erreichbar. Etwas schräg versetzt vom Metal Dome befindet sich die Jupiler Stage, eine kleine aber feine Open Air Bühne.

Die nächste Band in unserem Programm hat den lustigen Namen Fleddy Melculy (kein Tippfehler). Wie man unschwer erkennen kann, wird hier nicht alles bierernst genommen und der Humor hat oberste Priorität. Die Band tritt teilweise mit Masken auf, die Texte sind auf Niederländisch und es gibt einen fröhlichen Mix aus Metal und Hardcore zu hören. Fleddy Melculy haben einen gewissen Unterhaltungswert, keine Frage, auch wenn das musikalisch recht einfach gestrickt ist. Dass die Band in den Niederlanden und in Belgien nicht unbekannt ist, lässt sich anhand zahlreicher textsicherer Zuschauer belegen. Wenn man die Sprache allerdings nicht spricht und somit auch die Texte nicht verstehen kann, ist für Leute wie uns der Humor irgendwann verflogen. Trotzdem macht die Band Spaß und sorgt für gute Laune.

Im Anschluss geht es wieder zurück in den Metal Dome, wo die Niederländer von Dool in den Startlöchern stehen. Die Band erfreut sich zur Zeit einer großen Omnipräsenz und es ist schwierig, dem Quintett aus dem Weg zu gehen. Dool liefern eine verdammt gute Mischung aus verschiedenen Genres ab und man kann sich den leicht psychedelischen Nummern nur schwer entziehen. Das musikalische Erbe von Schlagzeuger Micha Haring und Bassist Job Van De Zande (beide ehemals The Devil’s Blood) wird gut mit Doom und progressiven Rockelementen angereichert und entwickelt eine starke Durchschlagskraft. Songs wie She Goat, In Her Darkest Hour oder auch Oweynagat werden begeistert vom Publikum angenommen, der Klassiker Vantablack durfte natürlich auch nicht fehlen.

Es folgt der erste Besuch vor den Hauptbühnen, die, wie auch schon in den letzten Jahren, in zwei Bühnen geteilt wurde, damit die großen Bands auch eine entsprechend ausstaffierte Bühne nutzen können. Während auf der einen Seite Band X spielt, wird auf der anderen bereits alles für Band Y vorbereitet. So können die Musikgruppen pünktlich starten und für den Besucher gibt es wenig Leerlauf. Aber das Konzept ist ja auch kein neues oder ungewöhnliches. So starten Ghost auch pünktlich mit Ashes und Rats aber ich muss mir ein wenig verwundert die Augen reiben. Denn mittlerweile befinden sich acht Gestalten auf der Bühne, was ich nicht wirklich nachvollziehen kann. Ich war zwar immer schon der Meinung, dass Ghost live einfach besser funktionieren wie auf CD, aber bei acht Leuten verkommt das langsam zur Zirkusnummer. Wobei ich auch im Ansatz nicht verstehe, warum man drei Gitarristen auf der Bühne hat, davon aber überhaupt nichts zu hören ist. Erst zum Ende des Auftritts wird es etwas besser. Und auch Sänger Tobias Forge wirkt irgendwie unsicher in seiner neuer Verkleidung. Als Papa Emeritus war sein Auftreten noch schlicht, ein sehr alter Mann der sich behäbig bewegt und ansonsten bediente er sich an Gesten von hohen Kirchenvertretern. Nun als Cardinal Copia muss er seine Rolle noch finden oder neu erfinden. So kommt auch erst zum Ende des Auftritts richtig Stimmung auf. Mummy Dust, Dance Macabre und Square Hammer beenden das offizielle Set, bevor die obligatorische Zugabe Monstrance Clock ertönt. Im Großen und Ganzen ein solider Auftritt, aber Ghost sollten darauf achten weiterhin gut Songs zu schreiben und sich nicht über ihre Livepräsenz zu definieren. (Marc) Im Gegensatz zu Marc feier ich Ghost total ab. Je kleiner die Bühne und je näher man dran bzw. drin steht, desto besser kommt das spezielle Feeling rüber, dennoch sind Ghost auch beim Graspop fantastisch, fast von Anfang an. Nach dem Release ihrer frischen Scheibe Prequelle bin ich ganz gespannt Songs wie Dance Macabre und Rats live zu hören – und es rockt dermaßen! Meinen persönlichen Favoriten, das instrumentale Miasma, werd ich live wohl nie hören. Um es abzuschließen: Ghost + Sonnenuntergang = <3 (Toni)

Als Nächstes geht es wieder in den Metal Dome, wo die Band Heilung auftritt. Was folgt, ist mit Worten wirklich schwer zu erklären. Wer die Truppe nicht kennt: Es handelt sich um eine deutsch-dänische Band, die größtenteils auf „Instrumenten“ spielt, die den Menschen auch bereits in der Eisenzeit zum Musizieren bereitstanden. Es gibt also mehrere Menschen, die mit Trommeln und Percussions für Sound sorgen. Dazu gibt es noch (mindestens) drei Sänger, unter denen sich auch eine Frau befindet. Diese „singen“ Schriften oder historische Gedichte in unterschiedlichen Sprachen, zum Beispiel gotisch, Latein oder auch alte norwegische Dialekte. Das hört sich jetzt alles komplizierter an, als es tatsächlich klingt. Techno unplugged trifft es wohl am ehesten. Mit den Schlaginstrumenten wird ein Rhythmus aufgebaut, der dann mit den Percussions und/oder mit den Gesängen bestimmte Melodiebögen bekommt, die sich in bestimmten Zeiträumen wiederholen. Das Ganze kommt höchst hypnotisch daher, und wenn man sich richtig darauf einlässt, kann man sich dieser Art von Musik kaum entziehen. Der stark süßliche Geruch diverser Kräuterzigaretten sorgt natürlich auch dafür, dass im Metal Dome eine einzigartige Atmosphäre herrscht. Ich empfinde den Auftritt als ein echtes Highlight (haha!) weil mich die Art der Atmosphäre, die Heilung erschaffen, echt aus den Socken haut. Eine ganz klare Empfehlung an alle die, die ohne Scheuklappen durch die Musikwelt gehen, sich diese Band unbedingt live anzuschauen! (Marc) In Vorbereitung auf das GMM schau ich mir für mich unbekannte Bands bei YouTube an. Heilung haben mich sofort geflasht und es stand auf meiner Liste ganz oben, diese Band hier live anzuschauen – auch wenn nebenan parallel Guns n’ Roses spielen. Und es hat sich gelohnt! Heilung verzaubern, entführen und heilen. Ein wahrer Seelenschmeichler, der eine pure Wohltat zur üblichen Metalbeschallung ist. Eins meiner Highlights des ganzen Festivals. (Toni)

