Interview mit Alex Frey, Produzent und Bassist von DeVicious zur neuen CD Phase Three und zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie

Aller guten Dinge sind drei

Artist: DeVicious

Herkunft: Karlsruhe, Baden-Württemberg, Deutschland

Genre: Hard Rock

Release: 08.05.2020

Label: Metalapolis Records, DA Music

Links: https://www.facebook.com/deviciousband/
https://www.devicious.band
https://www.instagram.com/deviciousband

Album: Phase Three

Bandmitglieder:

Gesang – Antonio Calanna
Gitarre – Radivoj Petrovic
Keyboards – Denis Kunz
Bassgitarre – Alex Frey
Schlagzeug – Lars Nippa

Die christliche Zeitrechnung begann mit dem Jahr 1 nach Christi Geburt. Heute, 2000 und zwanzig Jahre später wird, zumindest für Deutschland gesprochen, ein weiteres historisches Datum in die Geschichtsbücher eingehen. Es war Freitag, der 13. März 2020, an dem sich primär unser Land und ferner die Welt vollkommen verändern sollte. Seither befindet sich unser Land flächendeckend im Ausnahmezustand. Ein winzig kleines Virus zeigt uns unsere Grenzen auf, bedroht uns mit dem Tode und fordert uns Qualitäten und Fähigkeiten ab, von denen wir in diesem Kontext bislang nicht wirklich Gebrauch machen mussten. Die Corona-Pandemie, ein allumfassendes Thema, welches sehr viele Menschen mittlerweile dazu gebracht hat, sich jeweils mit ihrer individuellen Meinung miteinander auszutauschen. Ob sich die sozialen Medien grundsätzlich hierzu eigen, stelle ich heute mehr denn je in Frage. Letztlich aber habe ich meinen Senf dazu auch abgegeben. Und zwar auf Facebook. Da es keine Zufälle gibt, muss es Fügung gewesen sein. Denn auf einen meiner Posts hatte sich mein heutiger, bis zu diesem Zeitpunkt allerdings noch unbekannter, Interviewpartner Alex Frey gemüßigt gefühlt, ebenfalls zu kommentieren. Der darauffolgende Dialog zwischen Alex und mir war, sagen wir mal, kontrovers. Wir haben uns zwar nicht beleidigt, aber in der Sache durchaus miteinander um Positionen gerungen. Uns beiden war dabei allerdings schnell klar, dass diese Plattform keinesfalls dazu geeignet sein sollte, sich respektvoll, tiefgründig und reflektiert in der Sache an sich auseinanderzusetzen. So kam es dann zu einem Telefonat und darüber hinaus zu einem durchaus respektvollen und jederzeit wertschätzenden Miteinander. Insofern hatte Facebook zumindest in diesem Falle seine Berechtigung.

Ich zumindest bin dankbar dafür, denn dadurch habe ich einen Menschen kennengelernt, der nicht nur stur seine Positionen vertritt. Nein, Alex kann seine Positionen erklärbar machen und so darf ich nun seinen Blickwinkel besser verstehen. Zwischenzeitlich haben wir uns beide zu diesem Thema auf genannter Plattform kaum noch geäußert, ziehen den persönlichen, bislang leider nur telefonischen, Kontakt vor. Ein weiteres großes Glück war, dass Alex Musiker ist. Und nicht einfach nur irgendein Musiker. Alex ist Bassist und Produzent der süddeutschen Hard Rocker DeVicious. Also lag es nahe, sich um die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu unterhalten – die Musik. Das klingt jetzt beinahe sarkastisch und zynisch, aber das Leben muss auch mit Sars-Cov-2 weitergehen. Alex in jedem Falle war sehr schnell bereit, mit mir ein Interview zur Band, zur kommenden CD und zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu führen. Im Lichte unserer besonderen gemeinsamen Geschichte hatte ich daran in der Tat sehr viel Freude. Das Interview wurde am 24.04.2020 per E-Mail geführt und zuvor durch ein Telefonat vorbereitet.

Time For Metal / Peter H.:
Lieber Alex, an dieser Stelle nochmals vielen herzlichen Dank für Deine Bereitschaft für dieses Interview und schlicht für die Tatsache, Dich kennengelernt zu haben. Dass uns beide zudem die gleiche Leidenschaft begleitet, macht das Leben insgesamt noch lebenswerter.

