Behind The Mask - Dokumentation

Megadeth – Behind The Mask (Kinofilm)

22./24.01.2026 - Trafalgar Releasing - ca. 110 Minuten

Kurz vor dem Release des aktuellen und leider letzten Megadeth-Albums gibt es im Januar 2026 weltweit in diversen Kinos mit Behind The Mask ein sogenanntes „First Listen“-Event, also eine Vorstellung des aktuellen Albums, welches auf die Leinwand projiziert einen kleinen Vorgeschmack auf ebenjene selbst betitelte Scheibe bieten soll. Klar, das gibt ordentlichen Promo-Wind und hilft, die Verkäufe anzukurbeln, und so bretzeln auch wir uns mit einem Bierchen bequem in die Kinosessel des empfehlenswerten Astor-Kinos in Hannover und harren der Dinge, die da kommen.

Starke in Musik in uninspirierter Verpackung

Neben dem neuen Album ist klar, dass Dave Mustaine den zweiten Protagonisten des Abends darstellt, jene gehasste und vergötterte Thrash-Metal-Leitfigur, die eine Hälfte der Szene regelmäßig verärgert und die andere zu Jubelschreien animiert. Der Clip des Album-Openers Tipping Point rauscht über die Leinwand, man sortiert während des Songs den Sound, der über das Kino-Soundsystem weniger direkt, aber durchaus dynamisch daherkommt. Dann erscheint Dave, der – gezeichnet von einigen Alterserscheinungen – im Megadeth-Headquarter oder in einer mit allerlei Megadeth-Andenken geschmückten Kulisse sitzt und anfängt, vor sich hin zu labern. Und das erklärt eigentlich schon den ganzen Plot. So folgt Song auf Song in der Albumreihenfolge, und zwischendurch versucht sich Herr Mustaine daran, aus dem nebulösen Nähkästchen zu plaudern. Und wie er nun mal ist, fällt es einem nicht wirklich leicht, zu folgen. Oftmals verliert er den Faden oder fängt Geschichten an, nur um dann die Pointe bzw. den Schlusspunkt zu vergessen. Anfänglich etwas anstrengend, gewöhnt man sich aber nach einer Weile irgendwie daran.

Er blättert dabei in einer Mappe mit allen Album-Covern der 40-jährigen Bandgeschichte und erzählt hier und da sogar mal etwas Interessantes, wie z. B., dass man mit einer Strafzahlung rechnen kann, wenn man den Bandnamen falsch abdruckt, und lässt dabei auch nicht unbedingt immer ein gutes Haar an den Bandkollegen, deren Namen er immer mal wieder in den Ring wirft und die man schon erst einmal im Kopf sortieren muss, wenn man nicht alle Line-Ups (und das waren schon so einige) der Bandkarriere auswendig kennt. Da das Album Ride The Lightning von Metallicas Zweitwerk enthält, kommt er natürlich auch darauf zu sprechen und erzählt, welch wichtiges Anliegen es war, dieses als Schlusspunkt unter Megadeths Laufbahn zu setzen. Und das glaubt man ihm durchaus.

Nach jedem kurzen verbalen Erguss folgt ein weiterer Song der Platte, wobei es sich meist nicht um professionelle Clips handelt, sondern um teilweise erschreckend lieblos zusammengestellte Musikuntermalungen, die sogar ein Blinder auf dem Handy in der Hosentasche hätte basteln können. Keine Ahnung, wie man sich traut, so etwas auf die Kinoleinwand zu bringen. Klar, es geht hier hauptsächlich um die Musik, die uns in unserem Review auch wirklich gut gefallen hat, aber das Ganze ist ausschließlich für Die-Hard-Freaks der Band geeignet, die die letzten Stunden bis zum Albumrelease nicht mehr abwarten können.

Und so ist es zwar ein unterhaltsamer Abend, der bis auf ein bisschen rhythmisches Kopfnicken von einigen Zuschauern keine Begeisterungsstürme lostritt, aber immerhin am Ende vereinzeltes Klatschen auslöst.

Bislang ist nicht klar, ob und in welchem Format der Film außerhalb des Kinos zu sehen sein wird. Dass er als Stream oder auf einer Bonus-DVD einer Super-Duper-Album-Neuauflage kommen könnte, ist aber durchaus vorstellbar.

Megadeth – Behind The Mask (Kinofilm)
Fazit zu Behind The Mask
Ein quatschender alter Mann, unterbrochen von starken Songs, macht Behind The Mask zu einem zweischneidigen Erlebnis. Einerseits perfekte musikalische Unterhaltung, dargeboten in nachlässig gestalteter visueller Verpackung, andererseits das Mustaine’sche Genuschel, das keine wirklich nennenswerten neuen Erkenntnisse bietet. Wer die zweitägigen Kino-Events verpasst hat, sollte nicht traurig sein, sondern sich lieber mit dem neuen Album trösten.
Matthias W.
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