Weiter geht es Richtung Hauptbühne, wo Guns n’ Roses schon seit einer Stunde auf der Bühne stehen. Der Headliner an diesem Abend hat eine Spielzeit von satten 3,5 Stunden, sodass der vorangegangene Besuch bei Heilung durchaus möglich war, ohne allzu viel zu verpassen. Der Rasen ist satt mit Menschen gefüllt und nicht wenige laufen mit Guns n’ Roses Merchandise durch die Gegend. Die Amerikaner sind zu diesem Zeitpunkt schon ein wenig auf Tournee gewesen und über die vergangenen Konzerte waren unterschiedliche Meinungen zu hören. Von daher eine gute Gelegenheit, uns selbst ein Bild zu machen. Man könnte darüber endlos schwafeln, was aus der Band hätte werden können, wenn die Musiker ihre Egos ein wenig mehr im Zaum gehabt hätten, aber das tut hier nichts zur Sache. Guns n’ Roses sind im Jahre 2018 eine reine Geldmaschine, soviel sollte jedem klar sein. Die drei verbliebenen Originalmusiker Axl Rose, Slash und Duff McKagan haben so gut wie keine Berührungspunkte auf der Bühne. Wenn sich zwei der drei eben genannten Menschen etwas näher kommen on stage, darf man das schon als Highlight verbuchen. Auch die Kommunikation mit dem Publikum ist auf ein Minimum reduziert. Und es gibt noch einen Faktor, der deutlich macht, dass hier keine richtige Band auf der Bühne steht: Bei dem heutigen Auftritt greift die Kapelle auf sage und schreibe neun Coversongs zurück. Okay, dazu zählen natürlich auch die Hits wie Live And Let Die und Knockin’ On Heaven’s Door. Es gesellen sich dann noch Kuriositäten wie zum Beispiel Slither (Velvet Revolver), Attitude (Misfits), Wish You Were Here (Pink Floyd) und Black Hole Sun (Soundgarden) dazu. Selbstverständlich spielen Guns n’ Roses auch ihre Hits Welcome To The Jungle, You Could Be Mine, Sweet Child O’Mine, November Rain, Don’t Cry und Paradise City. Die Gitarrenarbeit von Slash ist ohne Makel und er bekommt viel Spielraum für seine Soli. Die Gesangsleistung von Axl Rose ist als durchwachsen und schon fast schwach zu beschreiben. Grundsätzlich schafft er die Songs, aber in der Basis fehlt einfach die Wucht in seinem Organ, die er ohne Zweifel früher einmal hatte. Auch höhere Passagen oder Schreie klingen eher nach einer besseren Coverband als nach dem Original. Der Rest der Band verrichtet einen stabilen Job, ohne weiter aufzufallen. Die meisten der Besucher freuen sich über die alten Hits, denn man kann nie wissen, ob die Jungs noch einmal auf Tournee gehen werden. Von daher kann man von einem soliden Auftritt des ersten Headliners sprechen, der zwar etwas zu lang ist und sich zwischendurch immer mal wieder zieht, aber trotzdem einen guten Unterhaltungswert hat.

Freitag

Der Donnerstagabend endete dann doch recht frisch, denn die Temperaturen gingen ziemlich runter, sodass ich heute einen Pulli mehr dabeihabe. Aber auch am heutigen Freitag sollte uns das Wetter nicht im Stich lassen. Es ist etwas bewölkt aber Niederschlag soll es nicht geben. Und auch die Temperatur bewegt sich in einem sehr angenehmen Bereich. Die erste Band des Tages spielt wieder im Metal Dome und nennt sich Zeal & Ardor. Die Recherche im Vorfeld zu dieser Band war sehr interessant, denn ein Musikstil, der als Mischung aus Black Metal und Gospel bezeichnet wird, ist uns noch nicht untergekommen. Dass wir hier nicht die einzigen Interessierten sind, merkt man an dem Zelt, welches doch ziemlich voll ist. Die Musiker um Frontmann und Gründer Manuel Gagneux betreten die Bühne und schon nach den ersten Takten sind zwei Sachen schnell klar: Zum einen ist die Musik wirklich großartig und zieht uns nach kurzer Zeit in ihren Bann. Zweitens sind wir eine der Wenigen, die nicht mit dem Material der Band vertraut sind. Die Menge feiert Zeal & Ardor nach alle Regeln der Kunst ab, während wir begeistert den Tracks lauschen. Aber auch die Band ist nicht so ganz vorbereitet auf die enthusiastischen Reaktionen seitens des Publikums. Gerade zum Ende hin möchte Sänger und Gitarrist Manuel Gagneux irgendetwas sagen. Aber er bekommt keine richtigen Sätze raus, stattdessen schaut er immer wieder nur fassungslos und mit einem ehrlichen Lächeln in die Menschenmenge und bedankt sich immer wieder. Auch seinen Mitmusikern merkt man die Begeisterung an, viele sind am Strahlen und knien sich noch mehr rein. Eine echte Win-Win Situation! Ein ganz starker Auftritt und neben Heilung die zweite Riesenüberraschung für uns. Da Zeal & Ardor deutlich massentauglicher wie Heilung sind, fresse ich einen Besen, wenn Zeal & Ardor nicht in Kürze richtig durchstarten werden! (Marc) Mein kurzes Fazit: Großartig! Die mehrstimmigen Gospelgesänge gehen unter die Haut und schaffen mit den Black Metal Riffs eine ganz eigene und neue Atmosphäre. Die möchte ich gern noch mal in einem Clubkonzert erleben. (Toni)

Es geht direkt raus aus dem Zelt und ab zur Jupiler Stage, wo im Anschluss Silverstein auftreten. Die Kanadier spielen nur ein paar wenige Festivals in Europa und so ist auch hier der Platz vor der Bühne mit vielen Menschen gefüllt. Das Quintett hat viel Spiellaune und der Schwerpunkt bei den Songs liegt auf dem letzten Album Dead Reflection. Die starke Mischung aus Härte und Melodien kommt gut an, neue Lieder wie Whiplash und The Afterglow werden genauso abgefeiert wie Klassiker á la Smile In Your Sleep oder My Heroine. Die vierzig Minuten Spielzeit gehen richtig zackig rum um machen definitiv Lust auf mehr.