Alex, Du zeichnest Dich bei DeVicious u. a. auch für die Belange der PR verantwortlich. Aber nicht nur hierfür, Du trittst ferner als Produzent, Songwriter und sicher auch als Mädchen für alles bei DeVicious in Erscheinung. Euer neues Album Phase Three wird am 08.05.2020 via Metalapolis veröffentlicht und ich übertreibe wohl nicht, wenn primär Du an der konzeptionellen Entstehung eures dritten Albums abermals maßgeblich beteiligt warst. Neben Zeit, Herzblut, Geld und jeder Menge Hingabe, gibt es Bedürfnisse und Aspekte, die dem Hörer schlicht verborgen bleiben. Aber es geht ja nicht nur um das Endprodukt, vielmehr geht es darum, mit der Musik auch Botschaften zu übertragen und Emotionen freizusetzen.

Fluch und Segen eines Redakteurs zugleich ist es, entweder präzise Fragen zu stellen und auch nur präzise Antworten zu bekommen, oder aber Raum für Antworten zu schaffen, die eben unpräzisen und nicht formulierten Fragen folgen.

Bitte gewähre unseren Lesern, im Rahmen deiner Bereitschaft, einen persönlichen und dezidierten Einblick in den üppigen Schaffensprozess des neuen Albums, in Unwägbarkeiten, in deine Rolle des Producers und in die sicher auch witzigen Geschichten, die es unbedingt wert sind, erzählt zu werden. Und ferner, inwieweit sich DeVicious, oder besser gesagt die Bandmitglieder, mit dem fertigen Produkt Phase Three letztendlich identifizieren können. Wohlwissend, dass DeVicious mit Antonio Calanna als neuem Sänger, nachhaltig bereichert wurde.

DeVicious / Alex Frey:

Alex Frey

Hallo Peter, zuerst einmal danke für die ausführliche Einführung und für das „etwas andere Interview“. Es ist in der Tat so, dass man glaubt, auf Jahre im Voraus den Weg einer Band planen zu können. Man bucht schon früh mehrere Tourneen, ist der Überzeugung, gut vorbereitet zu sein und nur noch seine Leistung abliefern zu müssen. Und dann kommt so ein Mist daher. Na ja, wir haben uns damit abgefunden und wissen, wie wir die Zeit für uns nutzen werden.

Der Schaffensprozess sollte aus meiner Sicht mit der Gründung der Band erklärt werden. Mir war es wichtig, mit echten Freunden in einer Band zu spielen, die man schon über Jahrzehnte hinweg kennt und weiß, wie sie ticken und wie leistungsfähig sie sind und sein wollen. Viele Bands in unserer Branche scheitern daran, weil sie warten, bis etwas passiert. Mit dem Zusammenstellen von fünf No-Names, die keiner kannte, war klar, dass niemand auch nur einen Finger rühren würde.

Alles, was wir erreichen wollen, müssen wir mit Qualität sowie Fleiß und doppelt so viel Arbeit erreichen. 2019 hat, glaube ich kaum eine deutsche Band so viel gespielt, wie wir.

Unser zweites Album Reflections war in über 50 “Album des Jahres-Listen“ von internationalen Hard’n’Heavy Magazinen. Es war ein brutales Jahr ohne eine Sekunde Freizeit für mich. Auf unserer Release Tour, die am 1. März losging, haben wir feststellen müssen, dass unser damaliger Sänger Zoran den Druck nicht mehr aushält. Wir haben uns dann einvernehmlich und ohne Streit bereits am 4. März, vier Tage nach dem Release, von ihm getrennt und leider vier Shows absagen müssen. Noch am gleichen Abend haben wir uns Steven Mageney von Crystal Ball ausgeliehen, um mit ihm die Tour zu beenden. Gleichzeitig haben wir angefangen, einen neuen Sänger zu suchen. Nach zwei kurzen Proben ging es direkt nach Norwegen zu einem ausverkauften Konzert in der Vulkan Arena in Oslo. Das war sehr spannend. Wir hatten eine großartige Zeit mit Steven, haben mehrere Festivals gespielt und eine großartige Tour zu Ende gespielt. Das Berauschendste daran war, dass die Fans sich keine Sekunde daran gestört hatten, dass da ein „Fremder“ singt.

Am 1. Mai haben wir dann Antonio Calanna, nach dem Anhören von 200 Demos, als unseren neuen Frontmann präsentiert. Antonio ist wesentlich jünger als wir, keiner kannte ihn, was Voraussetzung war und trotzdem kam er mit der Erfahrung von über 1000 Auftritten bei großen Musical-Produktionen, wie zum Beispiel Jesus Christ Superstar, Bat Out Of Hell oder Rock Of Ages zu uns. Antonio ist ein klasse Typ. Dem scheint 24 Stunden die Sonne aus dem Arsch und er hatte uns schon auf der Tour besucht und wir hatten uns alle gegenseitig ins Herz geschlossen.

Nach unserem ersten Konzert in der neuen Formation war die Plattenfirma so begeistert von uns, dass man uns bestimmt aber freundlich mitteilte, wir sollen doch bitte bis zum 1. Februar ein neues Album vorlegen. „Schluck!“ Man sollte dazu sagen, dass diese Aussage am 19. September auf uns einprasselte und wir noch eine zweiwöchige Tour, sowie zwei große Festivals in der Schweiz und Deutschland vor der Brust hatten. Ich muss gestehen, ich dachte, es wäre nicht möglich, weil ich den Anspruch habe, bei jedem Album stilistisch etwas zu verändern. Bei Phase Three war klar, dass sich einiges ändern müsste, um der Energie von Antonio gerecht zu werden.

Ich habe bereits auf Tournee überlegt, welche Stellschrauben ich verändern möchte. Ich bin dann zu dem Entschluss gekommen, dass ich statt einem 4-Saiter einen 5-Saiter nehme und die Gitarren auch massiv runtergestimmt werden müssten, um alle Songs etwas tiefer, düsterer und druckvoller rüberkommen zu lassen. Normalerweise, wenn ich schreibe, komponiere ich zuerst die Melodie und ordne ihr alles andere unter. Auf Phase Three habe ich mich zuerst auf Tempo und rhythmische Dynamik konzentriert und darauf die Melodien aufgebaut. Erstaunlicherweise war ich nach knapp zwei Wochen mit dem Album fertig. Zeitgleich hat Radivoj seine Riffs und Soli dazu geschrieben, sodass wir nach einigen Korrekturen noch eine ganze Woche zum Einstudieren hatten.

Im Studio angekommen, habe ich unseren Engineer und Mixer Patrick erst mal mit dem neuen Soundkonzept überrumpelt und ihm meine Sound-Ideen präsentiert. Das hat dann erst mal zu einem dezenten Schweißausbruch bei ihm geführt. Aber die Energie, der Druck und die Emotionen, die ich mit den Songs vermitteln wollte, sind vollständig auf der Platte zu hören. Ich muss ganz ohne Übertreibung sagen, so gut hätte ich die Platte nicht erwartet und ich bin zu 100 % zufrieden. Jede Melodie ist bockstark und funktioniert. Ich sehe keinen einzigen Füller-Song auf dem Album und die Resonanz von Fans und Presse sind bisher überragend. Das Schöne, wenn man mit Freunden in einer Band spielt, die man seit Jahrzehnten kennt, ist, man weiß genau, ob es ihnen gefällt, bevor sie es gehört haben. Daher ist es einfach nur befreiend mit diesen Jungs spielen zu dürfen und ein Label zu haben, welches uns sämtliche Freiheiten gibt.


Time For Metal / Peter H.:
DeVicious gelten unumwunden als Liveband. Es ist nicht unbedingt üblich, aber zumindest erstrebenswert, dass Bands nach dem neuesten Release auf Tour gehen, um ihr Album zu promoten und auch zu vermarkten. DeVicious selbst haben in der Vergangenheit unzählige Gigs gespielt und euer Plan war es sicherlich, Phase Three erneut auf diesem Wege in die Welt zu tragen und mit den Fans die neuen Songs abzufeiern. Die Corona-Pandemie hat nicht nur euch einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Ob und wann kleinere oder auch größere Veranstaltungen wieder in unser Leben zurückkehren werden, bleibt zum Zeitpunkt eine unbeantwortete Frage. Dennoch, eure Planungen und damit auch die ökonomischen Erwartungen an das Album und die Tour liegen derzeit erst mal auf Eis und hängen von Faktoren ab, die ihr nicht in der Hand habt. Welche konkreten Herausforderungen und Probleme ergeben sich nun für DeVicious, da eine mögliche Tour und bislang andere bestätigte Gigs zumindest bis 31.08.2020, und vermutlich darüber hinaus definitiv ausfallen werden. Gibt es einen Plan B für euch? Oder siehst Du generell auch Chancen in der jetzigen Situation, nicht nur für DeVicious, sondern auch darüber hinaus?