Dass In This Moment überhaupt heute spielen, verwundert uns dann doch etwas. Immerhin wurde das Konzert zwei Tage vorher in Hamburg aufgrund von „familiären Problemen“ abgesagt. Das bekam man dann doch anscheinend schnell in den Griff. In This Moment leben von dem Zinnober und der optischen Darstellung von Frontfrau Maria Brink, das ist zumindest unser Eindruck. Musikalisch ist das Ganze höchst austauschbar und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Band einen ähnlichen Bekanntheitsgrad hätte, wenn die Dame im schlichten Shirt und einer Jeans auf der Bühne stehen würde. Da mich die Musik nicht umhaut und sich die Zuschauerreaktionen auch eher in Grenzen halten, wird das Experiment In This Moment auch nach der Hälfte der Spielzeit für mich beendet. (Marc) In This Moment bzw. Maria Blink ist für mich die Pink des Metal. Es ist mehr Show als Konzert. Mit diesem Wissen, weil ich sie auch schon vorher live gesehen hatte, geht man natürlich anders zu diesem Konzert. Die Bühnenshow ist klasse, die Tänzerinnen aktiv und zu jedem Song gibt es ein neues Outfit. Auch mag ich Marias Stimme und finde die Klassiker Blood und Sex Metal Barbie und Adrenalize Me kommen gut an, das Publikum tobt. (Toni)

Auf dem Weg, um ein wenig Nahrung aufzunehmen und den Sinnen auch mal eine Pause zu gönnen, bekommen wir noch ein wenig von dem Powerwolf Auftritt mit. Auch hier sorgt ja die optische Präsenz dafür, dass der eher durchschnittliche Power Metal etwas veredelt wird. Aber, und das gebe ich hier ohne Probleme zu, bei den Jungs aus Saarbrücken funktioniert es einfach. Hatte ich mich vor ein paar Jahren schon einmal in Wacken über die Masse an Zuschauern gewundert, die da am frühen Nachmittag Richtung Hauptbühne pilgerten, so ist hier das Bild identisch. Es ist Nachmittag, die Sonne scheint ein wenig, da spielen Powerwolf, und davor stehen locker 35.000 Leute und gehen steil. So soll es sein.

Nach kurzer Pause geht es wieder zurück in den Metal Dome, denn da spielen jetzt Pist.On. Die Band hatte Mitte der Neunziger Jahre einen kurzen Höhenflug mit ihrem Album Number One. Die Band schwamm im Fahrwasser von Life Of Agony, Type O Negative oder auch Marilyn Manson mit, auch wenn die Musik mehr alternative Anteile als die eben genannten Kapellen am Start hat. Damals fand ich das Album ganz gut, verlor die Band dann aber aus den Augen und war mir sicher, dass es die Truppe nicht mehr gibt. Und so erstaunte mich nicht nur die Ankündigung, dass Pist.On auf dem Graspop spielen würden, sondern auch noch die Tatsache, dass sich die Band laut Internet nie aufgelöst hatte. Leider gab es aber nur wenige, die interessiert sind wie wir, und so ist der Metal Dome nur dünn besetzt. Dass die Band aber darüber beleidigt ist (!), dieses auch öffentlich zum Ausdruck bringt und damit genau den Leuten vors Knie tritt, die immerhin noch da sind (!!) und dann ein völlig lustloses Set runter rotzen (!!!) ist mehr als daneben. So etwas habe ich auch schon lange nicht mehr erlebt und der Auftritt von Pist.On war auch das absolut negative Highlight des Festivals. Anstatt die Leute zu belohnen, die gekommen sind, spielt die Band die beleidigte Leberwurst. Sechs, Setzen, geht gar nicht! (Marc) Ich hatte mich sehr auf Pist.On gefreut und bin sehr enttäuscht. Nicht nur von den Sprüchen und der Möchtegern-Star-Attitüde (O-Ton: „Oh, we didn’t know we were THAT small“), auch von der lustlosen Show. Sehr schade. (Toni)

Dann lieber raus an die frische Luft und zur Jupiler Stage, wo eine Kapelle bereitsteht, die definitiv eine andere Einstellung hat als Pist.On. Die Amerikaner von Anti-Flag sind startklar, um die anwesenden Zuschauer mit einer ordentlichen Ladung politischen Punkrock zu beglücken. Und so gibt es auch nach den ersten beiden Songs Cities Burn und The Press Corpse gleich mal eine Ansage gegen Rassismus, Faschismus, Homophobie und sonstige Anzeichen von geistiger Eindimensionalität. Sehr gut, so etwas sollte viel öfter und von mehr Bands kommen. Im Anschluss erfolgen Punkrock-Hymnen quer durch alle Schaffensphasen von Anti-Flag und die Zuschauer sind gut und lassen ihrem Bewegungsdrang freien Lauf. Zum Ende gibt es noch das Cover von The Clash Should I Stay Or Should I Go und den Rausschmeißer Brandenburg Gate, bevor die Truppe unter viel Jubel die Bühne verlässt.

Weiter geht es im Anschluss mit etwas anderer Musik aber der gleichen politischen Ausrichtung: Less Than Jake übernehmen die Bühne und legen mit ihrem Ska-Punk gleich richtig los. Die gute Laune von der Bühne überträgt sich 1:1 auf die Zuschauer und so schaut man überall in lächelnde Gesichter. Die Jungs aus Florida holen in der Mitte des Auftritts dann auch noch zwei männliche Fans auf die Bühne. Eigentlich sollten diese das Publikum noch ein wenig mehr anfeuern, das klappt aber nicht so, wie die Band sich das vorstellt, also werden noch einmal vier Damen aus dem Publikum ebenfalls auf die Bühne geholt. Folgerichtig wird es etwas voll da oben und nach einem Song dürfen die Gäste dann auch wieder zurück. Am Ende spielen Less Than Jake ihren bekanntesten Song All My Best Friends Are Metalheads und auch hier drehen die Zuschauer komplett frei. Neben einem großen Circle Pit wird auch noch eine Polonaise gestartet! Ein wirklich sehr unterhaltsames Konzert, selbst wenn man mit der gespielten Musik nicht so viel anfangen kann.