DeVicious / Alex Frey:
Einen Strich durch die Rechnung ist gut, mehr Vorschlaghammer direkt in die Eier. Nun gut, wir müssen jetzt damit umgehen und das Beste daraus machen. 2019 war bis auf zwei bis drei Ausnahmen niemand so viel unterwegs wie wir und das war schön und aufregend und auch finanziell erfolgreich.

Mit der Gefahr, die durch Corona über der Welt schwebt, muss man jetzt erst mal eine Weile leben und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Für uns bedeutet Corona, nicht live spielen zu können, auch wenn es erlaubt wäre. Wir haben alle Eltern im Alter der Risikogruppen und viele unserer Fans sind auch schon etwas reifer. Wie bewirbt man so ein Konzert oder eine Tour? Soll man die Leute dazu ermutigen sich in einen kleinen Club zu drängen? Soll man ignorieren, dass es Teile in der Bevölkerung gibt, die unter dem Virus schwer leiden müssen, gar ihr Leben verlieren? Wie soll ein vernünftiges Meet & Greet nach der Show vonstattengehen? „Fasst uns nicht an, nehmt Abstand, tragt eine Maske!!??“ Was, wenn sich einer von uns infiziert und wir uns im Nightliner alle anstecken? Dann sind wir alle potenzielle Bio-Waffen und stecken unsere Fans an.

Musik ist unser Beruf und auch extrem wichtig. Die Gesundheit unserer Fans geht aber vor! Wenn wir uns nicht sicher sein können, dass wir clean sind, müssen wir auch darauf verzichten uns um unsere Eltern zu kümmern. Würde jemand eine Pro- und Contra-Liste machen und zu dem Schluss kommen, dass Konzerte während einer Pandemie eine gute Idee sind, dann hätte ich gerne die Nummer von dessen Dealer.

DeVicious wird es dann wieder live geben, wenn es ein wirksames Medikament gibt, eine Impfung oder Herdenimmunität. Wir überlassen erst mal anderen Musikern das Feld. Wir werden aber versuchen durch einige, hoffentlich sinnvolle Aktionen, diverse Clubs sowie Musiker, die am Rande der Existenz angekommen sind, zu unterstützen.

Es hat sich bezüglich der Verkäufe ein interessanter Aspekt aufgemacht. Fans, die in der Regel warten bis zum Konzert, um dann eine CD oder LP von der Band zu kaufen, haben bereits vorbestellt, sodass das finanzielle Desaster ausgeblieben ist. Die LPs sind in unserem Shop bereits ausverkauft und es gibt nur noch wenige Exemplare bei den üblichen Verdächtigen bei Amazon und Co.

Jetzt kommt eben die Zeit, wo man Songs schreiben kann, ein paar Leidenschaftsprojekte ankurbelt und mal die Küche ordentlich putzt.

Time For Metal / Peter H.:
Ihr habt auf Phase Three zwölf neue Babys, die ihr sicherlich alle heiß und innig liebt. Jeder Song bringt dabei seine eigene Geschichte mit sich. Nicht nur lyrisch, sondern auch wegen der jeweils individuellen Geschichten, die einen Song in Unkenntnis der Öffentlichkeit ausmacht. Solltest Du dich für drei oder vier deiner Babys entscheiden müssen, welche wären es und warum genau diese? Und sag uns bitte auch, wie ihr es schaffen konntet, in so kurzer Zeit und trotz der vielen Gigs so kreativ und produktiv sein zu können.

DeVicious / Alex Frey:
Um Deine letzte Frage direkt mal aufzugreifen, wie bereits oben schon erwähnt, gab es wenig Zeit, aber das Songwriting ging eigentlich wie von selbst. Ein Grund dafür ist auch das permanente Live-Spielen. Das Adrenalin, welches einen beflügelt, hast Du noch einige Tage in den Knochen und damit geht alles etwas leichter.

Wer DeVicious kennt, der weiß, unsere Lieder sind in der Regel sehr lang. Die meisten Demos sind in der Regel sieben bis acht Minuten lang. Diese werden dann auf ca. fünf Minuten gekürzt, damit alle Lieder auch auf Vinyl passen. Drei Minuten Lieder wird es mit uns nicht geben. Mich nervt das, wenn ich eine CD kaufe, und die ist nach 30 Minuten durch. Wie willst Du denn mit zwei Sätzen pro Strophe eine Geschichte erzählen? Sorry, für mich ist das nichts. Wir versuchen, unsere Strophen immer doppelt so lange zu machen, um Platz für die Geschichte zu bekommen.