Bei Watain kann man ja mal vorbeigehen, dachte ich mir so, in der Hoffnung, dass sich deren olfaktorische Darbietung in Grenzen hält. Wer Watain aus Schweden kennt, der weiß, dass diese immer alle möglichen Tierkadaver und Blut mit auf die Bühne bringen und das Zeug elendig stinkt. Man wird mit brennenden Kreuzen empfangen, ja so lob ich mir Black Metal. Und der Geruch ist dank des halb-offenen Zeltes zu ertragen. Was man hört, ist ganz solide, es fehlt auch nicht das Blutvergießen aus dem Kelch in Richtung Publikum. Viele Songs des neuen Langeisens sind im Set wiederzufinden: Nuclear Alchemie, Furor Diabolicus, Sacred Damnation, Towards the Sanctuary.

Reicht dann auch, denn Iron Maiden spielen als Nächstes. (Toni) Große Geschichten über Iron Maiden zu erzählen, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Also lassen wir das und konzentrieren uns auf das Konzert. Die Engländer haben viel Spiellaune mitgebracht, der Sound ist einmal mehr perfekt an diesem Wochenende und in Bezug Bühnenshow spielen die Eisernen Jungfrauen eh schon lange in der Champions League. Zu Beginn gibt es natürlich Aces High und passend dazu bewegt sich über den Bandköpfen ein Spitfire-Flugzeug (in Originalgröße!) unter dem Bühnendach. Respekt! Weiter geht es im Luftkampf und der ersten Überraschung. Where Eagles Dare wurde auch schon lange nicht mehr live intoniert. Das ist so ein Grund, warum ich persönlich Iron Maiden auch gerne mag. Bis auf ein paar Klassiker gibt es immer mal wieder Überraschungen in der Setlist. Im Hintergrund gibt es zu jedem Song ein neues Backdrop zu sehen. Die Idee ist jetzt nicht komplett neu, ist aber immer wieder nett zu sehen. Bruce Dickinson macht währenddessen das, was er am Besten kann: Singen wie ein junger Gott und dazu auf der Bühne rumflippen wie ein 20-jähriger. Nach 2 Minutes To Midnight gibt es die nächste Überraschung, denn es ertönt (nach einer längeren Einleitung von Onkel Bruce) The Clansman. Die weiteren Knaller aus der Setlist sind Sign Of The Cross, Flight Of Icarus und For The Greater Good Of God. Der Iron Maiden Auftritt gleicht einem Triumphzug und selbstverständlich dürfen die Klassiker nicht fehlen. The Trooper, The Wicker Man, Fear Of The Dark und Number Of The Beast sind alles Heavy Metal Hits und sollte jeder Freund der gitarrenlastigen Musik kennen. Als Zugabe dann noch The Evil That Men Do, Hallowed Be Thy Name und Run To The Hills. Metalherz was willst du mehr? Iron Maiden hinterlassen eine extrem gut gelaunte Menschenmenge und im Vergleich zu Guns n’ Roses zum Vortag haben die Engländer hier ganz klar die Nase vorn. Hier steht eine Band auf der Bühne, die durch einige Hochs und Tiefs in ihrer Karriere gegangen ist. Aber nichtsdestotrotz immer wieder zurückkam und zu den besten und erfolgreichsten Heavy Metal Bands aller Zeiten gehört. Up The Irons!

Danach dann eine kurze Stippvisite bei Ayreon und gleichzeitig der erste Besuch im großen Zelt mit dem Namen Marquee, das etwas versetzt von den beiden Hauptbühnen steht. Das sehr progressive Metal Projekt des Niederländers Arjen Lucassen zieht eine Menge Leute an und die Fläche vor der Bühne ist gut gefüllt. Allerdings sind uns die sehr weichgespülten Melodien und die unzählige Anzahl an Sängern und Sängerinnen, die über die Songs verbraucht werden, schnell über und wir überlassen unseren Platz lieber den Leuten, die sich mit diesen Songs besser anfreunden können.

Als letzte Band an diesem Abend stehen Neurosis im Metal Dome auf dem Programm, allerdings sind wir schon sehr müde und nicht nur uns sieht man an, dass es ein langer Tag gewesen ist. Es sind so einige Zuschauer vor Ort, aber hier passen definitiv noch mehr Menschen rein. Mit Given To The Rising und End Of The Harvest zum Einstieg machen es einem die Amerikaner auch nicht leicht, sich richtig auf die Musik einzulassen. Neurosis stehen eher für sperrigen Sound und der wird heute auch ohne Ausnahme dargeboten. Leider können wir uns das nicht eine ganze Stunde antun und so wird vor Ablauf der offiziellen Spielzeit von Neurosis die Heimreise angetreten.

Samstag

Das Wetter wird kontinuierlich besser, sodass heute zwischen den bedeckten Abschnitten auch immer wieder mal die Sonne rausbricht. Allerdings versaute die Meldung über den Tod von Schlagzeuger Vinnie Paul (Pantera und Hellyeah) an diesem Morgen zahlreichen Leuten die Laune. Erste Band des heutigen Tages sind dann Accept, die einen recht frühen Slot und somit nur eine kurze Spielzeit erwischt haben. In den 50 Minuten gibt die Band um Wolf Hoffmann aber alles und so wird Hit auf Hit gespielt. Die By The Sword, Pandemic, Restless And Wild, Princess Of The Dawn, Fast As A Shark, Metal Heart, Teutonic Terror und als Letztes natürlich Balls To The Wall. Ein starker und routinierter Auftritt von Accept ohne nennenswerte Zwischenfälle. Danach gehen wir in den Pressebereich, um das Fußball WM Spiel Deutschland gegen Schweden zu sehen. Hätten wir hier schon gewusst, wie der weitere Turnierverlauf der deutschen Mannschaft enden würde, hätten wir darauf verzichtet. So ergab sich ein recht spannendes Spiel mit einer Menge angetrunkener Schweden auf der einen Seite und ein paar deutschen Sympathisanten auf der anderen Seite. Dazwischen noch viele Belgier, denen das Ergebnis recht egal war und ein paar Niederländer, die einfach nur ein gutes Spiel sehen wollten. Alles Weitere sollte ja bekannt sein und damit ist das Thema Fußball dann auch ab hier wieder beendet.

Megadeth live sind immer eine Wundertüte. Je nachdem wie Dave Mustaine so drauf ist, kann es ein sehr unterhaltsames Konzert werden oder es wird ein Rohrkrepierer. Der Anfang ist sehr routiniert und die Set-Eröffnung mit Hangar 18 standesgemäß. Es folgen The Threat Is Real, The Conjuring und Take No Prisoners, bevor es eine handfeste Überraschung gibt. Mustaine ergreift das Wort und widmet den nächsten Song Vinnie Paul. My Last Words erklingt, was wirklich etwas Ungewöhnliches ist. Danach nimmt aber schnell wieder die Routine überhand und Megadeth musizieren sich steril durch ihren Auftritt. Tornado Of Souls, Symphony Of Destruction, Peace Sells und Rattlehead gibt es unter anderem noch zu hören, bevor die Zugabe Holy Wars erklingt und die Band danach Feierabend hat.

Oh, was freue ich mich auf Baroness im Metal Dome. Die Amis aus Georgia mit John Baizleys schöner Stimme geben zusammen mit dem „stonigen“ Gitarrensound eine groovige und erholsame Komposition. Mit Take My Bones wird locker flockig gestartet, auch später gibt es weitere Songs der Yellow And Green-Scheibe, die wunderbar rockt – auch wenn durch den Tour-Unfall ein Schatten auf dieser liegt. Mit Green Theme gibt es zwischendurch eine instrumentale Nummer, bevor es mit Morningstar und Shock Me als Finale Kerosene von der letzten Scheibe Purple wieder zur Sache geht. Hach, ein herrliches Konzert, lediglich Try To Disappear hab ich vermisst. (Toni)

Mit Volbeat kommt jetzt schon der dritte Headliner zum Zug. Die Kopenhagener haben einen Ruf zu verteidigen, denn Shows von Volbeat gelten im Allgemeinen immer als gute Unterhaltung. Aber auch die Dänen zollen dem jüngst verstorbenen Schlagzeuger Vinnie Paul Tribut. Direkt vor dem Auftritt läuft Walk von Pantera über die Anlage und so ziemlich alle Menschen auf dem Platz vor der Hauptbühne singen mit. Kurz darauf ist dann aber erst einmal gute Laune angesagt, als Volbeat mit The Devil’s Bleeding Crown und einem Medley bestehend aus Heaven Nor Hell, A Warrior’s Call und I Only Wanne Be With You loslegen. Die Mischung aus Rockabilly, Metal und Blues funktioniert einfach richtig gut und trifft den Geschmack von vielen Zuhörern. Es folgt ein guter Querschnitt durch alle Volbeat Alben. Vor dem Song Goodby Forever richtet Sänger Michael Poulsen noch ein paar Worte an Vinnie Paul, bevor diesem der Song gewidmet wird und sein Konterfei auf den riesigen Leinwänden zu sehen ist. Kurz danach wird das offizielle Set mit Seal The Deal und Doc Holliday beendet, bevor die drei Zugaben Black Rose, Fallen und Still Counting erklingen. Volbeat liefern einmal mehr ein fantastisches Konzert ab und man darf gespannt auf das neue Album warten, was wohl 2019 erscheinen soll.

Ähnlich wie bei Megadeth weiß man auch bei Brian Hugh Warener aka Marilyn Manson nie so ganz genau, was man bekommt. Heute hatte der Exzentriker allerdings einen seiner besseren Tage. Zwar bewegte er sich sehr oft am Bühnenrand auf seinen Knien, im Großen und Ganzen haben er und seine Musiker aber Bock auf das Konzert und liefern solide ab. Und mal ehrlich: Wenn man Songs wie This Is The New Shit, Disposable Teens, oder auch The Dope Show im Programm hat, kann man nicht allzu viel falsch machen, oder? Etwas peinlich wird es lediglich vor dem Song Kill4me, da Mister Manson darauf besteht ein paar Fans auf die Bühne zu holen, die lustigerweise entsprechende Schilder vorbereitet hatten. Rein zufällig handelt es sich bei diesen „Fans“ auch fast nur um Damen, auf die irgendwie gar nicht so das normale Zuschauerbild einer Festivalgängerin passt. Naja, wenn der Marilyn Manson das eben braucht…. Das schmälert ein wenig den ansonsten sehr positiven Eindruck, den die Band und ihr Frontmann so hinterlassen. Nach der albernen Aktion kommt das Cover Sweet Dreams, Say10 (Favorit der letzten CD Heaven Apside Down) sowie Antichrist Superstar und The Beautiful People. Der reguläre Auftritt ist nun zu Ende, Marilyn Manson kommen aber noch einmal zurück und spielen eben NICHT Tainted Love, sondern Cry Little Sister. Auch dies ist eine Coverversion (im Original von Gerard McMann) aber eher das unbekanntere von den beiden möglichen Stücken. Und viele Leute kennen den Song auch aus dem Film The Lost Boys. Somit geht dann auch dieser Samstag zu Ende und wir machen uns auf den Weg in unsere Unterkunft.

Sonntag

Der letzte Tag glänzt mit noch mehr Sonnenschein und noch besserem Wetter. Es fällt bis zum Ende des Festivals nicht ein Tropfen Regen und unterstreicht den guten Gesamteindruck des Graspop Metal Meetings einmal mehr.

Erste Band am Sonntag sind die Herren von Tyr von den Färöer Inseln. Das Marquee ist schon sehr gut gefüllt und das Quartett kann mit seiner Mischung aus Metal und Folklore-Elementen aus der nordischen Heimat punkten. Die Stimmung ist sowohl vor wie auch auf der Bühne sehr gut und wir haben schon schlechtere Starts an einem Festivaltag gehabt.