Außerdem sollte ein amtliches Hard Rock Lied auch ein amtliches Gitarrensolo haben, vor allem, wenn man einen Klampfer wie Radivoj Petrovic in seinen Reihen hat.

Firefly ist der Song, der mir persönlich am meisten am Herzen liegt. Er beschreibt das neue Bandfeeling nach zwei guten CDs und nach dem Zugewinn von Antonio. Wir haben begriffen, was unsere Musik für unsere Fans bedeutet und wir freuen uns, das machen zu dürfen, was uns Spaß macht. Der Song ist voller Härte, Spielfreude und Melodie und ist der Opener des Albums. Jeder, der unsere Platten kennt und diesen Song hört, wird sofort wissen, wo es lang geht. Im Übrigen hat unser Gitarrist Radivoj das Grundgerüst für Firefly geliefert, darum ist es auch der Gitarren lastigste Song auf dem Album.

Rising From A Thunder ist unser Funtrack auf Phase Three. Wir sind wirklich verwöhnt worden mit guten Reviews, aber manchmal bekommst Du auch eine auf die Nuss. Letztes Jahr gab es dann ein Review von einer bekannten Dame, die meinte, die Musik wäre perfekt, die Kompositionen geistreich und variabel, die Melodien am obersten Level, aber da sie von einer deutschen Band, die DeVicious heißt, ein Power Metal Album erwartet hätte, gibt sie uns nur 5 von 10 Punkten. Hätten wir einen anderen Bandnamen, gäbe sie uns 9 von 10 Punkten, weil die CD super wäre. Da ich mit Verlaub selten einen größeren Schwachsinn gelesen habe, habe ich mir erlaubt, einen Song zu schreiben, der genau diese Dame anspricht. Kurz erklärt, der Text handelt davon, dass wir genau das machen, was unser Herz verlangt. Manchmal verwenden wir Klischees und schreiben Texte, die leicht verdaulich sind, manchmal ist es etwas mehr verschlüsselt. Um dem Ganzen eine Krone aufzusetzen, haben wir den Song als Power Metal Version eingespielt, ohne dabei zu vergessen, wer wir sind. Das Label war so begeistert von dem Song, dass wir eine Singleauskopplung daraus gemacht haben.

Calling My Name ist mein persönlicher Lieblingssong auf dem Album. Nicht nur, weil er mit einem Bass-Intro anfängt und einen leicht progressiven Touch hat. Er erzählt die Geschichte eines guten Freundes, der einen massiven Absturz erlebt hat. Er kann sich vor Gläubigern nicht mehr retten und wenn er morgens aufwacht, sind sofort alle negativen Gedanken vom Vortag wieder präsent. Der Song sollte ihm Mut machen, was auch funktioniert hat. Ich wollte ihm zeigen, dass es immer weitergeht, auch wenn man glaubt, man wäre völlig hilflos. Mit der richtigen Einstellung, Mut und Kraft kann man sich auch aus den schlimmsten emotionalen Situationen befreien. Seine persönliche Geschichte wird gut ausgehen, genauso wie im Song.

Time For Metal / Peter H.:
Alex, mit Phase Three habt ihr in den letzten drei Jahren drei Alben rausgebracht. Eine äußerst respektable Schlagzahl, wie ich finde. Jedes Album für sich zementiert hierbei den jeweiligen Entwicklungsstand der Band. Ihr selbst, insbesondere aber Du, werdet in diesen Jahren eine Fortentwicklung genommen haben, die es sicher wert ist, zu beleuchten. Die Besetzung, euer Stil, die Arrangements, das Songwriting, das Coverdesign und auch euer direktes Umfeld, wie Label und Distribution haben sich sicher mitentwickelt. Wenn man versuchen würde, es im Bild eines Rezepts beschreiben zu müssen, was genau waren die Zutaten und welche handwerklichen Fähigkeiten und Prozesse führten schlussendlich zu diesem Gericht, oder besser gesagt zu DeVicious, wie wir die Band heute kennen.

DeVicious / Alex Frey:
Ich denke, für jede Band ist das anders. Bei uns gab es eine geheime Zutat, die für die meisten nicht zu bekommen ist. Wir waren bis zum Release des ersten Albums, wie oben erwähnt, alle unbeschriebene Blätter. Wir haben nicht in Tausend Bands gespielt und Erfolg und Niederlagen einstecken müssen, wie die meisten anderen Musiker in unserer Branche. Wir hatten noch keine schlechten Erfahrungen mit der Musikszene gemacht. Für uns war alles neu, spannend und wir wollten alles ausprobieren.