Weiter geht es auf der Hauptbühne mit Powerflo. Diese Supergroup um Sen Dog (Cypress Hill), Billy Graziadei (Biohazard), Roy Lozano (downset.) und Christian Olde Wolbers (ehemals Fear Factory) kann mit ihrer Mischung aus Hip-Hop und Metal die Menge vor der Bühne schon einmal in Wallung bringen. Strategisch hat die Band einen sehr guten Slot bekommen, denn obwohl sie kaum musikalisches Material am Start haben (eine komplette CD und eine EP, die aber zum größten Teil nur aus Remixes besteht) stehen sie auf der Hauptbühne und dürfen eine Stunde vor Body Count ran. So gestaltet sich der Auftritt zwar als unterhaltsam, wird aber gerne mit Ansagen, Zwischenspielchen und der sehr langen Bandvorstellung gestreckt. Zum Ende gibt es noch die Cover Version von How It Is, einen alten Biohazard Klassiker.

Danach geht es auf der anderen Seite der Hauptbühne weiter, wo die Kanadier von Billy Talent in den Startlöchern stehen. Mit dem Opener Devil In A Midnight Mess startet die Band auch gleich richtig durch und hat das Publikum fest im Griff. Das kurze Hoch ebbt aber ziemlich schnell ab, da Billy Talent den Fehler machen und auf neuere Songs setzen. So verpufft die gute Stimmung so schnell, wie sie gekommen ist. Der Schwerpunkt der Setlist liegt auf dem zweiten Album, vom Ersten gibt es lediglich Try Honesty in einer ziemlich lustlosen Fassung und mitten im Auftritt. Warum man als letzten Song dann noch Fallen Leaves spielt, kann ich auch nicht nachvollziehen. Letztendlich ist es ein unterdurchschnittlicher Auftritt, aus dem die Band wirklich mehr hätte machen müssen. (Marc)

Um meinen Bedarf an Black Metal abzudecken, gehe ich parallel zu Shining ins Marquee. Schweden oder Norwegen – wird der Kenner nun fragen. Es sind Shining aus Schweden, die extremen Jungs, die sich gern mal die Arme aufritzen oder Zigaretten auf den Armen der Erste-Reihe-Mädchen ausdrücken oder sich den behandschuhten Finger in den Allerwertesten schieben, um den Handschuh dann zu verschenken… Ich erwarte also großes Kino. Was mir geboten wird, ist zur Überraschung (oder Erleichterung) eine gute Show, eine gute Stimme, solide Soli und wirklich stimmungsvolle Songs, die emotional vorgetragen werden. Das einzig eklige ist das weiße Shirt von Niklas Kvarforth, welches im Laufe des Konzerts immer mehr seiner siffigen-roten Wunden durchscheinen lässt, auch platzt an den Armen die eine oder andere Narbe auf. Er selbst ist während des Sets sehr fürsorglich unterwegs und „füttert“ seine Kumpanen aus der Jack-Daniel-Flasche, zu welcher er selbst auch des Öfteren langt. Passt schon, das 6-Songs-Set fasziniert auch ohne Gemetzel. Ja, ich war tatsächlich angetan. (Toni)

Großes Kino dann auf der Hauptbühne, denn Body Count spielen zum Tanz auf. Der Einstieg mit dem Slayer Cover Raining Blood/Postmortem gelingt schon einmal, bevor die Mannen um Ice-T mit Bowels Of The Devil und Manslaughter eigenes Material präsentieren. Bevor es mit dem aktuellen Hit No Lives Matter weitergeht, gibt es einige Worte vom Großmeister am Mikrofon. Und nicht nur das, er hat gefühlt seine ganze Familie mitgebracht, die ebenso wie seine Bandmitglieder ausgiebig vorgestellt werden. Und tatsächlich bleibt No Lives Matter der einzige Song der aktuelle Scheibe Bloodlust. Als Letztes gibt es selbstverständlich Cop Killer, wo Body Count Unterstützung von Sen Dog und Billy Graziadei von Powerflo bekommen. Ob das Gerede von Ice-T zwischen den Songs wirklich authentisch ist? Wie authentisch kann jemand sein, der im Fernsehen einen Polizisten spielt, aber auf einer Musikbühne Cop Killer singt? Und wie glaubhaft sind seine Ghettofloskeln, wenn man weiß, dass der Mann einen zweistelligen Millionenbetrag auf dem Konto hat? Das kann jeder für sich selbst entscheiden. Body Count live auf einer Bühne sind unterhaltsam und können dir mächtig in den Hintern treten – wenn man Bock darauf hat.

Im Marquee wird es Zeit für eine wiedervereinigte Legende. Carnivore A.D. sollen ihr zweites Konzert überhaupt in dieser Besetzung spielen, das erste Konzert fand nur einen Tag früher auf dem parallel stattfindenden Hellfest in Frankreich statt. Mit den Originalmitgliedern Louie Beato am Schlagzeug sowie Marc Piovanetti an der Gitarre. Hinzu kommt der Bassist und Sänger Baron Misucara. Der Typ hat eine frappierende Ähnlichkeit mit Peter Steele. Und nicht nur das, auch sein Gesang und sein Habitus ähneln dem ehemaligen Frontmann von Carnivore und vor allem Type O Negative doch sehr stark. Vielleicht etwas zu viel des Guten, aber da kann man nichts machen. Gitarrist Marc Piovanetti hat sich in eine Uniform inklusive Helm geworfen, was irgendwie komisch und beschämend zu gleich wirkt. Die Band steigt mit Carnicore und Angry Neurotic Catholics ein und das erste Mal finde ich den Sound unterirdisch. Viel zu laut, ein einziges Dröhnen und Kreischen ertönt aus den Boxen und wir haben das Gefühl, dass der Mischer auf seinem Pult eingeschlafen ist. Etwas bessert sich das zwar, aber damit bekommt man mit, wie wenig die Band aufeinander eingespielt ist. Es rumpelt an allen Ecken und Enden und wir vermuten, dass die drei Herren erst vor einer Woche mit den Proben angefangen haben. Der Zuschauerzuspruch hält sich eh in Grenzen, die Band sorgt aber dafür, dass wirklich nur der harte Kern bis zum Ende durchhält. Ein fürchterlicher Auftritt, an dem wir keine weitere Lebenszeit verschwenden werden.

Zurück zur Hauptbühne, wo der nächste Crossover Kandidat schon bereit ist: Limp Bizkit sind „in da house“ und legen mit einem Cover los. Thieves von Ministry erklingt und sorgt doch für einige überraschte Gesichter im Publikum. Der Platz vor der Hauptbühne ist sehr gut gefüllt und es sollte ein echtes Vergnügen werden. Mit Hot Dog, Rollin’, My Generation und Livin’ It Up folgt ein Hit auf den nächsten und die Masse an sich bewegenden Zuschauern, sei es in einem Mosh Pit oder jeder für sich alleine, wächst von Song zu Song. Und wenn wir leise Kritik bei Guns n’ Roses haben verlauten lassen aufgrund der vielen Cover, die gespielt wurden, dann nehmen wir das hiermit zurück. Denn im Anschluss spielen Limp Bizkit nur noch zwei (!!) eigene Songs. Und der Auftritt geht hier noch mehr als eine halbe Stunde. Zunächst gibt es ein Medley aus verschiedenen Songs, unter anderem Walk und Cowboys From Hell von Pantera sowie Master Of Puppets von Metallica oder auch Wasted Years von Iron Maiden. Ein etwas launig wirkender Fred Durst zollt Tribut an Pantera und seinen anderen Idolen. Zwischendurch gibt er immer mal wieder Statements ab, wer da alles am Bühnenrand steht und sich über den Auftritt von ihm freut. Ob das nun ernst gemeint ist oder aus Spaß können wir leider nicht erkennen. Weiter geht es mit der kompletten Version von Killing In The Name von Rage Against The Machine. Dann ein alter Klassiker, den Limp Bizkit schon auf ihrem ersten Album verwurstet hatten: Faith von George Michael. Es folgen die beiden angesprochenen eigenen Songs My Way und Break Stuff. Bei Letzterem kommt Sen Dog von Powerflo/Cypress Hill auf die Bühne und stimmt mit ein. Und wo der Kollege schon einmal da ist, wird direkt danach Insane In The Brain von Cypress Hill durchgespielt. Eine interessante Notiz am Rande: Etwas versteckt zwischen Schlagzeug und dem Mischpult von DJ Lethal steht ein Background Sänger mit Mikrofon. Auf den großen Videowänden ist aber zu sehen, dass der gute Mann nicht nur irgendwelche Backing Vocals in sein Mikro röhrt, sondern auch sämtliche Texte von Fred Durst mitrappt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Allerdings soll dies alles zur Nebensache werden, denn es folgt der Höhepunkt des Festivals. Beim letzten Song Take A Look Around wird gleich zu Beginn eine Rollstuhlfahrerin per Crowd Surfing in Richtung Bühne geschickt. Fred Durst bekommt das mit und so wird der Song ziemlich in die Länge gezogen. Als die Dame vor der Bühne angekommen ist und die Securities die Dame zur Seite rollen wollen, schreitet Fred ein und befiehlt, dass die Frau mitsamt Rollstuhl auf die Bühne muss. Wie, sei ihm egal, aber sie soll jetzt auf die Bühne. Das Publikum ist zu diesem Zeitpunkt schon völlig begeistert von der Nummer und während der ganzen Zeit spielen Wes Borland an der Gitarre und John Otto am Schlagzeug den Song in einer Art Dauerschleife weiter und sorgen so für die musikalische Untermalung. Mit einem gewaltigen Kraftakt wuchten mehrere Kerle die Dame im Rolli auf die Bühne, wo sie sogleich in die Mitte zu Fred Durst gebracht wird. Der merkte in der Zwischenzeit an, dass Sen Dong von Powerflo/Cypress Hill ihm schon gesagt hätte, dass das Publikum von Graspop komplett irre sei, aber dass sie so verrückt wären, hätte er auch nicht gedacht. Die Uhr war schon lange für Limp Bizkit abgelaufen, aber die Nummer musste nun zu Ende gebracht werden. Nach einer kurzen Konversation mit dem Mädel im Rollstuhl und der Frage, ob ihre Kamera angeschaltet sei, kniete sich Fred Durst an den Bühnenrand und die letzte Bridge vor dem finalen Ausrasten beim Take A Look Around wurde intoniert. Als wenn der Song nicht schon allein zum Durchdrehen reichen würde, war die Kamera von der Rollstuhllady noch ein Ansporn mehr. Und das Publikum drehte dann wirklich komplett frei. Wer es nicht glauben mag, kann das gerne bei Youtube suchen und er wird uns recht geben. Das Mädel hat auf jeden Fall nicht nur was zu erzählen, sondern auch zu zeigen. Ein denkwürdiger Auftritt von Limp Bizkit geht dann zu Ende. Weniger durch die gespielten Songs, sondern eher durch die Umstände bei diesem Konzert. Großartig!

Im Metal Dome geht es weiter mit Skindred. Mittlerweile sind sie nur noch zu viert, denn DJ Dan Sturgess ist nicht mehr an Bord. Um etwaige Samples oder Einspieler kümmert sich jetzt Bassist Daniel Pugsley. Aber das nur am Rande, denn das Zelt ist pickepacke voll und es dauert etwas, bis wir uns nach vorne durchgekämpft haben. Aber das sollte sich auch lohnen, denn die Engländer sind eine formidable Liveband, die wirklich jedes Publikum in Bewegung bekommen. Zum einen durch ihre starken Songs und ihrem Mix aus Metal und Reggae/Hip Hop. Und zweitens haben sie mit Benji Webbe einen exzellenten Frontmann in ihren Reihen, der jedes Publikum im Handumdrehen auf seiner Seite hat. Heute schaffen es Skindred mit nur wenigen Songs (die drei stärksten Songs vom neuen Album Big Tings sowie sechs Alltime Klassikern) den Metal Dome in seinen Grundfesten zu erschüttern. Einfach nur der Wahnsinn, was bei Songs wie Warning oder Kill The Power abgeht. Stillstehen ist nicht möglich bei einem Skindred Konzert, das hat die Band heute mal wieder eindrucksvoll bewiesen.