Gigs, die keiner spielen wollte, haben wir gespielt und das Publikum hat es uns gedankt. Experimente, die in der Szene verpönt sind, weil dort alles nach straffen und langweiligen Mustern abläuft, haben wir erfolgreich abgeschlossen. Wir sind an die Sache mit viel Liebe, Freude und Idealismus rangegangen und haben es geschafft, bereits im ersten Jahr mit Top Bands wie Hardline oder Ammunition auf Tour zu gehen. Den Bookern hat gefallen, dass wir unkompliziert sind und bereit waren „Scheiße zu fressen“, ohne dass wir uns unter Wert verkauft hätten. Wer uns gebucht hatte, wusste, wir nutzen alle möglichen Mittel, um den Gig zu bewerben. Sie wussten, wir würden um jedes einzelne Ticket kämpfen. Natürlich sind am Anfang erst mal sehr wenig Leute gekommen, aber die Veranstalter wollten trotzdem mit uns weiterarbeiten.

Mit so viel Rückenwind der Veranstaltungsbranche, den Fans und guten Kritiken, sowie sehr guten Verkäufen, geht alles einfacher. Die richtig schlechten Erfahrungen werden wir gewiss noch machen. Unser Label Metalapolis unterstützt uns in fast allen Entscheidungen, uns quatscht keiner in die Musik und wir werden wie Freunde behandelt und nicht wie Geschäftspartner. All das trägt zu dem Rezept bei, dass wir unbeschwert musizieren dürfen.

Time For Metal / Peter H.:
Abschließend möchte ich nochmals auf den Grund unseres Kennenlernens eingehen, die Auseinandersetzung mit der Corona-Pandemie. Ich weiß zwischenzeitlich, dass Du dich damit sehr intensiv auseinandersetzt und privat für ältere Menschen in diesen Zeiten in vielfältiger Weise da bist. Wie Du weißt, hat Time For Metal während der der Corona-Pandemie aktuell eine Kolumne aufgesetzt, in der wir Musiker, Bands, Clubs und Veranstalter zu Wort kommen lassen. Lass uns diese Möglichkeit jetzt ebenfalls nutzen, deinen Betrag hierzu zu hören, gerne auch sehr subjektiv.

DeVicious / Alex Frey:
Wir haben in einem online Bandmeeting innerhalb von wenigen Sekunden die Entscheidung getroffen, keine Konzerte zu spielen, solange das Virus nicht vollständig eingedämmt bzw. ausgerottet ist. Würde nur ein Todesfall aus einem unserer Konzerte resultieren, direkt oder indirekt, wäre es das nicht wert. Wir beschweren uns nicht, es ist, wie es ist und vielen Menschen geht es schlechter als uns. Sie müssen ums nackte Überleben, gesundheitlich sowie wirtschaftlich, kämpfen. Wir fühlen uns verpflichtet denen zu helfen, denen es jetzt schlechter geht. Daher beteiligen wir uns an vielen Hilfsprojekten, regional sowie überregional, spenden einen Teil der CD-Einnahmen und versuchen uns in unserem Umfeld sozial zu engagieren.

Time For Metal / Peter H.:
Lieber Alex, es waren nur fünf Fragen, dafür aber fünf gewaltige und sehr aussagekräftige Antworten. Herzlichen Dank dafür und für Deine Zeit! Zu guter Letzt, liegt Dir noch etwas auf dem Herzen, was Du unseren Lesern gerne mit auf den Weg geben möchtest? Gibt es Personen, denen Du einen ganz besonderen Dank aussprechen möchtest?

DeVicious / Alex:
Es gibt so viele Menschen, denen ich dankbar bin. Ich möchte niemanden vergessen und darum versuche ich es erst gar nicht. Ich bin aber sehr froh mit Lars, Rads, Denis und Antonio in einer Band spielen zu dürfen. Ich bin unbeschreiblich dankbar für alles, was wir uns gegenseitig ermöglichen. Danke für das angenehme Interview und die Zeit mit Dir, hat mir echt viel Spaß gemacht.

Phase Three ist ab 08.05.2020 als Limited Digipak Edition sowie auf Vinyl hier zu erwerben.

Diskografie:

2018: Never Say Never (Pride & Joy Music)
2019: Reflections (Metalapolis)
2020: Phase Three (Metalapolis)

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