Auf dem Weg zur Hauptbühne erleben wir dann noch ein paar Songs von den Hollywood Vampires. Diese Supergroup um Alice Cooper, Joe Perry und Johnny Depp wartet mit Coverversionen von verstorbenen Musikgrößen auf (zum Beispiel Heroes von David Bowie, Ace Of  Spades von Motörhead oder auch Break On Through von The Doors). Dazu werden aber auch Songs von den bestehenden Kapellen Alice Cooper und Aerosmith dargeboten. Alles ganz nett, und wenn die Leute nicht so bekannt wären, würde wahrscheinlich kein Hahn danach krähen. Aber den meisten Zuschauern gefällt es und immerhin steht da Captain Jack Sparrow aka Johnny Depp auf der Bühne. Und der ist doch gerade Single oder? Egal, am Ende gibt es School’s Out und da kann dann auch wirklich jeder mitsingen.

Als zu Beginn des Jahres die Nachricht die Runde machte, dass der langjährige Judas Priest Gitarrist Glenn Tipton seiner Parkinson Erkrankung Tribut zollen müsste und deswegen nicht mehr auf Tour gehen würde, war das ein Schock und nicht nur für eisenharte Judas Priest Fans. Sein Ersatz ist Andy Sneap, der auch das letzte Album Firepower produziert hat. Der Titeltrack war dann auch der Opener für den heutigen Auftritt. Es folgten Grinder, Sinner, Lightning Strike und Bloodstone. Die beiden Gitarristen Andy Sneap und Richie Faulkner machen ihre Sache richtig gut und gerade letzterer posiert am Bühnenrand, als ob es kein Morgen mehr geben wird. Nach dem Klassiker Turbo Lover gibt es mit Rising From Ruins den letzten Song vom neuen Album Firepower. Es ist Klassikerzeit angesagt! Freewheel Burning, You’ve Got Another Thing Comin’, Hell Bent For Leather und Painkiller in einem Rutsch durch. Und Rob Halford? Hält sich etwas dezenter im Hintergrund und stellt seinen Gesang in den Vordergrund. Der ist heute wirklich gut und selbst den Stolperstein schlechthin Painkiller bekommt er ohne Probleme auf die Kette. Eine sehr souveräne Vorstellung des Frontmanns, der auch kurz vor seinem 70. Geburtstag steht. Die größte Überraschung gibt es allerdings zu den drei Zugaben Metal Gods, Breaking The Law und Living After Midnight. Glenn Tipton wird unter lautem Jubel auf die Bühne geholt und spielt die drei Songs auf der Gitarre mit. Selbst die Soli werden ihm von seinen jüngeren Kollegen Faulkner und Sneap überlassen. Andererseits sieht man auf den großen Monitorwänden allerdings auch, dass etwas mit dem Mann passiert ist. Ein sehr schöner aber auch trauriger Moment zugleich. Dass Judas Priest in dieser Grundverfassung nur einen Slot von 75 Minuten bekommen, ist eigentlich eine Frechheit. Auf der anderen Seite bekommt man so aber einen tollen Auftritt ohne Füllmaterial, minutenlangen Schlagzeugsoli oder sonstigen Tinnef.

Nun wird das Ende eingeläutet, denn es folgt der letzte Headliner und damit auch die letzte Band überhaupt für das diesjährige Graspop Metal Meeting. Ozzy Osbourne kommt auf die Bühne gezittert und mit Bark At The Moon und Mr. Crowley gibt es gleich zwei Klassiker auf die Ohren. Mister Osbourne haben wir 2011 solo in Wacken gesehen. Da waren wir hin- und hergerissen zwischen Belustigung, Fremdschämen und Respekt vor dem Madman. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Warum der Mann sich das noch antut, können wir nicht verstehen. Ewig die gleichen Sprüche vor, während und nach den Songs („I Can’t Heeaaaaarrr You“) und einen Bewegungsradius von maximal einem Bierdeckel. Na klar, er muss sich ja auch die ganze Zeit an seinem Mikrofonständer festhalten, um nicht umzufallen. Als wir ihn vor zwei Jahren beim Graspop auf der Abschiedstournee von Black Sabbath gesehen haben, waren wir noch sehr positiv überrascht. Ozzy wirkte aufgeräumt, gab sich sympathisch auf der Bühne und hatte anscheinend großen Spaß mit seinen Bandkollegen noch mal richtig Arsch zu treten. Da ist heute nicht viel. Zu seinem Glück hat er mit Zakk Wylde nicht nur einen mehr als fähigen Gitarristen an seiner Seite, sondern dieser übernimmt auch gerne die Rolle des Anheizers für das Publikum und zieht damit die Blicke immer wieder auf sich. Ozzys stimmliche Leistung an diesem Abend würden wir als durchschnittlich bis schwach bezeichnen. Grundsätzlich ist das, was er abliefert in Ordnung, aber immer wieder sind Wackler in der Stimme drin, die hohen Passagen werden so manches Mal elegant umschifft und ohne seine Teleprompter wäre er wohl auch völlig hilflos. So gibt es einen bunten Querschnitt aus allen Schaffensperioden von Ozzy Osbourne, garniert mit den Black Sabbath Klassikern Fairies Waer Boots, War Pigs und Paranoid. Im direkten Vergleich mit Judas Priest ist dies der schwächere Auftritt und die Rollen hätte man eigentlich tauschen müssen. Aber wer weiß, wie lange Ozzy noch weitermacht und ob man ihn noch einmal auf der Bühne zu Gesicht bekommt?

Als Fazit können wir nur von einem ganz starken Festival sprechen. Vieles ist wirklich herausragend, die Bands in diesem Jahr fast alle aus der obersten Schublade und nur wenige Rohrkrepierer dabei. Allerdings würden wir zwei Verbesserungen wirklich begrüßen: Das Preisniveau für Essen und Trinken sollte dringend mal überdacht werden und die Vermeidung des Mülls wäre ebenfalls eine positive Änderung. Auch wenn das Gelände mittags wie geleckt aussieht, zu den Headlinern am Abend läuft man über ein Meer von Plastikbechern und sonstigen Abfällen. Das muss wirklich nicht sein.

Der Bericht wurde erstellt von Toni B. G. und Marc S..

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